Rad Pro : quelloffene Alternativfirmware

Begonnen von Gissio, 30. August 2025, 06:01

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Gissio

#15
Die Quellen-Kompensation lässt sich ganz einfach aktivieren: Einfach zu Einstellungen > Messungen > Quellenkompensation gehen und die passende Quelle aus der Liste auswählen.

Dabei ist Folgendes zu beachten:
  • Das funktioniert nur für Gammastrahler, da Betastrahlung ihr Energiespektrum mit der Entfernung verändert – Betateilchen werden in der Luft abgebremst und ihr Spektrum verschiebt sich, während Gammastrahlen deutlich durchdringender sind und ein wesentlich konstanteres Spektrum haben.
  • Um Betastrahlung auszublenden – vor allem bei Mischquellen wichtig – am besten einen metallischen Abschirm zwischen Quelle und Detektor setzen. Für den Heimgebrauch reicht es, das Gerät einfach in einen Stahltopf zu legen: Der blockt den Großteil der Betateilchen, während Gammastrahlen nur minimal geschwächt werden.
  • Die Kompensation funktioniert nur, wenn die Strahlung mindestens 10-mal über dem Hintergrund liegt, damit das Hintergrundspektrum das Ergebnis nicht verfälscht.
  • Die Korrekturfaktoren sind theoretisch berechnet und berücksichtigen die spannungsabhängige Steigung des Geiger-Müller-Plateaus nicht.
  • Das alles ist Theorie. Ein echtes Zählrohr kann Schwächen haben: falsche Gasfüllung, Eigenaktivität durch radioaktive Baumaterialien, mechanische Probleme. Deshalb ist es immer am besten, sich auf eine Kalibrierung mit einem Prüfstrahler zu verlassen. Rad Pro bietet dennoch Quellenkompensation als nächstbeste Alternative.

NoLi

#16
Zitat von: Gissio am 27.4.2026, 21:36:46...

  • Das alles ist Theorie. Ein echtes Zählrohr kann Schwächen haben: falsche Gasfüllung, Eigenaktivität durch radioaktive Baumaterialien, mechanische Probleme. Deshalb ist es immer am besten, sich auf eine Kalibrierung mit einem Prüfstrahler zu verlassen. Rad Pro bietet dennoch Quellenkompensation als nächstbeste Alternative.


Hast Du Infos über die Efficiency- zu Photonenenergieabhängigkeiten chinesischen Zählrohre (Tabellen, Kurvendiagramme), insbesondere von den Zählrohren M4011/J321, mit denen Du die Quellenkompensationsfaktoren eingegeben hast?
Bei fast allen Angeboten von China-Strahlungsmessgeräten wird als Empfindlichkeit 80 cpm pro µSv für Co-60 angegeben, egal, welches Zählrohr verbaut ist >:( .

Norbert

Gissio

Die Simulationen basieren ausschließlich auf Geometrie und Materialien des jeweiligen Zählrohrs. Für das J305 wurde eine Länge von 107 mm verwendet, für das M4011/J321 eine Länge von 87 mm. Für die Materialien wurde Stahl (70 % Fe, 20 % Cr, 10 % Ni), Borosilikatglas (52 % O, 37 % Si, 6 % B, u. a.) und typisches Füllgas (99,3 % Ne, 0,5 % Ar, 0,2 % Br) verwendet.

Das Zählrohr wurde dabei einem konstanten Fluss von Gammaphotonen aus frontaler Richtung ausgesetzt. Die Simulationen wurden für verschiedene Gammaenergien mit Geant4 (vom CERN) durchgeführt. Für jede Energie wurde berechnet, wie viele der eintretenden Gammaphotonen tatsächlich mit dem Füllgas wechselwirken und dabei Elektronen freisetzen – im Verhältnis zur Gesamtzahl der eintretenden Gammaphotonen. Dieser Wirkungsgrad wird anschließend mit Hilfe der ICRP 74 in einen H*(10)-Dosiswert umgerechnet (ambient dose equivalent).

Der Einfluss des elektrischen Feldes im Zählrohr wurde dabei nicht berücksichtigt – die Simulation zählt schlicht die freigesetzten Elektronen in Abhängigkeit von der Gammaenergie. Erstaunlicherweise stimmen die Ergebnisse dieser vereinfachten Berechnung trotzdem sehr gut mit experimentellen Messungen überein!

NoLi