Hohe Luft-Radioaktivitäts-Messwerte durch Feinstaub in Stuttgart

Begonnen von opengeiger.de, Gestern um 11:20

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Wer an Arthrose leidet und sich die teure Radon-Kur in einem Stollen sparen will, der könnte alternativ eine deutlich kostengünstigere Luft-Kur in der Feinstaub-Hauptstadt Stuttgart im Winter machen, die auch deutlich schonender ist, was die Bq/m^3 der Luft-Aktivitätskonzentration anbelangt. Das Hotel müsste dabei am besten in der Nähe des Stadtparks ,,Untere Anlagen" gelegen sein, was topografisch gesehen den tiefsten Punkt im Stuttgarter Kessel darstellt.

Jedes Jahr im Winter bei schönem Hochdruckwetter findet dort ein schönes meteorologisches Spektakel statt, wie auch wieder die letzten Tage: kalte Polarluft sickert von Osten her in den Stuttgarter Talkessel ein und da sie schwerer ist als warme Luft, füllt sie ihn von unten her auf. Die Hanglagen um Stuttgart sind gut 200m höher als der Kesselboden, und verhindern einen lateralen Luftaustausch. Nun schiebt sich wärmere Luft über den Kessel und bildet den Deckel auf den Kessel. Die Sonne scheint im Winter so flach über den Kesselrand, dass sie am Tag den Boden nicht erwärmen kann. Dadurch stoppt dann auch jede vertikale Konvektion, und die Luft bleibt im Kessel stehen für einige Tage. Währen der Rush-Hour fahren dann die Autos in die Stadt, die Leute drehen ihre Heizungen auf bzw. heizen ihre Komfort-Holzöfen an, weil's kalt ist, beides emittiert kräftig Feinstaub und da die Luft quasi still  steht, konzentriert sich der Staub auf ein Vielfaches des zulässigen Grenzwerts von 50ug/m^3 für PM10 (max. Partikelgröße 10um) auf. In früheren Zeiten gab es da dann immer Feinstaub-Alarm in Stuttgart.

Jetzt liegt Stuttgart zu allem Übel auch noch im schwäbischen Keuperbergland, wo wir schöne poröse Sandsteinschichten haben, die gelegentlich ganz gut mit Uran imprägniert sind (Sedimentgestein) und so gesellt sich das Radon zum Feinstaub und bleibt ebenfalls in der stehenden Luft gefangen. Nun hat es alle Zeit der Welt um sich an die Feinstaub-Partikelchen anzulagern. Die kann man jetzt im Park besonders gut einatmen. Nun ist der erste Fernsehturm in Deutschland das Wahrzeichen Stuttgarts. Er steht auf der Höhe am Kesselrand und wurde zu Deutschlands Atomzeitalter für die Kraftwerksfernüberwachung genutzt. Da man das Equipment nach dem Atomausstieg nicht in die Tonne treten wollte und man immer noch einen gewissen Sinn in dem Weiterbetrieb sieht (besonders in turbulenten Zeiten, wo der Teufel den Autokraten dieser Welt öfters ins Hirn scheißt), läuft oben auf der Messtechnik Plattform des Turms immer noch die Luftpumpe und saugt große Mengen Luft eines Tages durch ein Filter während ein Gamma-Spektrometer draufschaut. Und was sehen wir da während diesen spannenden Tagen? Ja, genau, da wird die ,,attached Fraction" des Radons, die sich an den Feinstaubpartikeln angelagert hat, am Filter abgeschieden und so wie die Feinstaubkonzentration im Talkessel Rekordwerte erreicht, so bekommt die Luftaktivitäts-Messstation auf dem Fernsehturm eben auch mit, dass die Luft ganz schön tickt an solchen Tagen.

Ich habe das heute früh mal dokumentiert. Erstmal ein Foto von der Aussichtsplattform vom Fernsehturm, wo man sehr schön die Inversionsgrenze und den grauen feinstaubschwangeren Dunst darunter erkennen kann. Die globale Feinstaubwetterlage wird vom UBA dokumentiert, da waren wir gestern am 22.1.26 schon richtig knall-rot. Dann die PM10 und PM2.5 Messdaten der Luft-Messstation am Neckartor nahe dem Park, da sieht man wie die Werte gerade ungeahnte Höhen erreichen. Und dann eben die Kurven der Luft-Aktivitäts-Messstation. Beim Cs137 und I131 tut sich wenig, aber man sieht gerade so den täglichen Filterwechsel durch die Akkumulation mit der langen HWZ als Funktionskontrolle. Die Blei214 Aktivität ist aber unabhängig vom Filterwechsel und immer da (HWZ 27min) solange Feinstaub da ist.  Also genau richtig für die Feinstaub-Radon-Kur. ;)
Nur für die Asthmatiker ist es nicht so empfehlenswert.  :-\ 

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Radiohörer

Zitat von: opengeiger.de am Gestern um 11:20Wer an Arthrose leidet und sich die teure Radon-Kur in einem Stollen sparen will, der könnte alternativ eine deutlich kostengünstigere Luft-Kur in der Feinstaub-Hauptstadt Stuttgart im Winter machen, die auch deutlich schonender ist, was die Bq/m^3 der Luft-Aktivitätskonzentration anbelangt.
...
Jetzt liegt Stuttgart zu allem Übel auch noch im schwäbischen Keuperbergland, wo wir schöne poröse Sandsteinschichten haben, die gelegentlich ganz gut mit Uran imprägniert sind (Sedimentgestein) und so gesellt sich das Radon zum Feinstaub und bleibt ebenfalls in der stehenden Luft gefangen.
...wäre es da nicht sinnvoller in einem der älteren Häuser in Stuttgart in den Keller oder einem Natursteinkeller am Killesberg zu gehen, um sich nur dem Radon und nicht dem Feinstaub mit den vielen anhaftenden Schadstoffen auszusetzten? Die 30 Bq/m³ sind ja nicht wirklich die Wucht!
Da würde ich ja eher einen Besuch in dem Museum der römischen Thermen, die "Abluft" aus den Stollen neben der Fettquelle oder den anderen Quellfassungen in BAD und dem Kirchheimer Stollen in der Nähe empfehlen ;)

Müssten nicht einige Stadtteile wg. der Geologie in das Rn-Vorsorgeprogramm aufgenommen werden?
Welchen Horizonte genau haben den hohen U-Anteil? Die korrelieren doch bestimmt mit einer ~ Höhenlinie, die nach Osten leicht kippt? :unknw:

opengeiger.de

Zitat von: Radiohörer am Gestern um 14:05...wäre es da nicht sinnvoller in einem der älteren Häuser in Stuttgart in den Keller oder einem Natursteinkeller am Killesberg zu gehen, um sich nur dem Radon und nicht dem Feinstaub mit den vielen anhaftenden Schadstoffen auszusetzten? Die 30 Bq/m³ sind ja nicht wirklich die Wucht!

Der Killesberg ist ne Lage in Stuttgart, wo man sich als Normalsterblicher keine Immobilie mit Keller leisten kann, ob es im Keller tickt oder nicht. Hotels in dieser Lage gehören auch nicht so zu meinen Empfehlungen. Aber klar, wer sich auskennt, könnte schon nach Keller-Abluftstutzen suchen und schnüffeln gehen. Aber war jetzt ja auch etwas belustigend gemeint. Es gibt aber tatsächlich Menschen die glauben an Homöopathie und da geht's meinem Verständnis nicht um Wirkstoffmengen, die man zu sich nimmt, sondern nur um gewisse Aufenthaltswahrscheinlichkeiten von Wirkstoffquanten in z.B. Globuli. Stimmt doch, oder nicht?

Ja, es ist tatsächlich auch mein Verständnis, Radonvorsorgegebiete resultieren aus integralen Betrachtungen und berücksichtigen die kleinräumigen Vorkommen mit erhöhter Konzentration nicht einzeln. Was die Geologie der U-haltigen Horizonte anbelangt, so sind das am Killesberg die Schichtenfolgen des Mittelkeuper, km2, km3 und km4, welche deutliche Urangehalte aufweisen. Und ja, die Schichten im schwäbischen Schichtstufenland sind von Ost nach West gekippt, wobei die Ostkante die Stuttgarter Bucht mit dem Talkessel der Stadt Stuttgart begrenzt. An der Kante liegt auch der Killesberg. Die Rn-Aktivität sieht man genauso in den Oberfächengewässern der Region Stuttgart z.B. an einigen gefassten Quellen im Wald.

Die Luft-Aktivitätskonzentrationen aus der Kraftwerksfernüberwachung in BW gibts übrigens hier:

https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/radioaktivitaet/luft-aktivitaetskonzentration#karte   

Floppyk

Zitat von: Radiohörer am Gestern um 14:05Die 30 Bq/m³ sind ja nicht wirklich die Wucht!
Man darf mich gerne korrigieren, aber nach meiner Erinnerung darf sich ein Heilstollen erst dann als solchen bezeichnen, wenn in der Raumluft 50.000 Bq/m³ Radon als Minimum gemessen werden. Zudem hat die Stollenluft extrem wenig Feinstaub.

NoLi

Zitat von: Floppyk am Gestern um 17:44Man darf mich gerne korrigieren, aber nach meiner Erinnerung darf sich ein Heilstollen erst dann als solchen bezeichnen, wenn in der Raumluft 50.000 Bq/m³ Radon als Minimum gemessen werden. Zudem hat die Stollenluft extrem wenig Feinstaub.
Das Problem ist nicht das Radon-222 an sich, sondern dessen beide Töchter Po-218 und Po-214 (immer Ärger mit den Frauen... ;D ). Diese Tochternuklide sind Alpha-Strahler, binden sich als positiv geladene Ionen an Feinstaub und lagern sich, je nach Feinstaubkonzentrationen, verstärkt in den Bronchien und der Lunge ab und führen hier zu entsprechenden Dosisbelastungen. Daher ist die Strahlendosis auch stark abhängig von der Feinstaubkonzentration der Umgebung, Raucherhaushalte haben hier einen entscheidenden Nachteil.

Norbert

Radiohörer

Zitat von: Floppyk am Gestern um 17:44Man darf mich gerne korrigieren, aber nach meiner Erinnerung darf sich ein Heilstollen erst dann als solchen bezeichnen, wenn in der Raumluft 50.000 Bq/m³ Radon als Minimum gemessen werden.
"Laut Heilbädertag muss die Aktivität im Wasser dabei mindestens 666 Bq / l betragen.
Die Vorgabe für die Inhalationskuren liegt bei mindestens 37.000 Bq / m3 Luft."
aus
aerztezeitung.de/Panorama/Forscher-ergruenden-die-Stollenluft-275252.html

Leider findet sich beim Verein Europäische Radonheilbäder e. V. nur die Liste der Mitglieder und keine Angabe zum Mindest-Radon-Gehalt der Luft.
Bad Gastein wirbt mit 44kBq/m³. Die sozialversicherung.at beschreibt interessante 160 kBq/m3 :o

Zitat von: Floppyk am Gestern um 17:44Zudem hat die Stollenluft extrem wenig Feinstaub.
...kann ich bestätigen: kenne zwei Astmatiker, die genau aus dem Grund in Bergwerke und Höhlen gehen --> "endlich mal frei atmen können"

opengeiger.de

Meines Wissens war der hohe Staubgehalt in der Luft unter Tage auch maßgeblich am Auftreten der "Schneeberger Krankeit" bei den Wismut-Kumpels beteiligt. Und es gibt Strahlenschützer, die sich maßlos über die Grenzwerte fürs Radon ärgern, sie sind der Meinung, die sind nur wegen den Rauchern so eng. Es gibt zumindest Studien die sagen, dass die gesundheitlichen Schäden durch Radon um Faktoren steigen, wenn zusätzlich Feinstaub in der Luft ist, also Tabakrauch oder andere Verbrennungsabgase. Wenn man also auf ein gewisses maximales Detriment schaut und die Grenzwerte so einstellt, dass beispielsweise die Inzidenzen fürs Bronchialkarzinom ein gewisses Maß nicht übersteigen, dann zählt man als Geschädigte eigentlich hauptsächlich Raucher. Würden diese Leute nicht Rauchen, kämen wir mit deutlich höheren Grenzwerten aus, so die Aussage.

Flipflop

Sensor.Community

🚧 Baue deinen DIY-Sensor und werde ein Teil des weltweiten OpenData & CivicTech Netzwerks. Mit airRohr kannst du die Luftverschmutzung selbst messen.

https://luftdaten.info/

https://sensor.community/de/sensors/airrohr/

opengeiger.de

Bei mir läuft so ein Airrohr schon seit etwa 10 Jahren  :) . Ich war Teil des Teams bei der Geburt dieses Citizen Science Projekts. Der Erfolg dieses Projekts ist auch ein Grund, warum ich so für Citizen Science brenne. Nur bei den Strahlenschutzthemen hat der Funke für etwas in dieser Größenordnung bisher nicht gezündet. Gucksch Du mal hier:
http://www.opengeiger.de/Feinstaub/feinstaub.html
Da gibts auch ein Foto von so einem Airrohr-Bastelevent.

Seit der Zeit ist aber auch klar, das die Radonaktivitätskonzentration in der freien Luft mit der Feinstaub-Massenkonzentration korreliert, nicht nur in Stuttgart. Da gibts etliche Publikationen dazu. Hab bei dem Thema Feinstaub auch an der Uni Stuttgart mitgewirkt, als die Stadt Stuttgart so richtig in Panik kam und wir diese Feinstaub-Alarme mit Fahrverboten etc hatten, bin aber solangsam wieder raus aus dem Thema, ist weitestgehend verstanden jetzt. Nur gestern war's mal wieder so richtig schön hier in Stuttgart, drum dachte ich ich kanns ja mal zur Belustigung auch hier posten, vielleicht ist's ja für die Radonfans hier ganz interessant. ;)

NoLi

Zitat von: opengeiger.de am Heute um 07:55Bei mir läuft so ein Airrohr schon seit etwa 10 Jahren  :) . Ich war Teil des Teams bei der Geburt dieses Citizen Science Projekts. Der Erfolg dieses Projekts ist auch ein Grund, warum ich so für Citizen Science brenne. Nur bei den Strahlenschutzthemen hat der Funke für etwas in dieser Größenordnung bisher nicht gezündet.
...
Eine Idee wäre, beide Themen zu verbinden und die Radon-Dosis mit Radon-Folgeproduktdosis durch Messung der Feinstaubkonzentration abzuschätzen, sogar quasi online in der Umgebung:
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/karlsruhe/mobile-feinstaubmessung-karlsruhe-cyclesense-100.html

Das Feinstaubmessgerät könnte man gemäß deiner Anleitung selber bauen, oder zum erschwinglichen Preis von < € 100.- ein Fertiggerät erwerben:
https://www.amazon.de/AGT-Feinstaubmessger%C3%A4t-5in1-Akku-Feinstaub-Messger%C3%A4t-Raumluft-Messger%C3%A4t/dp/B07WMZX3MY?

https://www.amazon.de/Luftqualit%C3%A4tsmesser-Temperatur-Luftfeuchtigkeitsdetektoren-Heimb%C3%BCros-T-Z01/dp/B0FVXL11KL?

https://www.amazon.de/Temtop-RaumLuftqualit%C3%A4tsdetektor-Luftqualit%C3%A4tsdetektor-Innenraum-Histogram/dp/B0787WCW2G?

Zuerst müssten dazu die Korrelationen zwischen PM10, PM2,5 und eventuell PM1 und der Radon-Konzentration mittel Feinstaubmonitor und Radon-Monitor ermittelt und die Parameter festgelegt werden.
Ich denke, gerade für Schulprojekte könnte man dafür Interessenten gewinnen.

Norbert


opengeiger.de

Zitat von: NoLi am Heute um 14:29Eine Idee wäre, beide Themen zu verbinden und die Radon-Dosis mit Radon-Folgeproduktdosis durch Messung der Feinstaubkonzentration abzuschätzen, sogar quasi online in der Umgebung:

Andersrum gibts das schon: http://www-pub.iaea.org/MTCD/publications/PDF/P1541_web.pdf , also mit Radonmessungen auf Feinstaubkonzentrationen zu schließen.

So rum wie Du es vorschlägst, das hätte auch was. So ein Feinstaubpartikelzähler ist auch ein Sensor der bei jedem detektierten Partikel einen Zählpuls erzeugt. Und aus der Pulshöhe schließt man auf die Partikelgröße bzw. -masse, ähnlich wie beim MCA in der Gammaspektroskopie. Das Detektionsprinzip ist die Messung des Streulichts, wenn der Partikel durch den Laserstrahl in der Messkammer fliegt. Es reicht da eine PIN-Diode für die Messung des Streulichts. Das Problem, das man aber lösen muss ist, dass die Partikel oft Salze enthalten und daher hygroskopisch sind. Gerade im Winter wenn es kalt ist, kann die rel. Luftfeuchte recht hoch werden, dann nehmen die Partikel Feuchte auf und werden größer, dann stimmt die Berechnung der Massenkonzentration nicht mehr. Was man daher tun muss ist die Luft trocknen, bevor man die Partikel vermisst. Leider macht das "Airrohr" genau das nicht, deswegen haben wir bei Nebel immer ganz schlechte Luft laut "Luftdaten.info". Da gabs von mir dann nen Vorschlag für nen "low cost Dryer", d.h. man beheizt das Luftansaugrohr mit einer Heizwicklung. Ich habs als Prototyp gebaut, und das hat auch brauchbar getan, aber bisher ist noch kein Sensor-Hersteller aufgesprungen. Vermutlich wegen des Stromverbrauchs. Aber für nen Sensor an einem E-Bike wär das eigentlich kein Thema  ;)