Spektrum Granitblock

Begonnen von DL8BCN, 20. Januar 2022, 09:01

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DL8BCN

Moin!
Ich habe über Nacht meinen RadiaCode 101 auf einen Granitblock gelegt und gemessen.
Die Anzeige erhöhte sich auf ca. 0,15 Mikrosievert vom Umgebungswert der etwa 0,09 bei mir beträgt.
Die Impule erhöhten sich von 3,78 cps auf 7,31 cps.
Anbei das Spektrum.
Was mich wundert: Es ist praktisch identisch mit meinem Hintergrund, nur insgesamt etwas mehr Aktivität.
Auffällig ist eigentlich nur der K40 Peak.
Ich hatte erwartet, einige Nuklide vom Uran oder Thorium zu sehen.
Das ist offensichtlich nicht der Fall.
Hat jemand eine Erklärung dafür?

PS: Wenn man genau hinschaut, sieht man doch 2 Peaks vom Bi-214.
Die sind aber auch in meinem Background vorhanden.




opengeiger.de

Granite sind ja extrem unterschiedlich was den U und Th Gehalt anbelangt. Es gibt da auch viele, die nennenswert nur K haben. Bist Du denn sicher, dass Dein Granit auch brauchbar U-haltig ist?

Ich fürchte auch, wenn Du das U oder Th im Spektrum einer Granitprobe mit dem RC-101 erkennen können willst, dann musst Du in der Bleiburg messen. Mit dem RC-101 wirst Du aber wegen der sehr speziellen Detektor-Effizienz vermutlich auch nur ein erhöhtes Plateau im Bereich der Pb214 Linien sehen (242-351keV) und dann vielleicht einen "Buckel" für das Bi-214 bei 609keV und nur ganz vielleicht ein "Buckelchen" bei 186keV (Ra226/U235). Aber dafür brauchts schon einen "guten" Granit, z.B. einen aus Flossenbürg.

DL8BCN

Hallo, genau das ist es, was ich nicht weiß!
Ob der Granitblock uranhaltig ist.
Man kann nur sehen, daß die Impulse pro Sekunde, bzw. Minute um knapp den Faktor 2 ansteigen.
Dann kommt die leicht erhöhte Radioaktivität wohl nur vom Kalium?
Daher wollte ich schauen, ob man irgendwas identifizieren kann.
Ich habe nur einen kleinen Bleibehälter aus gewickeltem Walzblei mit ca. 30mm Wandstärke und 100mm Innendurchmesser.
Da kann ich nur kleine Dinge reinpacken.
Ich überlege die Anschaffung von Bleiziegeln, für den Bau einer etwas größeren "Burg".


opengeiger.de

Also so sieht ein "knackiger" Granit aus Menzenschwand mit dem Radiacode RC101 in der Bleiburg aus. Aber da hat es dann schon "deutliche" Uraneinlagerungen drin. Die Arbeitsplatte in der Küche wird so nicht aussehen, selbst wenn sie aus nem Flossenbürger Granit hergestellt ist.

Ganz vorne der starke Peak ist im wesentlichen vermutlich das XRF des Blei (stark nach oben verzerrt durch die ungewöhnliche Detektor-Effizienz), dann kommt das U235/Ra226 bei 186keV, dann sieht man 3 verschmolzene Linien des Pb214 des 242keV, 295KeV und 351keV und dann noch den abgesetzten Peak des Bi214. Ich glaube das ist so einigermaßen typisch für stark U-haltiges Gestein.   

nukulus

versuch einer erklärung von jemandem der unerfahren ist, d.h. könnte auch komplett falsch sein:

da die erdkruste +/- aus 50% granit besteht dürften diese vorkommen grösstenteils für die hintergrundstrahlung verantwortlich sein.

-> misst man nun einen standard granit, ist es dann nicht logisch dass es das gleiche spektrum anzeigt weil es das gleiche ist als irgendwie 30m-50m weiter unten?


Peter-1

Hier ein Flossenbürger Granit.
Gruß aus Bayern - Peter

DL8BCN

Tatsächlich ist die K40 Linie überall stark ausgeprägt.
Interessant!
@ Peter:
Wie bekommst du das Spektrum in die Theremino Software?
Ich habe dazu schon an anderer Stelle eine Frage gestellt.
Gruß, Rainer

opengeiger.de

Zitat von: nukulus am 20. Januar 2022, 10:39
da die erdkruste +/- aus 50% granit besteht dürften diese vorkommen grösstenteils für die hintergrundstrahlung verantwortlich sein.
-> misst man nun einen standard granit, ist es dann nicht logisch dass es das gleiche spektrum anzeigt weil es das gleiche ist als irgendwie 30m-50m weiter unten?

Naja, wenn man auf "der grünen Wiese" misst: die Zusammensetzung des Oberbodens in Deutschland schwankt ja auch ein wenig was U, Th und K anbelangt. In Bayern gibts auch einige Stellen mit viel Th. Im Schwarzwald hat man eher U im Oberboden. Und in Ronneburg oder Dresden-Freital ist nicht der Granit das Problem.  :D

In Gebäuden kommts drauf an aus was sie gebaut sind, Ziegel sind für nen gewissen U Gehalt bekannt und haben Einiges an K, beim Beton wird der Zement gelegentlich mit unangenehmen Zuschlagstoffen vermengt, manchmal auch geringfügig U-haltig. Im Mansfelder Revier hat man viel der U-haltigen Kupferschlacke zum Bau von Hausmauern verwendet, da hat es manchmal mehr als 1uSv/h im Keller. Das könnt man mit nem RC-101 dann auch schon ganz gut sehen. D.h. in Gebäuden dominiert oft der Einfluss des Mauerwerks den Background. Ist vielleicht nicht ganz so einfach zu erklären ...  ;)   

DL8BCN

Interessant!!
Ich werde mal einen Hintergrund bei mir im Garten aufnehmen und schauen, wie der Unterschied aussieht.

opengeiger.de

Zitat von: DL8BCN am 20. Januar 2022, 10:59
@ Peter:
Wie bekommst du das Spektrum in die Theremino Software?
Ich habe dazu schon an anderer Stelle eine Frage gestellt.

Aaaalso, Theremino ist eine MCA (Multi Channel Analyzer) Software für den PC. Man baut sich nen Detektor aus Szintillations-Kristall und Photomultiplier-Röhre, packt ein wenig Elektronik dazu für die Hochspannungserzeugung und für die Sigalverarbeitung und speist das Ausgangssignal dann in den Mikrofoneingang der Soundkarte am PC ein. Den Rest übernimmt die berühmte Theremino Software, d.h. das Einsortieren der Impulshöhen (bzw. -flächen) in ein Histogramm und die grafische Anzeige. War das nun kurz genug erklärt?  ;)

Für alles weitere gucksch Du hier:

https://www.theremino.com/de/blog/gamma-spectrometry

PS: kommerzielle Alternative zum Selberbauen der Detektoren gibts bei gammaspectacular.com, https://rhelectronics.net/store/ und in der großen elektronischen Bucht...

DL8BCN

Hallo.
Alles klar.So hatte ich das verstanden.
Dann kann man die Theremino Software nicht standalone nutzen.
Danke für die Info.

Peter-1

Strahlender Granit gab es 2019 im Sommer bei ALDI. Die 9 Würfel haben immerhin für ein Spektrum gereicht  :yahoo:
Gruß aus Bayern - Peter

Henri

Also, wenn man nicht so schöne Granitsteine hat wie Bernd, ist auch vieles eine Frage der Masse und räumlichen Ausdehnung.

Es gibt ja Strände mit Monazitsand, da hat man vor Ort ganz erhebliche Dosisleistungen. Füllt man sich davon was in eine Tüte und nimmt es mit nach Hause, ist man in der Regel ziemlich enttäuscht, wenn man seinen Detektor ranhält.

Gleiches mit den berühmten Schlackesteinen aus Mansfeld. Steht man auf einem damit gepflasterten Platz, tickert der Geigerzähler wie verrückt. Hat man nur einen einzelnen Stein, kommt nicht viel bei rüber.

Interessanter Thread hierzu:

https://www.geigerzaehlerforum.de/index.php/topic,771.msg8311.html#msg8311

Viele Grüße!

Henri

DL8BCN

Hallo Peter
Die Aldi Granitwürfel sind dann zur Herstellung von Radonwasser für eine Radon Trinkkur, oder :D :D

Peter-1

Das ist mehr als nur Radonwasser. Das gibt mit Thorium einen richtigen Multivitaminsaft.  :yahoo:
Gruß aus Bayern - Peter