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Umfrage

Was wäre Dein Favorit?

Betastrahlungsquelle
Busbahnhof Oranienburg
NORM-Anhaftungen
Papiertaschentuch mit I-131
Ra-226-"D"
Fünf Flugzeuginstrumente
Loch-Tresor
Betonbruch
Gasglühstrumpf

Autor Thema: monatlich radioaktive Fundstücke  (Gelesen 619 mal)

DG0MG

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monatlich radioaktive Fundstücke
« am: 30. Juli 2019, 10:01 »
Die Firma NCC (Nuclear Control & Consulting GmbH) - offenbar aus Leipzig - tut etwas aus public-relation-Sicht grundsätzlich sehr Sinnvolles: Sie berichtet regelmäßig von ihrer Arbeit. Sie stellt monatlich ein radioaktives Fundstück vor - vielleicht auch, um Besucher auf die Seite zu locken. Ich will das Vorhaben mal unterstützen, indem ich es hier verlinke:  ;D


Allerdings sehe ich dabei noch Verbesserungspotential, denn nur mit den Fotos fühlt man sich doch recht allein gelassen. Sie wecken zwar Interesse, aber die Neugier wird ja nirgendwo befriedigt - und so klickt man recht schnell wieder weg. Ein paar Worte mehr wären schön: Wo (wenigstens ungefähr) wurde denn das Objekt gefunden, gibt es eine Geschichte dahinter (Flohmarktfund , Erbstück ..) ? Welche Strahlungswerte wurden - mit welchem Messgerät 8) - gemessen? Welche Schlüsse wurden gezogen? Ein Radium-"D", ein Kernbohrungs-Tresor, ein undefinierter Beta-Strahler (wozu ist der?)

Mensch, da kann man doch ohne großen Aufwand erheblich mehr draus machen!

Die Wahl zum "Fundstück des Jahres" verspricht mehr Informationen - aber natürlich nur zum "Gewinner". Mich würde interessieren, wieviel "Stimmen" im Februar abgegeben wurden - scheinbar gabs bisher keinen Gewinner. Wir können die Abstimmung ja hier durchführen   :P

Ich hätte einen Favoriten, zu dem ich mehr wissen wöllte!
Klickt in der Umfrage oben den Eurigen an, vielleicht wirds erhört ..  :blush:


Da die älteren Beiträge offenbar aus der Übersicht herausrutschen, verlinke ich die hier mal zum schnelleren Wiederfinden:

2018

2019
« Letzte Änderung: 14. November 2019, 16:12 von DG0MG »

DL3HRT

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Re: monatlich radioaktive Fundstücke
« Antwort #1 am: 30. Juli 2019, 11:09 »
Das I-131 Präparat muss aus einem Labor o.ä. stammen, da die HWZ sehr kurz ist.

Mich interessiert die Betaquelle (habe soeben abgestimmt). Das scheint eine Art Überspannungableiter zu sein. Durch die Vorionisation wird das Zündverhalten verbessert. In der Schweiz wurde früher beispielsweise ein Blitzschutz mit Americium-241 als Alphastrahler verwendet.

Aufgrund der Größe und der Tatsache, dass es sich um einen Betastrahler handelt, gehe ich von einer recht hohen Aktivität aus. Mein Tipp: > 100 kBq

DL3HRT

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Re: monatlich radioaktive Fundstücke
« Antwort #2 am: 30. Juli 2019, 11:32 »
Ich muss mich revidieren, ein Überspannungsableiter ist das nicht. Schließlich führen von zwei Seiten Hochdruckleitungen weg. Der Porzellanisolator weist entweder auf eine hohe Spannung hin oder aber auf eine Messelektrode die gut isoliert werden muss.

Vielleicht handelt es sich um eine Ionisationskammer, durch die ein Gas geleitet wird, welches auf Verunreinigungen untersucht wird?

DG0MG

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Re: monatlich radioaktive Fundstücke
« Antwort #3 am: 30. Juli 2019, 11:54 »
Mich interessiert der "Tresor". Das sieht doch sehr konspirativ und selbstgebaut aus, wenn man im ersten Moment denkt, der "Tresor" wäre ebenfalls ein röhrenförmiges Gebilde, das das Loch nach hinten weiter fortsetzt. Ich frage mich auch, was das für eine dicke Wand ist? Die davorliegenden Steine sind scheinbar Kalksandsteine neuerer Art und das Loch bis zum Deckel wurde mit einer Kernbohrmaschine hergestellt. Es sieht aber nicht so aus, als wäre der Deckel rund und man könnte ihn durch das Loch herausnehmen? Sogar der Schlüssel steckt noch - sauber beschriftet mit Anhänger.
Und überhaupt: *SO* eine Ecke im Zimmer, sogar die Scheuerleiste wurde auf dem Parkett um die Ecke verlegt? Ist da vielleicht ein ganzer Schrank dahinter, den man einfach eingemauert hat?
Irgendwann später, vielleicht bei Umbaumaßnahmen, wollte jemand wissen, was ist hinter dieser Ecke, macht eine Kernbohrung, sieht das Radioaktivitäts-Symbol und bekommt erstmal Muffensausen?

Viel Raum für Spekulationen.

DG0JN

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Re: monatlich radioaktive Fundstücke
« Antwort #4 am: 30. Juli 2019, 23:09 »
Vom Link "Beitrag anzeigen" fühlt man sich etwas verulkt, denn hierdurch hat man auch keinen Hinzugewinn an Wissen. Von einer Fachfirma erwarte ich auch unter Beachtung der DSGVO etwas mehr an Sachinformation, ansonsten kann man das auch lassen.

DG0MG

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Re: monatlich radioaktive Fundstücke
« Antwort #5 am: 03. August 2019, 10:36 »
Das I-131 Präparat muss aus einem Labor o.ä. stammen, da die HWZ sehr kurz ist.

Ja, ~8 Tage.
Aber in einer radiologischen Therapieeinrichtung sollten die Arbeitsabläufe doch so eingefahren sein, dass soetwas nicht passiert.

Ich wollt schon sagen, dasselbe Zeug hatten wir doch schonmal bei dem Spielkartenbetrug, aber das war J-125 mit 60 Tagen HWZ, ebenfalls medizinisch genutzt.

In DL gibt es ~120 Therapieeinrichtungen, die ~50.000 Behandlungen jährlich durchführen. [1]
Da muss ja auch eine ganz schöne Transportlogistik von den Reaktoren bis zu den Therapieeinrichtungen existieren, denn lange lagern kann man ja nicht. Dennoch hab ich noch nie ein Auto mit einem "radioaktiv"-Gefahrgutzeichen auf der Autobahn oder so gesehen.


DL3HRT

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Re: monatlich radioaktive Fundstücke
« Antwort #6 am: 03. August 2019, 13:24 »
Zitat
Da muss ja auch eine ganz schöne Transportlogistik von den Reaktoren bis zu den Therapieeinrichtungen existieren, denn lange lagern kann man ja nicht. Dennoch hab ich noch nie ein Auto mit einem "radioaktiv"-Gefahrgutzeichen auf der Autobahn oder so gesehen.
Möglicherweise sind die nicht so auffällig gekennzeichnet, damit man sie auf den ersten Blick nicht als solche erkennt? Man könnte mit den transportierten Radionukliden auch einigen Unfug anrichten.

Iod-131 zur Therapie geht ja noch mit seiner HWZ. Schwieriger ist es da schon mit der Versorgung von Technetium-99. Das wird aus Nuklidgeneratoren auf Basis von Molybdän-99 gewonnen, welches eine HWZ von lediglich 66 Stunden hat. Da Technetium-99 sehr häufig eingesetzt wird, muss es auch eine ausgefeilte Transportlogistik geben. Ich könnte mir vorstellen, dass man das mit Medikamententransporten verknüpft.

DG0MG

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Re: monatlich radioaktive Fundstücke
« Antwort #7 am: 09. August 2019, 10:43 »
Möglicherweise sind die nicht so auffällig gekennzeichnet, damit man sie auf den ersten Blick nicht als solche erkennt?
[..] Transportlogistik geben. Ich könnte mir vorstellen, dass man das mit Medikamententransporten verknüpft.

Glaube ich nicht, das wird komplett extra gehen. Für Gefahrguttransporte braucht der Fahrer einen "ADR-Schein" [2].
Ein Feuerwehrchef, den ich mal auf das Thema angesprochen habe, sagte, er alarmiert den ABC-Zug, wenn am verunfallten Auto ein passendes Schild ist. Die 'normalen' Feuerwehrleute selbst, die erstmal zu einem Unfall auf die nahegelegene Autobahn ausrücken, haben keinerlei Strahlungsmessgeräte oder ODL-Warner dabei. Das Gefahrgutschild kann also für eine Reihe von Personen vor Ort lebenswichtig sein.  Das MUSS auffällig und sichtbar sein.

In [1] steht: ".. Somit kauft eine Klinik oder Praxis für Nuklearmedizin mindestens einen solchen Generator pro Woche oder mehrere in gestaffelter Form. "

Hier sieht man so einen Technetium-Generator von innen:




DG0MG

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Re: monatlich radioaktive Fundstücke
« Antwort #8 am: 02. September 2019, 22:33 »
Der geübte DDR-Bürger weiß, was gemeint ist: :biene


Diesmal erfahren wir nämlich vorbildlicherweise, um was es sich handelt - um einen "Vereisungsmelder" aus einem Flugzeug:


Das Landesumweltamt Brandenburg gibt in einer Publikation aus 1996 nähere Informationen [1].

Die Beta-Strahlenquelle BIS-4 AN ist Bestandteil von Vereisungsmelde- und Steuerungseinrichtungen
der Typen RIO-2, RIO-2 M, RIO-3 und RIO-3A an Luftfahrzeugen.

Nuklid     Strontium-90 und Yttrium-90
Aktivität  92,5 * 107 Bq
HWZ        29,12 Jahre
Aufbau     In Zeolith eingebettet in einem Metallpassteil
Maße       10,2 mm Durchm., 12 mm Länge


925 MBq!  :o

Wie wird ein Vereisungsmelder technisch funktionieren?



Offenbar so ähnlich, wie die Füllstandssensoren in Silos.
Der Strahler ragt rechtwinklig von der Außenhaut ab und wird beheizt, damit er selber nicht vereist. Parallel zum Flugzeugkörper befindet sich ein Zählrohr, dessen gelieferte Impulsrate bei Vereisung absinkt. Die Stärke der Absenkung ist ein Maß für die Vereisung, je mehr Eis, desto weniger Pulse.

k.A. ob man das so erklären kann, aber mir erscheint das schlüssig.

[1] https://lfu.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/i_bd12.pdf, S. 10f.


emanator

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Re: monatlich radioaktive Fundstücke
« Antwort #9 am: 06. November 2019, 09:35 »
Die Publikation vom LfU ist ja der Hit !

Für mich spannender als jeder Krimi  ;D

Danke dafür

DG0MG

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Re: monatlich radioaktive Fundstücke
« Antwort #10 am: 14. November 2019, 16:31 »
Ein unförmiges Metallteil mit mehr als 2 mSv/h im Nahfeld - ich kanns nicht deuten, was das gewesen sein könnte: