Bleiburg bauen?

Begonnen von Floppyk, 11. Oktober 2019, 12:01

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Flipflop

Das Blei Schaut Oxidiert aus. Dann die Bleibarren, die so Weisse stellen haben, Karbonat oder Acetat? Schade, sonnst wäre das Granulat was für mich gewesen.  :unknw: 

https://www.ricardo.ch/de/a/blei-granulat-1246317876/

https://www.ricardo.ch/de/a/blei-barren-1246317790/


DG0MG

Hier sieht man mal das Öffnen einer Abschirmtür, die in einen Raum mit einem Zyklotron führt, in der tschechischen Republik:

"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

NoLi

Zitat von: DG0MG am 06. Januar 2024, 09:13Hier sieht man mal das Öffnen einer Abschirmtür, die in einen Raum mit einem Zyklotron führt, in der tschechischen Republik:
Dicke ca. 2,5 bis 3 Meter Schwerbeton.
Zumindest beim Isochron-Zyklotron und Protonenzyklotron im KIT/Campus-Nord.
Das dürfte in allen Zyklotronen ähnlich sein.

Norbert

DG0MG

Für die Wände mag das gelten, die Tür ist aber nicht so dick. Anhand der nahezu quadratischen Fußplatte, die am Ende runterklappt, würde ich die Türdicke auf 1 Meter schätzen. Vielleicht ist sie mit anderem Abschirmmaterial als Beton gefüllt.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Lennart

Zitat von: DG0MG am 06. Januar 2024, 11:02Anhand der nahezu quadratischen Fußplatte, die am Ende runterklappt, würde ich die Türdicke auf 1 Meter schätzen.

Die Tür ist tatsächlich sogar noch etwas dünner als die Bodenplatte lang ist. Das sieht man oben rechts in der Ecke, wo die beiden angewinkelten Stahlbleche montiert sind. Die Tür liegt in der geschlossenen Position zwischen beiden Blechen.

drsimon

Ich beschreibe dir mal, wie ich meine Bleiburg gebaut habe. Ich habe eine große Rolle 1,25mm starkes Bleiblech gekauft. Dann habe ich ein 10cm weißes Lüftungsrohr aus dem Baumarkt damit umwickelt bis zu einer Wandstärke von 5cm. Für die untere Öffnung habe ich Blei von dem Blech zurechtgeschnitten um damit eine Bodenstärke von 5cm zu haben. Das Ganze ist in einem Kanalrohr. Die Griffe habe ich vom Schlosser machen lassen. Die Burg wiegt ca. 80kg. Alles Weitere entnimm den Bildern.

NoLi

Sehr schön!
Dazu waren aber viele Flaschen notwendig... ;D

Norbert

Flipflop

Frage, könnte Steinsalz eine Alternative (wenn man das überhaupt so sagen kann) zu Blei sein? Wenn es frei von Kalium ist? Wenn ich richtig liege versucht man den Gamma- Anteil auf etwa 1 Prozent zu reduzieren, deshalb nimmt man nicht 2 cm sondern nach Möglichkeit 5 cm Blei. Keine Ahnung wie viel Steinsalz man nehmen müsste, 25 bis 30 cm um den gleichen Effekt zu erzielen? Das gäbe allerdings einen schönen Haufen. Und wegen der Korrosion der Bausubstanz und in Zusammenhang mit einem Wasserschaden würde ich mir Sorgen machen.:scratch_one-s_head:

Radioquant98

Hallo Zusammen,

ja hier gilt viel hilft viel wiegt aber auch viel.

Was meint ihr. Wie dick sollte die Bleiabschirmung für Gammaspektrometrie mindest sein ?

Nur Blei oder eine Kmbination aus verschiedenen Materialien ?

Viele Grüße
Bernd


DL3HRT

Hallo Bernd,

ich würde das in erster Linie von der Empfindlichkeit des Detektors abhängig machen. Den RadiaCode nutze ich gerne in der Bleiburg des LB200. Die hat eine Wandstärke von 1,25 cm. Bei mir im Zimmer zeigt der RadiaCode ca. 10 cps, in der Bleiburg sind es nur noch 0,5 cps, wobei ein guter Teil der Aktivität auf die Röntgenfluoreszenz des Bleis entfällt.

Da der Measall KC761B nicht in die LB200-Beiburg passt, habe ich mir aus 2 cm dicken Bleiplatten eine größere Bleiburg "zusammengestapelt". Die funktioniert auch sehr gut.
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Für meinen 63 mm x 63 mm Kristall habe ich dann die "große" Bleiburg mit 6 cm Wandstärke. Die drückt die Zählrate von >300 cps im Zimmer auf 14 cps in der Bleiburg.

ZitatNur Blei oder eine Kmbination aus verschiedenen Materialien ?
Die Röntgenfluoreszenz des Bleis in der Gegend von 78 keV kann schon störend sein. Die Profis haben früher Cadmiumblech über dem Blei verwendet, um diese Strahlung zu reduzieren. Das Hantieren mit Cadmium ist nicht ungefährlich und es ist auch kaum beschaffbar. Ich habe gute Erfahrungen mit Kupfer gemacht. In meiner großen Bleiburg habe ich aus Kupferfolie einen Zylinder mit 3 mm Wandstärke gewickelt.

Kupfer hat eine charakteristischen Röntgenstrahlung bei 8 keV. Wenn man die auch noch unterdrücken möchte, so kann man mit Acrylglas arbeiten.

Meine große Bleiburg hat folgenden Aufbau: 60 mm  Blei -> 3 mm Kupfer -> 3 mm Acrylglas

Man muss aber nicht unbedingt diesen Aufwand treiben. Da spielt auch der Kostenfaktor eine Rolle. Für Blei musst du mit mindestens 3 Euro pro Kilogramm rechnen. Kupferbleche sind auch sehr teuer.

Fazit: Für Geräte wie den RadiaCode würde ich 2 cm Bleiabschirmung empfehlen, eventuell mit Kupfer abgedeckt, sollte dich der 78 keV Peak stören.

Ab einer gewissen Größe ist der Schreibtisch nicht mehr stabil genug.  ;)


Radioquant98

Danke DL3HRT,

das ist bei mir alles noch lange nicht soweit. Ich habe ja gerade mal die Stromversorgung zum Experimentieren fertig.

Die Sonde wird mit einem M10FS28 oder M10FS300 mit entfernter Röntgenverstärkerfolie. Mein Kristall hat die Außenabmessungen von 30mm Durchmesser und ist 50mm lang - also passend zu den Röhren. Im Moment fehlt aber noch Material zur Fertigstellung.

An Blei habe ich schon so Einiges da, was ich über die Jahre gesammelt habe. Deshalb meine Frage, denn das Häufchen ist jetzt schon bleischwer :rofl:

Ich weiß jetzt nicht ob die ganze Sonde im Blei verschwinden muß , oder ob es reicht nur den vorderen Teil.
Um nicht die komplette Bleihülle in einem Stück gießen zu müssen dachte ich mir Rohrstücke zu gießen und übereinander zu stapeln . Die kann ich dann noch passend drehen und nur soviele Ringe zu verwenden, wie ich brauche. Soweit meine bisherigen Gedanken dazu.

Viele Grüße
Bernd

NoLi

Zitat von: Radioquant98 am 07. März 2024, 11:07...
Ich weiß jetzt nicht ob die ganze Sonde im Blei verschwinden muß , oder ob es reicht nur den vorderen Teil.
Um nicht die komplette Bleihülle in einem Stück gießen zu müssen dachte ich mir Rohrstücke zu gießen und übereinander zu stapeln . Die kann ich dann noch passend drehen und nur soviele Ringe zu verwenden, wie ich brauche. Soweit meine bisherigen Gedanken dazu.

Hallo Bernd.

Professionelle Abschirmungen für die Gammaspektrometrie bestehen aus min. 5 cm, meistens aber aus 10 cm Blei.
Aufeinandergestapelte Bleiringe gehen, müssen aber mit Versatz lückenlos ineinander greifen! Sonst kommen totzdem zuviele störende Photonen durch die kleinen "Schlitze", falls die Bleiringe nur glattgedreht aufeinander liegen.
Nur die Kristallregion mit Blei zu umhüllen funktioniert prinzipiell, von hinten via PMT kommen aber immer noch etliche Störphotonen in den Kristall. Am besten weitgehend lückenlos ganz umhüllen.

Norbert

Radioquant98

Hallo Norbert,

nun professionell soll das nicht  werden, aber gut mal zu sehen, wie das richtig gemacht wird.

Das mit der Strahlendicchtigkeit weiß ich. Das anzubringen ist auch kein Problem.

Neuew Idee: Ich habe noch  eiuniges an Kupferlackdraht. Könnte ich den für  die Kupferabschirmung drei odern mehrlagig dafür benutzen ????

Viele Grüße
Bernd

DL3HRT

Man darf die Wirkung des Kupfers auch nicht überschätzen. Die Röntgenfluoreszenz wird reduziert, verschwindet aber nicht. In diesem Spektrum sieht man die Wirkung eines 2,5 mm starken Kupferzylinders. Die Zählrate ist von 14 cps ohne Kupferzyinder (graue Kurve) auf 13,4 cps mit Kupferzylinder (grüne Kurve) abgefallen. Das entspricht einer Reduktion der Zählrate um 4,3%, also nicht weltbewegend.
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DL3HRT

Hier einmal ein praktischer Tipp zum Trennen von dickeren Bleiplatten. Ich hatte mir über Kleinanzeigen.de eine Bleiplatte mit den Maßen 30 cm x 7,5 cm x 2 cm gekauft, die ich in der Länge auf 15 cm halbieren wollte. Blei ist zwar ein weiches Material, aber wer schon einmal versucht hat es zu sägen, hat sicher schnell Probleme bekommen. Blei verklebt die Werkzeuge, die sich dann im Material festfressen.

Die zu trennende Platte hat eine Dicke von 2 cm, so dass ich mich für den Stechbeitel entschieden habe.
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Zuerst wird die Mitte der Platte angezeichnet.
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Danach wird der Stechbeitel angesetzt und das Blei wird nach und nach getrennt. Es kann ein paar Minuten dauern, bis man durch ist. Bei dickeren Platten ist es sinnvoll, sich von beiden Seiten vorzuarbeiten.
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Nach dem Trennen sieht die Fläche noch uneben und am Rand scharfkantig aus.
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Das lässt sich mit dem Holzhammer gut korrigieren, da Blei sehr weich ist und gut fließt. Wenn man mehr Geduld hat als ich, bekommt man richtig schöne Flächen hin.  ;)
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Ein Vorteil dieser Methode ist, dass bei der Bearbeitung weder Bleispäne noch Bleistaub anfallen.