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Autor Thema: Das ODL-Messnetz des BfS  (Gelesen 2493 mal)

DG0MG

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Das ODL-Messnetz des BfS
« am: 31. März 2019, 12:52 »
Das automatische Ortdosisleistungsmessnetz des Bundesamtes für Strahlenschutz hat einen Sondenabstand von etwa 20 km.

Wer also mal "seine" nächst gelegene Sonde besucht:

Ein Foto davon hier hinein!

Das BfS hat eine Broschüre, die das Netz - bestehend aus aktuell 1708 automatischen Messstellen - vorstellt und erklärt:

Eine Karte der Messstellen, in der die Messdaten live abfragbar sind:

Tatsächlich habe ich an meinem Wohnort eine ganze Reihe von Messstellen im Umkreis:

Leider ist das mit dem Besuchen der Messstationen nicht ganz so einfach. Es gibt zwar eine nach Bundesländern geordnete Liste, leider habe ich keine Geodateninformationen gefunden. Ein KMZ mit den Messstellen für Google-Earth wäre doch auch eine feine Sache. Das könnte man sogar so bauen, dass die aktuellen Messwerte ins KMZ übernommen werden.

Aber das BfS schreibt dazu selbst: "Die angezeigten Standorte der Messstellen sind zum Schutz der Privatsphäre der Gestattungspartner auf eine Genauigkeit von etwa 1km gerundet."

Man weiss also nicht ganz so genau, wo die Messstelle eigentlich ist - ein Hereinzoomen in die ODL-Karte bringt auch nichts, die angezeigte Position ist verfälscht. Z.B. ist das hier ganz schön zu sehen: Laut Artikel in der "Freie Presse" vom 25.3.2011 (2 Wochen nach Fukushima) befindet sich eine Sonde im Freibad von Waldenburg. In der Karte sieht man die künstliche Positionsverschlechterung:



Laut gleichem Artikel in Zwickau-Planitz: Dort ist es noch verrückter, da befindet sich die Messtation ebenfalls im dortigen Strandbad, die Position in der Karte zeigt aber mitten in eine Kleingartenanlage. Ob diese Verfahrensweise so das Optimum ist? Man schützt zwar die Privatsphäre der "Gestattungspartner", bringt aber dann im Gegenzug völlig unbeteiligte Menschen und Grundstücke in den Fokus, die davon vielleicht nichtmal wissen.

Zur Suche per Google-Earth oder vor Ort hilft evtl. die Beschreibung der Messtelle im Wikipedia-Artikel: Auf einer Wiese, im Umkreis von 20 Meter frei von Bewuchs.

Ich war heute mal im ländlichen Greiz-Obergrochlitz und habe bei einem Rundgang die Messstelle nicht gefunden. Dann in Zwickau-Planitz, dort wäre eine Umkreissuche auf Grund der engen Bebauung ungleich aufwendiger, aber ich wusste ja, wo ich schauen musste: im Strandbad. Das hat natürlich aktuell noch geschlossen und so blieb nur eine Wanderung mit wachem Auge am Zaun außenherum.
Ah, tatsächlich, an einer Stelle - weit weg vom Zaun - sieht man die Sonde aus dem Boden ragen.



[Edit 14.7.2019]

KMZ-Datei für Google Earth

Im Anhang eine KMZ-Datei mit den Standorten der Messstellen. Rot dargestellt sind die Punkte der gerundeten, ungenauen Positionen, grün durch einen Besuch und Kurzbericht hier im Forenthread korrigierte Standorte.






« Letzte Änderung: 14. Juli 2019, 13:44 von DG0MG »

DL3HRT

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #1 am: 01. April 2019, 09:47 »
Gera-Leumnitz steht auf dem Gelände der DWD-Wetterstation am Flugplatz. Mal sehen, ob ich da irgendwie ein Foto hinbekomme. Kann allerdings ein paar Tage dauern.

DG0MG

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #2 am: 01. April 2019, 15:03 »
Die Sonde auf der Wiese enthält zwei Zählrohre und einen ATMEL-Controller, der die Impulse zählt. Über eine bis zu 1000m lang sein dürfende RS485-Kabelverbindung laufen die Daten auf den MWS3-Messwertsender auf, eine Eigenentwicklung des BfS. Ein linuxbasierender Embedded-Rechner, der die Daten weiter verdichtet und per FTP auf einen der sechs Messnetzknoten schaufelt.
Eine genauere Beschreibung des Messwertsenders gbts bei Wikipedia: MWS3-Messwertsender

Die Web-Bedienoberfläche eines solchen MWS3 kann man sich hier anschauen: http://80.153.15.213/

DG0JN

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #3 am: 01. April 2019, 20:51 »
In Gera-Leumnitz war ich im Oktober

DL3HRT

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #4 am: 01. April 2019, 22:16 »
Da bist du mir zuvorgekommen...

Ich hatte heute Abend noch einmal in Ronneburg zu tun und war gegen 18:40 Uhr an der Wetterstation. Eine Nahaufnahme kann ich mir ja sparen, daher nur Übersichtsbilder.

DG0MG

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #5 am: 03. April 2019, 23:12 »
Ich war heute mal fix in Waldenburg am Freibad.

« Letzte Änderung: 28. April 2019, 08:33 von DG0MG »

DG0MG

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #6 am: 19. April 2019, 21:11 »
Nach längerem Suchen habe ich dieser Tage auch einen Hinweis gefunden, wo genau sich die ODL-Messstation Rodewisch befindet.


Ich hatte mir ja ursprüglich die Position des "ungenauen" Punktes aus der ODL-Karte nach GoogleEarth übertragen und das umliegende Gelände nach "Verdachtsflächen" abgesucht, die ich dann bei Gelegenheit vor Ort überprüfen wollte. Dabei hatte ich schon ein glückliches Händchen bewiesen, denn der tatsächliche Standort war eine meiner Vermutungen. Aber wissen ist besser als glauben, in der "Freien Presse" vom 26.6.2015 findet sich ein Bericht von einer Messübung des Bundesamtes für Strahlenschutz in Rodewisch - laut Bildunterschrift am "Atemschutzstützpunkt des Landkreises".


Googelt man weiter, erfährt man, dass das ein Gelände etwas außerhalb der Stadt ist, das früher ein Ausbildungs- und Übungszentrum der Zivilverteidigung war. Der Atemschutzstützpunkt ist mittlerweile zum "Feuerwehrtechnischen Zentrum" erhoben worden. Man fülle dort wohl Atemschutzflaschen und reinige und prüfe die Atemschutzmasken der Feuerwehren.

« Letzte Änderung: 28. April 2019, 08:21 von DG0MG »

DG0JN

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #7 am: 19. April 2019, 22:47 »
Na guck an, ich hatte auf der Wiese gegenüber und oberhalb geschaut und die westliche Straßenseite total übersehen. So ein schönes Schild war damals auch nicht am Briefkasten, nun ist das auch geklärt.

DG0MG

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #8 am: 27. April 2019, 21:35 »
Ein samstäglicher Ausflug sollte mich in die Nähe von Plauen im Vogtland führen. So lag es nahe, im Vorfeld mal zu schauen, ob man denn bei dieser Gelegenheit auch wieder eine Sonde "aufreißen" kann. Die ODL-Karte zeigt die Messstation im südlichen Stadtgebiet von Plauen.


Wir wissen: Die Position in der Karte ist nicht genau - man muss sich also mal einige Minuten Zeit nehmen und die Umgebung in GoggleEarth nach passenden, markanten Stellen absuchen. Das ging hier ziemlich fix, nur ~200 m nördlich findet sich ein Grundstück, dass einer Vor-Ort-Prüfung wert erscheint.

Die Presseschau fördert einen Artikel der "Freien Presse" vom 22.7.2011 zu Tage (ca. 4 Monate nach Fukushima). Der liefert zwar keine näheren Infos zum Standort, dafür aber doch einige allgemein wichtige Infos zur Funktion:


[..] Im Vogtland befinden sich die Stationen unter anderem in Plauen, Triebel, Adorf, Schöneck und Bad Brambach. "Aller drei Jahre müssen sie gewartet und zusätzliche Messungen durchgeführt werden", sagt Artur Miethke vom Bundesamt für Strahlenschutz. In dieser Woche stattete er den vogtländischen und erzgebirgischen Stationen einen Besuch ab. Vor Ort wechselt er die Akkus, überprüfte die Umgebung und dokumentierte eventuelle Veränderungen. "Das ist wichtig, weil wir so veränderte Messergebnisse erklären können", erläuterte der Experte. Darunter fallen beispielsweise neue Bebauungen, umgepflügte Böden und neue Bepflanzungen. Pro Station benötigt der Strahlenexperte über eine Stunde. "Die Wartungen gehen relativ schnell, aber ich muss auch noch Messprogramme durchlaufen lassen." Bei starkem Regen dürfen keine Überprüfungen durchgeführt werden, da viel Wasser im Boden die Werte verfälscht. [..]

An der ausgeguckten Position angekommen: Tatsächlich - man sieht schon von Weitem (neben anderen Messgeräten) auch die Sonde.

Es handelt sich um das Gelände der Wetterstation des DWD (Deutscher Wetterdienst), die offenbar kürzlich etwas umgebaut worden ist, denn der auf dem FP-Foto noch zu sehende Stahlgittermast ist einem schlanken Rohrmast gewichen. Die Messstation ist offenbar komplett automatisiert, ein ("Maschendroaht-")Zaun trennt das Gelände vom nebenan befindlichen Wohnhaus.

« Letzte Änderung: 28. April 2019, 08:23 von DG0MG »

DG0JN

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #9 am: 28. April 2019, 19:54 »
In Fortsetzung zum vorherigen Beitrag ging es dann weiter Richtung Triebel südlich von Oelsnitz im Vogtland. Während der Fahrt unterhielten wir uns über mögliche Standorte. Was wird es dort wohl an geeigneten Örtlichkeiten geben? Am Ortseingang fanden wir links das Waldbad der Gemeinde Triebel vor, wegen der Jahreszeit leider noch geschlossen. Nach einem kurzen Blick über den Zaun konnten wir auch die Sonde neben einer Tischtennisplatte entdecken.

DG0JN

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #10 am: 28. April 2019, 20:03 »
Heute ging es weiter Richtung Thüringen, denn die Standorte der Sonden in Greiz und Schleiz sind noch ungeklärt.

Auf dem Flugplatz in Greiz-Obergrochlitz wurde ich fündig, nachdem mir freundlicherweise der Zutritt gewährt wurde - eine Stelle, die von außen nicht auszumachen ist.

Im Freibad in Schleiz konnte ich leider nichts erblicken, was zum ODL-Meßnetz paßt, allerdings ist das Bad noch geschlossen und vom Zaun allein kann man nicht in jede Ecke des Objektes blicken.

DL3HRT

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ODL-Sonde Osterfeld
« Antwort #11 am: 28. April 2019, 21:46 »
Der Standort der Sonde schien glasklar. Da es in Osterfeld eine DWD-Wetterstation gibt, musste die Sonde auf dem Gelände der Wetterstation zu finden sein. Das war sie aber nicht! Sie steht ca. 30m neben dem Wetterstationsgelände auf einer frei zugänglichen Wiese, nicht weit von einem großen Antennenmast entfernt (51°05'13.7"N 11°55'46.2"E). Das hatte den positiven Nebeneffekt, dass ich die Messwerte des von DG0MG reparierten SRP-68-01 mit denen der ODL-Sonde vergleichen konnte. Der aktuelle Messwert der ODL-Sonde war mit 0.097µSv/h angegeben. Das SRP-68-01 zeigte einen Wert von 0.11µSv/h an. Damit bin ich äußerst zufrieden. Auf dem Foto sieht man den eingestellten Messbereich mit einem Skalenendwert von 30µR/h. Das entspricht 0.3µSv/h.



DG0MG

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #12 am: 29. April 2019, 12:34 »
Im Freibad in Schleiz konnte ich leider nichts erblicken, was zum ODL-Meßnetz paßt, allerdings ist das Bad noch geschlossen und vom Zaun allein kann man nicht in jede Ecke des Objektes blicken.

Ich bin ziemlich sicher, dass sich die Sonde auch NICHT im Freibad Schleiz befindet.

Aber der Reihe nach:

Ich bin ja immer so vorgegangen, dass ich mir zuerst einen Screenshot der ODL-Karte in einer hohen Zoomstufe angefertigt und den dann in GoogleEarth an passender Stelle (in Größe und Position zurechtgeschoben) als Overlay eingebunden habe.





Dann kann man an den Punkt einen Pin setzen:



Nachdem ich das für mehrere Positionen gemacht hatte, fiel mir auf, dass die sich ergebenden  Gradangaben viele "Neunen" oder "Nullen" enthielten.

Bei näherer Betrachtung kam dann heraus, dass sämtliche, in der ODL-Karte angezeigten Positionen offenbar einfach auf 2 Stellen nach dem Komma gerundet sind, um die angegebene, gewollte "Ungenauigkeit" der Positionsangabe zu erzielen.

Bei Schleiz muss es also erstmal anstelle von 50.569922° 11.799898° nur heißen: 50.57° 11.80°. Das kommt von den hausgemachten Ungenauigkeiten beim Georeferenzieren des Kartenscreenshots.

Wenn wir die Rundungsregel kennen, können wir auch den Bereich definieren, der zum Rundungsergebnis führt. Das wären dann jeweils in Länge und Breite fünf tausendstel Grad weniger oder mehr. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht: Die gesuchte Position muss in einem Viereck, das durch die diagonalen Eckkoordinaten 50.565° 11.795° (links unten) und 50.575° 11.805° (rechts oben) begrenzt wird, liegen:



Da das Schwimmbad außerhalb des Rechtecks liegt, kann sich die Sonde nur dort befinden, wenn meine Theorie falsch ist 8) In Osterfeld war das btw. auch so, dass das dortige Schwimmbad zu weit vom "Punkt" weg liegt.
Die "Ecken" des Rechtecks sind in unseren Breiten ~650 Meter vom Zentrum entfernt, das ist also die maximale Entfernung, in der man suchen müsste. Ich würde dann also mal für das Stadion/den Sportplatz rechts oben meinen Tippschein abgeben.

Dass die Rundungsregel einfach ein simples "Abschneiden" aller weiteren Nachkommastellen sein könnte, war bei irgendeiner bekannten Sonde deutlich widerlegt. Nicht bedacht sind bisher die Rundungsregeln.

DG0JN

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #13 am: 29. April 2019, 18:42 »
Na, ich war auch nicht untätig und gebe einen neuen Tip ab:

Standort der DWD Wetterstation "An der Sommerbank" - letztes südwestliches Grundstück

50.567938N 11.804135E

DG0MG

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Re: Das ODL-Messnetz des BfS
« Antwort #14 am: 29. April 2019, 18:48 »
Standort der DWD Wetterstation

Das ist natürlich erheblich wahrscheinlicher!