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Autor Thema: Radon-Detektor: AIRTHINGS 'Corentium home'  (Gelesen 1473 mal)

DG0MG

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Radon-Detektor: AIRTHINGS 'Corentium home'
« am: 03. Oktober 2019, 13:30 »
Ein Radon-Detektor der norwegischen Firma "AIRTHINGS" mit dem Namen 'Corentium home', der frühere Name des Gerätes war 'Canary'.



Wenn man in dieser Richtung ein wenig rumsucht, so gibt es nicht viele Geräte, die man überhaupt erstmal als "Einstieg" betrachten könnte, um nicht gleich mittlere dreistellige oder gar vierstellige Preise bezahlen zu müssen. Seit Anfang 2019 gilt für die Radonbelastung in Wohngebäuden ein Grenzwert von 300 Bq/m3 Luft. Nun will man ja mal - wenigstens ungefähr - wissen, wo man denn selbst so liegt.

Der 'Corentium home' ist ein etwa handtellergroßes Gerät mit LCD-Display, betrieben durch 3 AAA-Batterien. Die Messzeit bis zum ersten Messwert beträgt mindestens 24 Stunden. Es ist deshalb NICHT geeignet, bei einer eventuell festgestellten Radon-Belastung die Eintrittsstelle zu lokalisieren (z.B. im Keller). Es speichert keine Daten, sondern mittelt den Messwert nur über 1 und 7 Tage. Deshalb ist es m.E. auch nur bedingt das richtige Gerät, wenn Dritte irgendwo messen wollen (z.B. der Vermieter oder eine Verwaltung in ihren Einrichtungen). Belastungssenkende Maßnahmen (Lüfter einschalten, Fenster öffnen) kann man nicht an einer anschaulichen Kurve sichtbar machen.

Hier gibts die Bedienungsanleitung:

Nach dem Einsetzen der Batterien (die bis zu 2 Jahre halten sollen) beginnt das Gerät nach einem ca. 30sekündigem Selbsttest mit der Messung. Dabei werden anfangs nur 4 waagerechte Balken angezeigt, die weniger werden (3-2-1) bis der erste Zahlenwert angezeigt wird. BEi mir war das am nächsten Tag, also rund 24 Stunden später, aber die Zeit wird von der Radonkonzentration abhängig sein - je höher, desto kürzer.

Ich habe den 'Corentium home' an mehreren Messstellen jeweils 1 Woche liegengelassen. Dabei ist zu bedenken, dass im Winter weniger gelüftet wird und die Werte deshalb höher sein werden. Ein solches Gerät "mal kurz ausleihen" muss man sich also aus dem Kopf schlagen. Letztendlich haben mich die Messungen in meinem eigenen Umfeld aber erstmal beruhigt.

Messergebnisse Spätsommer:
Wohnbereich 2. OG (altes Haus, Lehmdecken, tlw. Lehmwände)     : ca. 60 Bq/m3
            1. OG unbewohnt                                    : ca. 60 Bq/m3
            Keller                                             : --- s.u.
Arbeitsstelle (altes Haus, Bruchsteinwände, EG, keine Fenster) : 160 Bq/m3

Aus meinem Keller habe ich keinen Messwert, da die Anzeige nach dem Legen in ein Kellerregal mehrere Tage bei "0" stehenblieb. Ich hab das Gerät dann geresetet und dann gings überhaupt nicht mehr. Es hat nur noch "ERR"" und verschiedene Zahlen angezeigt. Für diesen Fall steht in der FAQ bei Airthings, man solle das Gerät mindestens 24 Stunden in einem trockenen Raum legen und dann neue Batterien einsetzen. Das hat aber nichts geändert. Ich war dann drauf und drann es zum Hersteller zu schicken, es lag aber noch zwei Wochen herum. Dann hab ich nochmals probiert und siehe da - es ging wieder. Man sollte also die Angabe in den technischen Daten "Luftfeuchte <85% rel." ziemlich ernst nehmen.

In den Spezifikationen steht zum Messverfahren: "passive Diffusionskammer" und "Nachweisverfahren: Alpha Spektrometrie", was auch immer das genau bedeutet. Auf den Fotos sieht man eine Art Hochspannungserzeugung, die Messkammer ist aus metallisierter Plaste und das hineingehende Käbelchen scheint ein Koax zu sein.

Grundsätzliches Problem:
Ich muss der Anzeige des Messwertes glauben. Ich hab ja auch kein Zweitgerät zum Vergleichen. Was mir deshalb ein wenig fehlt, ist ein standardisiertes, wiederholbares Verfahren, um die Anzeige wenigstens ungefähr überprüfen zu können. Also etwas wie: 10 Gramm irgendwas-Dünger zusammen mit dem Messgerät in ein großes verschlossenes Einweckglas muss nach einer Woche xxx Bq/m3 anzeigen.
Ideen?
« Letzte Änderung: 07. Oktober 2019, 15:53 von DG0MG »

DG0MG

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Re: Radon-Detektor: AIRTHINGS 'Corentium home'
« Antwort #1 am: 07. Oktober 2019, 15:50 »
Zur Messung:

In den Spezifikationen steht zum Messverfahren: "passive Diffusionskammer" und "Nachweisverfahren: Alpha Spektrometrie", was auch immer das genau bedeutet. Auf den Fotos sieht man eine Art Hochspannungserzeugung, die Messkammer ist aus metallisierter Plaste und das hineingehende Käbelchen scheint ein Koax zu sein.

In verschiedenen Artikelbeschreibungen auf Verkaufsplattformen (z.B. amazon) ist folgender Satz zu finden:

"The detection of radon of the Corentium is based on the principle that radon gas diffuses into a detection chamber. When the radon atoms decay they emit energetic alpha particles. The alpha particles are detected by a silicon photo diode. Every alpha particle generates a small signal current when it hits the photo diode. By the use of a low-power amplifier stage the signal current is converted into a larger voltage signal. The maximum amplitude of the voltage signal is detected and sampled by an analog to digital converter (ADC). The amplitude is proportional to the energy of the alpha particle that hit the photo diode. The brain of the monitor is a micro-controller that registers the time and energy of every detected particle."

Das würde bedeuten, in der silberglänzenden zylindrischen Dose, die ich nicht weiter geöffnet habe, befindet sich eine PIN-Diode o.ä., die das beim Zerfall eines Radonatoms entstehende Alpha-Teilchen detektiert.

Zur Anzeige:
Das Messgerät zeigt drei verschiedene Messwerte an:

  • Langzeitdurchschnitt über die gesamte Messung (oben, große Ziffern)
  • Kurzzeitdurchschnitt 1 Tag (unten, kleinere Ziffern)
  • Kurzzeitdurchschnitt 7 Tage (unten, kleinere Ziffern)

Dabei werden 2.) und 3.) abwechselnd angezeigt, sobald die Messung länger als 7 Tage läuft.
Das ist etwas unintuitiv, denn wenn ich einen Messwert xx habe und dann an den Umgebungsbedingungen was ändere, um zu schauen, obs besser oder schlechter wird, dann ändert sich erstmal NICHT die große Anzeige 1.), sondern zuallererst die kleinere Anzeige 2.), also der 24-Stundendurchschnitt. Das muss man wissen, sonst zieht man falsche Schlüsse.

zur Anzeige-Einheit:
Es gibt auch eine US-Version des Gerätes, die zeigt in pCi/l (picoCurie pro Liter) an, bei vermeintlich günstigen Angeboten also darauf achten!

Das ist zwar nicht sonderlich schlimm, man muss eben umrechnen:

1 pCi/l = 37 Bq/m3