Darf es etwas Radon sein? Der Radon-Mess-Thread

Begonnen von katze, 03. Januar 2020, 00:35

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Radiohörer

...ich leg drauf: aus den Anfängen der Erforschung der Radioaktivität -->
"Was die Baumannshöhle mit der Entdeckung des Radons verbindet"
von Rudolf G. A. Fricke auf Seite 60 in
https://www.vdhk.de/fileadmin/pdf/publikationen/mitteilungen/Mitteilungen-2016-2.pdf


Radiohörer

...und etwas zu den verschiedenen Methoden der Radonmessung auf "Neudeutsch":
https://nrpp.info/measurement-methods/
sowie viele weitere Infos ums Radon


Carcosa

Hallo zusammen,

ich bin neu hier. Ich hoffe meine Anfängerfrage stößt niemandem sauer auf, die Suchfunktion habe ich bereits genutzt, aber keine exakte Antwort gefunden. Entschuldige mich schonmal vorweg für die Frage.

Ich weiß dass man Rn mit Geräten wie dem Radiacode nicht messen kann, aber vllt gibt es Hinweise auf erhöhte Belastung? Bevor ich jetzt ca 200.-€ ausgebe für ein RadonEye-Gerät vllt könnt ihr mir sagen ob dieses Spektrum bereits Anlass zur Sorge ist:

https://ibb.co/21Lj1zCg

Das ist eine 19h Messung in meinem Keller, bei 605.37 kann ich wahrscheinlich Bi214 erahnen.

Die typischen CPS Werte in den Räumlichkeiten:

Keller: Raummitte 14-15 CPS
1.OG: Raummitte 14-15 CPS
vor dem Haus im Freien: 15-16 CPS
An der Ziegelwand im Treppenhaus: 18-19 CPS

Verwendetes Gerät: Radiacode 110

Ich wohne im Kreis Rosenheim (Oberbayern).
Haus ist ca von 1999.

Was sagt ihr Profis dazu, ist das schon verdächtig?

Falls ich ein Radon-Messgerät benötigen sollte, welches würdet ihr empfehlen, taugt das RadonEye?

Carcosa

erst mal möchte ich mich für meinen Doppelpost entschuldigen, wollte eigentlich den ersten noch bearbeiten/löschen, aber die Frist ist wohl abgelaufen.

Also ich habe jetzt noch mal viele Beiträge von euch hier gelesen und ich habe mich dazu entschlossen diesen Staubsaugertest zu machen:

im Grunde habe ich genau diesen Versuchsaufbau verwendet:
https://youtu.be/1s8wYJybizc?si=D6DbYI3xy9uYE0u3

Also ich habe einen frischen Staubsaugerbeutel vorne am Einlass befestigt und 15 Minuten die Luft da durchsaugen lassen bei ca 75% Leistung.

https://www.directupload.eu/file/d/9153/6w5choqj_png.htm

nach habe ich fix genau diese Stelle mit dem Radiacode110 vermessen (ich habe leider keinen Geigerzähler)

https://www.directupload.eu/file/d/9153/f7ed4dg6_png.htm

Die CPS sind sofort auf ca 35 angestiegen (vorher im Schnitt bei 10-12CPS).

https://www.directupload.eu/file/d/9153/x3jxr2ij_png.htm

Die Dosisrate ist von 100nSv/h auf 320nSv/h angestiegen:

https://www.directupload.eu/file/d/9153/l7zeyxqw_png.htm

Im Gammaspektrum kann ich deutlich die Signale für Bi214 und Pb214 sehen:

https://www.directupload.eu/file/d/9153/3g2m4355_png.htm

Okay, das ist jetzt ein qualitativer Nachweis (?!?) aber muss ich mir bei den Werten Sorgen machen?

Der Staubsauger stand in unserem "am schlechtesten belüfteten" Kellerraum, Haus ist von 1999, Kreis Rosenheim Bayern.

Ich habe das Ganze auch nochmal wiederholt für einen Raum wo ich vorher gelüftet hatte und da habe ich dann 23CPS gemessen und 180nSy/h....

Bitte entschuldigt meine blöden Fragen, bin nur ein überängstlicher Mensch und mache mir Sorgen um meine Familie. Den RadonEye habe ich bereits bestellt, aber der ist gerade on backorder, dauert noch bis ich den bekomme.

Lennart

Zitat von: Carcosa am 03. Januar 2026, 15:46Bitte entschuldigt meine blöden Fragen, bin nur ein überängstlicher Mensch und mache mir Sorgen um meine Familie. Den RadonEye habe ich bereits bestellt, aber der ist gerade on backorder, dauert noch bis ich den bekomme.

Hey,

in diesem Fall würde ich Dir dazu raten, einfach in den sauren Apfel zu beißen und ein geeignetes Radonmessgerät anzuschaffen. Anhand der CPS kannst Du nicht wirklich eine seriöse Aussage darüber treffen, ob die Radonbelastung bei dir grenzwertüberschreitend erhöht ist. Da die CPS aber drinnen und draußen identisch sind, wird die Belastung im Keller zumindest nicht astronomisch hoch sein. Sofern Du den Keller vor deiner Langzeitmessung länger nicht gelüftet hast. 

Hier im Forum werden viele unterschiedliche Radonmessgeräte vorgestellt, ich besitze z.B. das Aranet und bin damit auch voll zufrieden. Mir fehlt es aber an Vergleichsgeräten, daher hat meine Meinung nur begrenzte Aussagekraft. Der RadonEye soll aber wohl auch gut sein.

Nebenbei bemerkt kannst Du Deine Bilder im Forum direkt hochladen, dann bleiben sie dauerhaft erhalten und man muss nicht 20 Links durchklicken.


Carcosa

okay danke Dir!! Ja wie gesagt das Gerät RadonEye ist bestellt, dauert aber wohl noch bis es geliefert ist.

Die CPS sind im unbelüfteten Keller identisch zum 1.OG.
Draussen habe ich noch keine Langzeitmessung gemacht, ist zu kalt momentan.

Ich hatte nur gelesen dass viele Leute von mehreren hundert CPS beim Staubsaugerversuch gesprochen haben, aber das liegt bei mir wirklich nur bei + 20CPS.

Auch der Herr im Video was ich verlinkt hatte, der konnte mehrere müSv/h messen, das ist bei meinen 320nSv/h auch nicht so. Aber vielleicht liegt das am Radiacode110 der nicht empfindlich genug ist.

NoLi

Zitat von: Carcosa am 03. Januar 2026, 15:46...
Okay, das ist jetzt ein qualitativer Nachweis (?!?) aber muss ich mir bei den Werten Sorgen machen?
...
Das ist "nur" ein qualitativer Nachweis, welcher keine Aussage über eine Radon-Konzentration zulässt, weil
a) das Filtermaterial und sein Abscheidegard nicht bekannt sind.
b) nur GLASFASERfilter gegenüber Radon-Folgeprodukte einen über 99 %igen Abscheidegrad aufweisen.
c) der Luftdurchsatz in m³/min deines Staubsaugers und damit der Filterdurchsatz unbekannt ist.
d) die Zähleffizienz des Radiacode für Radon-Folgeprodukte unbekannt ist.

Zitat von: Carcosa am 03. Januar 2026, 18:00...
Ich hatte nur gelesen dass viele Leute von mehreren hundert CPS beim Staubsaugerversuch gesprochen haben, aber das liegt bei mir wirklich nur bei + 20CPS.

Auch der Herr im Video was ich verlinkt hatte, der konnte mehrere müSv/h messen, das ist bei meinen 320nSv/h auch nicht so. Aber vielleicht liegt das am Radiacode110 der nicht empfindlich genug ist.
Die mit dieser Filter-Sammelmethode hauptsächlich messbaren Strahlenarten der Radon-Folgeprodukte Po-218, Pb-214, Bi-214 und Po-214 sind zu annähernd gleichen Aktivitätsverhältnissen Alpha- und Beta-Strahler. Dazu muß sich aber auf dem Filter ein weitgehendes Aktivitätsgleichgewicht eingestellt haben, wozu eine Sammelzeit von mindestens 1 Stunde notwendig ist. 

Die Zählraten sind sehr stark abhängig vom benutzten Strahlenmessgerät und lassen sich NICHT vergleichen. So liefern z.B. professionelle Kontaminationsmessgeräte mit Großflächendetektoren am gleichen Filter wesentlich mehr Impulse/Sek als Consumer-Strahlenmessgeräte mit einfacheren, in der Regel Geiger-Müller, Detektoren; und selbst bei denen gibt es, je nach Bauart, große Unterschiede. Und dann gibt es noch Geräte mit Szintillationsdetektoren mit kleinem Volumen wie dem Radiacode für einen die Zerfälle begleitende Gamma-Anteil.

Die Aussagen im Video über die Dosisleistung in µSv/h sowie die Zahlenwerte selber sind wertlos, weil dazu NUR der reine Gamma-Anteil bestimmt werden darf. Wie im Video bei der Badewannenmessung erkennbar ist, liegt das Zählrohr (Typ "Pancake-Zählrohr") auf der Rückseite des Messgerätes RADIASCAN-701A offen dar, so dass Alpha- und Betastrahlung nachgewiesen wurde und dadurch der Anzeigewert µSv/h stark verfälscht ist, quasi Hausnummern darstellt. Daher kann man in diesem Fall auch die Anzeigen der beiden Geräte RADIASCAN-701A und RADIACODE-110 nicht miteinander vergleichend werten.

Es bleibt also für`s Erste für eine einigermaßen quantitative Radonbestimmung nur der Einsatz eines aktiven Radon-Messgerätes übrig. Endgültige Sicherheit bringt allerdings nur ein passives Radon-Dosimeter mit Auswertung bei einer professionellen Messstelle.

Norbert

Carcosa

super, danke für die Erklärung. Na ich werde den RadonEye dann in versch Zimmern und Stockwerken testen.  Ich hoffe dass es nicht ganz so schlimm ist :-/

Radiohörer

#429
...hab meinen neuen Apatit
https://www.geigerzaehlerforum.de/index.php?msg=39973
interessehalber zu den Rn-Messgeräten gepackt und siehe da, er exhaliert :)
Auf einen Tipp hin, dann noch mal in einem Kaugummidöschen (Rn220).
Die starken Abfälle bei Feuchte und Temperatur kommen durch eine Zwangsbefüllung/-lüftung durch Fenster öffnen.
So hat man z.Z. nen schönen Marker in den Kurven und weis intuitiv, wann der nächste Messzyklus beginnt.
Und wenn man schon mal drüber ist, auch mit Raysid und RC103 innen und RadEye PRD und Bosean FS-5000...

Mein AranetRn+ steigt unmotiviert immer mal aus: siehe ersten Screen ~10:00 Uhr.
Kennt einer von Euch dieses Verhalten?

Carcosa

Danke nochmal an NoLi und Radiohörer, ich habe seit Ende dieser Woche auch den Aranet Rn+ und hier zu sehen die Situation bei mir Zuhause (Kreis Rosenheim, Haus von 1999, nur kurz "eingemessen", bisher keine Langzeitmessung, muss erst mal ein Gefühl für das Gerät und die Werte bekommen):

als erstes habe ich das EG gemessen, dort schwanken die Werte um die 50Bq/m^3, auch über Nacht. Das einmalige Lüften am Nachmittag habe ich gar nicht in den Daten sehen können. Da war ich erst mal erleichtert und dachte mir dass es gar nicht so schlimm sein kann wie befürchtet.

Dann habe ich das Gerät in den Keller/Hobbyraum gestellt, den am schlechtesten belüfteten Platz: hier sind die Werte sofort auf 250Bq/m^3 angestiegen, UFF! Habe dann einmal quer gelüftet (sieht man auch schön in den Daten) und am nächsten Morgen war der Wert wieder bei 230-250Bq/m^3, langsam aber stetig darauf angestiegen.

Also scheint es doch so zu sein dass ich Rn im Keller habe :-/

Wir haben ohnehin 2 mal am Tag gelüftet im Haus, vor allem EG, 1 und 2.OG. Nun werde ich am Morgen den Keller immer einmal quer lüften.

Damit sollte das Problem im Griff sein oder?

Was mir so ein wenig auffällt bei dem Thema ist, dass der Ton des Marketings zu diesen Geräten etwas speziell ist - was auch nicht verwunderlich erscheint. Bei mir hat das jedenfalls perfekt funktioniert, nicht wegen des Spieltriebs oder der Verliebtheit zu naturwissenschaftlichen Themen, sondern aus Angst. Und genau den Trigger bedient dieses Marketing sehr stark.


Lennart

Zitat von: Carcosa am 10. Januar 2026, 09:48Dann habe ich das Gerät in den Keller/Hobbyraum gestellt, den am schlechtesten belüfteten Platz: hier sind die Werte sofort auf 250Bq/m^3 angestiegen, UFF! Habe dann einmal quer gelüftet (sieht man auch schön in den Daten) und am nächsten Morgen war der Wert wieder bei 230-250Bq/m^3, langsam aber stetig darauf angestiegen.

Also scheint es doch so zu sein dass ich Rn im Keller habe :-/

Naja, das ist immer noch im Rahmen der 300 Bq/m³, auch wenn der empfohlene Richtwert eher bei < 100 Bq/m³ liegt. Nun lebst Du aber nicht im Keller, also würde ich mal längerfristig in den Wohn- und Arbeitsräumen messen. Vielleicht auch mal schauen, was dort passiert, wenn du längere Zeit nicht lüftest.

Zitat von: Carcosa am 10. Januar 2026, 09:48Was mir so ein wenig auffällt bei dem Thema ist, dass der Ton des Marketings zu diesen Geräten etwas speziell ist - was auch nicht verwunderlich erscheint. Bei mir hat das jedenfalls perfekt funktioniert, nicht wegen des Spieltriebs oder der Verliebtheit zu naturwissenschaftlichen Themen, sondern aus Angst. Und genau den Trigger bedient dieses Marketing sehr stark.

Nun gerade deshalb ist es hilfreich, sich so intensiv und unaufgeregt wie möglich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dann kann man sich selbst eine Meinung bilden, ohne in Panik zu verfallen.