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Autor Thema: gefährliche Röntgenexperimente  (Gelesen 680 mal)

Henri

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #15 am: 22. März 2021, 14:16 »
Na ja-

selbst wenn ich ein großer Freund von "GAR keine Dosis ist die beste Dosis" bin frage ich mich, ob das wirklich soooo bedenklich ist bei den Netzteilen, die meist verwendet werden?
Beim Röntgen gibt man ja beim Einstellen die Spannung (kV) und das mAs Produkt (mAs) vor. HWS beispielsweise so um die 70kV bei vielleicht 20mAs.

So ein "einfaches" "Netzteil" bringt vielleicht bei 50kV ein paar mA, also sind "Beleuchtungszeiten" von paar Sekunden etwa wie eine "normale" Röntgenaufnahme.

Klar- summiert sich schnell auf- MEHR als 1-2 Sekunden sind in der Tat keine so gute Idee... Und WENN man ein derartiges Netzteil, das paar kW bei zig kV macht, hat ist EXTREME Vorsicht angesagt- in mehr als einer Hinsicht  :)) So ein "Funke" bei 100kV und einigen mA KANN EINEN SCHON ERSCHRECKEN  ;)

Bedenken sollte man aber, dass so ziemlich jede Vakuum-Röhre an HV Röntgenstrahlung emittiert- also "lustige Leucht Experimente", an z.B. einem Teslatrafo, kann durchaus ein Strahlen-Problem darstellen! Ich finde DAS viel bedenklicher, als bewusste Röntgen Experimente bei denen man mit Strahlung rechnet  :o

Davon ab:  :rtfm: derartige Experimente sind NATÜRLICH verboten!


Wenn man "Strahlung" hört, hat man meist das Bild einer Atombombe im Kopf. Aber tatsächlich sind die übertragenen Energiemengen, die ausreichen, einen Menschen zu schädigen oder zu töten, äußerst gering!

Ein Gray ist als ein Joule pro Kilogramm definiert. Ein Joule ist die Leistung von einem Watt für dir Dauer einer Sekunde (!).

Zitat von Wikipedia, ich habe es nicht selber nachgerechnet:

"Eine einem Menschen innerhalb kurzer Zeit verabreichte Dosis von 50 Gray, bei der der Tod bereits innerhalb weniger Stunden eintritt, erzeugt in Wasser nur eine Temperaturerhöhung von etwa 0,01 °C. Die besondere Wirkung der Strahlung wird durch die Ionisierung und die dadurch gebildeten freien Radikale hervorgerufen."

Bei einer Röntgenröhre muss überhaupt kein großer Strom fließen, um "gewaltige" Dosisleistungen zu erzeugen. Wenn man als unvorsichtiger Experimentator bei der Röhre die Glühkathode nutzt, hat man eigentlich schon "verloren". Aber selbst "kalt" betriebene Röntgenröhren emittieren schon sehr starke Strahlung.


Übrigens, das Video wurde bereits vor 7 Monaten eingestellt. Akut strahlenkrank scheint also keiner von denen geworden zu sein. Die anderen Videos in dem Kanal lassen jedenfalls auf eine ausgeprägte Risikofreudigkeit schließen, weshalb die Langzeiteffekte sich möglicherweise bei diesen Herren gar nicht mehr auswirken können.

Viele Grüße!

Henri

Fusor

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #16 am: 22. März 2021, 14:34 »
Danke für die Antwort NoLi- aber wieso habe ich das vergessen?
In mAs ist ja die Zeit mit drin- der Strom ist halt in den paar ms entsprechend hoch...??
Die Filterung fehlt- aber da meist die Beschleunigungsspannung bei solchen "Eigenbauten" ohnehin verhältnismäßig niedrig ist, würde ein geeigneter Filter zum Aufhärten der Strahlung einen Großteil absorbieren... Klar- die weiche Strahlung ist noch schlechter fürs Weichgewebe / die Haut :(

Was ist das denn für eine Röntgenanlage? Fluoroskopie? 120kV sind ja gängig- aber nur 5mA? Das scheint mir für ein normales Röntgengerät SEHR wenig? Dann würde ja (um beim Beispiel zu bleiben) eine HWS Aufnahme stolze 4 Sekunden dauern  :o  Klinische Geräte liegen eher im Bereich einige bis zig kW- liefern also während der Aufnahme eher 10 bis viele 100mA oder mehr(eben UM die Aufnahmedauer so kurz wie möglich zu halten) Die Geräte mit denen ich so "gespielt" habe, hatten so zwischen 30 und 50kW was gängig ist.

Peter-1

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #17 am: 22. März 2021, 17:29 »
Von einer frühen Siemens Röntgenkugel habe ich noch alte Meßwerte.
Spannung 51 kV , Strom 2.05 mA , Abstand 28 cm , Vorfilter 1,2 mm Al
Dosisleistung 171 mR/s = 10,3 R/min.  Gemessen mit Capintec

Nach der Gebrauchsanleitung :
Bei 60 kV Scheitelspannung und 3,5 mA für Durchleuchtung.
10 .. 11 mA für eine Aufnahme.
Nach einer 2 min Durchleuchtung ist eine Pause von 8 min einzulegen.
Beispiele:
Ellenbogen seitlich, Objektdicke 8cm , 70cm Brennfleck-Filmabst. 0,3 .. 0,6sec.

Soweit aus alten Zeiten.
Peter
Gruß aus Bayern - Peter

NoLi

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #18 am: 22. März 2021, 20:12 »
Was ist das denn für eine Röntgenanlage? Fluoroskopie? 120kV sind ja gängig- aber nur 5mA? Das scheint mir für ein normales Röntgengerät SEHR wenig? Dann würde ja (um beim Beispiel zu bleiben) eine HWS Aufnahme stolze 4 Sekunden dauern  :o  Klinische Geräte liegen eher im Bereich einige bis zig kW- liefern also während der Aufnahme eher 10 bis viele 100mA oder mehr(eben UM die Aufnahmedauer so kurz wie möglich zu halten) Die Geräte mit denen ich so "gespielt" habe, hatten so zwischen 30 und 50kW was gängig ist.
Dies ist eine Röntgenanlage für den Dauerbetrieb, mit wassergekühlter Röhre. Sie hat gut 50 Jahre auf dem Buckel und ist ausschliesslich für Schulungszwecke, wurde ab und zu steuerungsmäßig aktualisiert und bietet auch die Möglichkeiten, die Anodenspannung und den Kathodenstrom stufenlos zu variieren und die verschiedenen Vorfiltertypen mit Hilfe einer Kreisscheibe während dem Betrieb vor das Röhrenfenster zu platzieren. An verschiedenen Stellen können innerhalb des Anlagen-Containments Dosisleistungsmessungen des Primärstrahls und der Streustrahlung vorgenommen sowie das Strahlungsspektrum aufgenommen und dargestellt werden.
Für Personen-Dosisbestimmungen, auch im Körperinnern, ist ein Alderson-Rando-Phantom mit Lithiumfluorid-Dosimetern (Stäbchen und Tablettchen) und Auswertestation vorhanden.

Mit dieser Anlage werden Praktika innerhalb Röntgen-Fachkundeerwerbskurse und Fachkundeerhaltungskurse für medizinisches und technisches Röntgen durchgeführt.

Gruß
Norbert

Fusor

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #19 am: 22. März 2021, 21:20 »
Cool! Danke für die Info! Spannend- für Dauerbetrieb hat man sonst ja eher nur für CT oder Fluoroskopie! Wobei- sind moderne CTs eigentlich gepulst  :unknw:
Was richtig krass ist sind die Geräte für Materialprüfung oder was der Zoll hat zum LKW oder Container röntgen  8)

JanK

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #20 am: 23. März 2021, 09:23 »
Hallo zusammen!

Was wäre denn ein guter (und vor allem direkter, also kein Film etc) Detektor für den Bereich 1keV-50keV? Das sind ja Bereiche in die man als Bastler im Bereich HV und Vakuum schnell mal vordringt  ;D Bei den klassischen Zählrohren bin ich da nicht so sicher, Szintillationszähler sind ja fast immer in Al eingefasst. PIN Dioden? Oder tuts da auch mein altes FHZ72T Zählrohr?

Viele Grüsse,

Jan

DG0MG

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #21 am: 23. März 2021, 09:50 »

JanK

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #22 am: 23. März 2021, 10:19 »
Ionisationskammer ist eine gute Idee, hatte früher ein Fluke 451 auf der Arbeit, das misst aber auch erst ab 25keV. Zudem hat das einen eher ungünstigen Preis fürs Hobby...

Ich habe diese PIN-Dioden hier gefunden, zwei Typen mit CsI und ohne gibt es:

https://www.hamamatsu.com/eu/en/product/type/S8559/index.html (steht nur 'ideal für unter 100keV aber das Datenblatt ist eher kurz...)

Diese hier ist schon besser:

https://www.hamamatsu.com/eu/en/product/type/S13993/index.html

Jetzt müsste man nur noch wissen wo man die kaufen kann und was die kostet :-) Ich gehe dann mal suchen...

Viele Grüsse,

Jan

DG0MG

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #23 am: 23. März 2021, 16:01 »
Von einer frühen Siemens Röntgenkugel habe ich noch alte Meßwerte.
Spannung 51 kV , Strom 2.05 mA , Abstand 28 cm , Vorfilter 1,2 mm Al
Dosisleistung 171 mR/s = 10,3 R/min.  Gemessen mit Capintec

Hatte diese Siemens-Röntgenkugel eine geheizte Kathode?

Man hört oder liest ja immer mal davon, dass früher die Schuhe im Schuhgeschäft mittels eines Röntgengerätes auf guten Sitz geprüft wurden. Wahrscheinlich gab es das in der DDR nicht, jedenfalls hatte ich früher davon noch nie gehört. Einen Artikel über das "PEDOSKOP" gibts hier: https://www.mta-r.de/blog/das-pedoskop/

"Zur Röhrentechnik der Pedoskope:
Ca. 50 kV bei 2-8 mA und 1mm Al Filter
Dosisleistung in Höhe der Füße: 200-750 mSv/min!
"




Peter-1

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #24 am: 23. März 2021, 18:06 »
Die 2 Datenblätter zeigen die ges. Technik. Und ein kleines Meßgerät ist in diesem Bereich nicht schlecht.

Gruß
Peter
Gruß aus Bayern - Peter

DG0JN

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #25 am: 23. März 2021, 18:35 »
Wahrscheinlich gab es das in der DDR nicht, jedenfalls hatte ich früher davon noch nie gehört.
Na da muß ich Dir leider widersprechen, denn im Schuhhaus "Hans Sachs" in der Werdauer August-Bebel-Straße 3 gab es ein derartiges Gerät, wo ich als Kind die Füße reinstellen mußte und die Verkäuferin und meine Mutter dann sahen, ob die Schuhe paßten. Das war bis Anfang der 1960er Jahre noch in Betrieb.

DG0MG

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #26 am: 23. März 2021, 18:35 »
Ah, interessant danke!
Zur Hochspannungserzeugung werden einfach die 220 V~ hochtransformiert.

DG0MG

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #27 am: 23. März 2021, 18:41 »
Na da muß ich Dir leider widersprechen, denn im Schuhhaus "Hans Sachs" in der Werdauer August-Bebel-Straße 3 gab es ein derartiges Gerät, wo ich als Kind die Füße reinstellen mußte und die Verkäuferin und meine Mutter dann sahen, ob die Schuhe paßten. Das war bis Anfang der 1960er Jahre noch in Betrieb.

Aha, guck an.
Na ich dachte - wenn überhaupt - an das privat geführte Schuhaus Hupfer in der Plauenschen Straße. Dort hätte so ein Gerät alleine vom Interieur her reingepasst.

DG0MG

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #28 am: 10. April 2021, 09:01 »
Ein absolut sehenswertes Video zur Geschichte der Röntgenstrahlung - von ihrer Entdeckung 1895 durch Wilhelm Conrad Röntgen über die Verbesserung der Röhrenform bis zur heutigen Technik. Natürlich wird in einem Museum auch ein Pedoskop gezeigt.
Der Vortragende zeigt sich erstaunt darüber, dass er Schwierigkeiten hatte, bei einem Besuch in Würzburg (der Wirkungsstätte Röntgens) ein Museum oder eine Gedenkstätte ihm zu Ehren zu finden.




Butterfly

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #29 am: 10. April 2021, 23:02 »
Es gibt aber eine sehr interessante Röntgen-Gedaechtnisstaette, war ich selbst schon Mal! Sehr informativ!
LG Peter