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Autor Thema: Smartphone als Geigerzähler: Die App "radioactivity counter"  (Gelesen 1360 mal)

DG0MG

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Ich bin schon häufiger drüber gestolpert, kann das aber nicht selbst testen, da ich ein nahezu antikes Handy besitze, mit dem ich (nur) Telefonieren kann.



Aber für alle Smartphonebesitzer:

Die CMOS-Kameras in den Handys sind so empfindlich, dass man mit ihnen Beta- und Gamma-Strahlung detektieren kann. Und das sogar im "erträglichen" Dosisleistungsbereich, nur wenig über der Hintergrundstrahlung. Dazu muss die Kameralinse vollkommen lichtdicht zugeklebt werden, die App "radioactivity counter" wertet dann das 'Bildrauschen' bzw. die 'bunten Pixel' der Kamera aus, wie man sie auch auf Videoaufnahmen aus dem Inneren des Tschernobyl-Reaktors kennt - nur eben entsprechend weniger.

Die App gibts für 3,49 EUR im Google Play-Store:


Dass das nicht etwa vollkommener Geigel ist (wie man im ersten Moment denken könnte), sieht man an den Kommentaren, die es lohnen, mal überflogen zu werden. Natürlich kann die App aber kein richtiges Messgerät ersetzen. Man muss auf jeden Fall länger warten, bis ein annehmbares Ergebnis vorliegt.

Weitere Infos zur App auf der Seite des Programmierers Rolf-Dieter Klein:


Da in den Handys verschiedene Kameras verbaut sind, gibt es offenbar auch starke Schwankungen in der Empfindlichkeit, manche Handys sind gut geeignet, manche gar nicht: Liste.

Bionerd23 stellt hier die App "radioactivity counter" vor:



Rolf-Dieter ist btw auch Funkamateur: DM7RDK
Sein Name hat mir erst nichts gesagt, aber als ich auf seiner Webseite ein Bild von ihm gesehen habe, dachte ich: "den kenn ich doch, woher nur?". Er hat in den 80er Jahren im Bayerischen Rundfunk (für uns dem damaligen "dritten West-Programm") in der Sendung "ComputerTreff" einen Selbstbaucomputer vorgestellt. Ich hatte 1988 meinen ersten Z1013, vorher hat man solche Sendungen natürlich verschlungen.

So sieht eine Handy- oder GoPro-Kamera 10 Sv/h Dosisleistung:



Wer mit seinem Portabeltelefon etwas weniger unmodern, als ich ist, kann die App ja mal mit Uranglas (Beta), Glühstrümpfen, Schweißelektroden, Pechblende, Uhrenleuchtzeigern oder an den bekannten Plätzen testen und natürlich hier berichten.
« Letzte Änderung: 15. April 2019, 10:18 von DG0MG »

DG0MG

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Re: Smartphone als Geigerzähler: Die App "radioactivity counter"
« Antwort #1 am: 15. April 2019, 20:48 »
Hiervon kommt wahrscheinlich die Aussage "Pilze messen".

Auweia, das ist ja ein ganz schön "harter Fall" von Pilz:



Ich hatte da mehr so an "1 kg Pilze sammeln, putzen, trocknen, pulverisieren und hinter dicker Bleiabschirmung >10 Minuten messen" gedacht ..

DL3HRT

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Re: Smartphone als Geigerzähler: Die App "radioactivity counter"
« Antwort #2 am: 17. April 2019, 09:22 »
Das ist ein sogenannter "Atompilz"  :) Ich halte das entweder für einen Fake oder der Pilz wächst zufällig auf einem Hotspot. Entweder ist das Video bewusst so gemacht oder die Ergebnisse wurde sehr unkritisch betrachtet.

Ich weiß, wovon ich schreibe, habe ich doch schon einige Pilzproben im Gammaspektrometer vermessen. Da waren auch belastete Proben aus Bayern dabei. Alle Proben waren getrocknet, hatten also die in etwa 10fache Aktivität bezogen auf die Frischmasse. Die benötigten Messzeiten für eine saubere Auswertung waren beträchtlich.

Dass ein Pilz die im Video gezeigte Cs-137 Aktivität anreichert halte ich für unrealistisch.






DL3HRT

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Re: Smartphone als Geigerzähler: Die App "radioactivity counter"
« Antwort #3 am: 18. April 2019, 16:44 »
Hier ein Spektrum von getrockneten und pulverisierten Mischpilzen aus der Gegend um Haibühl. Man sieht die Hintergrundstrahlung als graue Linie und die durch ein Labor vermessene Referenzprobe als rote Linie. Für die Pilzprobe (grüne Linie) habe ich eine Aktivität von 1570 Bq/kg in Trockenmasse bestimmt. Das entspricht in etwa 160 Bq/kg in Frischmasse, liegt also noch deutlich unter dem Grenzwert. Dennoch ist das Cäsium-137 eindeutig zu erkennen. Außerdem auch die leicht erhöhte Kalium-40 Strahlung durch den Kaliumgehalt der Pilze. Die Messzeit betrug 3 Stunden.

DG0MG

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Hier macht noch jemand systematische Versuche mit der App: