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Autor Thema: Welches große russische Zählrohr?  (Gelesen 965 mal)

Henri

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Re: Welches große russische Zählrohr?
« Antwort #15 am: 05. März 2021, 21:57 »
Es gibt ja zur Zeit verschiedenste Community-Projekte, die auf dieses und ähnlich alte Zählrohre aufbauen. Wenn das hier jemand mitliest: ich empfehle dringend, die Zählrohre vor der Verwendung entsprechend zu prüfen (und das ggf. noch mal zu wiederholen, wenn die Messwerte im Laufe der Zeit ansteigen sollten).

In den Kommentaren unter diesem Video über den "Multi-Geiger" - der das SI22G benutzt - hatte boehri_de von diesem Effekt geschrieben (auf youtube):
https://www.geigerzaehlerforum.de/index.php/topic,96.msg6194.html#msg6194
Die haben da softwareseitig was gedreht. Ich weiss allerdings nicht, ob ihnen die Ursache klar war.


Ach, dann haben sie's bemerkt und leider das gleiche Problem.  Moderne ODL-Sonden haben extra eine Erkennung, damit das auffällt und das Zählrohr getauscht wird.

Also, Finger weg vom Si-22G. Schade, ist eigentlich sehr viel Zählrohr für den Preis...

Turbo-Tom

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Re: Welches große russische Zählrohr?
« Antwort #16 am: 06. März 2021, 19:33 »
Die zuletzt berichtete Problematik hat mir jetzt doch keine Ruhe gelassen, da ich auch noch sechs SI22G Zählrohre in den "Katakomben" liegen habe. Also die Dinger rausgekramt, das Chaos etwas beiseite geschoben, ein paar Messgeräte bereitgestellt und schon ging's los.

Erstaunlicherweise konnte ich keinerlei Doppelpulse finden, bei keinem meiner sechs Exemplare. Alle sechs wurden im ersten Quartal 1988 hergestellt, und ich hatte sie auch zusammen von einem Anbieter in der Ukraine gekauft (ist schon ein paar Jahre her).

Von den Messdaten gleichen sich die sechs Exemplare "wie ein Ei dem anderen", selbst der Plateaubeginn ist bis auf etwa 10V identisch (um 310V). Ich kann praktisch keinen Drift der Empfindlichkeit (mit dem Uranglasquader als Prüfstrahler) zwischen 320V und 400V (Ende der "Fahnenstange" bei dem verwendeten Netzgerät) feststellen.

Im Gegensatz zu den meisten Anwendern, greife ich das Ausgangssignal an der Anode des ZR kapazitiv (ca 2pf hinter einem 8,2MOhm Anodenwiderstand) ab. Die Messung an der Kathode mag bei der Konfiguration des ZR in einer abgesetzten Sonde mit Verbindungskabel und Steckverbinder vorteilhaft sein, aber die Kathode eines so großen ZR stellt doch auch eine respektable Antenne dar, die jede Menge RFI einfangen kann... Von daher würde ich die vermeintlich defekten ZR sicherheitshalber nochmal mit Signalabgriff an der Anode prüfen (falls das in der Anwendung nicht ohnehin schon so erfolgt ist), vielleicht sind die Teile dann ja doch nicht so kaputt, wie befürchtet  ;).

Wann wurden denn die vermeintlich defekten SI22G hergestellt?

Viele Grüße und viel Erfolg bei der "Rettung",
Thomas


Henri

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Re: Welches große russische Zählrohr?
« Antwort #17 am: 07. März 2021, 17:29 »
Die zuletzt berichtete Problematik hat mir jetzt doch keine Ruhe gelassen, da ich auch noch sechs SI22G Zählrohre in den "Katakomben" liegen habe. Also die Dinger rausgekramt, das Chaos etwas beiseite geschoben, ein paar Messgeräte bereitgestellt und schon ging's los.

Erstaunlicherweise konnte ich keinerlei Doppelpulse finden, bei keinem meiner sechs Exemplare. Alle sechs wurden im ersten Quartal 1988 hergestellt, und ich hatte sie auch zusammen von einem Anbieter in der Ukraine gekauft (ist schon ein paar Jahre her).

Von den Messdaten gleichen sich die sechs Exemplare "wie ein Ei dem anderen", selbst der Plateaubeginn ist bis auf etwa 10V identisch (um 310V). Ich kann praktisch keinen Drift der Empfindlichkeit (mit dem Uranglasquader als Prüfstrahler) zwischen 320V und 400V (Ende der "Fahnenstange" bei dem verwendeten Netzgerät) feststellen.

Im Gegensatz zu den meisten Anwendern, greife ich das Ausgangssignal an der Anode des ZR kapazitiv (ca 2pf hinter einem 8,2MOhm Anodenwiderstand) ab. Die Messung an der Kathode mag bei der Konfiguration des ZR in einer abgesetzten Sonde mit Verbindungskabel und Steckverbinder vorteilhaft sein, aber die Kathode eines so großen ZR stellt doch auch eine respektable Antenne dar, die jede Menge RFI einfangen kann... Von daher würde ich die vermeintlich defekten ZR sicherheitshalber nochmal mit Signalabgriff an der Anode prüfen (falls das in der Anwendung nicht ohnehin schon so erfolgt ist), vielleicht sind die Teile dann ja doch nicht so kaputt, wie befürchtet  ;).

Wann wurden denn die vermeintlich defekten SI22G hergestellt?

Viele Grüße und viel Erfolg bei der "Rettung",
Thomas

Hallo Thomas,

meine - zugegebenerweise doch recht kleine - Stichprobe, ein einziges Zählrohr, stammt aus 1984. Ich hätte mir da gar nicht groß bei gedacht, wenn "boehri" nicht den selben Effekt beschrieben hätte.  Bei einem knapp 40 Jahre alten Zählrohr ist halt irgendwann Schluss. Auf https://odlinfo.bfs.de/DE/themen/wie-wird-gemessen/interpretation.html wird das auch als typische Fehlerquelle benannt:

"Die Ursache dieser Verdopplung liegt in der Auslösung von Folgeimpulsen nach einem gemessenen Zählrohrimpuls, die nicht durch äußere Strahlung bedingt sind. Oftmals handelt es sich hierbei um einen Temperatureffekt der altersbedingte Probleme des Zählrohrs aufzeigt. Diese Folgeimpulse werden ebenfalls gezählt, und folglich erscheint die berechnete ODL erhöht."

Ich greife das Signal auch über einen Kondensator (47pF) an der Anode ab. Auffällig war noch, dass kurz nach dem Einschalten der Sonde besonders viele Doppelimpulse kamen, später dann aber weniger. Meist sind die Impulse dann  auch deutlich niedriger. Das Zählrohr "zündet" nicht in einem Stück durch, sondern nur teilweise, und schiebt dann noch mal was nach.

Selbst wenn diese Zählrohre jetzt noch einigermaßen funktionieren, von einer sonderlich hohen Lebenserwartung sollte man nicht mehr ausgehen.

Wenn man das Gerät allerdings bei gleichbleibenden Temperaturen verwendet und häufig nachkalibriert, kann man das Zählrohr sicher noch eine Weile verwenden. Aber Langzeitmessungen im Garten? Na ja, solange man halt die Messwerte im Auge behält.

Viele Grüße!

Henri