Radiac Set AN/VDR-2

Begonnen von DL3HRT, Gestern um 11:13

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DL3HRT

Ich habe dieses Gerät von der HAM-Radio in Friedrichshafen mitgebracht. Hier ein erstes Foto:
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Ich werde das Gerät in der nächsten Zeit genau untersuchen und die einzelnen Komponenten hier vorstellen.

Auf Yumpu kann man sich das Handbuch anschauen (leider nicht herunterladen). Dort stehen auch alle relevanten technischen Daten.

Das Radiac Set AN/VDR-2 ist ein rein militärisches Gerät. Die Anzeige erfolgt in den Einheiten µGy/h, cGy/h oder Gy/h. Dabei kann eine Dosisleistung von bis zu 100 Gy/h gemessen werden. Man kann getrennte Alarmschwellen für die Dosisleistung und die Dosis einstellen.

Der Sensorkopf ist über ein Kabel mit der Anzeige verbunden und enthält zwei Zählrohre. Das Niederdosiszählrohr ist ein 5079/BS-1 mit Glimmerfenster, so dass auch Betastrahlung gemessen werden kann. Das Hochdosiszählrohr wird als BS-2 bezeichnet. Ich habe dazu leider kein Datenblatt finden können.

Man kann die Metallscheibe vorn an der Sonde zur Seite wegklappen. Dann kann auch Beta-Strahlung gemessen werden. Der Messwert springt dann natürlich stark nach oben und ist sicherlich nicht mehr relevant. Vermutlich geht es nur darum, den qualitativen Nachweis von Beta-Strahlung zu erbringen.

Vor dem Glimmerfenster des Niederdosiszählrohrs befindet sich eine Kunststoffmembran. Diese ist notwendig, da das Gerät wasserdicht ist. Laut Handbuch ist ein zweistündiges Untertauchen in 3 feet (91,4 cm) Wassertiefe zulässig.

Interessant ist die Tatsache, dass im Hochdosiszählrohr eine Th-232 Quelle mit einer Aktivität von 1 nCi eingebaut ist. Diese dient der automatischen Funktionskontrolle.

Mit drei 9 V Blöcken wird eine Betriebsdauer von mindestens 100 Stunden garantiert. Die 9 V Blöcke sind dabei parallel geschaltet. Man muss also immer Batterien aus der gleichen Charge einsetzen. Die Stromaufnahme ohne Beleuchtung beträgt ca. 13 mA. Bei 100 Stunden Betrieb summiert sich das auf 1,3 Ah. Das ist der Grund, warum mit drei Batterien gearbeitet wird.

Im Fahrzeug kann das Gerät über eine Buchse mit 7,8 V ... 24 V versorgt werden. Außerdem gibt es den Alarm über einen Kontakt aus, so dass der Alarm auf das Intercom-System des Fahrzeugs geschaltet werden kann.

Das Display scheint eine CCFL-Hintergrundbeleuchtung zu haben. Die funktioniert bei meinem Gerät nicht mehr so, wie erwartet. Man sieht am rechten Displayrand nur ein schwaches blaugrünes Leuchten. Es reicht bei Dunkelheit nicht aus, das LC-Display lesbar zu machen.

Drückt man den ATTEN-Taster, so wird der Messwert mit einem im Gerät hinterlegten Faktor multipliziert. Diese Funktion wird benötigt, wenn man aus einem Fahrzeug heraus misst und die Dosisleistung außerhalb des Fahrzeugs wissen will. Dazu muss natürlich der Abschirmkoeffizient des Fahrzeugs bekannt sein und vorab vom Servicepersonal programmiert werden. Der Anwender kann diesen Faktor nicht ändern.

Die Geräte wurden 1988 in den Bestand der US-Armee übernommen. Vermutlich arbeiten sie bereits mit einem Mikrocontroller. Das werde ich beim Öffnen sehen. Das Gewicht ist mit 2,2 kg (Gerät mit Batterien, Tasche und Tragegurt) verhältnismäßig hoch. Möglicherweise gibt es eine verstärkte Abschirmung der Elektronik?

Radiohörer

...wenns sonst nichts ist --> https://yumpudownload.com ;)
und noch etwas optimiert, damit es < 10MB ist...

NoLi

Zitat von: DL3HRT am Gestern um 11:13...
Drückt man den ATTEN-Taster, so wird der Messwert mit einem im Gerät hinterlegten Faktor multipliziert. Diese Funktion wird benötigt, wenn man aus einem Fahrzeug heraus misst und die Dosisleistung außerhalb des Fahrzeugs wissen will. Dazu muss natürlich der Abschirmkoeffizient des Fahrzeugs bekannt sein und vorab vom Servicepersonal programmiert werden. Der Anwender kann diesen Faktor nicht ändern.
...
Nicht aus dem Fahrzeug heraus, sondern IM Fahrzeug gemessen.
Ich würde den Dosisleistungskorrekturfaktor (Schwächungsfaktor) der NVA-Gammakeule (des RWA-72M) verwenden.
Siehe hier:  https://www.flickr.com/photos/64683169@N00/3542176755
und hier:  https://www.flickr.com/photos/64683169@N00/3542983928/in/photostream/

Norbert

DL3HRT

#3
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Das Radiac Set AN/VDR-2 besteht aus 2 Geräten:
- Radiac Meter IM-243/VDR-2
- Radiac Probe DT-616/VDR-2

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Nachfolgend wird die Sonde mit den beiden Zählrohren beschrieben.

Vor dem Niederdosiszählrohr befindet sich eine Metallabdeckung, welche zur Seite geklappt werden kann. Im normalen Messbetrieb ist die Abdeckung vor das Zählrohrfenster geklappt und schirmt Betastrahlung ab. Soll auf Betastrahlung geprüft werden, so wird die Metallabdeckung zur Seite geklappt. Man sieht dann eine Kunststofffolie, welche das Zählrohrfenster abdeckt.

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Die Position des Niederdosiszählrohrs im Sondengehäuse ist durch ein "+" gekennzeichnet.

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Das Hochdosiszählrohr ist seitlich auf das Gehäuse aufgesetzt. Auf dem Zählrohrgehäuse ist seine Position durch ein "+" markiert. Nach dem Lösen der beiden Schrauben kann man es einfach abziehen.

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Leider kann man das Zählrohr nicht direkt sehen. Es befindet sich auf einer kleinen Platine, welche in das Gehäuse eingeklebt ist. Immerhin sieht man das Herstellungsdatum: 1989/Kalenderwoche 16.

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Startet man einen Gerätetest ohne aufgestecktes Hochdosiszählrohr, so kommt das Gerät nicht über den Prüfschritt #7 hinaus. Das Hochdosiszählrohr enthält nämlich 1 nCi (37 Bq) Th-232. Dadurch liefert das Zählrohr eine geringe Anzahl von Impulsen pro Zeiteinheit. Beim Gerätetest wird überprüft, ob diese Impulse vom Hochdosiszählrohr ankommen. Bei normalem Betrieb dauert Prüfschritt #7 etwas länger als 30 Sekunden.

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DL3HRT

Im Eingangspost hatte ich geschrieben:
Zitat von: DL3HRT am Gestern um 11:13Der Sensorkopf ist über ein Kabel mit der Anzeige verbunden und enthält zwei Zählrohre. Das Niederdosiszählrohr ist ein 5079/BS-1 mit Glimmerfenster, so dass auch Betastrahlung gemessen werden kann. Das Hochdosiszählrohr wird als BS-2 bezeichnet. Ich habe dazu leider kein Datenblatt finden können.

Der Zählrohrtyp ist leider nicht korrekt, wie wir anschließend sehen werden. Den richtigen Zählrohrtyp konnte ich leider (noch) nicht herausfinden.


DL3HRT

Das Sondengehäuse ist über ein mehrpoliges Kabel mit der Anzeigeeinheit verbunden. Der Stecker wurde von der Fa. Bendix hergestellt. Durch Nasen am Steckergehäuse kann er nur in einer Position in die Buchse am Sondengehäuse gesteckt werden.

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Nach dem Lösen von vier Schrauben kann man die vordere Gehäuseabdeckung abnehmen. Das Glimmerfenster des Zählrohrs liegt dann frei. Der Glimmer sieht schwarz aus, vermutlich durch eine Beschichtung zur Verhinderung von Lichteinfall. Schaut man sich die Gehäuseabdeckung von innen an, so ist die graue Kunststoffolie gut zu erkennen.

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Die hintere Gehäuseabdeckung lässt sich ebenso leicht entfernen. Man sieht, dass von den 6 Pins nur 5 belegt sind. Ein Blick ins Sondengehäuse zeigt ein Sandwich aus zwei Platinen.

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ALARA

Schönes Gerät, Glückwunsch. Mir gefällt die eckige externe Sonde. Bin schon gespannt, wie es innen im Hauptgerät aussieht.
Möge der Messbereich nie ausgenutzt werden. Falls doch weißt Du ja wie schnell Du rennen solltest, falls Du da beim Ablesen nicht schon längst Flügel hast  :blush:

Die Abdeckung vom Niedrigdosiszählrohr... Sieht aus, als würde sie durch eine Feder offen gehalten werden, stimmt das?

DL3HRT

Zitat von: ALARA am Heute um 12:00Schönes Gerät, Glückwunsch. Mir gefällt die eckige externe Sonde. Bin schon gespannt, wie es innen im Hauptgerät aussieht.

Ich auch  ;). Aber zuerst muss ich die Beschreibung der Sonde fertigstellen.

ZitatMöge der Messbereich nie ausgenutzt werden. Falls doch weißt Du ja wie schnell Du rennen solltest, falls Du da beim Ablesen nicht schon längst Flügel hast  :blush:

Lohnt sich bei 100 Gy/h das Wegrennen noch? Bei Punktquellen vielleicht aber sonst...

ZitatDie Abdeckung vom Niedrigdosiszählrohr... Sieht aus, als würde sie durch eine Feder offen gehalten werden, stimmt das?

Gut beobachtet :). Die Abdeckung rastet in das Metallteil mit der Aussparung sicher ein.


DL3HRT

Man kann die Innereien des Sondengehäuses ohne große Kraft nach hinten aus dem Gehäuse herausziehen.

Die beiden Platinen zeigen mit ihren Lötseiten nach außen. Die obere Platine geht über die gesamte Gehäuselänge.

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Die untere Platine ist um die Lange des Zählrohrs kürzer.

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Die Zählrohrhalterung sieht superprofessionell aus. Um das Zählrohr ist Metallfolie gewickelt, die vermutlich zurr Energiekompensation dient. Ich kenne die Verwendung von Zinnfolie. Bei Betrachtung der Farbe könnte hier aber auch Bleifolie verwendet worden sein. Den Zählrohrtyp kann man nicht erkennen. Ich tippe auf ein LND.

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Die beiden Platinen sind über die beiden linken Steckverbinder verbunden. Der rechte Steckverbinder geht zum Anschluss nach außen.

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Wenn man die beiden Platinen ein wenig auseinanderklappt, kann man die Funktion "erraten". Die untere Platine dient zur Erzeugung der Hochspannung für das Zählrohr. Am rechten Platinenrand erkennt man den typischen Übertrager. Wahrscheinlich wird auch die Impulsauswertung des Niederdosiszählrohrs auf dieser Platine erledigt.

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Die obere Platine trägt dann die Impulsauswertung des Hochdosiszählrohrs und weitere Komponenten zur Signalaufbereitung.

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Folgende ICs mit Produktionsdatum 1988/89 sind vorhanden:
- MC14049 (Motorola) - Hex-Puffer
- CD4011 (RCA) - 4 NAND-Gatter
- MC14556 (Motorola) - binärer 1-aus-4 Decoder
- CD4013 (RCA) - Dual D-Flip-Flop

Alle Gehäusedichtungen machen nach nunmehr 27 Jahren einen einwandfreien Eindruck. Die Wasserdichtigkeit (2h in 91 cm Wassertiefe) nehme ich einfach so hin und werden sie nicht testen ;).

DL8BCN

Militärtechnik ist schon anders aufgebaut als so ein Chinakracher für 40€  ;D
Cooles Teil!

ALARA

Es ist übrigens das erst mal, dass ich diesen Typ von Stecker als "gewinkelt" sehe.
Diese Bajonettstecker gehören definitiv in die Kategorie "Richtig gut und gar nicht billig"

NoLi

Zitat von: DL3HRT am Heute um 11:19...
Die Position des Niederdosiszählrohrs im Sondengehäuse ist durch ein "+" gekennzeichnet.
...
Die "+"-Markierung kennzeichnet den Zählrohrmittelpunkt. Diese Position wird für eine korrekte Kalibrierung benötigt, da die abgegriffene Impulsrate über das gesamte Zählrohrvolumen gemittelt ist ("Geometriefaktor" des Zählrohres).

Zitat von: DL3HRT am Heute um 11:19...
Startet man einen Gerätetest ohne aufgestecktes Hochdosiszählrohr, so kommt das Gerät nicht über den Prüfschritt #7 hinaus. Das Hochdosiszählrohr enthält nämlich 0,1 nCi (37 Bq) Th-232. Dadurch liefert das Zählrohr eine geringe Anzahl von Impulsen pro Zeiteinheit. Beim Gerätetest wird überprüft, ob diese Impulse vom Hochdosiszählrohr ankommen. Bei normalem Betrieb dauert Prüfschritt #7 etwas länger als 30 Sekunden.
Nicht ganz: 37 Bq = 1 nCi ;)

Norbert

DL3HRT

Wie komme ich auf 0,1 nCi  >:(? Ich habs geändert.

Trotzdem gleich die Frage: Die 1 nCi-Quelle befindet sich innen im Zählrohr. Damit sollten auch die Alphateilchen und Elektronen zu Impulsen führen?

NoLi

Zitat von: DL3HRT am Heute um 17:55...
Trotzdem gleich die Frage: Die 1 nCi-Quelle befindet sich innen im Zählrohr. Damit sollten auch die Alphateilchen und Elektronen zu Impulsen führen?
Wenn sich das Thorium wirklich im Zählrohr befindet: ja.
Dies wäre ungewöhnlich, war aber wohl in den 1980er Jahren im miltärischen und Zivilschutzbereich als Vorgabepräparat für Hochdosisleistungszählrohre zur Funktionskontrolle teilweise verbreitet...so enthält auch das Zählrohr des britischen PDRM-82 dazu eine schwache Sr-90 Quelle (ob im oder am Zählrohr, weiß ich nicht).

Norbert