Eigenbau Geigerzähler für Keller, Empfehlung gesucht

Begonnen von cybtrash, 08. September 2021, 10:27

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

cybtrash

Hallo,

ich möchte in unserem Keller die Radonaktivität über eine längere Zeit messen. Es handelt sich um einen Neubau, KfW40+, allerdings mit zentraler Be-/Entlüftung, sodass sich dort eigentlich nichts ansammeln sollte. Im Keller sind jedoch Schlaf-/Wohnräume (u.a. mein Hobbyraum :-) daher wäre es für mich spannend, hier Messungen durchzuführen.

Es sollte sich um ein Selbstbauprojekt handeln, die Daten sollen an meine Smarthome-Zentrale (iobroker) geschickt werden. Dies könnte ich z.B. via ESP8266/MQTT realisieren.

Ich habe jedoch noch nie einen Geigerzähler gebaut. Hier sicherlich viele. Könnt ihr mir daher eine Bauanleitung empfehlen und ein Zählrohr, welches zu meinem Vorhaben passt?

Bietet sich das LND712 an ( ~97€ )?

Vielen Dank! :)

DG0MG

Na wenn Du Radon in der Raumluft messen willst, ist ein Geigerzähler (also im Sinne von Hochspannung und Zählrohr) eher suboptimal. Das geht zwar auch 'irgendwie', indem man mit einem kleinen Lüfter die Umgebungsluft auf ein möglichst großes Fensterzählrohr bläst, aber das ist dann weit von "Messen" entfernt, eher ein detektieren. Man misst ja auch die Umgebungsradioaktivität mit und kann nicht unterscheiden, woher der Zerfall nun eigentlich stammte. Außerdem misst man damit u.U. auch die Radonzerfallsfolgeprodukte mit - der Wert steigt also ständig an.

Du willst ja am Ende auch wissen, wieviel Bq/m3 das wirklich sind, um das mögliche Gefährdungspotential einschätzen zu können. Irgendeine wackelige Bastellösung bekommst Du nicht kalibriert. Insofern bietet sich eher ein fertiges Radoneye an, dessen Messwert Du mit einem ESP32 über BLE "abgreifen" und weiterverarbeiten kannst. Wenns doch mehr Basteln sein soll, gibt es die im Radon Eye verbaute Messkammer RD200M auch einzeln, die kann man per UART bedienen: https://www.radonshop.com/ftlab-radon-gas-sensor-rd200m-detektor
Ich kenne deren genauen Preis nicht, halte das Angebot aber trotzdem für unattraktiv ggü einem Fertiggerät.

"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

cybtrash

Zitat von: DG0MG am 08. September 2021, 11:02
Na wenn Du Radon in der Raumluft messen willst, ist ein Geigerzähler (also im Sinne von Hochspannung und Zählrohr) eher suboptimal. Das geht zwar auch 'irgendwie', indem man mit einem kleinen Lüfter die Umgebungsluft auf ein möglichst großes Fensterzählrohr bläst, aber das ist dann weit von "Messen" entfernt, eher ein detektieren. Man misst ja auch die Umgebungsradioaktivität mit und kann nicht unterscheiden, woher der Zerfall nun eigentlich stammte. Außerdem misst man damit u.U. auch die Radonzerfallsfolgeprodukte mit - der Wert steigt also ständig an.

Du willst ja am Ende auch wissen, wieviel Bq/m3 das wirklich sind, um das mögliche Gefährdungspotential einschätzen zu können. Irgendeine wackelige Bastellösung bekommst Du nicht kalibriert. Insofern bietet sich eher ein fertiges Radoneye an, dessen Messwert Du mit einem ESP32 über BLE "abgreifen" und weiterverarbeiten kannst. Wenns doch mehr Basteln sein soll, gibt es die im Radon Eye verbaute Messkammer RD200M auch einzeln, die kann man per UART bedienen: https://www.radonshop.com/ftlab-radon-gas-sensor-rd200m-detektor
Ich kenne deren genauen Preis nicht, halte das Angebot aber trotzdem für unattraktiv ggü einem Fertiggerät.

Danke für deine Antwort!
Ok, "detektieren" würde hier natürlich fehl am Platz sein, "messen" ist das was ich will.

Ich habe bei dem Shop mal angefragt. Lt. dieser Seite https://www.globalsources.com/si/AS/FTlab/6008852619371/pdtl/Real-time-Radon-Sensor/1157701110.htm ein Stück 80$ (klar, + MwSt / Zoll etc. / 100 Stück Mindestorder....).

edit: Shop hat geantwortet, der Sensor ist nicht mehr lieferbar.

Ansonsten wie du es sagst das "RadonEye" vom gleichen Hersteller und hier die Werte über Bluetooth abfragen..

Wie lange bleiben die Messwerte eines solchen Gerätes eigentlich halbwegs valide? Also wenn ich das RadonEye z.B. über Jahre immer anlasse?

Peter-1

Hallo,

ich habe nach den Vorgaben von Theremino eine Ionenkammer + Auswertung gebaut und bin sehr zufrieden. Die Werte sind plausibel und bei Tests reproduzierbar.
Alerdings ist der Verstärker sehr sehr empfindlich, da hier Ströme von ~ 1 fA registriert werden. Die 1 Liter große Meßkammer gibt bei gutem Aufbau auch ein schönes Signal.
Arbeitszimmer gelüftet < 50 Bq/m³ , Keller ~ 50 - 100 Bq/m³
Dachgeschoß mit einigen Präparaten ~ 150 Bq/m³ wenn nicht gelüftet wird.
Einfach mal ansehen.:
https://www.theremino.com/de/blog/geigers-and-ionchambers

Gruß
Peter
Gruß aus Bayern - Peter

DG0MG

Zitat von: cybtrash am 08. September 2021, 13:08
Wie lange bleiben die Messwerte eines solchen Gerätes eigentlich halbwegs valide? Also wenn ich das RadonEye z.B. über Jahre immer anlasse?

Das kann ich nicht beantworten. Ich gehe aber davon aus, dass das schon einige Jahre problemlos funktioniert, wenn es in normalem Wohnklima betrieben wird. Es ist ja nichts drin, was sich irgendwie "verbraucht". In der feuchten Waschküche sieht das sicher anders aus.

Hinweis: Alternativ gibt es auch noch den AIRTHINGS WAVE Radon. Wahrscheinlich mit einer kleineren Messzelle als das Radon Eye und damit langsameren Messergebnissen, aber auch preisgünstiger und batteriebetrieben. Ich selbst habe einen AIRTHINGS CORENTIUM home, der leider keine Schnittstelle zur Weiterverarbeitung bietet. Immerhin steht beim "AIRTHINGS WAVE Radon" dabei:

"Airthings Wave Radon funktioniert mit Amazon Alexa, Google Assistant und IFTTT."

Das klingt alles nach Cloud, wie das genau mit reiner BLE-Kommunikation geht und ob man diese "umwidmen" kann, hat m.W. bisher noch niemand erforscht. Zumindest theoretisch wäre da ja auch der Weg WAVE --> BLE --> ESP32 --> WLAN --> MQTT denkbar. Persönlich würde mir das sogar mehr gefallen, weil der eigentliche Sensor nicht netzbetrieben ist und deshalb freier platziert werden kann.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

DG0MG

Zitat von: DG0MG am 08. September 2021, 14:09
Das klingt alles nach Cloud, wie das genau mit reiner BLE-Kommunikation geht und ob man diese "umwidmen" kann, hat m.W. bisher noch niemand erforscht. Zumindest theoretisch wäre da ja auch der Weg WAVE --> BLE --> ESP32 --> WLAN --> MQTT denkbar.

Sowas gibts doch schon: https://github.com/sabeechen/AirthingsMQTT

"An ESP32 arduino sketch that searches for a compatible Airthings device and publishes the radon level, temperature, and humidity to an MQTT server."

Und die Firma AIRTHINGS gibt *SELBST* Hinweise, wie der WAVE mit einem RasPi zu benutzen ist.
Das macht mir die Norweger ja EXTREM sympathisch  :yahoo: : https://www.airthings.com/resources/raspberry-pi

"Read sensor data from Airthings Wave Radon using Raspberry Pi" (mit einem Python-Script)
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Henri

Lies mal das hier, das wäre das richtige für Dich:

https://www.geigerzaehlerforum.de/index.php/topic,361.msg2676.html#msg2676

Viele Grüße!

Henri


PS: da Du ja eh keine hohen Werte erwartest und kein Entlüftungssystem zu überprüfen hast, wäre eigentlich die Langzeitmessung mit einem passiven Aktivkohlesammler (den man dann zum   Auswerten einschickt) die günstigste und auch genaueste Lösung. Natürlich mit deutlich weniger Bastelspass :D