Kann man Bremsstrahlung an einer Uhr mit Tritium-Leuchtelementen messen?

Begonnen von DL3HRT, 02. Juni 2019, 19:31

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

NoLi

Der RKSB-104 hat zwei fest vorgegebene Zählzeiten: 25 Sek. und 250 Sek.

Gruß
Norbert

DL3HRT

ZitatDer RKSB-104 hat zwei fest vorgegebene Zählzeiten: 25 Sek. und 250 Sek.
Dann hilft nur, mehrere Messungen nacheinander machen und den Mittelwert bilden. Bei 7 Messungen kommt man auf knapp 30 Minuten. Heißt natürllich, dass man insgesamt eine Stunde Messzeit benötigt (Nullmessung + Probe).

DL3HRT

Vor einiger Zeit ist einem Bekannten ein HIII-Stab zerbrochen. Er hat die Reste in eine Kunststofftüte gepackt. Ein paar Wochen oder Monate später fiel im nachts auf, dass die Leuchtschicht immer noch schwach glimmte. Ich habe daraufhin Messungen mit der RAP-47 Sonde am zerbrochenen Stab durchgeführt und in der Tat konnte ich ein deutliches Bremssppektrum messen. Die Intensität ist natürlich deutlich geringer als bei einem intakten Stab aber deutlich höher als erwartet. Im Vergleich mit einem intakten Stab ist das gemessene Maximum ein wenig zu niedrigen Energien verschoben. Das erklärt sich dadurch, dass sich zwischen Leuchtschicht und Detektor kein Glas mehr befand, welches die niederenergetische Strahlung absorbieren konnte. Schließlich handelt es sich um einstellige keV-Werte.

Was meint ihr, handelt es sich hier um im Glas absorbiertes HIII oder hat ist ein Teil des HIII eine chemische Verbindung mit dem Leuchtstoff (vermutlich Zinksulfid) eingegangen? Man darf sich HIII ja nicht nur als Gas vorstellen sondern chemisch als ganz normalen Wasserstoff, der auch chemische Verbindungen eingehen kann.

NoLi

Zitat von: DL3HRT am 12. September 2020, 19:06
Man darf sich HIII ja nicht nur als Gas vorstellen sondern chemisch als ganz normalen Wasserstoff, der auch chemische Verbindungen eingehen kann.

Genau so ist es. Es geht sogar noch weiter, Tritium H-3 diffundiert auch in feste Oberflächen ein (auch bei Normaltemperatur).
Beispiel: ein sehr guter Tritiumspeicher mit hoher Aufnahmefähigkeit ist Uran in Plättchenform; unter 300°C sehr gute Aufnahme und Speicherung, über 300°C sehr gute Abgabe.

Allerdings löst es sich auch mit der Zeit von der Matrix wieder und diffundiert ab. Dieses "Austreiben" kann man mit Isotopenaustausch von Tritium durch Protium H-1 durch z.B. Wässerung beschleunigen, erhält dann aber tritiumhaltiges Wasser.

So habe ich vor vielen Jahren mal die Tritiumfreisetzung einer SWATCH Taucheruhr (bis 200m dicht) durch das Plastikgehäuse bestimmt.
Uhr rein in 100 ml Wasser (Kautexfläschchen) - nach 24 Stunden Uhr wieder raus - Wasserprobenaktivität in LSC-Flüssigszintillationszähler bestimmt.
Ergebnis: Freisetzungsrate durch Diffussion ~ 600 Bq/h = 14.400 Bq/d .

Gruß
Norbert

Henri

Ich verstehe ja nachwievor überhaupt nicht, warum diese Dinger mit teilweise unglaublichen Aktivitäten (bis 1 GBq) frei verkäuflich sind. Sie gehen kaputt, wie beschrieben, oder landen im Hausmüll. Das Tritium oxidiert schnell und wird zu "Wasser", wird perfekt in den Körper aufgenommen, hat direkten Zugang zu allen Zellen, und wenn der "Wasserstoff" irgendwo eingebaut wird und dann zerfällt, knackt eventuell eine Wasserstoffbrücke auf, an der er beteiligt war. Blöd, wenn die z.B. in einer DNA-Doppelhelix war.

Demgegenüber gibt es Nuklide, die man in der Natur in größeren Mengen "finden" kann als man besitzen darf. Z.B. Cs-137 Freigrenze 10 kBq, entsprechend 17 kg Wildschweinfleisch, das man gerade noch so essen darf. Nimmt der Jäger das ganze Schwein mit nach Hause, müsste er dafür eigentlich ne Lizenz beantragen...

Versteht man das?

NoLi

Die Freigrenzen für Radionuklide sind so berechnet, dass im ungünstigsten Einwirkungsfall auf den Körper, beispielsweise durch Verschlucken der gesamten Aktivität, eine effektive Dosis von 1 mSv nicht überschritten wird.
Neben der Gesamtaktivität spielt dabei auch die spezifische Aktivität eine Rolle; der angeführte "Normaljäger" wird dabei selten mehr als die angeführten 17 kg verzehren. Und wenn doch, ist dies auch kein Beinbruch...80 kBq Cs-137 (= 133,3 kg beim EU-Lebensmittelgrenzwert von 600 Bq/kg) im Körper ergeben eine Dosis von 1 mSv.

Gerade der Tritiumgrenzwert ist hier bei einigen sogenannten "kritischen Wissenschaftlern" umstritten; häufig wird dabei aber die geringe Aufenthaltszeit dieses Isotops im Organismus nicht ausreichend berücksichtigt. Der Mensch atmet ständig Feuchtigkeit aus, schwitzt und pinkelt nicht unerhebliche Mengen an Flüssigkeit. Die biologische Halbwertszeit von H-3 im Körper beträgt unter normalen Lebensumständen rund 14 Tage...kann aber durch großzügig bemessene Flüssigkeitszufuhr, z.B. mit Bier, deutlich verkürzt werden ("saufen für den Strahlenschutz" :)) :yahoo:).

Gruß
Norbert

marco

ich selber würds zuerst mit eisen 55 (verkauf spectrumtechniques) versuchen, und wenn ich das nachweisen könnte, wär die messanordnung prinzipiell tauglich.
so aus dem hohlen bauch bezweifle ich dass man die bremsstrahlung an der uhr messen kann, weil uhrglas häufig aus kunststoff, also schon grundsätzlich schwache bremsstrahlung.
Vertrauen ist gut, selber messen ist auch gut

DL3HRT

Zitatso aus dem hohlen bauch bezweifle ich dass man die bremsstrahlung an der uhr messen kann, weil uhrglas häufig aus kunststoff, also schon grundsätzlich schwache bremsstrahlung.
Aber genau das habe ich im Eingangsposting doch gezeigt. Man kann die Bremsstrahlung messen:
https://www.geigerzaehlerforum.de/index.php/topic,102.msg531.html#msg531

marco

Vertrauen ist gut, selber messen ist auch gut