Flächengewichtsmessanlage 24004

Begonnen von DG0MG, 16. April 2026, 13:07

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DG0MG

Vor einiger Zeit entdeckte ich in einem youtube-Video ein Trefoil an einer technischen Anlage. Ähnlich wie beim Chemiekombinat Bitterfeld ließ sich der Ort lokalisieren und ich war bei passender Gelegenheit dort:


Wie man sieht, ist das eine Papierfabrik und die Maschine ist älter, als die Messeinrichtung. Der Sinn ist klar, die Dichte des auslaufenden Papiers wird gemessen und und bei Abweichungen vom Sollwert wird an einer Stelleinrichtung (Drehzahl, Walzenabstand o.ä.) etwas verändert, um den Sollwert wieder zu erreichen. Ein geschlossener Regelkreis also.

Der Strahler scheint nicht mehr da zu sein, jedenfalls konnte ich nicht die geringste merkliche Erhöhung der Dosisleistung feststellen. Laut Typenschild waren es 1974 21,5 mCi Kr-85 (~800 MBq). Kr-85 hat eine HWZ von knapp 11 Jahren, es sind also knapp 5 Halbwertszeiten vergangen. Die Aktivität wäre noch bei 28.5 MBq, laut Strahlungsrechner wären das in 10cm Abstand noch 1 µSv/h.

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Der obere Kopf ist der Strahler 74010, der untere der Detektor. Er enthält - dem Prinzipplan nach - eine Ionisationskammer als Sensor. Die Schwächung der Strahlung durch die dazwischen durchlaufende Papierbahn wird gemessen.

Offenbar war ein Herr "G. Schubert" im Oktober 1972 bei der "Internationalen Fachmesse für die kerntechnische Industrie NUCLEX72" in Basel und hat dort Produkte des VEB Messelektronik "Otto Schön" vorgestellt. Das Skriptum seines Vortrages gibts bei der IAEA: https://inis.iaea.org/records/nah3s-ntm91/files/4066829.pdf

U.a. ist die Flächengewichtsmessanlage VA-T-77 genannt und ein Prinzipschaltbild gezeigt:

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Die VA-T-77 dürfte der Vorgänger (oder nur die Vorgängerbezeichnung) für die von mir gefundene Anlage 24004 sein.


Ein moderneres, weiterentwickeltes System mit Rechnersteuerung war die Flächendichtemessanlage FMM 24024:

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https://www.robotrontechnik.de/html/forum/thwb//showtopic.php?threadid=17163

"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

miles_teg

Sehr cool, danke für den Bericht. Das das Gerät nach so langer Zeit noch vorhanden ist, finde ich erstaunlich. Vorallem wegen des Trefoil, da hätte ich in Deutschland schon lange einen Behördeneinsatz erwartet. ;-)

Radiator

Die Krypton-Quelle steht jetzt bestimmt zusammen mit einer aus der Meßwetanzeige gebauten Nixie-Uhr in einem Partykeller. ;D

Immerhin ist da ziemlich sicher, daß sie entweder voll umschlossen oder voll leer ist, weil Gas.

Ärgere mich immer noch etwas, daß ich Mitte der 90er einen Robotron-Rauchmelder mit Krypton nicht mitgenommen habe. Aber der lag in einem feuchten Keller, ringsum alles verrostet und verrottet, und nach dem was man in diesen Vor-Internetzeiten vom Ostblock wußte, hätten da auch zwei Eßlöffel "irgendwas vom Atomtestgelände" als Strahlenquelle drin sein können.


NoLi

Zitat von: Radiator am Gestern um 03:40...
Ärgere mich immer noch etwas, daß ich Mitte der 90er einen Robotron-Rauchmelder mit Krypton nicht mitgenommen habe.
...
Mal an die Gesetzeslage gedacht, z.B. Strahlenschutzverordnung und deren Freigrenzen?
Die Robotron-Rauchmelder enthielten Kr-85 mit Aktivitäten, je nach Typ, zwischen 18.5 MBq und 40 MBq.
War also besser so, das Ding nicht mitgenommen zu haben!

Norbert

Radiator

Vermutlich ja. Zumal ich in den letzten 30 Jahren nicht viel mehr damit gemacht hätte, als es ein paarmal an einen Geigerzähler zu halten. :)