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Autor Thema: Strahlenspürgerät TTL6109A  (Gelesen 571 mal)

DL3HRT

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Strahlenspürgerät TTL6109A
« am: 09. September 2018, 17:31 »
Das Strahlenspürgerät TTL6109A wurde bei der Bundeswehr und im Zivilschutz eingesetzt. Es wurde Anfang der 1960er Jahre entwickelt und ist ein Relikt des kalten Krieges. Das kommt schon durch die Wahl der Messbereiche zum Ausdruck. Der empfindlichste Messbereich hat einen Skalenendwert von 0.5R/h = 100mSv/h. Selbst mit einem großen Brocken Pechblende kann man dem Gerät keinen Zeigerausschlag entlocken. Man kann sagen, dass der Betrieb des Geräts einen Nuklearschlag oder einen massiven Störfall in einem Kernkraftwerk voraussetzt.

Das Gerät arbeitet mit zwei Ionisationskammern als Detektor. Es kann in einem Alarmmodus betrieben werden. Dann wird Alarm nach einer kumulierten Dosis von 0.1R = 1mSv ausgelöst. Im Messmodus erfolgt die Anzeige der Dosisleistung mittels des Zeigerinstruments.

Die technischen Unterlagen zum Gerät finden sich unter folgendem Link:
https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/BBK/DE/FIS/DownloadsDigitalisierteMedien/Technische%20Unterlagen/Strahlenspuergeraet_TTL6109A.html

So gesehen ist das Gerät aufgrund seiner Messbereiche für "normale" Anwendung denkbar ungeeignet, wäre da nicht der eingebaute Teststrahler. Dieser ist ungewöhnlich, handelt es sich doch um einen reinen Betastrahler auf Basis von Kohlenstoff-14. Im Handbuch wird dessen Aktivität mit 60µCi angegeben, was 2.22MBq entspricht. Auf den ersten Blick ein erschreckend hoher Wert, wäre da nicht die Freigrenze gemäß Anlage III der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV), die für C-14 1*10^7Bq = 10MBq beträgt. Der Teststrahler ist somit ein Freigrenzenpräparat!

Die hohe Freigrenze kommt von der niedrigen Energie der beim C-14 Betazerfall freigesetzten Elektronen. Deren maximale Energie beträgt 156keV und die mittlere Energie nur 49keV.

Bringt man den Teststrahler vor ein russisches SBM-20 Zählrohr, so passiert überhaupt nichts. Die Elektronen werden in der Metallwandung des Zählrohrs absorbiert, ohne dass sie einen Impuls auslösen. Man benötigt schon ein Fensterzählrohr wie z.B. das russische SBT-10, um niedrigenergetische Elektronen nachzuweisen. Bei Verwendung eines SBT-10 macht sich die Aktivität des Teststrahlers dann auch überdeutlich bemerkbar.



DG0MG

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Re: Strahlenspürgerät TTL6109A
« Antwort #1 am: 12. Februar 2020, 13:40 »
In [1] aus 1960 (DDR-Buch!) wird ein Strahlenspürgerät mit der Bundeswehr-Versorgungsnummer 6665-12-120-5507 beschrieben. Das sieht rein optisch zumindest wie das TTL6109A aus. Es soll auch eine zivile Version "TOTAL 6110 Monimeter" gegeben haben.

Die Versorgungsnummer des TTL6109A ist nach [2] eine andere:  6665-12-130-6621 und die Tasche 6665-12-131-3119 (stimmt, steht im Deckel, auf den Fotos zu sehen) von 1963.

Dabei ist im Buch von ZWEI Ionisationskammern die Rede, auf den Fotos kann ich die nicht erkennen. Außer der silberne Zylinder ist vielleicht die kleine Kammer?


[1] Kurt Langhans: "Kernstrahlungsmessgeräte", 2. Auflage, Deutscher Militärverlag, Berlin 1960
[2] https://www.wehrmaterial.com/strahlenspuergeraet-total-6109-a/

DL3HRT

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Re: Strahlenspürgerät TTL6109A
« Antwort #2 am: 12. Februar 2020, 17:32 »
Zitat
Dabei ist im Buch von ZWEI Ionisationskammern die Rede, auf den Fotos kann ich die nicht erkennen. Außer der silberne Zylinder ist vielleicht die kleine Kammer?
Die kleine Kammer ist in der großen integriert, was in den Fotos nicht gut zu sehen ist.

DG0MG

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Re: Strahlenspürgerät TTL6109A
« Antwort #3 am: 12. Februar 2020, 17:38 »
Zitat
Die kleiner Kammer ist in der großen integriert, was in den Fotos nicht gut zu sehen ist.

Aha, wer lesen kann, ist klar im Vorteil :blush:

Gut, das wird diese "Ausbuchtung" nach innen rechts unten sein, das hätte ich jetzt tatsächlich nicht als zweite Kammer angeschaut.
Wenn man das jetzt weiß, dann wird auch klar, warum die Grafik im Buchscan der Seite 254 (drittes Beitragsbild) mit (5) beschriftet auf "IonisationskammerN" (also Mehrzahl) zeigt.