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Autor Thema: Ein nettes Spielzeug  (Gelesen 457 mal)

DL3HRT

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Ein nettes Spielzeug
« am: 24. September 2019, 17:49 »
Sucht man bei Ebay nach "Darsonval" oder "HF-Stab", so erhält man eine Reihe von Treffern aus dem Beauty-Bereich mit Preisen ab 20 Euro. Es handelt sich dabei um einen Hochspannungsgenerator mit austauschbaren Glaselektroden. Diese Glaselektroden sind entweder mit Neon (Orange) oder Argon (Violett) gefüllt. In der Regel werden die preiswerten Geräte mit 4 Neon-Elektroden geliefert.

Das Innenleben ist ziemlich übersichtlich. Über ein Potentiometer lässt sich das Gerät einschalten und die Leistung einstellen. Ein Thyristor (Philips BT151) wird über eine Taktgeber angesteuert und zerhackt ziemlich brutal die Netzspannung. Die getaktete Spannung wird einem Hochspannungstransformator zugeführt, der sich im vorderen Teil des Gehäuses eingegossen ist.

Die Elektroden sind an dem Ende außen metallisiert, mit dem sie in das Gerät eingesteckt werden. Die Energie wird kapazitiv übertragen. Schaltet man das Gerät ein und erhöht ein wenig die Leistung, so beginnt das Gas in der Elektrode zu leuchten. Berührt man dann die Glasspitze, so wird das Leuchten deutlich stärker und man hört auch die schnellen Entladungen. Wenn man die Leistung zu hoch gedreht hat, so gehen durchasu Funken von der Elektrode zur Haut über. Ich habe das im letzten Foto mit einem Schraubendreher gemacht.

Das Gerät eignet sich ausgezeichnet um Leuchtstoffröhren, Glimmlampen, Energiesparlampen, Xenon-Blitzlampen oder Spektralröhren allgemein zum Leuchten anzuregen. Die Fotos geben einen kleinen Eindruck davon.

Was auch gut funktioniert ist die Anregung von Spannungsstabilisatorröhren (z.B. OA2, OB2) oder Kaltkathodenröhren (z.B. Cerberus GR16/17).

Hinweis: Man sollte die Leistung nicht zu hoch drehen, da es sonst zu Überschlägen im Hochspannungstransformator kommen kann. Die haben zur Folge, dass die Ausgangsleistung danach dauerhaft absinkt. Das ist wohl dem niedrigen Preis geschuldet.

Wichtiger Hinweis: Ich würde das Gerät auf keine Fall in der Nähe empfindlicher Elektronik betreiben.

Fazit: Ein nettes Spielzeug



pangeiger

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Re: Ein nettes Spielzeug
« Antwort #1 am: 24. September 2019, 19:40 »
Ja, hat was:

"Beschreibung
4-1 Hochfrequenz beschmutzte Hautaufhellung + Elektrodenröhre
Hochfrequenzfunktion:
1) Erweichung des Knicks
2) mild mild bis mäßig akne
3) Psychiater vergrößert die Poren
4) Firma Sie. Pechende Haut"

Danke für den Tipp
Gruß
Peter
p.s. Auch wenn ich keine Cellulite habe

DG0MG

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Re: Ein nettes Spielzeug
« Antwort #2 am: 24. September 2019, 20:48 »
Die Dinger heissen auch "Violet Wand". Ich hatte sowas auch mal - allerdings ein eher historisches Modell, das sieht irgendwie hübscher aus: Ein "Hochfrequenz-Heilapparat Frequenta".

Im Holzköfferchen befindet sich ein Wagnerscher Hammer, der vor sich hin klappert, zusammen mit einem Kondensator. Im Handteil ist dann eine Art Teslaspule, die die Hochspannung erzeugt, indem der Kondensator in die Primärwicklung entladen wird. Das Ding ist nicht netzgetrennt und eigentlich nur sinnvoll an einem Trenntrafo zu betreiben, wenn man nicht erheblich Angst um sein Leben haben will.


DL3HRT

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Re: Ein nettes Spielzeug
« Antwort #3 am: 27. September 2019, 22:03 »
Hier habe ich folgende Erläuterung zur Funktionsweise gefunden:
Zitat
Mit Hilfe des HF-Gerätes werden hochfrequente (sehr schnell schwingende ) impulsförmige Spannungen erzeugt. Je nach Gerät beträgt die Spannung viele Volt, z.B. 150'000 Volt, der Strom dagegen nur ca. 0,065 Ampere  >:( . Dadurch ist die (Selbst)Behandlung völlig ungefährlich.
Da bin ich froh, dass ich noch lebe...

DL3HRT

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Re: Ein nettes Spielzeug
« Antwort #4 am: 01. Oktober 2019, 08:57 »
Ich konnte meinem Forscherdrang nicht widerstehen und habe das Gerätchen etwas genauer untersucht  ;). Der Aufbau ist sehr simpel. Hauptkomponenten sind der HV-Trafo und die Ansteuerelektronik. Die ist an Einfachheit kaum zu unterbieten. Würde sich das Ganze nicht in einem Kunststoffgehäuse befinden, hätte ich so meine Bedenken...

Die Fotos dürften selbsterklärend sein.

DG0MG

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Re: Ein nettes Spielzeug
« Antwort #5 am: 01. Oktober 2019, 10:49 »
Kannst Du zwischen den beiden roten Drähten (der Primärwicklung) und dem Schraubanschluss irgendeinen hochohmigen Widerstand messen?

DL3HRT

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Re: Ein nettes Spielzeug
« Antwort #6 am: 01. Oktober 2019, 20:03 »
Zitat
Kannst Du zwischen den beiden roten Drähten (der Primärwicklung) und dem Schraubanschluss irgendeinen hochohmigen Widerstand messen?
Das interessiert mich jetzt warum du das fragst  :)

  • Der Gleichstromwiderstand zwischen den beiden roten Drähten ist sehr gering (ca. 0.2 Ohm)
  • Tatsächlich kann man zwischen der Schraube und den roten Drähten einen Widerstand von 1.5 kOhm messen

DG0MG

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Re: Ein nettes Spielzeug
« Antwort #7 am: 01. Oktober 2019, 21:48 »
Das interessiert mich jetzt warum du das fragst  :)

Na weil die Chinesen nicht gerade dafür bekannt sind, Geräte zu bauen, die den VDE-Vorschriften genügen würden.

Tatsächlich kann man zwischen der Schraube und den roten Drähten einen Widerstand von 1.5 kOhm messen.

Prinzipiell muss ja ein Berührungsschutz gegeben sein: In irgendeiner Form noch netzverbundene Teile dürfen nicht berührt werden können. Die Metallfassung zur Aufnahme der Glaselektroden wäre ja sowas. Da die Primärseite nicht netzgetrennt ist (die beiden roten Kondensatoren gelten nicht), wäre der Trafo die einzige Netztrennung. Aber die Sekundärwicklung muss ja zu der Elektrode am "heißen" Ende irgendein Bezugspotential haben. Die "russische" Lösung dafür ist, den Fußpunkt der Sekundärspule mit der Primärspule zu verbinden. Du wirst also mit den 1.5 kOhm den Gleichstromwiderstand der Sekundärwicklung messen. Das ist mir schon ein bisschen sehr wenig und könnte sogar reichen, einen FI-Schutzschalter auslösen zu lassen.
Wahrscheinlich gilt dasselbe wie für mein historisches Gerät: Nur mit Trenntrafo sicher.


Ein Youtuber, der gerne gefährliche Konstruktionen zerlegt, ist bigclivedotcom. Nicht verwunderlich dass er auch so einen "Violet wand" zerlegt hat und ab 12:08 min die relativ einfache Schaltung rauszeichnet, wo man sieht, dass zur Netzphase im ungünstigsten Fall maximal eine Diode dazwischen ist:



Er nennt einen Gleichstromwiderstand der Sekundärspule von 1274 Ohm.

DL3HRT

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Re: Ein nettes Spielzeug
« Antwort #8 am: 01. Oktober 2019, 22:05 »
Zitat
Prinzipiell muss ja ein Berührungsschutz gegeben sein: In irgendeiner Form noch netzverbundene Teile dürfen nicht berührt werden können. Die Metallfassung zur Aufnahme der Glaselektroden wäre ja sowas.
Die Glaselektrode sitzt noch nicht einmal in einer Metallfassung. Sie wird in eine Kunststoffhülse eingesteckt. Ob der äußere Metallbelag der Glaselektrode die Schraube tatsächlich berührt, kann ich nicht sagen. Vielleicht ist es auch nur eine kapazitive Kopplung.

Ich habe versucht, die Schaltung des Steuerplatine herauszubekommen. Die stimmt in etwa mit der Schaltung im Video überein. Lediglich ein paar Bauteilwerte weichen ab.

DL3HRT

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Re: Ein nettes Spielzeug
« Antwort #9 am: 02. Oktober 2019, 08:03 »
Hier noch ein Foto vom teilweise freigelegten HV-Trafo. Man kann die einzelnen Kammern mit dem sehr dünnen Kupferdraht gut sehen.

Der Trafo stammt von einem defekten Gerät. Was war passiert? Ich hatte den Leistungsregler mit eingesteckter Glaselektrode auf Maximum gedreht und dann mit einem Schraubendreher Funken über ca. 1cm gezogen. Nach ein paar Sekunden fiel die Leistung schlagartig ab. Offensichtlich hat es Überschläge innerhalb der Spule mit einem daraus resultierenden Windungsschluss gegeben.

Ich habe das Gerät reklamiert, da es ja auch mit voller Leistung funktionieren muss. Den Kaufpreis bekam ich anstandslos zurückerstattet. Das defekte Gerät konnte ich dann zerlegen.