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Autor Thema: gefährliche Röntgenexperimente  (Gelesen 3208 mal)

Butterfly

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #45 am: 29. Juli 2021, 11:25 »
Hallo Neptun,

bin natürlich kein Wissenschaftler, konnte aber als Mitarbeiter einer Klinik beobachtungen machen...
Dabei viel mir auf das Mitarbeiter die im Röntgenbereich arbeiteten nicht frühre starben od. schwerer erkrankten als andere!

Im Gegenteil, Pflegekräfte auf Intensivstationen die kaum mit ionisierender Strahlung in Berührung gekommen sind hatten die höchste
Erkrankungsrate/Sterblichkeit, vermutlich auf Grund des Stresses. :(

Deshalb frage ich mich warum hier Leute Panik schieben selbst wenn der Nachbar mal ein paar Sekunden eine Röntgenröhre laufen hat... :o

Lg Peter

DG0MG

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #46 am: 29. Juli 2021, 12:09 »
Dabei fiel mir auf das Mitarbeiter die im Röntgenbereich arbeiteten nicht frühre starben od. schwerer erkrankten als andere!

Was für eine krude Argumentation!
Mit gleichem Hintergrund könnte man behaupten, dass Spannungen weit jenseits der 1000 Volt weniger gefährlich seien, als z.B. 400 V, weil im Hochspannungsbereich statistisch weniger tödliche Unfälle auftreten, als im Niederspannungsbereich. Nein, das liegt einfach daran, dass man sich bei der Hochspannung der Lebensgefahr wesentlich mehr bewusst ist und viel mehr auf die Einhaltung aller vorhandenen Schutzvorkehrungen geachtet wird.

Im professionellen radiologischen Bereich (nicht nur beim Röntgen) ist das garantiert genauso. Es gibt einen gewissen Respekt vor dem, was man nicht sieht und mit dem man doch den ganzen Tag umgeht.

Ich bin in den letzten Jahren mehrmals im Krankenhaus geröntgt worden (wegen diversen Knochenbrüchen  8) ) und habe 2 Computertomographien hinter mir. In allen Fällen konnte ich eine peinlich genaue Einhaltung der Strahlenschutzvorschriften feststellen. Bedeutet, das Bedienpersonal war jedesmal weit außer Rufweite, wenn man das kurze "bzzzt" der Belichtung wahrnahm. Man hört ja ungefähr die Anzahl Schritte, die die Schwester weg- und um die Ecke geht. Dass der gesamte radiologische Stationsbereich mit irgendwelcher Abschirmung umgeben ist, davon gehe ich mal aus.

Und ein weiterer Unterschied: Ich WEISS, dass ich eine Dosis XY abbekommen habe. Röntgenexperimente, bei denen auch nur die geringste Chance besteht, Unbeteiligte/Unwissende einzubeziehen, sind strikt zu verurteilen. Selbst die Russen im (mittlerweile gelöschten) Video im Eröffnungsbeitrag waren mit ihrer gebastelten Mimik auf dem Feldweg außerhalb der Wohnsiedlung.

Solche Experimente sind interessant und lehrreich zugleich!

Das stimmt zweifellos.
Aber einen Gedanken daran verschwenden, ob das Experiment nicht die eigene oder gar anderer Leute Gesundheit beeinträchtigen könnte, sollte man schon.
Die Curies fanden den Umgang mit Radium auch faszinierend.

Hier vielleicht mal noch zwei Literaturstellen, in denen beschrieben wird, wie es jugendlichen Röntgenexperimentatoren erging:
https://translate.google.com/translate?sl=ru&tl=de&u=https://www.rosbalt.ru/moscow/2009/06/08/646378.html
https://translate.google.com/translate?hl=&sl=ru&tl=de&u=https%3A%2F%2Flevtsn.livejournal.com%2F323151.html&sandbox=1

"Am dritten Tag nach der Bestrahlung färbte sich die Haut des Zeigefingers der rechten Hand des Experimentators rot, am 6. Januar verstärkte sich die Rötung, es traten Ödeme und Beschwerden in den Fingern auf. Später traten an den Fingerkuppen der rechten und linken Hand flache Blasen auf. Als Ergebnis bildete sich am Zeigefinger eine Strahlenverbrennung Grad III-IV. Glücklicherweise erhalten Ärzte durch die aktive Gefäßtherapie die Funktion der Hände. "

"Bling!": Irgendjemand Egales hat Irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Henri

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #47 am: 29. Juli 2021, 19:26 »
Im Gegensatz zu den "Hobbyexperimenten" gibt es im medizinischen Bereich eine korrekt betriebene Dosimetrie. Die hat zwar auch ihre Tücken, aber...

Sollte sich jemand falsche Verhaltensweisen angewöhnen oder mit dem Thema nachlässig umgehen, bekommt er oder sie nach der nächsten Plakettenauswertung eine direkte Rückmeldung.

Zur gesundheitlichen Auswirkung von Röntgenstrahlen gibt es, obwohl es zu dem Bereich der stochastischen Strahlenwirkungen gehört, gute Untersuchungen. Weil die Anzahl und Dosis der Bestrahlungen nachvollzogen werden kann und es einfach eine immens große Stichprobe gibt.

Und man darf nicht vergessen, es ist wie beim Sonnenbrand: öfters mal ein wenig Sonne über die Tage verteilt ist nicht schlimm, aber wenn man sich die gesamte Sonnendosis in 2 oder 3 Stunden holt, ist der Sonnenbrand da. Dann kommen die körpereigenen Reparaturmechanismen nicht mehr hinterher. Und dieses "zu viel in zu kurzer Zeit" tritt sehr sehr rasch ein, wenn man im Strahlengang einer noch dazu ungeschirmten Röntgenröhre hantiert, wie unsere "Helden" aus dem gelöschten Video oder die tragischen Gestalten aus den weiter oben verlinkten Artikeln.

Viele Grüße!

Henri

Butterfly

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #48 am: 30. Juli 2021, 00:26 »
Hallo DG0MG,

Ich sprach hier nicht von Zuständen in der heutigen Zeit, wo die Mtra's beim CT hinter Zentimeterdicken Bleiglasscheiben sitzen sondern vor 20 oder 30 Jahren am Fluoroskop welches Sekunden bis Minuten lang lief und seine Streustrahlung offen in den voll Personal stehenden Raum emitierte...
Oftmals wurde die obligatorische Bleischürze weggelassen weil zu schwer, zu hinderlich oder zu warm, auch die Plaketten flogen oft im anderen Raum Rum (oder in der Schublade)!
Da waren Kollegen dabei die schon 40 Jahre unter diesen Bedingungen arbeiteten!

Natürlich ist es richtig, weniger Strahlung ist besser, ganz klar, aber wenn mein naturwissenschaftlich begeisterter Nachbar Mal kurz seine Röhre laufen hat würde ich mir keine Sorgen machen! Zumal die bei Hobbyisten verwndete Spannung kaum ausreichd durch eine Wand zu kommen...

NoLi

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Re: gefährliche Röntgenexperimente
« Antwort #49 am: 30. Juli 2021, 01:03 »
Ich sprach hier nicht von Zuständen in der heutigen Zeit, wo die Mtra's beim CT hinter Zentimeterdicken Bleiglasscheiben sitzen sondern vor 20 oder 30 Jahren am Fluoroskop welches Sekunden bis Minuten lang lief und seine Streustrahlung offen in den voll Personal stehenden Raum emitierte...
Oftmals wurde die obligatorische Bleischürze weggelassen weil zu schwer, zu hinderlich oder zu warm, auch die Plaketten flogen oft im anderen Raum Rum (oder in der Schublade)!
Da waren Kollegen dabei die schon 40 Jahre unter diesen Bedingungen arbeiteten!
Da kann ich nur sage: Glückwunsch, bisher Glück gehabt!

Natürlich ist es richtig, weniger Strahlung ist besser, ganz klar, aber wenn mein naturwissenschaftlich begeisterter Nachbar Mal kurz seine Röhre laufen hat würde ich mir keine Sorgen machen! Zumal die bei Hobbyisten verwndete Spannung kaum ausreichd durch eine Wand zu kommen...
Na ja, wenn mal 100 kV oder gar 150 kV (siehe Youtube) erreicht werden, würde ich mir hinter meiner Wand schon mal Gedanken machen...


Beispiel aus vorletzter Woche an einem medizinischen C-Bogen:
Spannung 70 kV.
Aufnahme eines Holzkastens (20 cm x 20 cm x 20 cm).
Nutzstrahlausrichtung senkrecht.
Strahlenmessgerät CoMo-170.
Seitlicher Abstand zum C-Bogen 5 Meter.

Das Gerät zeigte im Beta-Gamma-Kanal "Overflow (bzw. Überstrahlung!) > 30 kIps" an...an Streustrahlung! 

Gruß
Norbert
« Letzte Änderung: 30. Juli 2021, 13:19 von NoLi »