Russische Soldaten aus Chernobyl wegen Strahlenkrankheit im Krankenhaus

Begonnen von Hannes, 31. März 2022, 15:56

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Hannes

Hallo,
Ich habe gerade gelesen, dass russische Soldaten, die in Chernobyl waren wegen Strahlenkrankheit ins Krankenhaus eingeliefert würden. Selbst im Roten Wald sind doch keine so hohen Werte, dass so etwas möglich ist. Wenn sie Gräben gegraben haben und den radioaktiven Staub eingeatmet haben, sollten sie doch eigentlich erst in ein paar Jahren vielleicht an Krebs, Leukämie oder ähnlichem erkranken.
Hier ist die Quelle: https://www.news.de/politik/856205205/wladimir-putin-fassungslos-ueber-erkrankte-soldaten-russische-truppen-erkranken-an-strahlenvergiftung-in-tschernobyl/1/
LG
Hannes

Henri

Ach, weißt Du: im Moment weiß man gar nicht, was man glauben kann und darf. Vielleicht war es auch nur ein Übersetzungsfehler? Vielleicht hat man die Soldaten mal in einen Ganzkörperzähler gesteckt, um herauszufinden, was in den nächsten Jahren an Entschädigungszahlungen auf den Staat zukommt, und das wurde dann als "Strahlenkrankkeit" übersetzt? Oder es ist einfach nur eine schicke Propaganda-Geschichte? Nichts genaues weiß man nicht, und Spekulieren bringt nicht weiter...

Viele Grüße!

Henri

Radeye

Hallo Zusammen,

das würde ich mal nicht als so unwahrscheinlich abtun. Vor einigen Jahren wurde der rote Wald ziemlich umfangreich kartiert, unter anderem auch mit Hilfe von Drohnen. Die Spitzenwerte lagen an einigen kleinflächigen Hotspots wohl bei fast 10 mSv/h, und zweistellige µSv-Werte sind insgesamt wohl die Regel dort. Die Feuerwehrleute, die regelmäßig in den Wäldern zur Brandbekämpfung ausrücken müssen, haben wohl auch schon Erfahrungen, bei welchen Dosisleistungen über welche Zeit Symptome wie Lippenbrennen oder metallischer Geschmack beginnen. Viele sind dadurch auch krank geworden. Ich hatte da mal ein kurzes Reportagevideo gesehen, finde das aber auf Anhieb leider gerade nicht.

Man darf auch nicht vergessen, dass sich in dem Areal u.a. auch Plutonium, Americium und andere Transactiniden niedergeschlagen haben. Alles Alphastrahler, die bei Inhalation ihre Ionisationswirkung schon durch geringste Mengen entfalten können. Der Wichtungsfaktor für Alphateilchen liegt nicht ohne Grund bei 20. Wenn da viel Staub aufgewirbelt wird, oder man im Brandrauch verbrennender Bäume oder Bodenvegetation steht, und dabei keine Filtermasken trägt...Ich halte die Berichte für nicht unwahrscheinlich.

Gruß,
Radeye

miles_teg

Wie schon geschrieben, so muss man bei den medial "aufbereiteten" Nachrichten immer ein wenig vorsichtig sein. Ich habe bisher die Originalquelle nicht gesehen.
Was den Roten Wald angeht: die Menge des dort offiziell und inoffiziell verbuddelten Krams ist jedenfalls nicht zu unterschätzen. Nimmt man die Strasse die an Teilen des Waldes vorbeiführt, so sind im Auto durchaus bis zu 10 µSv/h drin. Den Spitzenwert von 1 R oder 10 mSv/h habe ich bisher auch schon mehrfach gelesen.
Hier hat man mittels Drohne kartographiert und dabei bis zu 40 µSv/h gemessen.
https://www.researchgate.net/publication/339823149_Unmanned_aerial_vehicles_drones_as_tools_for_small_scale_radiometric_surveys
Wenn man weiß das der meiste Kram nicht tiefer als 2-3 m vergraben wurde, so kann ich mir schon vorstellen, das die Soldaten neben der Gamma Ortsdosisleistung eventuell viel unangenehmen Kram eingeatmet haben. ARS ist vielleicht nicht so wahrscheinlich, aber spurlos ist das an ihnen sicher nicht vorbeigegangen. Oder wird es zumindest nicht...

NoLi

Hier auch ein Video-Bericht aus "Zeit-Online":
https://www.zeit.de/video/2022-04/6302533239001/tschernobyl-russische-soldaten-angeblich-radioaktiv-verstrahlt


Und aus tagesschau.de:
"  Abzug aus Tschernobyl Russische Soldaten angeblich verstrahlt
Stand: 01.04.2022 07:44 Uhr

Fünf Wochen nach Beginn des Krieges in der Ukraine ist die russische Armee aus der Region rund um das frühere Atomkraftwerk Tschernobyl abgezogen. Nach ukrainischen Angaben haben Teile der Truppen "erhebliche Strahlendosen" abbekommen.

Einige der vom Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Tschernobyl abgezogenen russischen Soldaten haben nach ukrainischen Angaben "erhebliche Strahlendosen" abbekommen. Der staatliche Energieversorger Energoatom berichtete, die Soldaten hätten Gräben im Wald in der Sperrzone rund um das teilweise havarierte AKW ausgehoben. Dabei seien sie vermutlich mit verstrahltem Material unter der Oberfläche in Kontakt geraten. Bei den ersten Krankheitsanzeichen hätten die Soldaten in Panik den Abzug vorbereitet.

Die stellvertretende ukrainische Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk schrieb auf Facebook, die russischen Soldaten hätten solch große Strahlungsdosen abbekommen, "dass ihnen die Konsequenzen von Ärzten in speziellen Schutzanzügen erklärt werden" müssten. Eine unabhängige Bestätigung für die ukrainischen Angaben liegt bislang nicht vor. Weder der Kreml noch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA äußerten sich dazu.
Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Angeblich ukrainische Soldaten entführt

Energoatom teilte zudem mit, die russischen Truppen hätten ukrainische Soldaten mitgenommen, die sie seit Kriegsbeginn als Geiseln gefangen hielten. "Als sie von der Atomanlage Tschernobyl wegrannten, nahmen die russischen Besatzer Mitglieder der Nationalgarde mit, die sie seit dem 24. Februar als Geiseln gefangen gehalten hatten", hieß es unter Berufung auf Arbeiter in der Anlage. Um wie viele ukrainische Soldaten es sich handelt, ist nicht bekannt.

Weiter teilte Energoatom mit, russische Soldaten hätten "Ausrüstung und andere Wertgegenstände" aus der stillgelegten Atomanlage gestohlen. Ukrainische Spezialisten würden nun auf das Gelände geschickt, um es auf "potenzielle Sprengkörper" hin zu durchkämmen.  "
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/tschernobyl-verstrahlung-101.html


In "RP-Online" heißt es u.a.:
" Edwin Lyman, Atomexperte bei der Vereinigung besorgter Wissenschaftler in den USA, sagte, es sei unwahrscheinlich, dass viele der Soldaten schwere Symptome einer Strahlenkrankheit aufweisen, aber ohne weitere Informationen könne man es nicht genau sagen. Während der Aufräumarbeiten in Tschernobyl sei radioaktives Material vergraben oder mit einer Erdschicht bedeckt worden, beim Graben könnten Soldaten auf einen Strahlungsherd gestoßen sein, sagte Lyman. Möglicherweise hätten einige von ihnen dann Symptome entwickelt und die anderen hätten befürchtet, ihnen könnte es ähnlich ergehen. "
https://rp-online.de/politik/ausland/putins-militaer-verlaesst-tschernobyl-soldaten-sollen-schwer-verstrahlt-worden-sein_aid-67693245
Klingt plausibel.


In diesem Artikel ist ein russischer Soldat mit einem Dosimeter "MIRION MGP DMC-2000 S" http://www.inspection-kits.com/DMC-2000S-Personal-Electronic-Dosimeter-s-491-586.html abgebildet:
https://www.dw.com/de/abzug-der-russen-aus-tschernobyl-die-folgen-radioaktiver-strahlung/a-61333721


Norbert

Radiator

Zitat von: Radeye am 31. März 2022, 19:35
Hallo Zusammen,

das würde ich mal nicht als so unwahrscheinlich abtun. Vor einigen Jahren wurde der rote Wald ziemlich umfangreich kartiert, unter anderem auch mit Hilfe von Drohnen. Die Spitzenwerte lagen an einigen kleinflächigen Hotspots wohl bei fast 10 mSv/h, und zweistellige µSv-Werte sind insgesamt wohl die Regel dort. (..) Der Wichtungsfaktor für Alphateilchen liegt nicht ohne Grund bei 20.

Heißt das, die Alphastrahlerbrösel sind dort so fett und viele, daß man davon akute Strahlenkrankheit entwickeln kann? Ich dachte bisher, die Inhalation sorgt "nur" für Krebs in zweistelliger Jahreszahl. Aber klar, wenn die Menge enorm ist, geht das natürlich schneller.


Aus verschiedenen ungeprüften Berichten habe ich mir zusammengereimt, daß einzelne/viele/manche Russen dort seit Kriegsbeginn, also über 5 Wochen, auch im Roten Wald rumlungern, mit schwerem Gerät fahren und Gräben gegraben haben. Das würde die Inkubationszeit einer Strahlenkrankheit umfassen.

Die Meldung, daß einzelne Meßstellen erhöhte Werte liefern, weil russische Militärkonvois durch das Sperrgebiet fahren, kam glaube ich in den ersten Kriegstagen. Es ist sicher niemand von der Weltpresse vor Ort gewesen, der gezählt hat, ob alle die rein sind, auch am anderen Ende wieder rauskamen oder ob man nicht dachte "tolles Rückzugsgebiet, hier sind gar keine Leute. Laßt uns eine Weile campieren und Wildschweine grillen."

Hat die russische Armeen denn alle Geigerzähler in den 90ern an Völkner und Conrad verkauft, daß sie jetzt keine mehr haben?

(Da fällt mir etwas Unangenehmes ein: ungefähr eben in den 90ern hatte ein solcher Conrad-Stand auf einer Elektronikmesse einen Stapel russische Holzkisten zu verkaufen. Darin Geigerzähler und eine Bleidose mit dem Radioaktiv-Zeichen. Ich mußte natürlich an allem rumspielen. Dazu gehörte auch, den Deckel der ca 10 cm durchmessenden Bleidose aufzudrehen und den silbernen Stift in der Mitte anzugrabbeln. Aus heutiger Sicht: Urgs. Es kann sein, daß mir danach Zweifel kamen und ich mir wenigstens beschleunigt die Hände gewaschen habe. Ich nehme an, das war ein Prüfstrahler für den Geigerzähler, der theoretisch unbröselig sein sollte.)

DG0MG

Was mir irgendwie unglaublich erscheint, dass die Soldaten nichts von der Geschichte Tschernobyls und worum es in der Anlage und im Gebiet drumherum geht, gewusst haben sollen.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

NoLi

Zitat von: DG0MG am 02. April 2022, 09:14
Was mir irgendwie unglaublich erscheint, dass die Soldaten nichts von der Geschichte Tschernobyls und worum es in der Anlage und im Gebiet drumherum geht, gewusst haben sollen.

Hmm, ich weiß nicht... :umnik2:
Es kommt wahrscheinlich u.a. darauf an, woher die im "Roten Wald" eingesetzten Soldaten stammen. Mittlerweile ist eine neue Generation herangewachsen, die das Geschehen von damals nicht unmittelbar mitbekam. Schon damals wurde in der Ex-Sowjetunion verharmlosend immer von einer "Havarie" gesprochen, und ich denke, dass sich dieser Ausdruck bis heute gehalten hat. So eine Reaktorexplosion (vor allem, wenn sie so durch technisches und menschliches Fehlverhalten und Unwissenheit der Beteiligten ausgelöst wurde!) passt auch heute nicht in das Erscheinungsbild eines "modernen, autokratischen" Russlands; also möglichst wenig darüber reden. Wobei ich mir vorstellen kann, dass die Verantwortlichen in den höheren Entscheidungsetagen sich schon eines gewissen Gefährdungspotentials bewußt waren, dies aber wohl unterschätzten (in vielen Videos und Beiträgen ist immer von höchstens ein paar µSv/h im Umfeld die Rede). Und Miltärs ticken anders, wenn es z.B. um Einsatz-Strahlendosen geht (man sieht dies auch an den militärischen Grenzwerten); hier stehen die Kampfähigkeit und die Kampferfolge an höchster Priorität.

Norbert

Radiator

Ich will lieber keine Umfrage unter 18jährigen Deutschen machen, was sie über Tschernobyl wissen.

Ein 18jähriger russischer Wehrpflichtiger aus einem zentralasiatischen Dorf, geboren in einer Diktatur mit einigen staatlichen Fernsehkanälen und viel Wald um sich herum, wird wenig bis nichts davon gehört haben, geschweige denn Details über die unterschiedlich starke Belastung der Gebiete.

Und selbst wenn er es wüßte: Wenn über der Steppe die Sonne aufgeht und dein Stuffz sagt "Graben!", dann gräbst du.

NoLi

Hier noch ein (wahrscheinlich) relativierender Artikel:
https://www.berliner-kurier.de/berlin/russische-soldaten-in-tschernobyl-verstrahlt-eher-nicht-li.219895

"  Krieg in der Ukraine :
Russische Soldaten in Tschernobyl verstrahlt? Eher nicht.

31.03.22, 13:05 Uhr | Von
Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt eine Nahaufnahme der Nuklearanlagen von Tschernobyl in der Ukraine während der russischen Invasion am Donnerstag, den 10. März 2022. Maxar Technologies via AP/ dpa

Sie sollen in verstrahlter Erde Schützengräben ausgehoben haben und nun zur Behandlung eines akuten Strahlensyndroms nach Belarus gebracht worden sein. Russische Soldaten würden nach Arbeiten in der Nähe des havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl mit schweren Symptomen in einer Klinik in Belarus behandelt. Diese Meldung macht gerade auf Twitter die Runde.

Lesen Sie auch:

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Die Meldung über sieben  Busse mit russischen Soldaten aus Tschernobyl, die am belarussischen Zentrum für radiologische Medizin in Homel angekommen sind, bezieht sich auf einen Facebook-Post von Yaroslav Yemelianenko, Mitglied der staatlichen ukrainischen Agentur ,,Unian".

Fakt ist: Russische Soldaten verlassen derzeit das Gebiet um Tschernobyl. Der Bürgermeister der Stadt Slawutytsch in der Nähe des Kernkraftwerks, wo auch das Personal für das Kraftwerk für das Atomkraftwerk Tschernobyl lebt, berichtete, russische Truppen hätten ,,ihre Arbeit dort beendet". Auch US-Geheimdienste berichten der Nachrichtenagentur AFP über einen Rückzug der russischen Truppen aus dem Gebiet um das havarierte Kraftwerk.

Dass die Soldaten aber mit einem akuten Strahlensyndrom behandelt werden müssen, ist aber sehr  unwahrscheinlich.

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Holz aus dem Roten Wald verbrennen: keine gute Idee

Es sei denkbar, dass gesundheitliche Schäden entstehen, wenn Soldaten Holz aus dem verstrahlten Gebiet des sogenannten Roten Waldes verbrannt hätten, schreibt etwa Nuklear-Experte Jeremy Gordon auf

  Es sei in der Tat eine schlechte Idee, den Rauch einzuatmen oder gar Früchte des Waldes, die jetzt im Winter sowieso rar sein dürfen, zu essen.

Allerdings würde solcher Kontakt mit verstrahltem Material eher die Chance erhöhen, später an Krebs zu erkranken. Für ein akutes Strahlensyndrom aber reicht die Dosis nicht aus.
Verstrahlten russische Soldaten in Tschernobyl: Nonsens

Auch Professor Claire Corkhill hält die Annahme, Soldaten seien schwer verstrahlt worden, für Nonsens. Es sei schlicht nicht genug radioaktives Material und Strahlung nach dreißig Jahren im Roten Wald vorhanden. Die Originalaussage sei außerdem missverständlich interpretiert worden. Der ukrainische Urheber hat in seinem Post die rhetorische Frage gestellt: Habt ihr im Roten Wald Schützengräben gegraben, ihr Idioten?

Der weißrussische Sender, auf den den sich Yaroslav Yemelianenko bezieht, berichtet lediglich über die Ankunft der sieben Busse in Gomel.  Das Zentrum für Strahlenmedizin werden häufiger von russischen Soldaten angefahren. Wahrscheinlich ist, dass Soldaten  lediglich für einen Checkup in das Krankenhaus gebracht worden sind.

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Russische Soldaten: ohne Strahlenschutz in Tschernobyls Rotem Wald

Nichtsdestotrotz scheinen russische Soldaten ohne gute Vorbereitung in dem heiklen Gebiet unterwegs gewesen zu sein. Mitarbeiter des Kraftwerks berichteten der Agentur Reuters, die Soldaten seien ohne Strahlenschutzausrüstung um Tschernobyl unterwegs gewesen. Dies bezeichnetet der Mitarbeiter als selbstmörderische Mission.

Die Konvois der Russen hätten radioaktiven Staub aufgewirbelt, als sie durch den hochtoxischen Roten Wald fuhren. Der Wald bekam seinen Namen, als sich Dutzende Quadratkilometer Kiefern nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wegen der absorbierten Strahlung rot färbten und abstarben.

Das Gelände des Roten Waldes ist auch heute noch eines der am stärksten kontaminierten Gebiete der Welt. Nicht einmal Mitarbeiter des Kraftwerks dürfen dort hin. Die  Strahlenbelastung im Roten Wald  kann bis zu einem Röntgen pro Stunde betragen, doch sind Werte von zehn Milliröntgen pro Stunde eher die Regel. Mehr als 90 % der Radioaktivität des Roten Waldes ist im Boden konzentriert.

Einer der ukrainischen Mitarbeiter des Kraftwerks sagte auch, dass die russischen Soldaten keine Ahnung gehabt hätten, auf welchem Gelände sie sich befanden, dies hier sei kritische Infrastruktur, hätte die Soldaten lediglich gesagt, kein Wort von der größten Atomkatastrophe, die sich hier abspielte.  "



Na ja, immerhin soll demnach die Dosisleistung in diesem Gebiet zwischen 0,1 mSv/h bis 10 mSv/h (nur Gamma!) betragen. Und wenn man die möglichen Aufenthaltsstunden, die Staubkonzentrationen, die Atemraten und die Alpha- und Beta-Strahlung zusätzlich betrachtet, da kommt schon einiges zusammen... :o

Norbert


NoLi

Zitat von: Radiator am 02. April 2022, 18:04
Ich will lieber keine Umfrage unter 18jährigen Deutschen machen, was sie über Tschernobyl wissen.

Ein 18jähriger russischer Wehrpflichtiger aus einem zentralasiatischen Dorf, geboren in einer Diktatur mit einigen staatlichen Fernsehkanälen und viel Wald um sich herum, wird wenig bis nichts davon gehört haben, geschweige denn Details über die unterschiedlich starke Belastung der Gebiete.

Und selbst wenn er es wüßte: Wenn über der Steppe die Sonne aufgeht und dein Stuffz sagt "Graben!", dann gräbst du.

Und das "Ereignis" fand vor 2 x 18 Jahren statt!

Norbert

DG0JN

Zitat von: DG0MG am 02. April 2022, 09:14
Was mir irgendwie unglaublich erscheint, dass die Soldaten nichts von der Geschichte Tschernobyls und worum es in der Anlage und im Gebiet drumherum geht, gewusst haben sollen.
Wenn die einfachen Soldaten sogar dachten, sie seien in einem Manöver statt im Krieg und viele gar nicht wußten, daß sie in einem anderen Land sind, dann werden sie auch nicht gewußt haben, daß sie im Umfeld des Reaktors Tschernobyl sind. Wir können das glaube ich nicht mit unseren Informationsmöglichkeiten ermessen.

NoLi

Zitat von: DG0JN am 02. April 2022, 21:20
Wenn die einfachen Soldaten sogar dachten, sie seien in einem Manöver statt im Krieg und viele gar nicht wußten, daß sie in einem anderen Land sind, dann werden sie auch nicht gewußt haben, daß sie im Umfeld des Reaktors Tschernobyl sind. Wir können das glaube ich nicht mit unseren Informationsmöglichkeiten ermessen.

Was die "einfachen" Soldaten angeht, ist dies gut möglich...aber es gibt Vorgesetzte, die diese Stellungseinnahme befehligt haben, und die MÜSSEN gewußt haben, wo sie sich befinden werden und was dies für ein Umfeld von welcher Anlage ist. Aber, wie Du schon erwähnst, es fehlt mehr "Input".

Norbert

miles_teg


Radiator

Auf CNN kam es auch. Wahrscheinlich ein Ausschnitt aus demselben Video.
Eingegrabene Panzerstellungen, kurze Manngräben, und alles wassergefüllt. Ist wohl eher kein Grundwasser, sondern Niederschlag auf noch tief gefrorenem Boden?

Lungenfachärzte empfehlen sicher, das nicht zuhause nachzumachen.