Pottasche: Katastrophenschutz-Kalibrierung

Begonnen von NoLi, 26. November 2019, 23:17

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etalon

Zitat von: NoLi am 22. November 2022, 15:23Bei 0,1 µSv/h beträgt der natürliche "ionisierende" Photonenfluß ("Background) ganz grob 25 Photonen/cm² x sek.
Die Photonenemission von 30 Gramm Pottasche liegt gesamt beidseitig bei ca. 0,7 Photonen/cm² x sek. , daher geht bei "Freiluftmessung", also ohne Abschirmung, der Photonenbeitrag der Pottasche quasi in den Schwankungen des natürlichen Strahlungshintergrundes unter.

Norbert

Ah ja, das macht Sinn.  :i-m_so_happy: Dann habe ich das vorher falsch verstanden.
Demzufolge bringt es auch nichts, die Messgeometrie zu ändern, wie von mir vorgeschlagen...  :pardon:

Grüße Markus

DG0MG

Zitat von: ABel am 22. November 2022, 11:16und hier die Meßergebnisse mit einem GamaScout.
Der Plastikdeckel mit den 30g aus der Apotheke hat einen Durchmesser von 78 mm.

Hallo Andreas und Danke dafür, dass Du uns an Deinem Experiment teilhaben lässt. In Deinem Foto sieht man, dass Du den Filterwahlhebel am GammaScout nach links hast. Da man (als Nichtbesitzer) immer nicht weiss, was das bedeutet, schaut man hier nach: Beta+Gamma. Das ist grundsätzlich richtig, aber es es ist halt zwischen Objekt und Zählrohr noch etwas dazwischen, das möglicherweise auch einen kleinen Teil der Beta-Strahlung wegfiltert. Schau also mal, dass Du die Pottasche mit einer dünnen Frischhaltefolie bedeckst (die würde Alpha auch abhalten und verhindert die Verunreinigung des Messgerätes) und dann den Filterhebel nach rechts stellst (also Zählrohr offen).
Schaue, ob das eine weitere Erhöhung des Messwertes bringt. Dann kannst Du abschätzen, wie sehr der eingebaute Filter abschwächt.

Wie Henri schon schrieb, die "Müllers"-Pottasche-Beutel haben den Vorteil dass die von Hamburg bis zur Zugspitze verfügbar sind und wir deshalb hier zwei Geräte miteinander vergleichen können, ohne sie mit demselben Prüfstrahler nebeneinander liegen zu haben.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

NoLi

Zitat von: DG0MG am 22. November 2022, 18:14...
Schau also mal, dass Du die Pottasche mit einer dünnen Frischhaltefolie bedeckst (die würde Alpha auch abhalten und verhindert die Verunreinigung des Messgerätes) und dann den Filterhebel nach rechts stellst (also Zählrohr offen).
...
Frischhaltefolie ist so dünn, dass Alpha-Teilchen teilweise diese Folie noch durchdringen können.
Kaliumcarbonat (Pottasche) hat keinen Alpha-Zerfall. Die emittierte Strahlung vom Kalium-40 besteht zu 89,54 % aus Beta-minus (Elektronen), zu 10,29 % aus Gamma (Photonen) und zu 0,00103 % aus Beta-plus (Anti-Elektronen bzw. Positronen = positive Elektronen, also Antimaterie).
Eine Kontamination des Gerätes wird durch die Frischhaltefolie aber sicher verhindert.

Achtung: die Frischhaltefolie lädt sich beim Abziehen von der Rolle elektrostatisch auf und zieht Radon-Folgeprodukte an, welche sich an der Oberfläche anlagern.
Nach der Abdeckung mit Frischhaltefolie die Probe erst ein paar Stunden liegen lassen, damit sich die Ladung abbaut und bis die Radon-Folgeprodukte (Halbwertszeit 45 min - 50 min) darauf zerfallen sind.
Auch das Strahlenmessgerät nicht mit frisch abgezogener Folie einwickeln, dies könnte den Prozessor etc. zerschiessen!

Norbert

ABel

Hallo,
ich hatte noch eine ungeöffnete Tüte von VITAVEGAN (die von Müller's hab ich noch nicht bekommen). Mit aufgelegtem GS sehen die Ergebnisse noch schlechter aus.
Gruß Andreas

Henri

Zitat von: ABel am 23. November 2022, 22:05Hallo,
ich hatte noch eine ungeöffnete Tüte von VITAVEGAN (die von Müller's hab ich noch nicht bekommen). Mit aufgelegtem GS sehen die Ergebnisse noch schlechter aus.
Gruß Andreas

Hallo Andreas,

klar, das Plastikgehäuse absorbiert einen großen Teil der Betastrahlung.

Der Gammascout ist leider nicht das optimale Gerät, um Oberflächenkontaminationen mit Betastrahlern zu messen (denn darum geht es in diesem Thread). Kontaminationsmonitore haben z.B. 100 cm² Sensorfläche, der GammaScout vielleicht 1 cm². Es ist ja nicht so, dass keine Betastrahlung durch die Seitenwände gehen würde (was bei Gammamessungen übrigens zum Problem wird), aber die Messgeometrie (die Haltung des Geräts) hat, im Gegensatz zum echten Kontaminationsmonitor, halt eine extreme Auswirkung auf das Messergebnis.

Noch mal runtergebrochen auf den "Katastrophenfall": wenn Du mit flachem Zählrohr die Kleidung absuchst, wirst Du (zu) wenig messen bzw. Deine Nachweisgrenze wird hoch sein, und wenn Du mit der Endfenster-Seite suchst, bist Du 2 Tage beschäftigt.

Eine gute Zwischenlösung wäre ein Endfenster-Zählrohr in "Pancake"-Geometrie: großes Fenster, flache Bauweise. Findet sich z.B. im S.E.I Inspector. Aber die gehen auch extrem schnell kaputt, da sie mechanisch sehr empfindlich sind.

Gut geeignet ist die "Katastrophenschutz-Kalibrierung" z.B. für Geräte mit SBM-20 Zählrohr, da dieses Beta-empfindlich ist über dessen Seitenwand (zumindest wenn es entsprechend verbaut wurde). Also "relativ große" Detektorfläche bei robuster Bauweise. Auch größenmäßig passt das gut zu den Pottasche-Tütchen.

Jedes Gerät hat seine Stärken und seine Schwächen. Die Stärken des GammaScout liegen u.a. darin, dass er für Alpha-, Beta- und Gammastrahlung empfindlich ist. Der Preis dafür ist, dass er keins davon richtig gut macht, durch das kleine Zählrohrfenster und unvollständiger Beta-Abschirmung.

Trotzdem ist er für den "Fall der Fälle" gut zu gebrauchen. Du darfst nicht vergessen, Du hast es hier mit wenigen Gramm einer Back-Zutat zu tun. Was erwartest Du, wie viel Strahlung von dieser ausgeht?  8)

Viele Grüße!

Henri

NoLi

Wichtig ist doch, dass man mit dieser Pottaschen-Kalibrierung (eine Seite von "Müller`s Tütchens" entspricht einer Betastrahlungsaktivität von 1,2 Bq/cm² für Oberflächen) eine ungefähre Grenzwertanzeige seines Strahlungsmessgerätes ermitteln kann, welche dem derzeit gültigen Katastrophenschutz-Grenzwert für Oberflächenkontaminationen von Beta = 400 Bq/cm² entspricht.
Der Bund, Umweltministerium + Bundesamt für Strahlenschutz, haben zusammen mit der Strahlenschutzkommission diesen Wert im Jahr 2014 festgelegt, weil damit auf Grund der Erfahrungen von FUKUSHIMA bei üblichen Hgiene- und Umgangsmaßnahmen keine gesundheitlichen Folgen zu erwarten sind.

Übrigens: das Zählrohrfenster des LND-712/ZP-1400 im Gamma-Scout hat eine Fläche von 0,64 cm².

Norbert

ABel

Hallo,

nun bin auch ich an einem Kaufland vorbeigekommen und so nun auch Besitzer von 2 Tüten Müller's Pottasche.

Bei einer Leermessung über 170 Messungen a 600 Sekunden ergibt sich ein Verhältnis von Pulsrate zu Dosisrate von 3,151 +0,019/-0,021

Filter     Netto
flach       25c/600s=0,042cps     ca. 0,013329μSv/h
γ           15c/600s=0,025cps     ca. 0,007934 μSv/h
β + γ       92c/600s=0,153cps     ca. 0,048662 μSv/h
α + β + γ  123c/600s=0,205cps     ca. 0,065059 μSv/h

NoLi spricht in seinem Beitrag vom 04.12.2019 von Netto 0,181 cps und 0,261µSv/h.
Mach ich was falsch?
Ich hab ein neues Gamma Scout Online (Firmware Version 7.12Lb07).

Gruß Andreas

NoLi

Zitat von: ABel am 27. November 2022, 19:52...
NoLi spricht in seinem Beitrag vom 04.12.2019 von Netto 0,181 cps und 0,261µSv/h.
Mach ich was falsch?
Ich hab ein neues Gamma Scout Online (Firmware Version 7.12Lb07).

Gruß Andreas

Hallo Andreas.
Schau Dir mal die Beiträge vom 14.12.2019 an.
Ferner wiederhole mal die Messungen via Frontseite bei offenem Absorberschieber, also in der Stellung "a + ß + y" (Schieber nach rechts bei Draufsicht).

Norbert

ABel

Hallo Norbert,

O.K. nur 0,126 µSv/h! Bei mir sind es dann aber nur 0,0679, als nur die Hälfte?!
Die Anlage nur als pdf, die Excel-Datei konnte ich nicht anhägen.

Gruß Andreas