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Autor Thema: Jodtabletten (war: 'Prof. T. und der Tritiummord')  (Gelesen 1753 mal)

pangeiger

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Jodtabletten (war: 'Prof. T. und der Tritiummord')
« am: 20. November 2019, 12:25 »
Gestern Abend hatte ich das Vergnügen, Prof. T. auf Mördersuche zu bewundern. Eine Studentin brach in seinem Wohnzimmer zusammen. Diagnose: tödliche Vergiftung durch überschweres Wasser (Tritiumoxid)oder wie der Polizeiassistent herausposaunte: Gammastrahlung 0,45 Sievert. Allein darin stecken schon etliche Fehler. Mit Tritiumoxid könnte man tatsächlich einen kontaminieren / tödlich vergiften. Aber über die Gammaaktivität könnte man das nicht detektieren: Tritiumoxid ist ein Betastrahlung. Der mehrfach hinausposaunte Wert 0,45 Sievert ist - selbst als einmalige Strahlendosisdosis - bei weitem nicht lebensgefährlich. (Tödliche Wirkung ca. 4 - 10 Sievert - in Abhängigkeit von der Körperkonstitution). Vollends lustig wirkt es, dass der Mörder das T2O einfach aus einem Tank (in einer Kernforschungsanlage) in Trinkwasserbehältnisse abgefüllt und dann seiner Studentin untergejubeln wollte. Klasse Sicherheitsvorkehrungen. Gebrüllt habe ich dann bei einer anderen Szene. Auf der Suche nach der T2O (in den Wasserflaschen) sah man begelbte Männer mit riesigen Gummihandschuhen, in denen sich Gamma Scouts (sic) befanden, die dann wahnsinnig anfingen zu ticken als sie Männer dem Kühlschrank näherten. Als sie ihn aufmachten war das Geknatter groß. Wie gesagt: T2O ist ein Beta(minus)strahler.

Ich wundere mich, dass die Drehbuchautoren solch sinistres Zeug verwurstet haben

Gruß
Peter
« Letzte Änderung: 30. Dezember 2019, 10:42 von DG0MG »

DG0MG

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Re: Prof. T. und der Tritiummord
« Antwort #1 am: 20. November 2019, 15:20 »
Du musst bei den Geschichten weiter vorn anfangen. Was weiß ich denn, wer Prof. T ist und wo Du den getroffen hast?   ;D
Mittlerweile hab ich rausgefunden, dass das nicht im Kino  :rofl: kam, sondern im ZDF.

Als Nicht-TV-Besitzer geht sowas an mir vorbei und ich höre von dieser Fernsehserie zum ersten Mal.
Die Figur "Prof. T" ist offenbar eine Mischung aus Sherlock Holmes, Dr. House, Harald Schmidt und ganz viel Monk.

Angucken kann man sich den wirren Streifen in der Mediathek:

Ja, die GammaScouts. Das ist wie auf SAT1 bei den Spezialisten. Das zeigt gutes Marketing, wenn dem Requisiteur bei "Geigerzähler" nur der GS einfällt. Ich hoffe ja nicht, dass das gar Productplacement ist. Keine Ahnung, warum man den "begelbten8) nicht einen großen orangen Kasten mit fettem Handgriff (z.B. so in der Bauform wie ein berthold LB124) in die Hand gibt, das sähe doch viel echter und realistischer aus.

Ich fand die Dosimeter amüsant. Da hat sich der Requisiteur Mühe gegeben. Das sind Uhren oder LCD-Thermometer aus dem Baumarkt, mit einer Knopfzelle betrieben. Einfach einen Aufkleber aufs Display, schon ist es ein Dosimeter  :o Nur zeigt es keine Dosis, sondern eine DosisLEISTUNG an (Sv/h).
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2019, 19:03 von DG0MG »

DG0MG

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Re: Prof. T. und der Tritiummord
« Antwort #2 am: 24. November 2019, 17:02 »
"Jodtabletten besorgen, Frau Steiner!" herrscht der Professor seine Sekretärin noch im Hinausgehen bei 2:09 min an.

Später (bei 32:45 min) wird dann der Eindruck erweckt, mit ein paar Jodtabletten wäre jegliches Strahlenproblem in den Griff zu kriegen: "Nehmen Sie doch auch eine!".

Das ist natürlich aus verschiedener Hinsicht totaler Unsinn: Wenn es um schweres oder überschweres Wasser geht, das gar kein Jod enthält, was sollten da Jodtabletten nützen? Jodtabletten sollen die Schilddrüse mit Jod sättigen, damit radioaktives Jod nicht eingelagert werden und später Krebs auslösen kann. Radioaktives Jod wird z.B. bei atomaren Unfällen freigesetzt und in der Atmosphäre verteilt - DANN kann es sinnvoll sein, in einem passenden Zeitfenster (vorher) Jodtabletten einzunehmen.
Weiterhin ist die Einnahme nicht für alle Altersgruppen empfehlenswert, das Risiko für Komplikationen steigt mit dem Alter.
Interessant fand ich, dass nach dem 26. April 1986 (Tschernobyl-Unfall) die VR Polen einem Großteil der Bevölkerung Jod verabreicht hat [2] - davon war in der DDR nie die Rede.

Die unter [1] in Dtl. verfügbaren Jodtabletten stammen von der Firma Lannacher aus Österreich. Der user Jürgen Boehringer ("boehri") hat vor längerer Zeit mal versucht, solche Tabletten zu erwerben, der Bericht ist lesenswert [4], ebenso sein Video:



Ich stimme mit ihm überein, dass eine Verteilung der bevorrateten Tabletten im Bedarfsfall - und dann muss es wirklich schnell gehen - in Deutschland nicht richtig funktionieren wird. Allerdings muss man auch zugestehen, dass es 1989 immerhin auffallend gut geklappt hat, an mehrere Millionen DDR-Bürger 100 oder 125 DM zu verteilen. Die waren mindestens genauso begehrt, wie bei einem AKW-Unfall dann Jodtabletten.
Die Lösung ist natürlich, sich die Tabletten schon vorher zu beschaffen und selbst zu bevorraten. Wie boehri aber schon schreibt und erzählt, ist das nicht so einfach. Ich wollte das auch mal wissen (trotz, dass ich mit >45 Jahren eigentlich gar keine mehr nehmen sollte) und habe in meiner Apotheke danach gefragt [5]:

 Kaliumiodid „Lannacher“
 65 mg-Tabletten
 Pharmazentralnummer: 5556222


Immerhin hat die freundliche Apothekerin anhand der Nummer nachgeschaut, fand die Tabletten auch und konnte mir einen Preis von 8 Euro irgendwas pro Packung nennen. Sie kann sie aber nicht bestellen, weil ihr Großhandel sie nicht hätte. Nun gut, das bestätigte boehris Erfahrungen von 2013. Mittlerweile kann man sie bei ebay [6] kaufen, der Preis ist dann ein wirklicher  "Apothekerpreis" :-\ , bei Amazon hab ich keine gefunden. Schaut man aber auf die Webseite der Apotheke mit dem Phantasiepreis, dann ist es plötzlich erheblich günstiger [7], leider dann wieder zzgl. Porto.

In dieser Doku wird ab 25:24 min auch die Bevorratung von Jodtabletten thematisiert und die geplante Verteilung abgelehnt:



Fazit: Ich denke, ein ernsthafter "Prepper" wird sich - egal zu welchem Preis - auch mit Jodtabletten bevorraten wollen, für mich ist es nichts und die Sekretärin eines Uniprofessors könnte Schwierigkeiten haben, "mal eben schnell" welche zu besorgen.


NoLi

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Re: Prof. T. und der Tritiummord
« Antwort #3 am: 24. November 2019, 22:57 »
O Mann, O Mann, da stellen sich mir die Nackenhaare, wenn ich im WDR-Bericht sehe, wie den besorgten Mitmenschen das Geld mit untauglichen Sachen aus der Tasche gezogen wird! Zwei Beispiele:
 
Therapeutische Jodtabletten aus der Apotheke: viel zu gering dosiert (im µg-Bereich); Lannacher-Tabletten enthalten 65 mg/Stück und sind wegen evtl. auftretenden drastischen Risiken bei der Einnahme im Bedarfsfall nur auf Behördenanweisung an Ausgabestellen zu bekommen und nicht frei verkäuflich. Eventuelle gesundheitliche Kollateralschäden stellen im dargestellten Katastrophenfall dann das geringere Übel dar. Ferner sollten die Tabletten bei Bedarf auch verfügbar sein und nicht "verlegt", wenn man sie schon prophylaktisch an die Bevölkerung ausgeben würde.

Die dargestellten Atemschutzmasken halten Jod überhaupt nicht zurück, sondern nur Feinstäube bis zu einer bestimmten Partikelgröße (Bezeichnung P2 oder P3). Aber gerade die Jodisotope stellen die größte Gesundheitsgefährdung dar, weil sie kurz nach Freisetzung die Hauptaktivitätskonzentration in der Luft darstellen (in Fukushima war das Luft-Aktivitätsverhältnis Jod : Cäsium  100 : 1 ).


Viel wichtiger wäre der Besitz eines einfachen, beta-gamma-empfindlichen Strahlungsmessgerätes mit Dosis/Dosisleistungsanzeige, um festzustellen, ob überhaupt eine Gefahr besteht, sowie eine adäquate Grundausbildung im Umgang mit dem Gerät und der Bewertung der Messergebnisse.

Gruß
NoLi

DG0MG

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Re: Prof. T. und der Tritiummord
« Antwort #4 am: 25. November 2019, 11:21 »
Therapeutische Jodtabletten aus der Apotheke: viel zu gering dosiert (im µg-Bereich)

Was hast Du denn? Der Apotheker bei 26:05 min hat doch Lannacher-Tabletten?  :unknw:

NoLi

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Re: Prof. T. und der Tritiummord
« Antwort #5 am: 25. November 2019, 12:03 »
Die Frage ist: woher hat(te) die Apotheke diese (in der Homepage der Apotheke habe ich gestern keinen Hinweis mehr auf die Lannacher gefunden)?
Denn diese Tabletten sind m.K. speziell für den nuklearen Katastrophenschutz dosiert und hergestellt und an die Innenministerien ausgeliefert.
Die vorherigen Chargen beinhalteten nur eine Dosierung von 120 mg KJ, was aber für vor allem für Kleinkinder viel zu hoch. Die Empfehlung lautete, eben für diese die Tabletten zu halbieren. Dies hat man mit der jetzt gültigen Dosierung von 65 mg/Stück geändert, um die Überdosierung zu verhindern (Kleinkinder 0,5 bis 1 Tablette, Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene 2 Tabletten).

DG0MG

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Re: Prof. T. und der Tritiummord
« Antwort #6 am: 25. November 2019, 12:42 »
Die Frage ist: woher hat(te) die Apotheke diese (in der Homepage der Apotheke habe ich gestern keinen Hinweis mehr auf die Lannacher gefunden)?
Denn diese Tabletten sind m.K. speziell für den nuklearen Katastrophenschutz dosiert und hergestellt und an die Innenministerien ausgeliefert.

Was ist denn das für eine Frage? Wo sollten Apotheken denn Tabletten herbekommen?  8)
In der oben verlinkten Quelle [5] (Hinweisblatt für Kaliumiodid-Tabletten) steht:

"Apotheken beziehen die Tabletten (Mindestabnahme 10 Packungen) direkt über den Hersteller:
G.L. Pharma GmbH
Schlossplatz 1
A – 8502 Lannach, Österreich
"

Das Problem ist wahrscheinlich nur, dass sich keine Apotheke (oder eben kaum eine) die restlichen 9 Schachteln hinlegt, nur weil einer mal eine einzelne Schachtel kaufen möchte. Dass es irgendeine Vorschrift gäbe, die den freien Verkauf verhindern würde, davon habe ich noch nichts gelesen. Es gibt aber eine sog. "Kaliumiodidverordnung" [8], die Ausnahmen vom Arzneimittelgesetz definiert, z.B. in Bezug auf den Zwang, ein Verfallsdatum auf der Verpackung anzugeben.


NoLi

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Re: Prof. T. und der Tritiummord
« Antwort #7 am: 25. November 2019, 14:45 »
Ok.
Und die in Deutschland vorhandenen und je nach Bundesland u.a. auch in Apotheken vorgehaltenen 65 mg-KJ-Tabletten sind vom Innenministerium bezahlt und dessen Eigentum.
Gruß
NoLi

DG0MG

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Re: Jodtabletten (war: 'Prof. T. und der Tritiummord')
« Antwort #8 am: 16. November 2020, 16:56 »
Mal für die Historie festgehalten: Hier ..
.. gibt es die Lannacher-Kaliumiodid-Tabletten für 13,89 EUR je Packg. (20 Stück) inkl. Versand.

Verrückterweise ist es das einzige Angebot bei ebay und von einer Versandapotheke aus Sachsen, wo es gar keine AKWs gibt.

DG0JN

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Re: Jodtabletten (war: 'Prof. T. und der Tritiummord')
« Antwort #9 am: 16. November 2020, 17:53 »
...aus Sachsen, wo es gar keine AKWs gibt.

Wenn die Wende nicht gekommen wäre, dann stünde heute aber eines mitten in Sachsen, in der Nähe von Oschatz. Die Pläne hierfür waren schon fertig.

ThomasS

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Re: Jodtabletten (war: 'Prof. T. und der Tritiummord')
« Antwort #10 am: 11. März 2021, 11:15 »
Aus aktuellem Anlass 11.03. - Die Grundversorgung mit Kaliumiodid Tabletten in Belgien lässt noch immer sehr zu wünschen übrig.
Anscheinend haben 8 Millionen Einwohner (Belgien hat 11 Millionen Einwohner) noch keine Tabletten gekauft bzw. bekommen.
https://www.knack.be/nieuws/gezondheid/10-jaar-na-kernramp-fukushima-8-miljoen-belgen-nog-steeds-zonder-jodiumpillen/article-news-1710639.html

Allerdings werde ich bei diesen Zahlen ein wenig skeptisch.
723.000 Verpackungen wurden verteilt. Ziel war also +-8.723.000 ?
Wenn ich richtig informiert bin, sollten Mitbürger >45 Jahre im Ernstfall diese NICHT einnehmen da die Nebenwirkungen den Nutzen überwiegen.
Das Ziel von 8.723.000 erscheint mir deswegen zu hoch gegriffen.

Meine Lannacher Tabletten hatte ich mir vor 5 Jahren auf Amazon.de gekauft. In der hiesigen Apotheke hatten die mich erst dumm angeschaut und wollten mir dann Jod Nahrungsmittelergänzungen verkaufen, die natürlich viel zu schwach sind.
"Price is only an issue in the absence of value" - W. Buffett

DG6NFG

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Re: Jodtabletten (war: 'Prof. T. und der Tritiummord')
« Antwort #11 am: 11. März 2021, 14:31 »
Nunja,
nachdem unsere Regierung bewiesen hat wie kompetent sie mit Kriesensituationen umgehen kann verstehe ich jeden, der sich nicht im Notfall auf die behördliche Ausgabe von irgendwelchen Materialien verlassen will.
Im Zweifelsfall stellt man dann fest das man Tabletten, die man verteilen will, doch tatsächlich auch beim Hersteller ordern muss....

Henri

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Re: Jodtabletten (war: 'Prof. T. und der Tritiummord')
« Antwort #12 am: 11. März 2021, 14:31 »
Mich wundert es sowieso, dass diese Tabletten frei verkäuflich sind. Ziemlich viele Menschen haben, gerade in Iodmangelgebieten, Fehlfunktionen der Schilddrüse. Auch schon unter 45. Für diese führt die Einnahme einer solchen Tablette direkt in die thyreotoxische Krise und in den Tod. Eine Verwechslung mit Nahrungsergänzungsmitteln kann lebensgefährlich sein.

Der Verwendung dieser Tabletten liegt schlicht die Rechnung zugrunde, dass eine größere Anzahl Menschen in den Jahren nach einer nuklearen Katastrophe an Schilddrüsenkrebs sterben wird als initial durch eine durchgehende Schilddrüse, wenn man keine Iodblockade durchführt. Ab einem Lebensalter von etwa 45 ist dieser statistische Vorteil nicht mehr signifikant und der Nutzen - über die Gesamtbevölkerung betrachtet - nicht mehr gegeben. Bei der Anordnung einer Iodblockade im Katatstrophenfall wird der sofortige Tod einer niedrigen einstelligen Prozentzahl der Bevölkerung billigend in Kauf genommen.

Es gibt für Menschen mit bekannter Fehlfunktion der Schilddrüse auch die Möglichkeit, mit Perchloraten zu blocken. Die sind dann allerdings verschreibungspflichtig und haben auch ihre Nebenwirkungen.

DG0MG

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Re: Jodtabletten (war: 'Prof. T. und der Tritiummord')
« Antwort #13 am: 03. April 2021, 23:08 »
Aha, in Sachsen hat sich auch jemand um Jodtabletten gekümmert, weil durch das Strahlenschutzgesetz inzwischen vorgeschrieben ist, bis zu 45jährige in 200 km Umkreis um aktive Kernkraftwerke sowie Schwangere und unter 18jährige im gesamten Bundesgebiet mit Jodtabletten zu versorgen.

Sachsen hat die Einlagerung von 61 Paletten mit ca. 4 Millionen Jodtabletten zentral im Lager des Polizeiverwaltungsamts Leipzig vorgenommen.

Siehe hier: https://www.strahlenschutz.sachsen.de/rechtliche-informationen-10575.html und in diesem F&A-Dokument vom Mai vorigen Jahres: https://www.strahlenschutz.sachsen.de/download/strahlenschutz/Iodblockade_200526.pdf

Wennschon "nur" eine zentrale Lagerung: Mir erschließt sich nicht, warum man das ausgerechnet in Leipzig macht. Chemnitz wäre mMn geografisch besser geeignet, weil zentraler im Bundesland und in alle Richtungen Autobahnen (Dresden, Leipzig, Zwickau, Plauen). Wenn ich von Leipzig (im Norden Sachsens) nach Süden an die tschechische Grenze nach Bad Brambach fahre (immer noch Sachsen), dann brauche ich lt. GoogleMaps ohne Blaulicht dafür mehr als 2 Stunden (~124 km Luftlinie). Zum Vergleich: Von Bad Brambach nach Temelin sind es auch nur 189 km - babei ist Sachsen auf dem Papier AUSSERHALB der 200-km-Radius um laufende Kernkraftwerke. Man würde also u.U. mit der Lieferung der Tabletten einem Fallout ENTGEGEN fahren, anstatt vornweg in gleicher Richtung oder wenigstens rechtwinklig dazu.

Welches Zeitfenster hat man denn da so in etwa?

Irgendwie kann ich mir nicht so richtig vorstellen, dass das klappt, im schlimmsten Fall nur Stunden nach einem "Vorfall" die Tabletten in Landratsämtern zu haben, wo sie dann weiterverteilt oder ausgegeben werden sollen.

Henri

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Re: Jodtabletten (war: 'Prof. T. und der Tritiummord')
« Antwort #14 am: 04. April 2021, 13:07 »
Irgendwie kann ich mir nicht so richtig vorstellen, dass das klappt, im schlimmsten Fall nur Stunden nach einem "Vorfall" die Tabletten in Landratsämtern zu haben, wo sie dann weiterverteilt oder ausgegeben werden sollen.

Nein, das klappt auch nicht. Wenn es alleine schon Monate dauert, ein paar Millionen Menschen durch Impfzentren zu schleusen... Das Iod muss idealerweise bereits im Körper aufgenommen sein, bevor die radioaktive Wolke eintrifft. Danach ist die Wirkung deutlich schlechter. Aber um Panik zu verhindern, allein durch die ja schon viele bei kopflosen Fluchtversuchen sterben werden, wird die Information sicherlich bis zuletzt nicht herausgegeben. Und man muss auch abwägen, dass bei einer möglichst frühzeitigen Gabe ja auch viele lebensbedrohliche Nebenwirkungen auftreten werden. Also wird man abwarten, bis es zu spät ist. Und dann ist, je nach Windrichtung, Windstärke und Entfernung, die Wolke wahrscheinlich deutlich schneller da als das Iod im Körper.

Bei einer nuklearen Katastrophe soll  man zu Hause bleiben, Fenster und Türen schließen und innenliegende Räume aufsuchen. Nicht eine halbe Stunde zur nächsten Ausgabestelle fahren (bzw. eher zu Fuß gehen, denn die Strassen werden heillos verstopft sein) und dort 10 Stunden anstehen, bis man seine Tablette bekommen hat. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich die Leute geduldig in eine Reihe stellen und warten werden, bis sie dran sind.

Ich denke, die Verantwortlichen wissen ganz genau, dass im Falle des Falles das Chaos groß sein wird, aber es gibt Gesetze, die erlassen werden, damit die Bevölkerung denkt, man habe vorgesorgt und alles unter Kontrolle, und die Umsetzung wird dann mit dem Gedanken im Hinterkopf gemacht, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit so gering ist, dass es eh egal ist, wo die Tabletten lagern.