unbekannes Granulat

Begonnen von RolB, 06. Januar 2026, 21:39

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RolB

Hallo,
ich bin neu hier im Forum. Vor ein paar Wochen habe ich mir ein RadiaCode110 zugelegt. Mit Radioaktivität habe ich mich zwar schon früher befasst, aber das ist schon eine halbe Ewigkeit her und Gammaspektroskopie ist ohnehin Neuland für mich.
Neulich habe ich beim aufräumen im Keller ein Plastiktütchen mit ca. 60g eines weißen körnigen Pulvers gefunden und mit einem GCM-300Eplus radioaktive Spuren festgestellt (beim drauflegen des GMZ etwa der doppelte Untergrund). Mit dem RC habe ich danach ein Gamma-Spektrum aufgenommen (ohne Bleiabschirmung, Untergrund subtrahiert). Nach meinem entsprechenden Interpretationsversuch müsste es sich um U238 incl. Zerfallsreihe handeln, vermutlich mit einem Anteil Th232 (aufgrund der hohen Linien 186keV(Ra226) und 297keV(Pb214)). Also offenbar natürlichen Ursprungs. Das Pulver besteht hauptsächlich aus 0.1 bis 0.2mm großen Kügelchen, mit einer Dichte zwischen 3-4g/cm3 und einer Temperaturbeständigkeit bis mindesten 270°C (heißer konnte ich nicht kontrolliert aufheizen).
Ich dachte zunächst es handelt sich um irgend einen Sand aus dem Urlaub, aber unter dem Mikroskop sieht es gar nicht so aus. Ich habe aber auch keine Idee was es sonst sein könnte.

Vielleicht kann ja jemand hier im Forum meine Interpretation bestätigen oder korrigieren, oder hat sogar eine Idee um was es sich handelt?

Grüße Roland
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Radiohörer

...leuchtets unter UV-Licht < 405 nm?

Radioquant98

wasserlöslich? Düngemittel?

Viele Grüße
Bernd

opengeiger.de

Es muss nicht unbedingt Unat sein, was hier diese Gamma-Linien erzeugt, es könnte auch Radium sein, da man die U235 Linie bei 185keV von der Ra226 Linie bei 186keV kaum unterscheiden kann. Bei Radium gab es früher ja einige technische Anwendungen, die Nacht-Leuchtfarben, das was man als "Medizinprodukte" verkauft hat usw. Man kann die UV-Fluoreszenz mal testen, die Ra-Leuchtfarbe leuchtet meist noch auf, auch wenn sie nach UV-Beleuchtung nicht lange nachleuchtet. Bei den Medizin- und Pseudomedizinprodukten gab es viel. Die chemischen Vorprodukte, also Radiumsalze (Radiumsulfat, -nitrat ?) wären denkbar. Die hat man in gelöster Form dann in Geschwulste gespritzt usw. Auch die "Wasseraufbereiter" (Radonisierung) hat man mit Radium hergestellt. Das Spektrum zeigt 2uSv/h akkumuliert, wie sah dazu die Messzeit und Strahlungsgeometrie aus? Ggf. müsstest Du da mit den Grenzwerten aufpassen, wenn es rein technisches Ra226 ist.       

Und gerade in Heidelberg, wo eine sehr historische Medizin / Physik Universität zu Hause ist (es gab auch ein "Radiumbad") wäre das Radium und seine Vorprodukte gut denkbar.

opengeiger.de

Also das kenn ich noch so aus Heidelberg. Wieviel Ra226 da drin war, keine Ahnung. Aber es war bestimmt "authentisch".  ;D

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Quelle: https://www.mta-r.de/blog/heidelberger-radium-pastillen/

Und noch ein Kommentar: Ein Thnat Gammaspektrum sieht eigentlich anders aus. Ich würde tippen, der Thnat Anteil ist wenn, dann gering.

NoLi

Zitat von: opengeiger.de am Gestern um 09:34...
Das Spektrum zeigt 2uSv/h akkumuliert, wie sah dazu die Messzeit und Strahlungsgeometrie aus?
...
Nicht ganz, das Spektrum zeigt 110 nSv/h (0,11 µSv/h)...bei Spektrumaufnahme von rund 20 Stunden kämen die 2 µSv Dosisanzeige zusammen.

Norbert

opengeiger.de

Da hab ich zu schnell gelesen und das "/h" dazugedichtet  :mda:

RolB

Vielen Dank für Eure schnellen Rückmeldungen.

Im 365nm UV-Licht gibt es keine Fluoreszenz.

Zitat von: Radioquant98 am Gestern um 06:53wasserlöslich? Düngemittel?
Weder in Wasser noch in 30%-HCl löslich, aufgrund der Dichte von 3-4g/cm3 und härter als Stahl tippe ich auf Keramik o.ä.

Zitat von: opengeiger.de am Gestern um 09:42Und noch ein Kommentar: Ein Thnat Gammaspektrum sieht eigentlich anders aus. Ich würde tippen, der Thnat Anteil ist wenn, dann gering.
Das natürliche U/Th-Verhältnis variiert ja über einem grossen Bereich. Ich hatte mich gestern verschrieben und meinte bzgl. Th232 die hohe Linie um 240keV (nicht 297keV).


Zitat von: NoLi am Gestern um 11:01Nicht ganz, das Spektrum zeigt 110 nSv/h (0,11 µSv/h)...bei Spektrumaufnahme von rund 20 Stunden kämen die 2 µSv Dosisanzeige zusammen.
Ja genau, das RadiaCode lag an der Position von seinem Kristall direkt auf dem Tütchen mit dem Granulat. Die dabei gemessenen cps entsprechen etwa dem doppelten Untergrund an der Meßstelle.

Viele Grüße Roland

NoLi

Zitat von: RolB am Gestern um 13:48...
Weder in Wasser noch in 30%-HCl löslich, aufgrund der Dichte von 3-4g/cm3 und härter als Stahl tippe ich auf Keramik o.ä.
...
Glasperlen zum "Sandstrahlen"?

Norbert

RolB

Zitat von: NoLi am Gestern um 14:16Glasperlen zum "Sandstrahlen"?
Genau Norbert, das muss es sein - Keramikperlen als Strahlmittel entsprechen nach Herstellerangaben exakt meinen Beobachtungen !

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Mit fast zwei Drittel ZrO2 erklärt sich auch das Vorhandensein von U und Th. Schließlich werden Zirkone in der Geochronologie zur Bestimmung von Uran-Blei-Alter herangezogen, und der Zirkonstrand im südlichen Indien/Kerala ist ja radiologisch schon legendär. Mich wundert lediglich, dass sich diese Spuren in so kleinen Materialmengen bereits nachweisen lassen. 

Vielen Dank für den Tipp und Grüße
Roland


NoLi

Zitat von: RolB am Gestern um 16:28Nachtrag: Quelle der Keramikperlendaten

https://www.wiwox.de/lieferprogramm/strahlmittel/wiwox-km-keramikperlen-strahlmittel/
Tja, was dann wohl an dem 25 kg Sack oder dem 1000 kg BigBag messbar sein wird... :o
Und ob das diejenigen, die damit umgehen, sei es in der Herstellung und Anwendung, auch wissen...

Norbert

RolB

Ja, das denke ich auch. Meine Materialprobe ist sicherlich mindestens 10 wenn nicht sogar mehr als 20 Jahre alt. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob die hohe Urankonzentrationen damals üblich oder nur bei bestimmte Chargen/Hersteller aufgetreten sind bzw. wie das heute aussieht.

Roland

RolB


opengeiger.de