Röntgenstrahlung hausgemacht?

Begonnen von moritz12345, 29. Dezember 2025, 23:02

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moritz12345

Hey Leute, so zu mir einmal. Ich bin neu hier da ich mich das Thema ionisierende Strahlung schon lange Interessant finde. Bin jetzt auch eher an den heißen Steinchen oder Antiquitäten die man von früher findet interessiert.

So aber nun zum Thema da ich doch auch gern mal ein bisschen auf Youtube rumstöber um mich in diesem gigantischen Thema zumindest ein bisschen auszukennen habe ich folgenden Schatz an Video gefunden.

https://www.youtube.com/watch?v=af8wnm2eGWw

Nun bin ich ein bisschen überfragt warum das Funktioniert.
Mein Wissen über Röntgenstrahlung ist eher begrenzt aber den klassischen Aufbau der Röntgenröhre kenn ich.

Option A: Das macht rein garnichts und der Geigerzähler spinnt wegen der Hochspannung.

Option B: Durch die Hochspannung werden die Elektronen von der Anode gleich so schnell beschleunigt das die Kathode garkeine Spannung mehr braucht um Bremsstrahlung zu erzeugen. Wobei ja sicher sehr ineffizient da ja warscheinlich die Glühbirne kein 100% Vakuum hat und die Kathode generell außerhalb liegt.

Option C: Eure Meinung ;D

Würde mich freuen eine Meinung von euch hier zu hören was ihr davon haltet.
LG Moritz

nestade

#1
Sicherheitshalber ergänze ich mal noch den Disclaimer: Was in den Videos/Berichten gezeigt wird, bitte NICHT nachmachen (siehe https://www.geigerzaehlerforum.de/index.php/topic,3069.msg39806.html#msg39806)

Die Frage im konkreten kann ich nicht beantworten, aber wenn dann kenne ich das eher mit alten Elektronenröhren mit Hochvakuum (insbesondere Hochspannungs-Gleichrichterröhren). Bei der Glühbirne bin ich dann wiederum überfragt, weil meines Wissens nach schon ein Vakuum benötigt wird, damit die Elektronen ungestört auf die Anode beschleunigt werden können. Andererseits gibt es ja auch das Kathodenstrahlexperiment und hier hat man nur ein Teilvakuum und trotzdem kann Röntgenstrahlung entstehen (siehe https://www.youtube.com/watch?v=FNiHCnqPAH4).

Er misst ja auch nur geringe Dosisleistungen - wenn man das mit einer Vakuumröhre macht, kommt man da schon auf beachtliche Werte (wobei hier auch die Beschleunigungsspannung relevant sein dürfte, damit die Energie der Röntgenstrahlung nicht unterhalb des messbaren Bereichs des Messgeräts ist).

Beispielhaft mal folgende Videos zu der Thematik in den Raum geworfen, ohne damit zum Nachbau anstiften zu wollen:
https://www.youtube.com/watch?v=jLOBMBN8A4A (mit Hochspannungs-Gleichrichterröhre)
https://www.youtube.com/watch?v=4NRkFqeO27Y (mit Röntgenröhre, aber selbst gebautem Netzteil bestehend aus mit ZVS angesteuertem AC-Zeilentrafo und Hochspannungskaskade)
https://www.youtube.com/watch?v=IiJAq53knwc (mit Röntgenröhre und richtigem Hochspannungsnetzteil)
und natürlich https://stoppi-homemade-physics.de/roentgen/

Radioquant98

Mal ganz kurz. Die Kathode sendet die Elektronen aus. Diese treffen auf die Anode wo die Bremsstrahlung entsteht.
Nun sendet die Kathode bei genügend hoher Spannung auch schon im kalten Zustand welche aus, aber viel weniger als im heißen Zustand.

Bremsstrahlung entsteht nicht nur im Vakuum. Die Elektronen werden nur weniger schon vorher abgebremst , wodurch es Verluste durch Ionisierung des Gases gibt.

Das mit der Glühlampe funktioniert deshalb so gut, weil er Glühlampen mit Vakuum verwendet hat. Glühlampen unter 15W sind meist mit Vakuum, haben also keine Gasfüllung.

Viele Grüße
Bernd

NoLi

Zitat von: nestade am 29. Dezember 2025, 23:32...
Er misst ja auch nur geringe Dosisleistungen - wenn man das mit einer Vakuumröhre macht, kommt man da schon auf beachtliche Werte (wobei hier auch die Beschleunigungsspannung relevant sein dürfte, damit die Energie der Röntgenstrahlung nicht unterhalb des messbaren Bereichs des Messgeräts ist).
...
Die Geräte von GQ GMC-XXX haben seit ein paar Jahren als Zählrohr das M4011/J321 mit einem Glaswandflächengewicht von 500 mg/cm²...damit kann man Photonenenergien unterhalb ca. 20 - 30 keV (entspricht ca. 25 - 35 kV Beschleunigungsspannung) nicht nachweisen!!
Der Gamma-Scout ist zwar in der Lage, Photonen ab ca. 8 keV durch sein Mica-Fenster nachzuweisen, wenn er aber wegen Schutz vor elektromagnetischen Störeinflüssen in eine Metallschachtel gelegt wird, schirmt diese niederenergetische Strahlung ab, so dass auch hier unterhalb von mindestens 30 keV nichts mehr nachzuweisen sein wird!

Das Röntgenspektrum weist aber keine diskrete Energielinie, entsprechend der Beschleunigungsspannung, auf, sondern ein Spektren-Kontinuum mit sehr hohen Intensitäten im deutlich niederenergetischeren Bereich als die mögliche Maximalenergie. Daher können hier gefährlich hohe Strahlungsintensitäten auftreten, welche vor allem auf Augen und Haut in ganz kurzer Zeit gefährlich hohe Dosiswerte applizieren! Und der Geigerzähler wird so gut wie nichts anzeigen!
Daher Finger weg von solchen "Experimenten"!!!

Norbert

moritz12345

Vielen dank für euere Antworten und ich bin auch wieder fasziniert wie schwer es ist Röntgenstrahlen nachzuweisen bzw. das hinter der Produktion von Röntgenstrahlen garkeine "Hexerei" steckt.

Meine Finger lass ich jetzt erst recht von solchen Experimenten weil mit 9 schreibt es sich nicht so gut ;D

Moritz

DL8BCN

Der Radiacode RC101/102 reagiert auf Röntgenstrahlung.
Ich habe es getestet.
Beim Zahnarzt gibt es einen Peak.
In wie weit das aussagekräftig ist, weiß ich nicht.
Da der Impuls so kurz ist, ist er jedenfalls schwer zu messen.
Am besten geht Röntgenstrahlung wohl mit speziellen Detektoren zu messen.
Zum Beispiel eine dünne NaI(TI) Scheibe als Szintillator.
@ moritz: Die Finger sind noch mit am unempfindlichsten für ionisierende Strahlung.
Da gibt es andere Körperteile die man mehr schützen sollte.
 


Peter-1

Wie wäre es mit einer Ionisationskammer?
Ich habe einige Zeit mit einem Babyline 31 die Leckstrahlung an Rö-anlagen gemessen.
Ging ausgezeichnet im Durchleuchtungsbetrieb, also Dauerstrahlung.
Gruß  Peter

moritz12345

Zitat von: DL8BCN am Gestern um 10:22Der Radiacode RC101/102 reagiert auf Röntgenstrahlung.
Ich habe es getestet.
Beim Zahnarzt gibt es einen Peak.
In wie weit das aussagekräftig ist, weiß ich nicht.
Da der Impuls so kurz ist, ist er jedenfalls schwer zu messen.
Am besten geht Röntgenstrahlung wohl mit speziellen Detektoren zu messen.
Zum Beispiel eine dünne NaI(TI) Scheibe als Szintillator.
@ moritz: Die Finger sind noch mit am unempfindlichsten für ionisierende Strahlung.
Da gibt es andere Körperteile die man mehr schützen sollte.
 


Ich hab auch den Radiacode 110, bei diesen ganzen Eigenbauten fällt das natürlich weg durch die kurze Bestrahlzeit aber ob das richtig und sinnvoll gemessen wird bin ich mir jetzt auch nicht sicher. Die Ionisationskammer misst das ja in MAS oder?.

Vorallem bei den oft erzeugten weichen Röntgenstrahlen könnte das schon eine gefährliche diskrepanz erzeugen da es der Radiacode wahrscheinlich nicht mehr genau erkennt.

NoLi

Das Ionisationskammergerät BABYLINE-31 zeigt die Dosisleistung direkt in µSv/h bzw. mSv/h an. Nur dieses Gerät ist in der Lage, die Röntgenstrahlendosisleistung ab 5 keV zu ermitteln, wenn die Wandverstärkungskappe entfernt ist, weil u.a. die darunter liegende Kammerwandung eine hautäquivalente Flächenbelegung aufweist.

Der RadiaCode ist auf Grund seiner Photonenabhängigkeit und Konstruktion keinesfalls zur Messung gefilteter wie ungefilteter und gepulster Röntgenstrahlung geeignet!

Norbert

Radioquant98

In der DDR gab es dafür das VA-Z 15, VA-Z 15A und das "Fahrrad" 27040. Die Kammer besteht aus Schaumpolystyrol, welches innen mit Graphit beschichtet ist.

https://www.youtube.com/watch?v=XWqq9s16aCc&t=5s
https://www.tiffe.de/Robotron/misc/27040_bda.pdf

Viele Grüße
Bernd

DL3HRT

1989 kam dann noch das 27060 dazu, der Nachfolger des 27040. Ich hatte vor ein paar Tagen die Gelegenheit, eines in Aktion zu sehen.

Radioquant98

Zitat von: DL3HRT am Heute um 10:411989 kam dann noch das 27060 dazu, der Nachfolger des 27040. Ich hatte vor ein paar Tagen die Gelegenheit, eines in Aktion zu sehen.
Hast Du Bilder davon, das ist vollkommen an mir vorbei gegangen.

Viele Grüße
Bernd