Exkursion nach Jachymov

Begonnen von DL3HRT, 25. November 2018, 19:02

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DG0MG

Zitat von: Peter-1 am 05. Mai 2023, 15:07Gibt es Grenzkontrollen?

Nein, natürlich nicht! Tschechien ist in der EU! Nur haben die keinen Euro. In den Grenzgebieten kann man aber überall gut auch mit EUR bezahlen. Wichtiger Unterschied ist, dass man am Auto während der Fahrt Abblendlicht anschalten muss. Wenn mans vergisst, findet sich aber ein freundlicher Entgegenkommer, der einen mit Lichthupe darauf hinweist.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Peter-1

Meine Frage zielt etwas tiefer. Denn vor vielen Jahren wurde ein Auto angehalten weil ein Sensor angeschlagen hatte. Bei Asch am Übergang war eine Person im Auto, welche vorher im Krankenhaus eine Untersuchung mit einer radioaktiven Substanz hatte. Die Grenzer hatten etwas anderes vermutet. Ob das heute noch überprüft wird?
Gruß  Peter

wrdmstr inc.

feste Kontrollpunkte nicht aber ab und zu wird die Autobahn über einen Rastplatz-parcours geführt mit Röntgen Anlage und reichlich Personal vorrangig um Drogen und Menschenhandel aufzudecken.
Vor ein paar Jahren wurde mein belgischer Sammelkollege früh rausgewunken und musste seine gesammelten Sachen komplett auspacken,konnte dann aber ohne Probleme weiterfahren, ich bin dann nachmittag da langgekommen ,war immer noch Kontrolle aber ich wurde nur von ner art Podest gemustert.

wegen Hotelempfehlung, für Radium Palace war ich immer zu geizig und nicht passend gekleidet, deshalb war ich letzte male immer im Hotel Vera, Pension H direkt am Eliastal war auch ok.


Henri

Hallo Janni,

Danke auch für den Rest Deines Reiseberichtes! :yahoo:

Nur zur Einordnung der Fotos: hast Du auf Deinem RadiaCode schon die Firmware mit der Energiekompensation, oder noch die alte?

Viele Grüße!

Henri

Lennart

Wirklich ein sehr schöner Bericht! Lustigerweise war ich quasi zeitgleich auch in Jachymov, mein bisher zweiter Besuch. Eine Woche war aber leider zu wenig, um alles zu entdecken.

Viel kann ich dem ausführlichen Bericht zwar nicht hinzufügen, ich werde aber versuchen einige Tipps für Mineraliensammler aufzuzeigen.

Das bisher interessanteste Gebiet befindet sich in der Nähe vom Skiareál Klínovec bei den Koordinaten 50.374270828075176 12.93870152646494. Einfach den zentralen Kreisverkehr in nördlicher Richtung verlassen und an Hotel Vera vorbei immer weiter aus dem Ort fahren. Bei der ersten Abfahrt rechts halten und schon ist man angekommen. Parken kann man an der Seite bei den grünen Rohrleitungen bzw. am Straßenrand.

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Wenn man der Straße wenige Meter nach oben folgt, findet man einen alten Schuppen mit Garage vor.

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Interessant ist das Gebäude links dahinter (roter Pfeil). Es handelt sich um ein Gebäude, das man als Sammler radioaktiver Mineralien dort nicht erwarten würde: Ein Endlager für Nuklearabfälle  :o

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Dort befinden sich aber keine abgebrannten Brennelemente im Keller eines gelben Häuschens  :negative:

Es handelt sich um ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus Medizin und Industrie. Sicher verstaut in einem ehemaligen Uranbergwerk (wo auch sonst?  :D )
Weitere Infos findet man beim Betreiber: https://www.surao.cz/en/public/operational-repositories/bratrstvi-repository/
Ein Bild vom Stolleneingang:

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Die eigentlichen Hotspots befinden sich um die verlassenen Gebäude herum, die man im Hintergrund auf dem dritten Bild erkennen kann (links vom Schild durch den Zaun zu erkennen). Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, hier etwas auszugraben. Noch bessere Fundmöglichkeiten liegen am Hang des Berges. Hier mal eine improvisierte Karte zur besseren Übersicht:

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Gesucht habe ich hauptsächlich mit dem RadiaCode. Das geht auch gut, wenn man alle Alarme ausstellt. Um die Steine zu verifizieren habe ich den Gammascout benutzt. Wenn das kleine Zählrohr kreischt und ein Dauerton zu hören ist, kann der Stein nicht gänzlich taub sein  ;)

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Fotos der Funde muss ich nachreichen. Die liegen noch in einem Bleibehälter im Auto und warten auf ein warmes Bad. Ich konnte vor Ort unter dem Dreck nicht viel erkennen. Es wird aber wahrscheinlich auf Uraninit hinauslaufen, wie man das von Jachymov auch erwartet.

[Die Software vom RadiaCode ist aktuell inkl. Energiekompensierung]

Der Bericht geht noch weiter, ich teile das lieber mal auf.

Lennart

Weitere Hotspots befinden sich in einem zugewucherten Graben. Dieser wurde künstlich angelegt und es sind noch Teile einer rostigen Stahlarmierung sichtbar. Der fragliche Ort liegt nördlich des Lagers für nukleare Abfälle bei 50.378854850495685 12.939856971906899. Oberhalb der kleinen Stauseen befindet sich am Berghang eine Art Halde. Das dort liegende Gestein ist jedoch taub (bin da natürlich komplett hochgeklettert  :) )

Am Fuß der Halde ist der ausgetrocknete Graben. Hier eine kurze Orientierungshilfe:

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Hier sieht man links im Bild die Halde und rechts die kleinen Stauseen.

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Der Graben lässt sich auf diesem Bild nur erahnen. Er liegt zwischen "Halde" und Rucksack. Am rechten Bildrand kann man einen kleinen Teil sehen.

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Um den Graben herum gibt der RadiaCode ("energiekompensiert") 0,3-0,5 µSv/h an. Im Graben selber misst man ohne den Boden zu berühren 1-2 µSv/h.

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Der Graben ist auf der gesamten Länge kontaminiert. Ein Spektrum wäre schön gewesen, das fällt mir nur leider etwas zu spät ein  :( 




Lennart

Weitere Fundmöglichkeiten lassen sich mit einer Wanderung zwischen Jachymov und Mariánská kombinieren. Wenn man nicht in der Skisaison auf die Suche geht, kann man bei 50.36133683083718 12.899370103909169 parken.
Man folgt dem Wanderweg bergauf und kommt an einem schönen Aussichtspunkt vorbei (Čimický vrch). Von dort kann man auch den Klínovec sehen. Östlich von Popovská Hora findet man auf dem Weg mehrere kleine Hotspots. Einen davon habe ich ausgegraben  :)

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Mein Fund war ein sehr kleines Steinchen mit einem erkennbaren Überzug von Uraninit. Das gute Stück konnte ich in einem Tamiya-Farbdöschen mit abgedichtetem Deckel unterbringen. Das Döschen besteht aus mehreren Millimetern Mineralglas, somit sollte die Messung kaum bis keine Betastrahlung beinhalten.

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Lennart

Zitat von: Peter-1 am 05. Mai 2023, 15:07Welches gute Hotel wäre wo zu empfehlen?

Ich möchte keine Werbung machen, kann aber die "Vila Jachymov" und "Hotel Vera" empfehlen. In der Villa (tschechisch wohl mit einem "l") bin ich diesmal untergekommen. Wenn man ein Apartment und kein Hotel sucht, ist das sicherlich keine schlechte Wahl.

Lennart

Zitat von: Peter-1 am 05. Mai 2023, 17:57Meine Frage zielt etwas tiefer. Denn vor vielen Jahren wurde ein Auto angehalten weil ein Sensor angeschlagen hatte. Bei Asch am Übergang war eine Person im Auto, welche vorher im Krankenhaus eine Untersuchung mit einer radioaktiven Substanz hatte. Die Grenzer hatten etwas anderes vermutet. Ob das heute noch überprüft wird?

Ich bin mit dem Auto und entsprechenden Steinen von Deutschland nach Tschechien und anschließend in die Slowakei gefahren. Da bekommt man keine Probleme. Was viel wichtiger ist: Nicht die Vignette vergessen oder Mautstraßen meiden. Die Vignette kann man in Tschechien völlig unkompliziert online beantragen, das geht auch mit dem Handy. Für die Slowakei gilt das auch. Die sind in dieser Hinsicht um einiges weiter als z.B. die Schweizer.

Peter-1

Liebe Reisefreunde,

ich würde zu gerne ein Spektrum an meiner Anlage von so einem Steinchen aus Jachymov aufnehmen. Falls also jemand bereit ist, als Leihgabe oder auch zum Verkauf, so würde ich mich freuen. Vielleicht schaffe ich es im Sommer auch selbst, aber das steht noch in den Sternen.

Peter
Gruß  Peter

Janni

@Lennart: Danke für deinen interessanten Bericht! Ist ja witzig, dass wir uns fast getroffen hätten.  :D
An diesen Gebäuden wo das Endlager ist sind wir auch vorbei gefahren, das wusste ich aber nicht. Wir hatten da aber auch keine Zeit mehr, aber dann weiß ich was wir uns beim nächsten Mal genauer ansehen werden.  ;D

@Henri: ich hab auf dem Radiacode noch die alte Firmware drauf. Irgendwie war ich auch noch nicht ganz so überzeugt von dem neuen und wollte erst nochmal warten.

@Peter: Ich hab einige Steinchen von dort zu Hause und kann dir bestimmt einen geben. Ich bin allerdings schon wieder unterwegs und werde mal nachschauen, wenn ich wieder zuhause bin.  :)

Zu den Hotels: Wir waren bis jetzt im Radium Palace, im Astoria, im Behounek und im Curie. Sind alle ganz toll, aber natürlich recht teuer. Wir wollten aber das Flair auch mit zelebrieren.  :)  :))

Das ist aber auch erst so, seit mein Freund es auch dort liebt und wir zusammen dahin fahren.  :D

Früher hab ich dort einfach immer im Auto geschlafen. Mache ich meistens, wenn ich alleine irgendwo hinfahre.

Lennart

So... hier sind die Bilder der gereinigten Fundstücke. Der kleine Stein ist ca. 10 mm lang, der mittelgroße kommt auf 30 mm und der größte Kamerad misst knapp 50 mm.

Alle drei sind nichts besonderes, das hatte ich aber auch nicht anders erwartet. Als der Uranbergbau in der Region noch in vollem Gange war, hätte man sich darüber wohl trotzdem gefreut. Es handelt sich nämlich um Primärerz (Uraninit).

Die Dosisleistung liegt bei den beiden kleineren Steinen bei ca. 15-35 µSv/h. Der "große" Stein ist eine andere Hausnummer. Hier kommt man auf ungefähr 100 µSv/h Gamma-DL. Die Werte liegen dicht beieinander, wenn man Gammascout und RadiaCode ("energiekompensiert") vergleicht. Als Absorber für den Beta-Anteil habe ich 3 mm Mineralglas verwendet. Was besseres hatte ich nicht griffbereit.
Mit dem Gammascout wurde radial zum Zählrohr gemessen (mit der langen Seite) und nicht axial mit der Alublende.
Diese Praxis hatte ja schon einmal für Diskussionen gesorgt. Letztendlich stellen die Werte ohnehin kein exaktes Messergebnis dar und das sollen sie auch nicht. Als grobe Vergleichswerte untereinander reicht es allemal.

Hier sieht man den kleinsten "Uranklumpen":

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Der mittelgroße Stein:

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Anschließend noch die "Mini-Atombombe":

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"Messergebnisse" durch 3 mm Mineralglas (nur stärkstes Fundstück):

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Aus Spaß an der Freude hier noch Beta + Gamma ohne Absorber (nur stärkstes Fundstück):

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etalon

Sehr schöne Funde  :good3:

Wenn du größere Fundchancen haben möchtest, dann empfehle ich dir mal die Barbarahalde oder die Eliashalde oberhalb von Jachymov aufzusuchen... da marschieren dann auch die Messgeräte...  :D

Als ich vor ein paar Wochen in Jachymov war, landete (unter anderem) dieses Bröckelchen im Eimer  ;D :

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DL8BCN

Die Steine sehen nicht wirklich so aus, als ob sie der Gesundheit förderlich sind :-\
Aber das "Böse" übt ja immer eine gewissen Faszination aus ;)
Warum gibt es Reptilienfreunde, die Giftschlangen halten, wenn es auch schöne ungiftige Arten gibt ? :D

Lennart

Zitat von: etalon am 09. Mai 2023, 07:46Wenn du größere Fundchancen haben möchtest, dann empfehle ich dir mal die Barbarahalde oder die Eliashalde oberhalb von Jachymov aufzusuchen... da marschieren dann auch die Messgeräte...  :D

Danke für den Tipp! Ich habe mir das mal im Mineralienatlas angeschaut, das liegt nicht weit von der Adamhalde weg. Dort war ich bei meinem ersten Besuch, wurde aber enttäuscht. Als ich dort war regnete es in Strömen und ich konnte, von nassen Klamotten abgesehen, nichts finden.
Nur zum Verständnis: mit Barbarahalde meinst Du Barbora, oder habe ich was übersehen?

Zitat von: etalon am 09. Mai 2023, 07:46Als ich vor ein paar Wochen in Jachymov war, landete (unter anderem) dieses Bröckelchen im Eimer  ;D :

Eimer? Ein 5 Liter Eimer? Ist der voll geworden?  :o
Abgesehen davon, wirklich schönes Blasenerz! Bei meinen Funden ist die Struktur lange nicht so schön.

Zitat von: DL8BCN am 09. Mai 2023, 09:24Die Steine sehen nicht wirklich so aus, als ob sie der Gesundheit förderlich sind :-\
Aber das "Böse" übt ja immer eine gewissen Faszination aus ;)

Da ist schon was dran. Unter das Kopfkissen gehören solche Mineralien wohl eher nicht  :D
Trotzdem war, realistisch gesehen, die Rückfahrt nach Deutschland (mit "zügigem" Tempo) der gefährlichste Teil des Urlaubs. Es scheint einen neuen Trend zu geben: wenn ein Auto auf die Autobahn auffahren will, fahren alle auf die linke Spur um Platz zu machen. Dass da jemand mit XXX km/h von hinten ankommt, interessiert niemanden :-\
Zurück zum Thema... ich packe die starken Fundstücke in ein Blei- oder Stahlgefäß im Kofferraum. Auf dem Fahrersitz misst man mit dem Radiacode keinerlei erhöhte Werte. Die Abschirmung ist eigentlich nicht nötig, den größten Effekt hat das Abstandsgesetz. Hier hat ein möglichst langes Auto natürlich gewisse Vorteile  ;D