Radiumbecher, Radium-Emanator, Revigator, Radium-Kur, Radiumizer, Radium-Trinkbecher

Begonnen von Reinhold, 17. Juli 2019, 07:13

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DG0MG

Das Internet gibt nicht viel her, aber trotzdem gefunden, im "Adreßbuch der Kreisstadt Zwickau und Umgebung" von 1940.
Vorher tritt die Firma nicht auf, die Jahresangabe "1925" in der Anzeige ist also vermutlich geschätzt.


Zwickau, Schumannstraße 4: https://goo.gl/maps/cVsLScr1fFz6RuWx7
Das ist ein Gründerzeithaus links neben dem Ringcafe (zumindest jetzt).
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Radiumbecher

Kennt ihr den Radiumbecher Volksfreund von ca. 1937.
Welcher Teil des Bechers ist strahlend? Wie wurde das Radium eingeführt?

NoLi

Dazu müsste man ein Bild vom "Volksfreund" haben.

Gruß
Norbert

DG0MG

Eines immer bedenken:
Falls der Strahler noch drin ist, dürfte der Besitz des Radiumbechers illegal sein! (Aktivität >10 kBq Ra-226) von der Gefährlichkeit ganz zu schweigen - falls das jemand nicht einordnen kann.
Was dann so passieren kann, zeigen die oben verlinkten Presseartikel.

Ich selbst wöllte so ein Ding auf Teufel komm raus nicht in Besitz haben wollen.

"Die Behörde appelliert an alle, die noch im Besitz solcher ,,strahlend schöner" Exponate sind, diese nicht in den Hausmüll zu geben oder etwa zu öffnen, sondern sich umgehend mit den Fachleuten des Strahlenschutzdezernates beim RP in Verbindung zu setzen, um eine fachgerechte Entsorgung in die Wege zu leiten."

https://osthessen-news.de/n11498956/radioaktiv-verseuchten-radiumbecher-bei-haushaltsaufl%c3%b6sung-gefunden.html
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Henri

Na ja, und das Ding gast ja auch noch ohne Ende Radon aus. Das Radium liegt ja in Form eines offenen Strahlers vor, vielleicht bröselt da sogar mal was von raus.
Also ich würde so ein Ding auch niemals nie in meiner Wohnung haben wollen (und auch sonstwo nicht). Wenn Du so was haben solltest, historischer Wert hin oder her: einmal mit dem Geigerzähler gründlich messen, ob die Quelle noch drin ist oder Rest-Kontamination vorhanden ist, und falls ja, Handschuhe an, vorsichtig doppelt in Plastiktüten verpacken und ab damit zur Landessammelstelle! Bzw. eigentlich darfst Du den theoretisch dann gar nicht selber im Auto transportieren und müsstest ihn abholen lassen. Am besten vorher mal anrufen und das absprechen.

Peter-1

Und wenn ich darüber nachdenke, so wird wohl die Strasse abgesperrt, das Nachbarhaus evakuiert, es kommt der Rettungsdienst ......
und dann die große Rechnung  :o
Vielleicht wäre es in einem Radonbad gut aufgehoben? Radon in unterschiedlicher Betrachtungsweise.
Und 1920 hatte es Onkel Dok. auf seinem Schreibtisch stehen.  >:(

Peter
Gruß aus Bayern - Peter

Henri

Zitat von: Peter-1 am 28. März 2021, 14:43
Und wenn ich darüber nachdenke, so wird wohl die Strasse abgesperrt, das Nachbarhaus evakuiert, es kommt der Rettungsdienst ......
und dann die große Rechnung  :o
Vielleicht wäre es in einem Radonbad gut aufgehoben? Radon in unterschiedlicher Betrachtungsweise.
Und 1920 hatte es Onkel Dok. auf seinem Schreibtisch stehen.  >:(

Peter

Ist doch schön, wenn mal was los ist. Das Leben ist eh viel zu langweilig meist ;D

Das Problem an diesen Befürchtungen ist, dass sie nicht ganz aus der Luft gegriffen sind und viele Leute solche Dinge dann tatsächlich im Wald aussetzen oder zum Sperrmüll geben, einfach aus Angst vor den Folgen. Das kann man in gewisser Weise schon der "Überreaktion" der Einsatzkräfte zuschreiben. Aber was soll's... irgendwer muss das Ding irgendwann mal fachgerecht entsorgen. Zumindest wenn man noch ein bißchen Verantwortungsbewußtsein hat.
Richtig Probleme bekommt man auf jeden Fall, wenn man das Teil irgendwo verklappt, und jemand (z.B. spielende Kinder...) kommt dadurch zu Schaden.

Theoretisch könnte man es wohl auch einfach zur nächsten Polizeiwache bringen: "Hier, wollte ich abgeben, ist über der Freigrenze, darf ich nicht besitzen. Schönen Tag noch ;D !"  Wenn es ordentlich eingepackt ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass die dann noch mal einen ABC-Zug zur Wohnung schicken, um dort auf Kontamination zu prüfen.
Falls doch: bitte hier im Forum berichten (am besten mit Fotos)  :rofl:

Peter-1

Aber Henri,

dass die dann noch mal einen ABC-Zug zur Wohnung schicken, um dort auf Kontamination zu prüfen.

Wir leben doch in Deutschland ! Ganz sicher käme ein ABC-Zug und noch mehr.
Wenn schon Polizei, dann gut gekennzeichnet vor die Eingangstür stellen. Dann muß die Polizei ihr eigenes Haus sperren.  :yahoo:
Ob überhaupt noch solche Strahler im Umlauf sind ?
Gruß aus Bayern - Peter

Radiumbecher

Danke schonmal für die Antworten. Hier nochmals paar Bilder. Ist da das Radium enthalten, oder war das in einem zusätzlichem Behälter. Geigerzähler habe ich leider nicht.

NoLi

Zitat von: Peter-1 am 28. März 2021, 17:20
...
Ob überhaupt noch solche Strahler im Umlauf sind ?

O ja!
Den letzten Fall, den ich live miterlebt habe, war der Strahlungsalarm auf der Waage durch einen Pritschenwagen mit Schrott bei der Einfahrt eines Schrotthändlers. Der ABC-Zug kam, der Schrott/die Ladepritsche wurde ausgemessen, der Radiumbecher aufgestöbert, gesichert und der Aufsichtsbehörde "übergeben".
Ursache: Metallschrottsammlung in ein paar Gemeinden des Umlandes; der Schrott war zur Abholung von den Abgebern vor den Häusern abgestellt worden. Der Verursacher konnte nicht ermittelt werden.

Norbert

NoLi

Zitat von: Radiumbecher am 28. März 2021, 18:30
Danke schonmal für die Antworten. Hier nochmals paar Bilder. Ist da das Radium enthalten, oder war das in einem zusätzlichem Behälter. Geigerzähler habe ich leider nicht.

Bei dem Ensemble fehlt der Deckel! An diesem Deckel war der pilzförmige Radiumhalter befestigt, der in das mit Wasser gefüllte Glas eintauchte. Durch Öffnungen im Pilz musste das entstehende, austretende Radon in das Wasser übertreten und wurde dort angereichert (möglichst 24 Stunden lang). Anschliessend öffnete man den Becher, trank das radonangereicherte Wasser und füllte das Glas wieder für die Radon-Dosis des nächsten Tages. Der Deckel besaß einen Gummidichtungsrand und wurde mit einem Bajonettverschluß auf das wassergefüllte Trinkglas gedrückt, damit sich möglichst wenig Radon verflüchtigen konnte.
Im Pilz befand sich das Radium als wasserunlösliches Radiumsulfat, vermischt mit einer Art Wachs, in einem sehr feinmaschigen zugelöteten Drahtnetz.

Norbert

Radiumbecher

Hallo Norbert,

vielen Dank :)
Da bin ich ja froh, dass ich nichts entsorgen muss. Das Gerät stammt vermutlich von meinem Opa, und beim Ausräumen seiner Garage nach seinem Tod fiel es mir in die Häde.

Grüße

NoLi

Die Apparatur scheint den Fotos nach doch intensiver genutzt worden zu sein...hatte dies gesundheitliche Folgen?

Gruß
Norbert

Radiumbecher

Das kann ich leider wirklich nicht beantworten. Wie gesagt vermute ich, dass das mein Opa irgendwann erworben hat. Er ist allerding 1937 erst 13 Jahre alt gewesen. Vielleicht hat er das im Krieg von einem Kameraden bekommen oder es wurde dort gemeinsam genutzt...
Mein Großvater wurde 92 Jahre alt, hatte nie Krebs, nur schon sehr früh Haarausfall...

NoLi

Obwohl dies eine TRINK-Apparatur war, wurden solche Geräte auch zum Anreichern von Badewasser mit Radon empfohlen und benutzt. Anstatt zu trinken, kippte man den Glasinhalt in die gefüllte (wäre ja sonst auch etwas zu wenig Wasser ;D ) Badewanne.

Leistung dieses Radonbechers: 10.000 Millistat = 10.000 M.E. = 135.000 Bq/l Rn-222 (für das Wasserglas bzw. den Wasserglasinhalt). Dazu kommen dann noch die Radon-Folgeproduktaktivitäten von Polonium-218, Blei-214, Bismut-214 und Polonium-214.

Norbert