Verden: Radioaktiv kontaminierte Toilette

Begonnen von DG0MG, 25. September 2021, 07:13

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DG0MG

"In Verden hat ein Mann auf der Toilette eines Wertstoffhofs ein schwach radioaktives Kontrastmittel ausgeschieden. Ein Strahlenmessgerät schlug an und löste so einen Großeinsatz der Feuerwehr aus."


"Wie die Feuerwehr mitteilte, hatte der Besucher die Toilette am Freitagmorgen benutzt. Dort schied er Reste des Mittels aus, das ihm ein Radiologe vorher verabreicht hatte - wie sich später herausstellte. Im Anschluss an den Besucher benutzte ein Mitarbeiter des Wertstoffhofs die Toilette. An seinem Körper trug er ein Strahlenmessgerät, das prompt ausschlug. Eine radioaktive Substanz haftete an seinen Schuhen."

"Im Laufe des Einsatzes stellt sich schließlich heraus, dass ein Kunde der Firma am Morgen Kontrastmittel von seinem Arzt gespritzt bekommen und dieses beim Pinkeln ausgeschieden hatte. Der Mitarbeiter, der anschließend auf die Toilette ging, hatte sein Messgerät, das auf dem Wertstoffhof routinemäßig eingesetzt wird, noch eingeschaltet, es schlug aus und der Rest ist Geschichte. "

Ist denn der Begriff "Kontrastmittel" an dieser Stelle überhaupt richtig? Sagt man nicht eher "Tracer"? Wirkliche Kontrastmittel für Röntgen oder CT sind doch nicht radioaktiv.

Interessant ist auch das gezeigte Messgerät des Mitarbeiters: "SEA SCINTO": Ganz schöner Kasten - das Bedienfeld sieht aus, wie GRAETZ, der gelbe Handgriff wie Nuvia. Aber wenn der Szintillator auch nur annähernd so groß wie die Kappe vorndrauf ist, wird das Ding ganz schön empfindlich sein.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

NoLi

Zitat von: DG0MG am 25. September 2021, 07:13
Ist denn der Begriff "Kontrastmittel" an dieser Stelle überhaupt richtig? Sagt man nicht eher "Tracer"? Wirkliche Kontrastmittel für Röntgen oder CT sind doch nicht radioaktiv.

Interessant ist auch das gezeigte Messgerät des Mitarbeiters: "SEA SCINTO": Ganz schöner Kasten - das Bedienfeld sieht aus, wie GRAETZ, der gelbe Handgriff wie Nuvia. Aber wenn der Szintillator auch nur annähernd so groß wie die Kappe vorndrauf ist, wird das Ding ganz schön empfindlich sein.

Ja, Kontrastmittel ist komplett falsch. Der Begriff wird aber im allgemeinen für szintigraphische Untersuchungen immer wieder verwendet.

Das abgebildete Gerät ist schon recht alt, hier die aktuelle Version:
http://www.nuvia-instruments.de/downloads/SCINTO_SEA.pdf

Gruß
Norbert

DG0MG

Hier gibts noch einen Bildbericht:


.. und der Artikel macht die Verwirrung um "radioaktive Konstrastmittel" noch größer.

Nicht nur der Pressesprecher verwendet diesen Terminus im Interview, sondern es steht - sich selbst widersprechend - auch im Artikel:

"Kontrastmittel werden in der Medizin unter anderem für Röntgen- oder CT-Untersuchungen verwendet. Sie enthalten einen hohen Iod-Anteil und sind somit strahlenbelastet. Dies sei keine radioaktive Strahlung, bestätigte Feuerwehrsprecher Max Bomhoff auf Nachfrage von kreiszeitung.de."

Sie sind strahlenbelastet, aber keine radioaktive Strahlung?  :unknw:

Offenbar haben sich Leser über diese verwirrenden Meldungsinhalt beschwert, denn man sah sich zu einer Richtigstellung genötigt:

"Anmerkung: In einer ersten Version dieses Artikels haben wir berichtet, dass in der Medizin auch radioaktive Kontrastmittel zum Einsatz kommen, ohne diese Mittel mit dem Vorfall in Verden in Verbindung zu bringen. Der Aufbau des Absatzes ließ diesen Schluss aber zu. Da in diesem Fall kein solches Mittel vorlag, haben wir diesen Abschnitt aus dem Text entfernt, um Irritationen zu vermeiden. Das in der ersten Version des Artikels genannte MRT-Kontrastmittel Ga­do­li­ni­um ist ebenfalls nicht radioaktiv."

Wer soll da jetzt noch durchblicken?

In der Kommentarsektion (gaaaanz unten) stellt ein Kommentator immerhin den Wirrwarr richtig.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

NoLi

Wohl der Feuerwehr, welche via Leitstelle auf einen Strahlenschutz-Fachberater zurückgreifen kann.
Damit nicht solch ein Stuss verbreitet wird!
:o

Gruß
Norbert

DG0MG

Der Vollständigkeit wegen noch ein Link zu einem Qualitätsmedium:


"Mann pinkelt auf Toilette daneben und löst Großeinsatz aus!

Wie ein Feuerwehrsprecher sagte, war der Mann am Freitagmorgen als Besucher in dem Betrieb gewesen und hatte die Toilette besucht. Er schied dort Reste des Mittels aus, das ihm von einem Radiologen verabreicht worden war.

Nach dem Besucher benutzte ein Mitarbeiter des Wertstoffhofs die Toilette und bei ihm schlug später ein am Körper getragenes Strahlenmessgerät Alarm. Die radioaktive Substanz haftete an seinen Schuhen. Offenbar hatte sein Vorgänger die Toilette nicht richtig getroffen und daneben gepinkelt.
"

In den ersten Meldungen klang es für mich so, als ob der Wertstoffhofmitarbeiter Sascha nach seinem Toilettengang - wieder draußen - die Kontamination an seinen Schuhen bemerkte. Obigem Artikel nach hatte er dagegen in der Toilette ein Meßgerät am Körper - entweder den im Filmbeitrag gezeigten SCINTO per Riemen umgehängt (man geht ja davon aus, dass er beide Hände braucht) oder einen weiteren Warner, vllt. am Gürtel.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

NoLi

Noch ein sehr schön formulierter Artikel:

https://nordnews.de/kurios-radioaktiver-urin-loest-grosseinsatz-der-feuerwehr-aus/

"Blaulicht
Kurios – Radioaktiver Urin löst Großeinsatz der Feuerwehr aus
29. September 2021

Verden. Niedersachsen. Einen kuriosen Einsatz hatten die Feuerwehren im niedersächsischen Verden. Radioaktiver Urin löste hier einen großen Gefahrguteinsatz aus. Doch was war genau passiert?

In Verden gibt es einen Entsorgungsbetrieb, der vielerlei Abfälle entgegennimmt. Ein Kunde hat dort ganz normal Abfall abgeliefert und abgegeben. Bei diesem Entsorgungsbetrieb gibt es auch eine Toilette für die Besucher, so wie er einer ist. Der Kunde benutzt diese Toilette. Doch kommt es bei diesem Toilettengang zu einem nicht ganz ,,Treffsicheren Verhaltens" des Kunden. Es geht etwas daneben. Bis dahin etwas unhygienisch, aber noch ,,normal".

Doch nach diesem Kunden benutzt auch ein Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebes diese Toilette. Er betritt die Toilette und kommt mit dem nicht ganz ins Urinal getroffene Urin seines ,,Vorgängers" in Kontakt – auf Deutsch: er tritt unwissentlich in den Urin seines Vorgängers. Auch so etwas kann passieren.

Der Mitarbeiter macht sich dann auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz. Zu den Aufgaben dort gehört es, die abgelieferten Materialien auf Radioaktivität zu prüfen. Und bei diesen Prüfungen schlägt sein Gerät plötzlich aus. Die ganze Zeit. Regelmäßig.

Wie vorgeschrieben informiert er die Behörden, die nun einen Großeinsatz auslösen. Austretende Radioaktivität in einem Entsorgungsbetrieb. THW, Polizei und natürlich auch die Feuerwehr rücken an, um den radioaktiven Stoff zu suchen und sicherzustellen.

Schnell wird herausgefunden, dass der Ursprungspunkt in der Kunden- und Mitarbeitertoilette liegt. Doch warum? Die Antwort bringt einige zum Lächeln, trotz dieser ernsten Situation: Der Kunde mit der nicht ganz so sichern Treffsicherheit war am Tag vorher bei einem Radiologen. Dort wurde eine spezielle Untersuchung mit einem geringfügig radioaktiven Stoff / Kontrastmittel durchgeführt. Dieses Kontrastmittel wird aus dem Körper über den Normalen weg des Wasserlassens ausgeschieden. Wenn die Treffsicherheit des Kunden gegeben gewesen wäre, dann wäre alles an diesem Tag ,,normal" verlaufen.

130 Einsatzkräfte der Polizei, des THW und der Feuerwehr konnten sich teilweise ein schmunzeln nicht verkneifen.

Hier die original Pressemitteilung der Feuerwehr, die uns nun auch vorliegt:

Pressemitteilung Kreisfeuerwehr Verden: Auf einem Wertstoffhof in der Verdener Max-Planck-Straße wurde am Freitagmittag durch ein Strahlenmessgerät eine strahlende Substanz festgestellt. Zuerst geriet hier der am Abend angelieferte Müll in Verdacht der grundsätzlich kontrolliert wird. Nach genaueren Messungen der Feuerwehr mithilfe einer Messlanze und unter Strahlungsschutzkleidung konnte dieser Verdacht nicht bestätigt werden. Im weiteren Einsatzverlauf stellte sich heraus, dass ein Kunde der Firma am Morgen Kontrastmittel von seinem Arzt gespritzt bekam und dieses beim Toilettengang ausgeschieden hatte. Ein Mitarbeiter, der die Toilette im Anschluss nutze, stellte mit einem Strahlenmessgerät, welches er bei sich trug, eine erhöhte Strahlung fest. Der Mitarbeiter verließ umgehend die Örtlichkeiten und handelte genau richtig, indem er die Feuerwehr verständigte. Da bei einem Einsatz mit strahlenden Stoffen äußerst vorsichtig vorgegangen werden muss, blieb die Max-Planck-Straße für die Dauer der Einsatzmaßnahmen von der Straße Borsteler Chaussee bis zur Einmündung Albert-Einstein-Ring rund 2,5 Stunden gesperrt. Es waren rund 130 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Polizei vor Ort."

Gruß
Norbert

Henri

Zitat von: NoLi am 07. Oktober 2021, 23:17
Es waren rund 130 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Polizei vor Ort."

:o

DG0MG

"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!