Radioaktive Fossilien

Begonnen von Hannes, 05. Februar 2021, 22:48

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DL8BCN

Das Thema Tripel-Superphosphatdünger ist spannend.
Ich hatte mir ja auch welchen besorgt und gemessen.
Die Schwermetalle werden bei der Düngerherstellung offensichtlich aus wirtschaftlichen Gründen nicht abgetrennt.
Da kommen viele Tonnen Uran auf die Felder.
Ich denke das wissen die wenigsten.
Noch nicht mal die meisten Landwirte.


Radiohörer

Zitat von: DL8BCN am Gestern um 09:51https://www.ifg.uni-kiel.de/de/einrichtungen/museum/geologisches-und-mineralogisches-museum-1
Dort gab es unter anderem große Stücke von versteinertem Holz.
Ich habe da meinen RadiaCode rangehalten und er hat ungefähr 0,20 µSv/h angezeigt.
Ich hatte keine Geduld für ein Spektrum.
Daher weiß ich nicht, was da genau gestrahlt hat.
...U und was seit der Anlagerung daraus entstanden ist.
Die nordbayerischen Kieselhölzer können U eingelagert haben.
Im http://www.naturkunde-museum-coburg.de/ hab ich einige Stücke hinter Glas mit dem Raysid gefunden.
Bei denen um Nbg ist mir das noch nicht aufgefallen.
Empfehlen kann ich http://www.spessartit.de/Fossiles-Holz.html in dem die U-haltigen Hölzer erwähnt werden und das Museum in Karlstein darunter.
Dort sind auch zwei U-Medaillen zu finden ;)


NoLi

Zitat von: DL8BCN am Gestern um 10:27..
Die Schwermetalle werden bei der Düngerherstellung offensichtlich aus wirtschaftlichen Gründen nicht abgetrennt.
Da kommen viele Tonnen Uran auf die Felder.
Ich denke das wissen die wenigsten.
Noch nicht mal die meisten Landwirte.
Die Agrarlobby wehrt sich bis heute noch vehement gegen die Einführung eines Uran-Grenzwertes für mineralische Düngemittel; einzig mit dem krebserregenden Cadmium hatte es der Gesetzgeber geschafft, dieses aus dem Dünger zu verbannen.
Aus den Verkaufs- und Verbrauchsdaten wurde ein Uraneintrag in deutsche Böden von ca. 100 Tonnen/Jahr ermittelt. Und weil der Dünger gut wasserlöslich sein soll, führt dies allmählich bei intenstiv landwirtschaftlich genutzten Flächen zu Problemen, den Trinkwassergrenzwert von 10 µg/l (Erwachsene) bzw. 2 µg/l(Babies/Kleinkinder) einzuhalten, so dass bei den betroffenen Wasserwerken weniger uranhaltiges Fremdwasser zugemischt werden muß.

Norbert

DL8BCN

Auch komisch das in dem Zusammenhang von Stoffmengen / Konzentrationen pro Liter gesprochen wird und nicht in Bq/l.
Man müsste das umrechnen können, oder ist das so wenig, das man es nicht radiologisch messen kann?

DL3HRT

Zitat von: NoLi am Gestern um 13:01einzig mit dem krebserregenden Cadmium hatte es der Gesetzgeber geschafft, dieses aus dem Dünger zu verbannen.
Der Cadmiumgehalt beim untersuchten Dünger lag bei 18,8 mg/kg. Ab 20 mg/kg besteht Kennzeichnungspflicht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt  ;).

DL8BCN

Manche Wasserwerke im Harz sollen Probleme mit Uran im Wasser haben.
Da werden es aber die natürliche Erze sein, die das Uran an Wasser in den wasserführenden Schichten abgibt.
Wobei metallisches Uran wohl kaum wasserlöslich sein dürfte.
Es werden eher Uransalze sein, oder?
Das wird vermutlich nicht mit Dünger im Zusammenhang stehen.
Man müsste ergründen, wo in Deutschland der meiste Phosphatdünger eingesetzt wird.
Und dort die Trinkwasseranalysen der Wasserwerke anschauen.
Bei mir zu Hause gibt das Wasserwerk neuerdings auch den Urangehalt an.
Offensichtlich gibt es dazu eine neue Pflicht.
Bei mir ist der Wert aber unter der Nachweisgrenze von 0,1 µg/l.
Grenzwert ist wohl 10 µg/l .
So, nun sind wir von radioaktiven Fossilien zum radioaktivem Wasser gekommen, sorry...
Habe dazu noch das gefunden, etwas älter: https://www.bs-energy.de/wp-content/uploads/2022/02/Uran_im_Trinkwasser.pdf

NoLi



Zitat von: DL8BCN am Gestern um 13:18Auch komisch das in dem Zusammenhang von Stoffmengen / Konzentrationen pro Liter gesprochen wird und nicht in Bq/l.
Man müsste das umrechnen können, oder ist das so wenig, das man es nicht radiologisch messen kann?
Die Hauptmasse (g) von Uran stellt das U-238 dar, nämlich 99,28 %, dann folgt U-235 mit 0,72 %. Die Masse von Uran-234 ist vernachlässigbar.

1 mg Natururan hat eine Aktivität von 25 Bq U-235 + u-238, die reine U-238 Aktivität beträgt 12,4 Bq.

Da die Hauptgefahr von Uran im Körper durch seine chemische Toxizität und nicht durch seine Radioaktivität geprägt ist, wird der Grenzwert wie bei allen nicht radioaktiven Chemikalien/Elementen in µg/l angegeben.

Norbert

RolB

Zitat von: NoLi am Gestern um 16:511 mg Natururan hat eine Aktivität von 25 Bq U-235 + u-238, die reine U-238 Aktivität beträgt 12,4 Bq

Ich stehe vermutlich gerade etwas auf der Leitung. Woher kommen die 25 Bq her ? Der reine U235-Anteil in 1 mg Natururan trägt doch lediglich ca. 0,6 Bq bei.
Dann kommen die restlichen 12 Bq wohl von Nukliden der Zerfallsreihen. Im Gleichgewicht werden sie sicherlich nicht sein, schon gar nicht bei mobilisiertem Uran. Aber auch bis zum langlebigen U234 gibt es in der U238-Reihe 3 Nuklide. Müsste da die Aktivität nicht höher sein ?

Grüße Roland

NoLi

Die 25 Bq für 1 mg Natururan setzen sich aus
- 12,4 Bq U-238
- 12,4 Bq U-235
- 00,2 Bq U-234
zusammen.

U-235 ist zwar mengenmäßig nur gering vorhanden, hat aber eine wesentlich kürzere Halbwertszeit als U-238 (700 Mio. Jahre zu 4500 Mio. Jahre)...daher die höhere Aktivität bei geringerer Menge, zerfällt schneller.
Die Zerfallsreihen spielen bei der reinen Uran-Aktivität keine Rolle.

Norbert

RolB

Das natürliche Mengenverhältnis von U235 zu U238 ist 0,0072 (0,72%), das Verhältnis der entsprechenden HWZen (und damit dem reziprogen Aktivitätsverhältnis bei gleicher Masse) ist 0,16, damit ist übeschlagsmässig
A235 = A238 * HWZ238/HWZ235 * Anteil235 = 12,4 Bq/mg * 6,35 * 0,0072 = 0,58 Bq/mg

Wo ist mein Denkfehler ?

Roland

RolB

Kann es sein, dass es doch vom U234 herkommt? Ich habe mal nachgerechnet und komme bei einem Anteil von 0.0055% und einer HWZ von 2.46E5 a auf 12.6 Bq/mg für natürliches U234?

Roland

RolB

Da ist ja auch gar nicht verwunderlich, wenn das gesamte Uran aus einer Zerfallsreihe abgetrennt wurde die im radioaktiven Gleichgewicht steht. Dann muss das U234 etwa die selbe Aktivität wie U238 aufweisen und das Häufigkeitsverhältnis spiegelt das Verhältnis der Halbwertszeiten.

Roland

Radiohörer

...ggf. sollten wir das Thema U in Düngern in einem eigenen Tread frönen ;)
Etwas her: https://www.geigerzaehlerforum.de/index.php/topic,141.0.html

Darüber gibts ne interessante Sendung:
Kalabrien: Das toxische Erbe der Chemieindustrie vom 15. März 2025:
https://www.deutschlandfunk.de/kalabrien-das-toxische-erbe-der-chemieindustrie-100.html