Wiesbaden: Feuerwehreinsatz wegen vermeintlich radioaktivem Gegenstand.

Begonnen von NoLi, 27. Februar 2026, 12:44

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NoLi

Und wieder ein Strahlenschutzeinsatz, gestern in Wiesbaden:

"Pressemitteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden
26. Februar 2026

Feuerwehreinsatz wegen vermeintlich radioaktivem Gegenstand

Am Donnerstagnachmittag kam es vor der Feuerwache 1 im Wiesbadener Kurt-Schumacher-Ring zu einem größeren Einsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei. Grund war ein Gegenstand, bei dem zunächst unklar war, ob es sich um einen Gefahrstoff handelte.

Gegen 15.50 Uhr klingelten eine ältere Dame und ihr Sohn am Haupteingang der Wache und baten die Einsatzkräfte um Unterstützung. Ihren Angaben zufolge befand sich in ihrem auf dem Besucherparkplatz vor der Wache abgestellten Fahrzeug ein Behältnis, welches mit einem radioaktiven Flügelrad gekennzeichnet war.

Der diensthabende Direktionsdienst überprüfte die Angaben vor Ort und stellte fest, dass die Beschreibung anhand der äußeren Erscheinung des Gegenstands plausibel erschien. Aufgrund der möglichen Gefährdungslage wurde umgehend das Einsatzstichwort ,,H Radioaktiv" ausgelöst. und weitere Einsatzkräfte der Feuerwachen 1, 2 und 3, der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte sowie Einheiten des Rettungsdienstes alarmiert.

Zur Absicherung der Einsatzstelle sperrte die Polizei den Kurt-Schumacher-Ring vollständig für den Verkehr. Ein erster Trupp der Feuerwehr ging unter Atemschutz und mit entsprechender Schutzkleidung zur Erkundung vor und führte Messungen mit Strahlenmessgeräten durch. Diese ergaben jedoch keine Auffälligkeiten. Weder am Fahrzeug noch am bleiummantelten Behälter oder in dessen unmittelbarer Umgebung konnte Radioaktivität nachgewiesen werden.

Parallel dazu wurden vorsorglich übergeordnete Behörden informiert, darunter das Lagezentrum des Hessischen Ministeriums des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz, das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat sowie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Spezialisierte Strahlenschutzfachkräfte sind derzeit auf dem Weg zur Einsatzstelle, um den Fund abschließend zu begutachten und einen sicheren Abtransport sowie eine fachgerechte Entsorgung zu veranlassen.

Im Einsatz waren rund 15 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte sowie zehn Kräfte des Wiesbadener Rettungsdienstes einschließlich der Einsatzleitung Rettungsdienst. Der Verkehr auf dem Kurt-Schumacher-Ring konnte nach Abschluss der ersten Maßnahmen wieder freigegeben werden. Die Feuerwehr betont, dass zu keiner Zeit eine Gefährdung der Bevölkerung bestand.
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(https://www.wiesbaden.de/pressemitteilungen/feuerwehr/februar/2026-02-26-Feuerwehreinsatz-wegen-vermeintlich-radioaktivem-Gegenstand)

Weitere Meldungen dazu mit Bildern:

Radioaktiv-Alarm sorgt für Großeinsatz bei der Feuerwehr
(https://wiesbadenaktuell.de/2026/02/26/radioaktiv-alarm-sorgt-fuer-grosseinsatz-bei-der-feuerwehr/)

Mysteriöse Dose löst Radioaktiv-Alarm in Wiesbaden aus
(https://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/stadt-wiesbaden/mysterioese-dose-loest-radioaktiv-alarm-in-wiesbaden-aus-5465673)

Radioaktiv-Alarm – Frau bringt ,,Strahlen-Fund" direkt zur Feuerwehr Wiesbaden
(https://wiesbadenaktuell.de/2026/02/26/radioaktiv-alarm-frau-bringt-strahlen-fund-direkt-zur-feuerwehr-wiesbaden/)

Hmm, einmal war es ein bleiummantelter Behälter, einmal war es eine Blechdose... :unknw:

Norbert


NoLi

Aktualisierung:

"Entwarnung in Wiesbaden – Radioaktiv-Fund entpuppt sich als harmlose Blechdose

Von: Daniel Becker|Erschienen am: 26. Februar 2026 17:36

Aufatmen in Wiesbaden: Der Großeinsatz wegen eines vermeintlich radioaktiven Gegenstands an der Feuerwache 1 konnte am späten Nachmittag beendet werden. Spezialisten gaben nach intensiven Messungen Entwarnung – eine Gefahr für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt.

Die Aufregung war groß, als eine Frau mit ihrem Sohn und einem verdächtigen Kellerfund direkt auf den Hof der Berufsfeuerwehr Wiesbaden am Donnersta,g 25. Februar, gegen 15:50 Uhr fuhr. Doch nach rund einer guten Stunden intensiver Arbeit der Strahlenschutzexperten steht fest: Es war ein Fehlalarm.

Messwerte negativ

Die Feuerwehrleute, die unter Atemschutz und in spezieller Ausrüstung den betroffenen Pkw untersuchten, konnten Entwarnung geben. ,,Wir haben keinerlei Messergebnisse, das heißt, es gibt keine messbare Radioaktivität", so Sven Janneck von der Feuerwehr Wiesbaden.

Bei dem mysteriösen Gegenstand handelte es sich um eine alte Blechdose, auf der zwar ein Radioaktiv-Warnzeichen klebte, die jedoch völlig harmlos war.

Ein ,,Spaß-Aufkleber" mit ernsten Folgen

Wie sich im Laufe des Einsatzes herausstellte, hatte der Fund wohl einen familiären Hintergrund. Der verstorbene Ehemann der Frau war Mediziner. Ob in der Dose früher tatsächlich einmal medizinische Präparate aufbewahrt wurden oder ob es sich lediglich um einen ,,Spaß-Aufkleber" handelte, den der Mediziner als Gag auf die Dose geklebt hatte, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei klären. Fakt ist jedoch, der Inhalt war zum Zeitpunkt des Funds absolut unbedenklich.

Kurt-Schumacher-Ring wieder frei

Während der Maßnahmen war der Kurt-Schumacher-Ring in beiden Richtungen voll gesperrt, was im Feierabendverkehr für erhebliche Rückstaus sorgte. Inzwischen wurde die Sperrung aufgehoben und der Verkehr fließt wieder normal.

Die ältere Dame und ihr Sohn, die den Gegenstand zur Wache gebracht hatten, wurden während des Einsatzes vorsorglich im Rettungswagen betreut. Trotz des Schrecken sind beide wohlauf.

Fazit: Auch wenn es die Gefahrenlage als harmlos herausstellte, war das vorsorgliche Handeln der Einsatzkräfte absolut notwendig. Dennoch gilt weiterhin der Appell: Verdächtige Funde niemals selbst transportieren, sondern immer die Experten zum Fundort rufen! Entweder die Polizei 110 oder die Feuerwehr 112 verständigen.
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(https://wiesbadenaktuell.de/2026/02/26/entwarnung-in-wiesbaden-radioaktiv-fund-entpuppt-sich-als-harmlose-blechdose/)

Norbert

NoLi

Hier ein Bild der "Blechdose". Es handelt sich um einen verschraubbaren, massiven Aluminium-Abschirmbehälter für einen Prüfstrahler (Sr-90; Aktivität im MBq-Bereich):

https://www.instagram.com/p/DXXDE76CA1S/

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Norbert

DG0MG

Und an gleicher Stelle (seitlich in der "Story" blättern) macht das Regierungspräsidium Darmstadt dem Bürger Vorwürfe:

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Okay, vielleicht noch zu recht. Der Bürger hätte den Fund nicht transportieren sollen.
Aber dann:

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Der Bürger soll das Regierungspräsidium Darmstadt anrufen, wenn er als Hinterbliebener ein Behältnis mit Trefoil findet? Und die Telefonnummer - darf man sich dann erstmal ergooglen?

Den letzten Satz finde ich unangebracht - der Hinweis auf 110 oder 112 sollte reichen, wenn man ein Gefäß mit unklarem Inhalt findet.



"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

NoLi

Zitat von: DG0MG am Gestern um 21:09...
Den letzten Satz finde ich unangebracht - der Hinweis auf 110 oder 112 sollte reichen, wenn man ein Gefäß mit unklarem Inhalt findet.
Genau so, wie es "semurobo" in der Kommentarspalte auch erwähnt hat.

Auch den Satz "Dadurch entstand ein unnötiges Risiko und ein überflüssiger Einsatz" (unter Hintergrund und Problem) finde ich, zumindest in der zweiten Satzhälfte, unangebracht...was wäre denn am Fundort entstanden? Auch ein überflüssiger Einsatz?

Kannst Du das Bild des Behälters noch einbinden?
P.S. Ok, hab`s jetzt gesehen ;D

Norbert

DG0MG

Ich denke, die sehen das aus ihrer Scheuklappensicht: Es war nix drin, und auch, wenn was drin gewesen wäre, wären die einfach zu zweit hingekommen, hätten eine Wischprobe gemacht: Nix kontaminiert. Deckel auf: Nix drin. Problem geklärt. Trefoil mit Edding übermalt. Behälter zum Schrott.

Das kann aber der Bürger gar nicht beurteilen, ob das so einfach sein könnte. Deswegen schaffen solche Tips mehr Verwirrung, als der einfache Verweis auf die 112. Da allerdings wäre der gleiche "überflüssige" (Zitat RP Darmstadt) Einsatz abgelaufen, nur an einem anderen Ort - da hast Du recht. Hinterher ist man halt immer schlauer.

Das ist aber wieder ein sehr gutes Beispiel für das, was allein beim Auftauchen eines Trefoils so alles passiert.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

NoLi

Das ist das Problem so mancher Aufsichtsbehörde...es fehlt die Praxis bei unvorhergesehenen Vorgängen.
Daher machen wir im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg am KIT seit vielen Jahren jährliche "unübliche" Praxistrainings für das Fachpersonal der vier Baden-Württembergischen Aufsichtsbehörden Stuttgart, Tübingen, Freiburg und Karlsruhe mit entsprechenden Strahlenquellen und richtigen Kontaminationen. Dabei werden auch besondere Merkmale auf die richtige Anwendung der persönlichen Schutzausstattung (wurde vom UM-BW für diese Resorts beschafft) gelegt, inklusive des möglichst kontaminationsfreie Ausziehen und des Inkorporationsschutzes.

Norbert

NoLi

Da laut Pressebericht der verstorbene Gatte der Finderin ein Mediziner war, könnte es sich vielleicht auch um den Aufbewahrungsbehälter für eine sogenannte "Derma-Platte" handeln, mit deren Hilfe und dem darin befindlichen Sr-90 früher Hautkrebs durch Auflegen auf die erkrankte Stelle behandelt (bestrahlt) wurde.

Solche Platten können als Altlasten sogar noch heutzutage im Nachlass auftauchen, vor allem, wenn sie vor 1965 (Inkrafttreten der ersten Strahlenschutzverordnung) beschafft und nicht (nachträglich) der Aufsichtsbehörde angemeldet wurden. So einen Fall hatten wir vor einigen Jahren in Baden-Württemberg, wo zwei solcher Platten von Nachlasserben eines Mediziners am Tor einer Schadstoffsammelstelle außerhalb der Dienstzeit abgelegt wurden. Hier konnte der ehemalige Besitzer über die Strahler-Seriennummern und aufwendiger Recherche beim damaligen Hersteller ermittelt werden.

Norbert