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Allgemeines => Allgemeine Diskussionen => Thema gestartet von: Peter-1 am 11. Januar 2021, 12:28

Titel: ODL-Messung
Beitrag von: Peter-1 am 11. Januar 2021, 12:28
Hallo in die Runde,

Ich komme mit einer vielleicht unsinnigen Frage.
Falls ich ein SBT10A für eine ODL Messung verwenden will, dann ist es doch sicher richtig das Eingangsfenster mit Plexiglas, Aluminium oder Kupfer gegen Betastrahlung abzudecken. Ist der Gedanke falsch? Falls doch richtig, welcher Stoff und welche Materialstärke ist dann sinnvoll?
Die Frage ist mehr theoretisch, denn ich will das Zählrohr nicht als Sonde in meinem Garten aufstellen.
Titel: Re: ODL-Messung
Beitrag von: Henri am 11. Januar 2021, 13:16
Die Frage ist mehr theoretisch, denn ich will das Zählrohr nicht als Sonde in meinem Garten aufstellen.

Na ja, ich denke, um die Praxisbetrachtung kommt man bei so einer Frage nicht herum :)

Wenn Du es tun wollen würdest: was möchtest Du damit bezwecken?

1) Feststellen, wenn irgendwo Radioaktivität freigesetzt wird? Dann ist ja auch die Betastrahlung interessant. Also Zählrohr möglichst gar nicht abschirmen und das Fenster schräg Richtung Boden in 1m Höhe ausrichten, damit möglichst viel vom Boden erfasst wird (unter Berücksichtigung, dass Betastrahlung keine große Reichweite hat). Was Du dann misst, sind natürlich "Hausnummern". Aber Du weißt dann zumindest, dass was passiert ist und kannst genauere Untersuchungen mit geeigneten Messgeräten anstellen.
Ich würde sage, für diesen Einsatzzweck ist das SBT10A auch aufgrund seines robust ausgelegten Mica-Fensters ziemlich gut geeignet.

2) Möglichst genau den Wert der Ortsdosisleistung bestimmen. Dafür brauchst Du ein hierfür ausgelegtes Gerät mit Energiekompensation. Diese Kompensation ist nicht nur das Ausfiltern von Betastrahlung, sondern auch das Abdämpfen der niedrigen Strahlungsenergien. So etwas wird in umfangeichen Experimenten für jeden Zählrohrtyp individuell bestimmt und fließt teilweise auch in Details bei der Konstruktion der "Zählrohrinnereien" mit ein. Das kann "man" nicht selber machen. Das SBT10A ist ein "Spezialist" zur möglichst effektiven Detektion (nicht Messung!) niedrigenergetischer Betastrahlung. Es ist nicht für die Messung einer ODL konstruiert worden und kann das auch dementsprechend schlecht.

Zum Messen also immer das richtige Werkzeug nehmen. Man kann einen Hammer natürlich auch so modifizieren, dass sich damit Schrauben rausdrehen lassen, aber will man das?  ;D

Viele Grüße!

Henri
Titel: Re: ODL-Messung
Beitrag von: Peter-1 am 11. Januar 2021, 13:43
Danke Henry,

war von mir zu einfach gedacht.
Die ODL schwankt hier ja auch nur gering, es sei denn es regnet kräftig. Aber das sehe ich an 5 Sonden hier im Umkreis.

Zur Betaempfindlichkeit habe ich mal eine Röhre von Western Electric 427A mit einer Füllung von Kr85 getestet. Hat sich gut vom Untergrund abgehoben, obwohl behauptet wird, dass der Glaskolben die Betas abschirmt. Die minimale Gammastrahlung wird es sicher nicht gewesen sein. Die Röhre könnte von 1960 stammen.
Titel: Re: ODL-Messung
Beitrag von: NoLi am 11. Januar 2021, 14:29
1) Feststellen, wenn irgendwo Radioaktivität freigesetzt wird? Dann ist ja auch die Betastrahlung interessant. Also Zählrohr möglichst gar nicht abschirmen und das Fenster schräg Richtung Boden in 1m Höhe ausrichten, damit möglichst viel vom Boden erfasst wird (unter Berücksichtigung, dass Betastrahlung keine große Reichweite hat).

Sondenaufstellung in 1m Höhe ist viel zu hoch...die max. Reichweite von Beta-Teilchen von z.B. Cs-137 (ß-max. 0,51 MeV) liegt in Luft bei ~ 1,5m! Für Co-60 (ß-max. 0.32 MeV) bei 0,7m ; für J-131 (ß-max. 0,61 MeV) bei 1,8m!
Die größte Teilchenhäufigkeit ist bei einem Drittel der ß-max Energie zu finden und zu detektieren. Für Cs-137 wären dies ~ 0,5m Abstand zum Boden, für J-131 z.B. ~0,6m Abstand, bei anderen Radionukliden noch deutlich weniger.

Empfehlung: für Beta-Messungen in der Umwelt das Detektorfenster nicht weiter als in 0,1m bis 0,2m Abstand zum Boden platzieren.

Gruß
Norbert
Titel: Re: ODL-Messung
Beitrag von: Henri am 11. Januar 2021, 21:26

Empfehlung: für Beta-Messungen in der Umwelt das Detektorfenster nicht weiter als in 0,1m bis 0,2m Abstand zum Boden platzieren.


... und hoffen, dass dann kein Mäuschen am Zählrohr knabbert  ;D