Lebensmittelmessung mit Radiacode und Radiacode Marinelli Silikonbehälter

Begonnen von dave_one, 23. Januar 2026, 15:49

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dave_one

Hei alle,
Habe mir für meinen Radiacode den Marinelli Silikonbehälter besorgt. Dieser ist bereits in die Software (App) von Radiacode integriert.

Nachdem wir hier in unserem Wald letztes Jahr kiloweise über Pfifferlinge gestolpert sind, habe ich einige kg davon eingetrocknet. Pfifferlinge sind wilde Pilze, die besonders gern Caesium anreichern, und die Rentierhalter im Norden mussten ja nach Chernobyl zuhauf ihre Herden schlachten. Nicht weit vom Polarkreis entfernt, erwartete ich mir also von einer Messung zumindest einen merkbaren Anstieg.
Da die teilweise -20*C einen gewissen stubenhockenden Effekt mit sich führen, habe ich endlich eine Messung vorgenommen.

Probenmessung laut Vorgabe von Radiacode:

Hintergrundmessung über 96 Stunden.


Marinelli Behälter dicht gepackt mit getrockneten Pilzen. Nettogewicht in die App eingetragen: 14 Gramm.

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Ich habe die Messung nach 8 Stunden gestoppt (nach Passieren von 662keV).

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Das Ergebnis ist für mich nicht nachvollziehbar: Das Spektrum der Pilze / die gesamte Zählrate ist NIEDRIGER als der Hintergrund!?
Messort ist an genau gleicher Stelle mit dem gleichen Messgerät, ohne Änderung einer Kalibrierung oder ähnlichem. Sogar das Wetter war gleich (kein besonderer Niederschlag o.ä.).
Das gesamte Spektrum der Pilze erscheint geringer als der Hintergrund zu sein, fast so als ob der Messkopf im Silikonmarinelli von der Hintergrundstrahlung abgeschirmt worden sei, was ja Unfug ist.
Mit unterschiedlichen Teststrahlern habe ich ermittelt, dass sich die Linien deren Isotopen mit den Linien im Spektrum decken. Einen reinen Cs137 Teststrahler habe ich leider nicht, nehme aber nicht an, dass mein Gerät falsch kalibriert ist.

So woran kann das liegen: Ein Messfehler? Zu kurzer Messzeitraum? Zu hohe Hintergrundstrahlung?

Grüsse David :paratrooper:


Flipflop

Hallo, 14 Gramm als Messgut ist recht wenig, eine Bleiburg ist von Vorteil. Gibt es auch Karten der Cs 137 Belastung aus der Region wo die Pilze stammen, wie man sie zb. zu Schweden finden kann? Vielleicht hilft das weiter:

(Übersetzt:)

Cäsiummessung

Testen, um radioaktive, mit Cäsium kontaminierte Lebensmittel zu vermeiden

Unser Messsystem ist eines der effizientesten der Welt, mit einer Kapazität von mehr als 1.000 Proben pro Tag. Die Messmethode ist von der schwedischen nationalen Lebensmittelbehörde und der schwedischen Strahlenschutzbehörde zugelassen. Es ist auch von der Swedish Board of Accreditation and Conformity Assessment akkreditiert. Wir können organische Substanzen wie Holz oder Holzprodukte, Wild, Fisch, Rentierfleisch, Beeren, Pilze und andere Lebensmittel auf radioaktives Cäsium (Cs137) testen.

Proben sollten ein Mindestgewicht von 100 g/Probe haben. Die Probe kann aus mehreren kleineren Stücken bestehen, sollte aber in einer Plastiktüte oder einer ähnlichen Verpackung verpackt werden. Die Probe muss in einen Zylinder mit einem Durchmesser von 8 cm und einer maximalen Länge von 15 cm passen. Wenn mehrere Proben zusammen gesendet werden, stellen Sie bitte sicher, dass die Proben einzeln markiert sind, damit sie im Analysebericht differenziert werden können. Die Kontaktinformationen und die Rücksendeadresse für den Versand des Analyseberichts und der Rechnung müssen der Musterlieferung beigefügt werden. Proben werden normalerweise (in Bq/kg) innerhalb von 2-3 Tagen nach Erhalt gemessen.

Cs137 ist das Isotop, das nach dem Unfall von Tschernobyl das größte Problem im ökologischen System verursacht hat. Cs137 hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren und verbleibt daher für einen erheblichen Zeitraum in der Umwelt. Es ist daher wichtig, die Cs137-Spiegel bei Pflanzen und Tieren zu testen, die zu menschlicher Nahrung verarbeitet werden können.

Wenn Sie an weiteren Details zu unserem Cäsium (Cs137) Messservice interessiert sind, kontaktieren Sie uns bitte hier oder unter +46 (0)

https://radonovalaboratories.com/services-and-products/caesium/

dave_one

Hallo!
Ja, 14g sind nicht viel, allerdings ist der Marinelli "gestopft" voll. Etwas mehr würde nur durch mahlen reinpassen. Oder eben frische Pilze, wobei aber meiner Meinung nach die Qualität der Messung durch das ganze Wasser schlechter werden würde.

Verstehe aber immer noch nicht, wieso die Hintergrundstrahlung höher ist als das Probenergebnis?

Ja, Cs-137 Karten gibt es von Norwegen auch. Siehe hier:
https://www.dsa.no/radioaktivitet-i-mat-og-miljo/radioaktivitet-i-jord

oder hier: https://www.researchgate.net/profile/Lavrans-Skuterud/publication/266030948/figure/fig1/AS:669048681558017@1536525044152/Map-of-Chernobyl-137-Cs-deposition-levels-in-Norway-Interpolated-map-based-on.png

In unserer Region liegen wir bei 440-1800 Bq/m².

Habe den Thread mit den Bleiburgen durchgearbeitet, bin aber nach wie vor unschlüssig, wie viele cm Blei, möglichst mit Kupferplatte und Plastikplatte innen nun am besten wäre. Wahrscheinlich ist eine deutliche Dämpfung bereits ab ein paar cm Dicke möglich, aber mein Fokus liegt auf Krisenvorsorge, so im Notfall müsste man ja eine wesentlich bessere Abschirmung haben?

Radiohörer

...ich bin der Meinung, dass Deine Messungen plausibel sind: Pfifferlinge nehmen mMN eher wenig Cs137 auf.
Ich hatte letztens ~250g, also ~ die doppelte Menge von Dir, eingefrorene Pfifferlinge aus der Gegend um Zwiesel? vorm Raysid und konnte keine Erhöhung von Cs137 feststellen. Während man am Zwieslerwaldhaus, je nach Örtlichkeit, schon nach Minuten einen schönen Peak sehen kann.
In der von Dir verlinkten Karte um "Oslo og Akershus" sieht  man "eher niedrige" Werte.
Vielleicht erinnerst Du Dich, wo ihr die Pfiffer ~ gesammelt habt.
Du kannst ja mal Vergleichswerte vom umweltinstitut.org herunterladen, nach "Pfifferlinge" filtern und die "Aktivität Cs-137" absteigend sortieren. Messjahr beachten!

Die Franzosen haben hier mal die Aktivität von verschiedenen Pilzen veröffentlicht. Girolle sind Pfifferlinge, "umgangssprachlich" Eierschwammer oder Gelberla, je nach Gegend ;)

dave_one

Zitat von: Radiohörer am Gestern um 22:29Vielleicht erinnerst Du Dich, wo ihr die Pfiffer ~ gesammelt habt.

JA! Also die sammeln wir direkt in unserem Wald hinterm Haus  8)
Als Exilbayer kenn ich sie als Eierschwammerln.  ;)

Nur verstehe ich wie gesagt nicht, warum das Hintergrundspektrum am gleichen Messort höher ist als die Pfiffer selbst.  :unknw: Oder ist das die Unschärfe / Abweichung vom Sensor?

Es gibt Regionen in Norwegen, die wiesen bei Messungen 2015 noch bis zu 50000 Bq/m² auf, siehe Grafiken auf Seite 3 des Dokuments: https://www.dsa.no/publikasjoner/dsa-info-5-2023-radioaktivitet-i-jord/DSA_info%2005-2023%20Radioaktivitet%20i%20jord.pdf

Ist nicht so weit entfernt, dort werden wir mal im Sommer / Herbst hinfahren um Heidelbeeren / Schwarzbeeren / you name it zu pflücken, oder Pilze wenn wir welche finden. Vielleicht ist der Unterschied dann merkbar?

Flipflop

Habe iOS App von RC. Und auch keine Bleiburg. Vielleicht dämpft dein Marinellibecher mit Pilze die Zählrate, dafür misst er aber zusätzlich beim Cs 137 mehr? Für mich ist es einfacher an einen der zahlreichen Hot Spots Erde zu sammeln, deshalb habe ich noch keine Pilze. Aber ich weiss auch nicht wie viel Bq/Kg dort drinnen ist.

Radiohörer

Zitat von: dave_one am Gestern um 23:14Nur verstehe ich wie gesagt nicht, warum das Hintergrundspektrum am gleichen Messort höher ist als die Pfiffer selbst.
...hast Du den Hintergrund auch mit dem leeren Silikonbecher gemacht?

Zitat von: dave_one am Gestern um 23:14Es gibt Regionen in Norwegen, die wiesen bei Messungen 2015 noch bis zu 50000 Bq/m² auf, siehe Grafiken auf Seite 3 des Dokuments:
...aber um Oslo, wo Du wohnst, ist es doch relativ niedrig. Schau doch bitte mal nach höher aufgelösten Karten.
Gibt es in Norwegen keine staatliche oder Umweltorganisation, die Proben misst, mit denen Du Deine Pfiffer vergleichen kannst?

Zitat von: dave_one am Gestern um 23:14Ist nicht so weit entfernt, dort werden wir mal im Sommer / Herbst hinfahren um Schwarzbeeren zu pflücken, oder Pilze wenn wir welche finden.
...Schwarzbeeren könnten auch interessant sein. Ich habe im Herbst hier ~100g Brombeeren gepflückt, die genau so hoch waren wie die Pilze.

Carcosa

vllt blöde Frage von mir:

Hintergrundmessung: 96h, >20k counts
Probenmessung: 8h, 1600 counts...das wären bei 96h ca 19200counts, nahe dran.

Für besseres Signal/Rauschverhältnis wäre es vllt besser gewesen ähnlich lange wie den Hintergrund zu messen...

Aber das findet ja mit Auswertung alles in der Software von Radiacode statt oder? (habe die App noch nicht getestet an der Stelle). Hat die App da nicht gemeckert?

Was mir nur aufgefallen ist bei meinem Radiacode, dass die Spektren oft in der Darstellung geglättet sind, und das zu Artefakten führt. vllt auch mal den Filter ausstellen für die optische Beurteilung....

dave_one

Zitat von: Radiohörer am Heute um 09:16Schau doch bitte mal nach höher aufgelösten Karten.
Gibt es in Norwegen keine staatliche oder Umweltorganisation, die Proben misst, mit denen Du Deine Pfiffer vergleichen kannst?

Ja, habe eine detailierte Übersicht der jeweiligen Kommunen, siehe hier: https://www.dsa.no/radioaktivitet-i-mat-og-miljo/radioaktivitet-i-jord/_/attachment/inline/18abd1df-6ebd-49be-9063-be09c8caaac4:23afa50ff05014f12cd6df347e32c6606923b7c9/Fylkesvise%20kart%201986.pdf

Es wird aber von der Behörde Cs-137 nur alle 10 Jahre gemessen, die Daten von 2025 habe ich noch nirgends gesehen. Bei insgesamt 6 Mio Bürgern ist das alles eher im kleinen Rahmen. Das in meinem letzten Post verlinke Dokument gibt sogar an, dass man durch die 3 Messungen (1986, 1995, 2005) besser für zukünftige Katastrophen gerüstet ist. :D  Daher mein Versuch, mehr selbst zu beurteilen.

Zitat von: Carcosa am Heute um 10:21Für besseres Signal/Rauschverhältnis wäre es vllt besser gewesen ähnlich lange wie den Hintergrund zu messen...

Laut Radiacode eigentlich nicht notwendig. Ist aber vielleicht notwendig, da so geringe Werte entstehen. Die App hat nach einer gewissen Zeit nur angezeigt, dass die Belastung "unter dem Grenzwert" läge.

Ja, habe mit den Glättungen gespielt, auf den Bildern hat es gleiche Glättung.