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Autor Thema: Exkursion nach Jachymov  (Gelesen 163 mal)

DL3HRT

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Exkursion nach Jachymov
« am: 25. November 2018, 19:02 »
Gemeinsam mit dg0mg war ich am Buß- und Bettag auf Exkursion im verschneiten Jachymov. Bernd Laquai hat bereits 2015 auf opengeiger.de einen ausgezeichneten Bericht seines damaligen Besuchs verfasst. -> Download Bericht
Wir möchten hier nur die aktuellen Messwerte im Kurpark in der Nähe des Curie-Denkmals hinzufügen, da sie noch höher als die im PDF-Dokument angegebenen sind. Die höchste Dosisleistung konnten wir rechts neben dem Denkmal am Hang wie folgt messen:
  • Dosisleistung in 1m Höhe: >7 µSv/h
  • Dosisleistung am Boden: 12 - 13 µSv/h
Es handelt sich um eine ziemlich eingegrenzten Hotspot. Die Dosisleistung im Bereich des Denkmals ist aber generell erhöht. Das hat sicher damit zu tun, dass sich der Kurpark auf dem Gelände der ehemaligen k.u.k. Uranfarbenfabrik befindet. Diese wurde über viele Jahre betrieben, so dass eine großflächige Kontamination des Bodens nicht überraschend ist. Eher überraschend ist die Tatsache, dasss man beim Anlegen des Kurparks nach dem 2. Weltkrieg nicht besser saniert hat.

Der angehängte Scan einer Postkarte von 1928 zeigt die Uranfarbenfabrik unmittelbar gegenüber vom Radium Palace. Die beiden Fotos dienen zur Dokumentation der Messstelle und des Messwerts.


DL3HRT

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Re: Exkursion nach Jachymov
« Antwort #1 am: 09. Dezember 2018, 19:48 »
Unter nachfolgendem Link findet sich die Schrift "Jáchymover Uranerz und Radioaktivitätsforschung um die Wende
des 19./20. Jahrhunderts". Ein interessantes Buch, welches sich sehr intensiv mit der Rolle der k.u.k. Uranfarbenfabrik bei der Erforschung der Radioaktivität auseinandersetzt.

Download http://library.utia.cas.cz/separaty/2011/SI/seidler-0355495.pdf
« Letzte Änderung: 10. Dezember 2018, 10:01 von DG0MG »

DG0MG

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Re: Exkursion nach Jachymov
« Antwort #2 am: 11. Dezember 2018, 11:22 »
Sehr interessante Arbeit!

Ob es jemals noch anderswo oder zu anderen Zeiten so einen Ziehauf, Diskussionen, Gebettel, Preisgefeilsche und gar politische Entscheidungen um Produktionsrückstände gab?

Plötzlich verkauften sich die Abfälle der Fabrik besser und waren begehrter, als das eigentliche Produkt :)


DG0MG

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Re: Exkursion nach Jachymov
« Antwort #3 am: 11. Dezember 2018, 11:44 »
Was mir fehlt (oder ich habs überlesen?):

Es ist mehrmals von einer Radiumfabrik die Rede:

S. 120:
Zitat
1906 wurde in Jáchymov mit dem Bau einer Radiumfabrik begonnen
S. 118:
Zitat
und bis Ende des Jahres 1909 wurden in der Radiumfabrik schon
neunzigprozentige Präparate hergestellt. Voll in Gang kam die Produktion im
Laufe des Jahres 1910.

Machte man das auf dem Gelände der Uranfarbenfabrik oder anderswo?
Wo genau?

DL3HRT

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Re: Exkursion nach Jachymov
« Antwort #4 am: 11. Dezember 2018, 17:10 »
Ich bin mir nicht sicher aber ich vermute, dass es auf dem Gelände der Uranfarbenfabrik war. Dafür sprechen die kurzen Wege. Natürlich hat man in Jachymov erkannt, dass man mehr Geld mit Radiumpräparaten als mit dem Verkauf der Produktionsrückstände verdienen kann.

DG0MG

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Re: Exkursion nach Jachymov
« Antwort #5 am: 11. Dezember 2018, 22:01 »

DG0MG

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Re: Exkursion nach Jachymov
« Antwort #6 am: 23. Dezember 2018, 09:28 »
Leicht OT:

Es gibt gegenüber des Kurparks ja das Hotel "Radium-Palace":



Mir ist die Schriftart aufgefallen (die ja durchaus historisch sein könnte) und ich hab mal rumgesucht.
Der Font heißt "Quaint Gothic SG OT" und es sind alles Versalien (Großbuchstaben):



... falls jemand mal seine Toilettentür ansprechend beschriften möchte.  :D

DG0MG

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Re: Exkursion nach Jachymov
« Antwort #7 am: 12. April 2019, 13:12 »
In dieser Dokumentation wird erwähnt, dass der spätere Physiker Robert Oppenheimer (der "Vater der Atombombe") im Sommer 1921 17jährig auch in Jachymov war.

Ebenfalls kommen Aufnahmen vom "Radium-Palace" vor.

bei 16:39 min



Ganz schön historischer Boden, auf dem wir da waren ..  :good2:

DG0JN

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Re: Exkursion nach Jachymov
« Antwort #8 am: 13. April 2019, 21:37 »
Und einen schönen unhandlichen Geigerzähler hat Marie da auf dem Schreibtisch in Paris.