☢ geigerzaehlerforum.de ☢

Autor Thema: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf  (Gelesen 153 mal)

Reinhold

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 5
Meldung am 16.07.2019
https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/radioaktives-gefaess-auf-flohmarkt-in-wehrheim-aufgetaucht-16288225.html
Interessant ist, dass es sich nicht um die bekannten Uranglasuren oder um Urangläser handelt, sondern um radiumhaltige Material.

DG0MG

  • Administrator
  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 364
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #1 am: 17. Juli 2019, 08:16 »
Das Qualitätsmedium "TAG24" hat ein Bild des Bechers:


Die haben auch eine Angabe zur Aktivität:

"In einem Abstand von einem Meter sei die Strahlung fünf Mal so hoch wie die natürliche Umgebungsstrahlung."

Das wären 0,15 µSv/h * 5 = 0,75 µSv/h

Spielt man eine wenig mit den Werten im Strahlungsrechner kommt man auf etwa 2.7 MBq (Ra-226) und kann dann auch ausrechnen, was der GZ anzeigen würde, wenn man ihn nahe ans Gefäß hält:
In 5 cm Entfernung 305 µSv/h.

DL3HRT

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 276
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #2 am: 17. Juli 2019, 09:34 »
Diese Becher oder auch sogenannte Radium-Emanatoren tauchen immer wieder bei ebay.com auf. Oft werden sie von Verkäufern aus Deutschland für sehr viel Geld angeboten. Denen ist schon klar, das diese Objekte hier nicht gehandelt werden dürfen.

Aktuell ein Angebot aus den USA für recht wenig Geld: https://www.ebay.com/itm/163777500467

Mich würde die technische Umsetzung interessieren. Das Radium muss in unlöslicher Form in einer porösen Matrix deponiert werden, damit das gebildete Radon in das Wasser gelangt.


 

DG0MG

  • Administrator
  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 364
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #3 am: 17. Juli 2019, 10:47 »
Wahrscheinlich ist es aber besser, sowas nicht zu kaufen, wenn ich mir diesen Artikel durchlese:


".. einen Radium-Trinkbecher über den Internet-Dienst eBay gekauft hatte. Die Behörden in Münster in Nordrhein-Westfalen erfuhren von diesem Geschäft, ermittelten Namen und Anschrift des Käufers und verständigten die Strahlenschutzbehörde in Kiel. Diese stellte den Becher in der Wohnung des Käufers sicher."

Das kann also mächtig Ärger geben!
« Letzte Änderung: 29. Juli 2019, 10:14 von DG0MG »

DL3HRT

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 276
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #4 am: 17. Juli 2019, 13:35 »
Deshalb würde ich so ein Teil auch nie kaufen. Mich interessiert nur die technische Umsetzung.

Schon krass, im Nachhinein betrachtet,  welche Wunderwirkung dem Radium damals zugeschrieben wurde.

DG0MG

  • Administrator
  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 364
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #5 am: 17. Juli 2019, 13:43 »
Auch nicht VERkaufen:

Das "Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg" führt in einer jährlichen Liste die radiologisch relevanten besonderen Vorkommnisse auf:


Fall Nr. 28 in 2014 war ein

"Fund eines Radium-Emanators des Typs "Lukator" (sog. "Radiumbecher", Aufschrift: 5000 Mache-Einheiten pro Tag ≈ einige hundert kBq Ra-226++) bei einer Privatperson (Verkaufsversuch über eine Internet-Auktion)"

Das Wort "Verkaufsversuch" könnte man so interpretieren, dass die Auktion angezeigt und dann noch vor dem Verkauf abgebrochen wurde.

DG0JN

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 93
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #6 am: 17. Juli 2019, 21:20 »
Und Fall 3 der Liste ist ja auch so ein Teil. Es muß also wirklich die Teile reichlich gegeben haben. Dabei sollte man auch die Belegschaft der Produktionsbetriebe nicht vergessen, die die Teile zu Hunderten neu hergestellt haben. Da müssen damals ja auch genügend Rohstoffe gelagert worden sein.

Und heute macht man aus einem Becher einen Katastrophenfall. So ändern sich die Zeiten.

DG0MG

  • Administrator
  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 364
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #7 am: 29. Juli 2019, 10:09 »
Mich interessiert nur die technische Umsetzung.

In [1] steht auf Seite 13 in einem Garantieschein zu einem RadiumBecher:

"Der RADON-Becher Nr. 32447 enthält in dichtem Drahtgewebe fest umschlossen, ein wasserunlösliches Radium-Präparat, das mit einer Halbwertszeit von 1600 Jahren eine Dauerleistung hergibt, von .."

und auf Seite 3:

"Sie enthalten Radium in nicht wasserlöslicher Form, das in umhüllendes Wasser Radon abgibt."

Das klingt für mich so, als ob das Salz in direkten Kontakt mit Wasser kommt.
Um was für eine Verbindung es sich genau handelt, hab ich noch nicht gefunden. In [2] ist in einem anderen Zusammenhang aber auch von wässrigen Lösungen die Rede - nicht alle Radiumsalze dürften sich also gleichermaßen geeignet haben. Radiumchlorid und -bromid werden als löslich und hygroskopisch beschrieben, um die dürfte es sich also nicht handeln. In [3] steht, die Löslichkeit von Radiumsulfat ist 100mal geringer, das dürfte aber auch noch nicht als "unlöslich" gelten.


pangeiger

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 51
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #8 am: 29. Juli 2019, 12:33 »
Also wenn ich es recht verstehe, ist das Radium (das Radon emittiert)verkapselt / versiegelt im Becher eingelassen:

https://feuerwehrverband-wetzlar.de/index.php/der-verband/aktuelles-vom-verband/159-radiumtrinkbecher-radiumbecher-radium-emanations-apparat

DG0MG

  • Administrator
  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 364
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #9 am: 29. Juli 2019, 12:56 »
Also wenn ich es recht verstehe, ist das Radium (das Radon emittiert)verkapselt / versiegelt im Becher eingelassen:

https://feuerwehrverband-wetzlar.de/index.php/der-verband/aktuelles-vom-verband/159-radiumtrinkbecher-radiumbecher-radium-emanations-apparat

Naja, richtig "versiegelt" kanns nicht sein, denn es soll ja das im Becher befindliche Wasser mit Radon anreichern und das muss irgendwie aus der "Kapsel" rauskommen. Man findet eben immer nur so allgemeines Blabla "Radiumsalze", "in gebundener Form" ..
Deswegen ist der Hinweis, dass das Salz in einem Drahtgeflecht (vielleicht wie ein kleines Teesieb?) liegt, doch wichtig. Daraus schlussfolgernd, dass das Wasser direkten Kontakt mit dem Salz hat, darf es keines sein, das sich im Wasser löst, sonst wäre es ruckzug alle. Und der Wassertrinker schneller tot.

DL3HRT

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 276
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #10 am: 29. Juli 2019, 13:38 »
Habe nachfolgendes Foto im Internet gefunden:


Das Radium befindet sich in dem blau erscheinenden Zylinder mit zentraler Bohrung. Vielleicht handelt es sich um Keramik, welche so porös ist, dasa Radon durchgelassen wird, ohne dass Wasser nach innen gelangt.


[edit DG0MG: fremde Bilder bitte nicht hotlinken.]
« Letzte Änderung: 29. Juli 2019, 13:52 von DG0MG »

DL3HRT

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 276
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #11 am: 29. Juli 2019, 13:51 »
Bei den Amerikanern liefen die Radiumemanatoren unter der Bezeichnung "Revigator". Unter dieser Bezeichnung tauchen sie recht häufig bei ebay.com auf. Als Strahlenquelle wurde Carnotit - ein Uranmineral verwendet.

DG0MG

  • Administrator
  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 364
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #12 am: 15. August 2019, 16:25 »
Habe nachfolgendes Foto im Internet gefunden:
Das Radium befindet sich in dem blau erscheinenden Zylinder mit zentraler Bohrung. Vielleicht handelt es sich um Keramik, welche so porös ist, dasa Radon durchgelassen wird, ohne dass Wasser nach innen gelangt.

Ja, auf einer anderen Seite der gleichen Domain steht:

"The internal source (removed from this example) was a white ceramic cylinder."

Also ein weißer Keramikzylinder.


DG0MG

  • Administrator
  • Sr. Member
  • *****
  • Beiträge: 364
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #13 am: 16. August 2019, 10:33 »
Diese Becher oder auch sogenannte Radium-Emanatoren tauchen immer wieder bei ebay.com auf.

Hier ein kürzlich verkaufter "Radium-Emanations-Apparat" aus OE: https://www.ebay.de/itm/123823396993.

Vielleicht sollte jeder für sich schonmal überlegen, wie er reagieren würde, wenn er so ein Ding Sonntagmorgen auf einem gutbesuchten Flohmarkt findet. Entweder das Ding springt optisch schon so ins Auge, weil vielleicht auf Hochglanz poliert, oder der Radiation Pager am Gürtel spricht schon von weitem an.

Was würdet Ihr tun?


pangeiger

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 51
Re: FAZ: Strahlender Becher: Gefährlicher Flohmarktkauf
« Antwort #14 am: 16. August 2019, 10:51 »
Kaufen :yahoo: