Atommuseum/Atomkeller Haigerloch.

Begonnen von NoLi, 04. Februar 2022, 21:40

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opengeiger.de

Gut, dann liegt der Aufwand also wie auch Simon in seinem Filmchen schon andeutete in der Anreicherung von Deuterium im Wasser statt der Anreicherung von U235 im Unat. Dann ist aber immer noch die Frage, wieviel Wums hätte der Natururan-Reaktor gehabt, wenn Heisenberg und seine Kollegen auch noch Diebners Würfelchen eingebaut hätten, und sie alles Schwerwasser eingefüllt hätten ohne Bremsstäbe zu haben. Hätten wir dann heute die Schlosskirche noch? Wahrscheinlich ist das schwer zu sagen. Aber der FR-2 oder der MZFR war bestimmt etwas mehr "sophisticated" als das was da im Museum in Haigerloch zu sehen ist und wovon man dort auch die genaue Bauanleitung bekommt.

NoLi

Zitat von: opengeiger.de am 07. August 2025, 09:59...
Dann ist aber immer noch die Frage, wieviel Wums hätte der Natururan-Reaktor gehabt, wenn Heisenberg und seine Kollegen auch noch Diebners Würfelchen eingebaut hätten, und sie alles Schwerwasser eingefüllt hätten ohne Bremsstäbe zu haben. Hätten wir dann heute die Schlosskirche noch?
...
Die Schlosskirche und den Felsenkeller würde es heute noch geben.
Im günstigsten Fall hätte sich eine selbsterhaltende Kettenreaktion mit geringer Leistung gebildet (beispielsweise ähnlich dem Schulungsreaktor SUR-100 mit 100 mW), oder -bei moderater Leistung von ein paar kW- hätte sich das Schwerwasser langsam immer weiter erwärmt, oder es hätte, ab einem bestimmten Schwerwasserhöhenstand, durch eine mögliche Leistungsexkursion einen "blauen Blitz" und ein so gut wie schlagartiges Verdampfen des Schwerwassers gegeben. Kein Schwerwasser mehr - keine Kettenreaktion mehr. Wahrscheinlich wären dann auch ein paar Uranwürfel (an)geschmolzen. Das Kritischste für die Experimentatoren wäre dann die absorbierte Gamma- und Neutronendosis gewesen. Sekundäre Verletzungen durch vagabundierende Reaktorteile, beschleunigt durch D2O-Dampf, wären im letzteren Fall auch nicht unwahrscheinlich.

Was das aber letztendlich eingetreten und wie das ausgegangen wäre, hängt von der eingesetzten Uranmenge ab :unknw:

Norbert

opengeiger.de

Ja, in dieser Hinsicht sind Schwerwasser-Reaktoren so gesehen möglicherweise sogar "sicherer". Aber man sieht auch dran, warum die Ayatollahs doch genauso wie die Amis im 2. Weltkrieg mit der Anlage in Hanford auf eine U-Anreicherung gesetzt haben. Aber es geistert ja auch noch immer das Mythos durch unsere Lande was Diebner mit seinen Würfelchen in Gottow bzw. auf dem Übungsplatz Ohrdruf genau angestellt hat. Dort muss es ja irgendwie einen Wums gegeben haben. Vielleicht hatte er ja mehr dieser Würfelchen als Heisenberg. Die Auerwerke in Oranienburg konnten bis fast ans Kriegsende noch liefern. Vielleicht war das ja so eine entgleiste Natururan-Kettenreaktion? Allerdings wollte das ZDF und die PTB diesen Mythos vom Jonastal klären. Die PTB sagte, sie können dort keine Spaltprodukte finden. Aber Karlsch will nicht aufgeben, siehe https://gtgj.de/uncategorized/nur-die-sonne-strahlt-in-ohrdruf/ Also bleiben uns diese Themen doch noch weiter...

Peter-1

Mich wundert, dass kein Cs137 in der Bodenprobe gefunden werden kann. Probe vor 1986 genommen?
Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.
Gruß  Peter

DG0MG

Zitat von: Peter-1 am 08. August 2025, 10:59Mich wundert, dass kein Cs137 in der Bodenprobe gefunden werden kann. Probe vor 1986 genommen?

Es steht doch im verlinkten Zeitungsartikel klar zu lesen:

"Bei der Explosion des ukrainischen Atomkraftwerkes im April 1986 entstanden künstliche Radionukleide, die nach Deutschland herübergeweht wurden. Cäsium 137 gehörte dazu. Es kommt seit dem Reaktorunfall verbreitet in einer erhöhten Konzentration vor. So eben auch bei den Bodenproben von Ohrdruf."

NATÜRLICH wurde Cs-137 gefunden. Wie kommst Du darauf, dass das im Jahr 2006 nicht so gewesen sein sollte?
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Peter-1

Wieso sehe ich in meiner Probe absolut kein Cs137 ?
Gruß  Peter

DL3HRT

Nimm doch mal eine aktuelle Probe aus deinem Garten. Warum siehst du darin absolut kein Cs-137?  ;) Vielleicht weil die Cs-137 Aktivität so gering ist, dass unsere Detektoren sie nicht nachweisen können? Vielleicht weil das Cs-137 nicht oben auf der Erde liegt? Vielleicht, weil der Cs-137 Niederschlag nach Tschernobyl in Gottow anders war als in Ohrdruf?

DG0MG

Zitat von: Peter-1 am 08. August 2025, 11:52Wieso sehe ich in meiner Probe absolut kein Cs137 ?

Nebenbei geht es hier um den Atomkeller Haigerloch und nicht um Tschernobyl-Cäsium in Erdproben aus Gottow.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

DG0MG

Zitat von: Radiohörer am 06. August 2025, 22:14Simons Aussage kann ich bestätigen: die Anzeige von Raysid und RC nehmen beim Verschieben von rechts nach links deutlich ab

Zitat von: opengeiger.de am 06. August 2025, 21:47Ich hab jetzt das Foto mit der Herkunftserklärung gefunden.

Also wie isses denn nun mit den Würfeln?
@Simons Chemiebaukasten sagt, es wäre ein Replikat. @Radiohörer stimmt dem zu.

Im Foto von @opengeiger.de :

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steht als Erklärung INNERHALB der Vitrine und direkt vor den Exponaten, dass es ein Originalwürfel wäre. Die Scheibe rechts daneben ist für mich kein "Würfel", die Beschriftung kann sich also nicht primär darauf beziehen.

Für den Fall, dass der linke Würfel kein Originalwürfel ist, wäre das schon eine arge Täuschung des zahlenden Publikums. In diesem Fall könnte man "(Replikat aus Strahlenschutzgründen)" dahinterschreiben und alles wäre gut. Steht aber nicht. In ein Replikat hätte man vmtl. auch die Nuten zum Aufhängen mittels Draht eingearbeitet, um dem Original näher zu kommen.

In der Erklärung (Foto von @opengeiger.de ) wird durchaus darauf eingegangen und der optisch andere  Zustand erklärt ("Rohling", "nicht im Neutronenfeld gewesen"):

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Andererseits sieht man deutlich den Farbunterschied der Materialien (dann wärs eh eine sehr schlechte Replika) und den Unterschied in der Dosisleistung. Was stimmt nun?

Ich bin schon geneigt, aus der Ferne zu urteilen, dass der Würfel keine Replik sondern wirklich Original ist.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Radiohörer

...das Bild
https://www.geigerzaehlerforum.de/index.php?action=dlattach;fs=77044;attach=42103;preview;image
ist mir nicht aufgefallen bzw. war es auf keinem Foto, das ich rundum gemacht habe --> lesen kann man ja später, wenn man nur 10 min Zeit hat.
@opengeiger: wann hast Du es gemacht?

@Simon: hast Du den Teil des Filmchen rausgeschnitten, wo der RC über dem rechten Segment lag?

Ich bin mit Raysid und RC103 einmal um die Vitrine geschlichen und konnte einen deutlichen Unterschied zw. dem Würfel/Segment sehen. Nächstes Mal komm ich früher und filme den Umgang und mach ein paar Fotos mehr.
Übrigens: könnte ein Würfel in Theuern sein oder wars nur eine Medaillie?
Das Deutsche Museum müsste auch (min.) einen haben: nur ist der ausgestellt?
Sachdienliche Hinweise gesucht!!!

EDIT: schaut Euch mal den Film von Bionerd ab 2:23 an: https://youtu.be/xVG5lWn4hd8?t=186
oder https://youtu.be/-ZXsRmSXUGg?t=65
da ist ein deutlicher Unterschied zum aktuellen Würfel zu sehen!

NoLi

Zitat von: Radiohörer am 10. August 2025, 11:56...
Übrigens: könnte ein Würfel in Theuern sein oder wars nur eine Medaillie?
Das Deutsche Museum müsste auch (min.) einen haben: nur ist der ausgestellt?
Sachdienliche Hinweise gesucht!!!
...
Im Schlossmuseum Theuern befindet (befand?) sich eine Uran-Madaille, kein Würfel (ob diese noch da ist :unknw: weil das Schloss derzeit saniert wird).

Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass der Würfel in Haigerloch ausgetauscht wurde, weil er in der Masse die 10-fache Freigrenze (= 300 Gramm für Uran) gemäß Strahlenschutzverordnung für einen genehmigungsfreien Umgang "im überwiegend beruflichen, nicht häuslichen Bereich" überschritten hatte.
Dies ist im §41 (2) des Strahlenschutzgesetzes geregelt...zwar für Konsumgüter, aber vielleicht hat man diesen Paragraphen hier zugrunde gelegt.
https://www.gesetze-im-internet.de/strlschg/__41.html
Die internationale Atomenergiebehörde IAEA ist da sehr pingelig, sie stuft auch nuklearreines Natururan als Kernbrennstoff ein (Aufbewahrung mit entsprechenden Sicherungsmaßnahmen und jährlicher Kontrolle).

Ich werde mal versuchen, über die LUBW was Genaueres zu erfahren.

Norbert

exicator

Guten Abend!

... in einem vor gut 10a gemachten Video von bionerd23 ist nicht wirklich optisch ein Unterschied an dem Würfel, der damals in der Vitrine lag und dem, der heute ausgestellt ist, sichtbar.
Bei 2:48 min erkennt man genau die gleichen Spuren der Fertigung an dem Würfel ... er wird damals schon gegen einen Dummie ausgetauscht worden sein ... an der Scheibe des Würfels rechts daneben sind auch schön Oxydations-Spuren sichtbar und die fehlen beim Würfel vollkommen ...

Link zum Video von bionerd23:

https://www.youtube.com/watch?v=xVG5lWn4hd8

... und der Rest ist Spekulation. Die Gesetzeslage ist schon mal eine gute Argumentationskette (;-).

Wünsche noch einen schönen ruhigen Abend und einen guten Start morgen in die neue Woche!
Grüsse aus Berlin, Ralf


Lennart

Zitat von: exicator am 10. August 2025, 18:28... in einem vor gut 10a gemachten Video von bionerd23 ist nicht wirklich optisch ein Unterschied an dem Würfel, der damals in der Vitrine lag und dem, der heute ausgestellt ist, sichtbar.

Das sehe ich anders, @Radiohörer hat doch sogar Fotos beider Würfel nebeneinander. Der Würfel aus dem Video von Bionerd passt farblich besser zu der danebenliegenden Uranscheibe. Darüber hinaus sieht man für Uran typische Oxidationsprodukte, die sich an der Oberfläche gebildet haben.

Auch die Fertigungsspuren sehen anders aus. Der neue Würfel zeigt einen leichten Nachschnitt des Fräsers, wohingegen der alte Würfel nur Spuren in eine Richtung zeigt. Mit anderen Worten: der Fräser des neuen Würfels war etwas "besser" ausgerichtet, bzw. zu gut :-)
Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Spindelsturz

Lennart

Zitat von: DG0MG am 10. August 2025, 09:56In der Erklärung (Foto von opengeiger.de ) wird durchaus darauf eingegangen und der optisch andere  Zustand erklärt ("Rohling", "nicht im Neutronenfeld gewesen"):

Es liest sich so, als sei die Korrosion eine Folge des Neutronenfeldes. Mag sein, jedoch kennt man diese bunten Oxidationsprodukte auch z.B. von DU-Munition.

exicator

... ja Ihr habt recht.
Das Bild des original Würfels ist ja aus dem Video von bionerd23.
Mein Fehler.
Grüsse, Ralf