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Autor Thema: Doramad - die radioaktive Zahnpasta für "strahlend weiße Zähne"  (Gelesen 1999 mal)

DL3HRT

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Ja, so etwas gab es wirklich! Doramad wurde im Zeitraum von 1940 bis 1945 von der Auergesellschaft in Berlin hergestellt  (siehe hier).

Die Zahnpasta soll eine Thoriumverbindung enthalten haben. Ich habe aber bisher noch nicht herausfinden klären können, welche Substanz verwendet wurde. Thorium-X wurde mit verschiedenen Bedeutungen verwendet. Falls mich da jemand aufklären kann bin ich dankbar.

Auch damals wurde schon reichlich Werbung gemacht. So kann ich euch heute ein Werbeprodukt für Doramad vorstellen, das Doramad-Legespiel. Es besteht aus 8 Holzdreiecken mit sinnreichen Werbesprüchen. Auf einem Vorlageblatt sind 48 Figuren abgebildet, die man mithilfe der 8 Holzdreiecke legen soll.

Ich hatte vor einiger Zeit einmal einige fast leere Tuben aus einem Erdfund in Estland im Gammaspektrometer. Es war keinerlei Aktivität messbar. Vermutlich wurden kurzlebige Nuklide verwendet oder es wurde der Zahnpasta nur wenig zugesetzt.




DL3HRT

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Die Zahnpasta ist so bekannt, dass bei Ebay sogar Replikas angeboten werden, natürlich ohne radioaktive Zusätze ;).
https://www.ebay.com/itm/254244700330


wrdmstr inc.

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Neulich auch eine im wald gefunden ..aber nix messbar weil gleicht eher nem hohlen zahn  :))

DG0MG

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Gehst Du sondeln?
Also mit Metallsuchgerät?  :)
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NoLi

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Die Zahnpasta soll eine Thoriumverbindung enthalten haben. Ich habe aber bisher noch nicht herausfinden klären können, welche Substanz verwendet wurde. Thorium-X wurde mit verschiedenen Bedeutungen verwendet. Falls mich da jemand aufklären kann bin ich dankbar.
Möglicherweise wurde Thorium-228 für die Zahncreme verwendet, welches aus einer "Radium-228-Kuh" gewonnen werden kann, denn Radium-228 lässt sich sehr gut aus dem natürlichen Thorium (Th-232 + Th-228) mit Folgeprodukten abtrennen.
Anschliessend zerfällt das Ra-228 über Actinium-228 zu reinem Th-228, welches sich wiederum aus dem Gemisch extrahieren lässt und mit den radioaktiven Folgeprodukten zusammen das "Thorium-X" bildet.
Hier das Zerfallsschema mit zugehörigen Halbwertszeiten:

   - Radium 228Ra (Halbwertszeit 5,75 a),
   - Actinium 228Ac (6,15 h),

   - Thorium 228Th (1,9116 a),
   - Radium 224Ra (3,66 d),
   - Radon 220Rn (55,6 s),
   - Polonium 216Po (0,145 s),
   - Blei 212Pb (10,6 h),
   - Bismut 212Bi (60,55 min),
   - daraus zu 64 % Polonium 212Po (3·10−7 s) und
   - zu 36 % Thallium 208Tl (3,053 min),
   - aus beiden stabiles Blei 208Pb.

Da Th-228 nur eine Halbwertszeit von 1,91 Jahren besitzt und die Folgeprodukte ebenfalls kurzlebig sind, beträgt die Radioaktivität nach 19 Jahren, also 10 Halbwertszeiten, nur noch 0,1% der Anfangsaktivität und ist heute somit nach 75 bis 80 Jahren quasi vollständig abgeklungen.

Dass eine Gewinnung von Ra-228 neben Ra-226 üblich und in Verwendung war, zeigen u.a. auch einige sehr alte Leuchtfarben.

Gruß
Norbert

DL3HRT

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Norbert liegt da mit Sicherheit richtig. Ich habe bereits mehrere dieser Doramat-Tuben untersucht. In keinem Fall konnte ich im Gammaspektrometer irgendeine Gammalinie nachweisen.

DG0MG

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Ein DORAMAD-Werbeflyer für 250.- EUR:


 :o
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DL3HRT

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Das sieht schon fast zu gut erhalten aus...

NoLi

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Diese Blätter gab es kostenlos als Faksimili beim radiometrischen Seminar von Prof. Philipsborn (Uni Regensburg) am 16. Okt. 2015 in Theuern.

Gruß
Norbert

DL3HRT

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Vielleicht sollte man das dem gewerblichen Verkäufer mitteilen. Anscheinend hat er es selbst nicht bemerkt.

DG0MG

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Naja, die "Faksimiles" werden ja auch nur Farbkopien eines tatsächlichen Originalflyers sein. Den Unterschied zwischen beiden Varianten wird man in den ebay-Fotos nicht erkennen. Da der Verkäufer von "leicht gebräunt" schreibt und auch sonst schon fast 20 Jahre dabei ist und reichlich diverse ältere Stücke verkauft hat, traue ich ihm schon zu, den Unterschied zwischen Original und einer Farbkopie zu erkennen.
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