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Autor Thema: Pribram  (Gelesen 1277 mal)

wrdmstr inc.

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Pribram
« am: 11. April 2020, 20:36 »
Pribram ! (sprich "pschiebram") an kaum einen anderen Ort in Europa gibts soviel zu messen und entdecken wie dort. Seit 1949 wurde dort in grossem Stil Uranerz abgebaut, im gegensatz zu den Wismut-hinterlassenschaften die in Deutschland eingeebnet und vergraben wurden kann man dort neben Zuckerüben- und Rapsfeldern noch die riesigen Halden bewundern.

https://de.wikipedia.org/wiki/P%C5%99%C3%ADbram

Auch kulturell hat der Ort einiges zu bieten, neben dem Kloster Svata Hora gibt es ein mehrteiliges Museum zum thema Bergbau mit Mineralienmuseum, im Ortsteil Lesetice gibt es ein ehemaliges Straflager "Vojna" zu besichtigen, wo nach dem Krieg Strafgefangene einquartiert waren die Uranerz abbauen mussten (analog dem Lager in Jachymov)

Eine Anekdote noch zu meinem Besuch 2017: an einem schönen Apriltag war ich mit 2 Mineraliensammlern bei der Halde #4 in Lesetice als mein Geigerzähler plötzlich vollen ausschlag anzeigte (das Gerät war nur ein einfaches bis 200µsv/h), das ungewöhnliche war aber im gegensatz zu den grössten Uranerzbrocken die man da finden kann, das die messbare Zone wie eine Glocke über einem bestimmten ca 1m Durchmesser grossen Bereich schwebte, also auch in 1m über dem Boden lag. Also Handschuhe angezogen, Maske und Schutzbrille auf und einmal mit der Hacke gebuddelt, als erstes kamen Glasröhrchen zum Vorschein,danach eine metallkassette und 2 ca 20cm lange zylinder, ein dritter muss in dem Metallkasten gewesen sein. als ich die Zylinder mit der Hacke angehoben hatte begann auch der Counter vom kollegen paar meter weiter die idyllische ruhe mit piepsen zu unterbrechen. Ich bin in der sache kein Weichei aber da hatte ich mal echt Schiss ohne brauchbares Messgerät und mit Sr-90 Verbrennungen-Stories im Hinterkopf. Also was machen? Wie würden die Behörden reagieren? Werden Abklatschproben der Hände genommen ? Uranerz zum anfassen liegt ja dort genug rum. Ein bekannter Physiker meinte am Telefon es könnten Neutronenquellen aus dem Bergbau sein die dort entsorgt wurden und damals- (ich schätze in den 60er bis 80er Jahren) -in Probebohrlöcher abgelassen wurden um zu sehen ob das umliegende Gestein abbauwürdig war. Also RaBe oder Cf252 .

Also nach abwägen was passieren könnte, bin ich dann gegen 22Uhr zur Polizei gefahren. Es konnte keiner deutsch oder englisch, also musste erstmal ein Polizist aus der Immigration geholt werden der englisch spricht...dauerte 45min..der nahm dann alles auf und alarmierte die Feuerwehren aus Pribram und Lesetice (2 verschiedene Zuständigkeitsbereiche 8) )dann gings im VW Bus zum Ortseingang wo schon mit blaulichtg eine ganze kollone feuerwehren und polizei wartete. umsteigen in den feuerwehr 4x4 navara und dann zum wäldchen, 100m abstand zur quelle einhalten. ein lichtmast wurde aufgebaut, 2 feuerwehrmänner machten sich mit Schutzanzug und blaulicht auf den schultern mit analogen berthold counter in den wald, fanden aber erstmal nix weil ich auch nicht mehr im dunkeln den genauen Ort wusste. also hab ich 2 Einsatzlampen bekommen und stieg dann selber ins Gebüsch, fand dann auch die Zylinder und stellte die Lampe mit Lichtkegel auf die Stelle in 10m Abstand auf. die 2 Feuerwehrmänner dann nochmal hin zum messen...ja hohe Strahlung...ein Experte muss aus Prag noch in dieser Nacht geholt werden. nach Aufnahme meiner Personalien wurde ich dann gegen 1Uhr zur Wache zurueckgebracht. ob ich kontaminiert war... in Tschechien egal.  8)

Nach einem Monat fragte ich mal an was da nun war, die Antwort von der staatlichen Atomaufsicht Tschechien:

Dear Mr. XXXX


First of all, I would like to thank you for informing the Czech authorities of your finding. It helped to protect other people against unwanted irradiation.

In Lešetice, 4 metal cylinders, 1 steel wheel, a glass bottle with a powdery material and some glass ampoule were found.
First measurement was performed by the fire brigade group on the site. Next, The SÚJB/SÚJCHBO mobile group picked up all the things and detailled measurements were performed at the National Institute for Nuclear, Chemical and Biological Protection (SÚJCHBO) in Kamenná.

All the things contain or are contaminated by Ra-226. The activity of the strongest source was estimated to 3,1 GBq.
All is now stored at the SÚJCHBO, the final deposition in a repository is prepared in collaboration with a competent authority – Radioactive Waste Repository Authority (SÚRAO).

Best Regards, XXX

Eine einmalige Urlaubsstory.

Im Bilderanhang ein paar Impressionen von den Kegelhalden und die Radiumzylinder.

wrdmstr inc.

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Re: Pribram
« Antwort #1 am: 11. April 2020, 20:41 »
und noch ein paar Fotos

-Straflagermuseum Vojna mit Blick auf Halde #2
- eine Karte rund um Pribram mit den Halden/Schächten
- das Museum Teil 1 mit Prokop Schacht im Teil 2
- Mineralienkabinet
-rund um Bytiz gibt es ein Sperrgebiet mit Patrolien und Wachtürmen,sollte man fix mit dem Auto umdrehen vor dem gelbschwarzen zickzackkurs  :rofl:
-Fundstücke einer Druse -superselten, vieles was an der Oberfläche liegt ist in den Jahren verwittert und zu Staub zerfallen


NoLi

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Re: Pribram
« Antwort #2 am: 11. April 2020, 20:58 »
Na, da dachte sich jemand, er/sie kann seine vermutlich alten, jetzt illegalen Radiumvorräte auf elegante Weise kostenfrei entsorgen ("auch Radium im Erz liegt ja eh genug auf der Halde rum").

Gruß
Norbert

Staasucher

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Re: Pribram
« Antwort #3 am: 13. April 2020, 12:51 »
Wär mal ne Reise wert ;) Aber da wird mer um ne Übernachtung net drum rum kommen... :unknw: Na mal sehen, die Tschechengrenze ist ja wohl auch noch länger geschlossen >:(   Jachymov is ja bei mir direkt ums Eck......Aber halt ah hinner der Grenze :-\
Zum Glück gibts hier noch paar Halden zum Umgraben :D
"Finds Erstmal"

NoLi

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Re: Pribram
« Antwort #4 am: 13. April 2020, 20:40 »
Vielleicht gibt`s noch mehr Röhrchen...auch im Diesseits :crazy:
Gruß
Norbert

DG6NFG

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Re: Pribram
« Antwort #5 am: 19. Februar 2021, 09:14 »
Hallo!
Auch wenn die Story schon ein Jahr alt ist interessant.
Das animiert ja direkt anlässlich dess nächten Urlaubes im Bayerwald da mal vorbei zu schauen.

Hast du vielleicht noch einen Tip wo es sich am ehesten lohnt mal auf die Suche zu gehen - es scheint da ja ettliche Locations zu geben.

Gruß

Carsten

Henri

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Re: Pribram
« Antwort #6 am: 19. Februar 2021, 15:36 »
Das ist ja eine unglaubliche Geschichte!! Hatte ich noch gar nicht gelesen.

Ein Glück, dass es keine Am/Be Quelle gewesen ist. Oder Ni-63 oder irgend etwas anderes, was man ohne weiteres gar nicht nachweisen kann.

Tja, und was lernen wir daraus? So einen https://www.geigerzaehlerforum.de/index.php/topic,50.msg156.html#msg156  im Rucksack zu haben macht manchmal doch Sinn...

NoLi

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Re: Pribram
« Antwort #7 am: 19. Februar 2021, 15:51 »
Tja, und was lernen wir daraus? So einen https://www.geigerzaehlerforum.de/index.php/topic,50.msg156.html#msg156  im Rucksack zu haben macht manchmal doch Sinn...

Die stärkste Quelle = 3,1 GBq Ra-226! Das Gerät geht doch nur bis 1 Sv/h... :o  (in 1 cm Abstand betrug die Gamma-Dosisleistung bei dieser Aktivität etwa rund 10 Sv/h  :o :o )
Wäre im Rucksack trotzdem sehr nützlich gewesen. Den Russen/Chinesen an der Hand, den Deutschen am Sack...und man ist abgesichert. :)

Gruß
Norbert
« Letzte Änderung: 19. Februar 2021, 20:32 von NoLi »