Geigerzähler mit Vorwärmzeit??

Begonnen von Henri, 24. Januar 2023, 22:18

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Henri

Hallo,

beim Stöbern habe ich hier

https://www-electronicsurplus-it.translate.goog/en/Radiation-meter-Geiger-YF8608-0,05uSv-50mSv?_x_tr_sl=it&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=it

ein "interessantes" Strahlenmessgerät entdeckt. Großes Farbdisplay, von der Aufmachung her sieht es "chinesisch" aus und eher nicht nach "Profi-Liga"... Auf dem letzten Produktfoto, welches einen Ausschnitt aus der Bedienungsanleitung zeigt, steht "After the detector is turned on, the sensor needs to be warmed up."

"...cooled down" hätte ich noch verstanden, dann hätte ich es sofort gekauft  ;D


Kennt jemand zufällig das Gerät und weiß, was es damit auf sich hat?  :unknw:

Viele Grüße!

Henri

Zugpferd

Vielleicht ist ja eine Temperatur Stabilisierung drin um die HV konstant zu halten? Sieht witzig aus USV MSV da hätte man zumindest uSv und mSv schreiben können.
Alle die ich in Videos mit soeinem Display rumlaufen sehe  müssen es abschatten damit man was sieht, kenne ich von meinem Sat Sucher, völlig nervig.
Ich glaub nicht an einen semiconductor sensor... dann wäre es ja auch kein Geiger Mülleŕ.

RD-Gamma

Das Teil hat ein integriertes Hygrometer und Thermometer. Kann mir vorstellen, dass das Hygrometer eine Weile braucht bis es plausible Werte liefert. Andererseits kann es auch sein, dass ein fließender Mittelwert gebildet wird welcher erst nach einigen Sekunden den richtigen Mittelwert abbildet. Das baue ich bei meinen Geigerzählern generell ein. Das sieht ungefähr so aus:

-Alle 5 Sekunden ist ein Messintervall fertig und der Messwert des Intervalls wird abgespeichert.
-Die vier letzten Messergebnisse von einzelintervallen werden aufaddiert und durch die anzahl geteilt.

Damit hat man einen fließenden Mittelwert, welcher a) schnell aktualisiert werden kann und b) bei richtiger Anwendung stetige Ergebnisse liefert.

Zugpferd

Macht da der Median nicht mehr Sinn?

Klingt aber plausibler als nur eine Temp Stablilisierung.

RD-Gamma

Zitat von: Zugpferd am 24. Januar 2023, 23:14Macht da der Median nicht mehr Sinn?

Nehmen wir an du hast einen Geigerzähler wo diese Methode Anwendung findet und du suchst nach Hotspots. Dann ändert sich der angezeigte Wert nur sehr träge während du den Zähler über Objekte ziehst. Du musst sozusagen bei jedem Objekt warten bis mindestens die Hälfte der den Median bestimmenden Werte von dem Objekt stammen welches du misst bis du eine Veränderung auf dem Display siehst.

Mit dem fließenden Mittelwert ändert sich der Wert schon ein gutes Stück nach oben wenn du ein strahlendes Objekt nur beiläufig erwischst. Als Folge darauf hält man ihn an der Stelle still und wartet bis alle Werte die den Mittelwert bestimmen von dem gemessenen Objekt kommen. Dafür verwende ich dann wiederum eine Anzeige der Abweichung, also um wieviel der aktuelle Wert von dem fließenden Mittelwert abweicht. So weiß man wie lange man es über das Objekt halten muss bis alle Werte von dem Objekt stammen und man verwertbare Daten hat.

Edit: Also grundsätzlich ist der Median sehr träge was Ausreißer angeht, diese will man aber beim Suchen von Radioaktivität auf jeden Fall drin haben. Zudem ist es bei Poissonverteilten Ereignissen so, dass die Ausreißer keine Fehler darstellen und somit vom Mittelwert mitgenommen werden müssen um das Messergebnis präziser wiederzugeben.

Nehmen wir an du hast folgende Werte beim Messen mit kleinem Messintervall:
0.05, 0.07, 0.10, 0.11, 0.15 (µSv/h)
Median: 0.10µSv/h
Mittelwert: 0.096µSv/h

Bei sowas hat man noch Glück und es weicht nicht weit ab. Nehmen wir jetzt an wir erwischen ein radioaktives Objekt und haben einen kurzen Ausschlag im letzten Wert:
0.05, 0.07, 0.10, 0.11, 2.25 (µSv/h)
Median: 0.10µSv/h
Mittelwert: 0.56µSv/h

Hier sieht man am Mittelwert direkt den Ausschlag und hält es so lange bis es sich nicht mehr großartig ändert.

Zugpferd

Verstehe ďeine Weise und ist nachvollziehbar. Hängt evtl. davon ab ob man ein stationäres oder mobiles Gerät nutzt. Bei einer konstanten Quelle wären Ausreisser ja eher Fehler. Aber stimmt wenn man auf der Suche ist macht das erheblich mehr Sinn.

Henri

Ich nehme für so was immer den gleitenden Mittelwert über eine feste Impulsanzahl. Z.B. beträgt das Integrationsintervall 1 Sekunde, und ich bilde dann den Mitelwert aus so vielen Intervallen, die stattgefunden haben, bis 400 Impulse (bei einem Szintillator) registriert wurden. Somit habe ich eine definierte Standardabweichung des Messergebnisses. Und dann nehme ich einen zweiten gleitenden Mittelwert über eine geringere Zahl an Messintervallen, je nach Gerät auch z.B. nur ein einziges von z.B. 1 s Dauer. Und wenn dieser Wert dann mehr als einen festgelegten Prozentsatz, z.B. 100%, vom Langzeit-Mittelwert abweicht, wird neu initialisiert, dh. die Anzahl der Integrationsintervalle für den Langzeit-Mittelwert neu bestimmt. Das muss man natürlich in beide Richtungen machen, weil die Ortsdosisleistung ja auch spontan sinken kann. Außerdem wird ständig die Standardabweichung des Langzeit-Mittelwerts bestimmt und ebenfalls neu initialisiert, wenn dieser (aufgrund langsamer Veränderungen) einen bestimmten Wert unter- oder überschreitet. Wenn also z.B. +/- 10% das Ziel ist, und der Wert überschreitet +/- 15% oder unterschreitet +/- 8%.

Der Vorteil hiervon ist ein sehr schnelles Ansprechen auf Veränderungen bei möglichst rasch den neuen Bedingungen angepasstem definiert zuverlässigem Anzeigewert (z.B. +/-10% bei 2-sigma). Das Optimum kann man sich ausrechnen, je nach Empfindlichkeit des verwendeten Detektors und Wunsch nach Präzision oder schneller Reaktion auf Änderungen.

Viele Grüße!

Henri


PS: Bei den Hygrometern haben nur die ganz teuren eine Heizung, damit sie auch bei Kondensation noch sinnvolle Werte anzeigen und nicht ewig brauchen, bis sie wieder getrocknet sind. Ich denke nicht, dass so was in dem verlinkten Geigerzähler (?) verbaut ist. Meine Vermutung ist auch, dass tatsächlich erst ein paar Impulse gezählt werden, bis der erste Messwert angezeigt wird (führt ja kein Weg drum herum...) und die Beschreibung dieses Vorgangs sprachlich nicht ganz präzise mit "Aufwärmen" bezeichnet wird...  :unknw: 

NoLi

Zitat von: Henri am 25. Januar 2023, 23:54...
Meine Vermutung ist auch, dass tatsächlich erst ein paar Impulse gezählt werden, bis der erste Messwert angezeigt wird (führt ja kein Weg drum herum...) und die Beschreibung dieses Vorgangs sprachlich nicht ganz präzise mit "Aufwärmen" bezeichnet wird...  :unknw: 
:good3:

Beim Besuch des Weihnachtsmarktes spricht man auch vom VORGLÜHEN für Weihnachten... :)

Norbert