radioaktive Röhren

Begonnen von DL3HRT, 24. Juni 2019, 17:08

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Lennart

Ich habe jetzt Kopfschmerzen von den ganzen Bezeichnungen und trotzdem hat es sich gelohnt  :)
Gemeint ist damit "meine" Liste radioaktiver Röhren. Ursprünglich nur für den Eigenbedarf erstellt, möchte ich sie jetzt trotzdem veröffentlichen. Auch in der stillen Hoffnung, dass die Liste von weiteren Personen erweitert und korrigiert wird. Leider kann ich nur als PDF hochladen, gerne verschicke ich die Excel-Mappe per Mail.

Wichtig: Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der Angaben. Tippfehler sind ebenfalls möglich. Zudem ist die Liste nicht wirklich sortiert, zumindest aber nach Herstellern gruppiert. Insbesondere alle Aktivitätsangaben sind mit äußerster Vorsicht zu genießen, darüber hinaus sind - wenn überhaupt - nur Maximalwerte angegeben. Teilweise nenne ich nur die CV-Nummer, oder nur die kommerzielle Bezeichnung, oder eben beides.

Ich habe mal einige Exemplare bestellt und werde, sofern noch möglich, die Daten bestätigen oder anpassen. Insbesondere interessieren mich auch die sowjetischen Modelle, von denen ich nur die РБ-5 als Kr-85-Quelle in die Liste aufgenommen habe - bisher zumindest  ;) 

Weitere Vorstellungen unterschiedlicher Röhren werden folgen.

Quellen:

Ich habe die bereits hier im Thread vorgestellten Röhren übernommen. Der Rest stammt größtenteils aus eigener Recherche, insbesondere Ebay-Angebote und weitere Bilder, die Rad.-Warnzeichen auf Röhren zeigen.

Zusätzlich noch folgende Quellen:

- Museum of Radiation and Radioactivity
- Übersicht Sperröhren / Tube Collection Udo Radtke
- PhysicsOpenLab
- PocketMagic

EDIT: Wer die Liste schon heruntergeladen hatte, bitte erneut downloaden. Die Version war bereits veraltet...

DL3HRT

Das Problem bei den Röhren ist, dass sie in der verschiedensten Varianten hergestellt wurden.

Der 0A2 Glimmstabilisator war ein Wald-und-Wiesen-Bauteil, welcher in einer Vielzahl von Geräten verbaut war. Nur ein sehr geringer Prozentsatz davon hatte radioaktive Zusätze zur Verbesserung des Zündverhaltens bei Dunkelheit. Meist war das bei Bauteilen für militärische Geräte so. Ich habe bisher einen einzigen radioaktiven 0A2 in der Hand gehabt und der ist in Netzteil meines GRC-109 verbaut. Er enthält reichlich Ra-226.

Ein anderes Beispiel sind die Cerberus-Röhren wie z.B. GR-16, GR-17 usw. Die älteren Modelle enthalten Ra-226 wobei man mit dem Zusatz wirklich nicht gegeizt hat :). Man kann durchaus 20 µSv/h und mehr am Röhrenkolben messen. Teilweise sieht man auch den eingetrockneten Salzfleck an der Innenseite des Röhrenkolbens. Später ist man zu Tritium (HIII) übergegangen. Dann ist außen nichts zu messen, da das Glas des Röhrenkolbens alles schluckt und zudem die Aktivität des Tritiums aufgrund des Alters sehr gering ist.

Die Elesta ER21A ist auch oft mit Ra-226 versetzt. Dann ist eine hohe Aktivität messbar. Spätere Chargen arbeiten mit Tritium. Die Röhrenkolben haben manchmal ein aufgedrucktes "T", manchmal aber auch nicht.

Eine Röhre mit Co-60 hatte ich bisher noch nicht in der Hand. Die HWZ ist auch recht kurz, so dass die meisten Röhren abgeklungen sind.

Relativ eindeutig scheinen die Funkenstrecken der TG-Reihe zu sein, die in der Regel mit Cs-137 versetzt sind. Ich habe aber auch schon einige Exemplare in der Hand gehabt, die überhaupt keine Aktivität gezeigt haben. Das sind dann die, die auf Ebay augenscheinlich sehr günstig angeboten werden.  :D

Schwierig sind die Victoreen-Röhren, die Ni-63 enthalten. Aufgrund der geringen Energie der Betastrahlung ist von außen in der Regel überhaupt keine Aktivität messbar.

Manche radioaktive Röhren haben ein aufgedrucktes Trefoil oder einen Hinweis auf das verwendete Nuklid wie "Kr-85" oder "Ni-63". Andere Röhren sind gar nicht gekennzeichnet.  Manchmal steht der Hinweis auch nur auf der Verpackung.

Ihr seht, dass das Thema sehr komplex ist und häufig auf Ausprobieren hinausläuft. Flohmärkte wie z.B. auf der HAM-Radio sind gut geeignet, um sich durch die Vielzahl der angebotenen Röhren "durchzumessen". Allerdings haben da auch nicht alles Händler Verständnis  ;).




DL8BCN

Ich denke einen Sonderfall gibt es noch:
Ich habe eine Röhre wo draufsteht "Radiation when energized".
Das bezieht sich wohl auf Röntgenstrahlung und da ist gar keine radioaktive Quelle drin.


Lennart

Aufgrund der von @DL3HRT genannten Problematik, dass die Röhren sich teilweise gewaltig unterscheiden, würde ich persönlich keine teuren Blindkäufe tätigen, auch wenn eine Röhre laut der Liste vermutlich radioaktiv ist. Am Ende muss man auch noch etwas messen können, was z.B. bei Co-60 nach >= 50 Jahren schon schwierig wird.



Zitat von: DL3HRT am 21. Dezember 2023, 13:11Kennt jemand von euch Röhren, die C-14 oder Pb-210 enthalten? Das ist mir bisher auch in keinem Datenblatt vorgekommen.

Ich habe einen Hinweis auf eine Röhre mit Bezeichnung "446" vom Hersteller mit Abkürzung "AE" gefunden. Leider weiß ich nicht mehr, in welcher Quelle das stand. Auf jeden Fall gab es dort keine weiteren Informationen, nur die angebliche Nutzung von C-14. Meine bisherige Suche diesbezüglich war ergebnislos.

exicator

Hallo Lennard,

... in der fourth Edition (Februar 2007) des Buches "Living With Radiation" von Paul Frame u. William Kolb gibt es ab Seite 241 eine Tabelle über Radioactive Electron Tubes, in der mehrere Röhren mir C-14 aufgelistet sind, es finden sich unter der Bezeichnung 446 folgende Angaben:

446A Manufacturer: Werstern Electric, Tube Description: Cold-Cathode, Isotop: Kr-85, Activity: 0,1 µCi

Vom Hersteller Anton werden die Röhren: 414, 421, 475 u. 476 mit C-14 als Isotop aufgelistet.
Es gibt ein paar Tubes mit "Unknown" Isotopen ...
Eine Röhre mit Pb-210 ist nicht dabei ...

Viele Grüsse aus Berlin,
Ralf

NoLi

Die VALVO OA2 aus den 1970er Jahre enthält Ra-226 in sehr geringer Menge (etwa 3 bis 4-fache Nullrate außen am Röhrenkolben). Keine weitere Kennzeichnung auf ein Radionuklid auf der Röhre.

Krypto-85 hat eine Halbwertszeit von ca. 10,5 Jahren; im Jahr 1985 hergestellte Röhren besitzen somit nur noch ca. 6 % der Ausgangsaktivität.

Norbert

Lennart

Zitat von: exicator am Gestern um 17:36446A Manufacturer: Werstern Electric, Tube Description: Cold-Cathode, Isotop: Kr-85, Activity: 0,1 µCi

Ja, das Modell hatte ich auch gefunden. Ich bin aber weder sicher, ob mit Modell "446" wirklich die "446A" gemeint ist, noch welcher Hersteller hinter "AE" steckt.

Zitat von: exicator am Gestern um 17:36Vom Hersteller Anton werden die Röhren: 414, 421, 475 u. 476 mit C-14 als Isotop aufgelistet.

Ah, das ist interessant. "Anton" als Hersteller hatte ich auch nicht auf dem Schirm - danke.

Zitat von: NoLi am Gestern um 19:49Die VALVO OA2 aus den 1970er Jahre enthält Ra-226 in sehr geringer Menge (etwa 3 bis 4-fache Nullrate außen am Röhrenkolben). Keine weitere Kennzeichnung auf ein Radionuklid auf der Röhre.

Mal allgemein gefragt: gibt es eigentlich eine OA2 ? Ich glaube die Bezeichnung ist tatsächlich 0A2 "null A zwei", oder irre ich mich? Das Radiomuseum verweist auch auf die 0A2. Das hatte mich bei der Recherche bereits verwirrt.

Zitat von: NoLi am Gestern um 19:49Krypto-85 hat eine Halbwertszeit von ca. 10,5 Jahren; im Jahr 1985 hergestellte Röhren besitzen somit nur noch ca. 6 % der Ausgangsaktivität.

Die Tatsache, dass nur 0,4 % aller Zerfälle in einem 514 keV Photon resultieren, ist sicher auch nicht förderlich. Die durchschnittliche Energie der Betastrahlung ist ebenfalls gering. Da wird ein guter Prozentsatz im Glas "hängenbleiben". Um so erstaunlicher, wie gut der RadiaCode-110 die Restaktivität noch detektieren kann. Nach nun > 51 h ist der Peak auch in der lin-Darstellung relativ deutlich sichtbar.