Der Goiânia-Unfall (Parque Estadual Telma Ortegal in Brasilien)

Begonnen von wrdmstr inc., 21. März 2022, 01:20

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wrdmstr inc.

"Nur keine Sorge ich werde ihn irgendwo hintun wo man ihn in millionen Jahren nicht findet *giggl"
(Zitat Lustiger Kernspalt)


...das dachte sich auch die brasilianische Regierung als man nach dem Goiania Unfall den Parque Estadual Telma Ortegal anlegte. Wahrscheinlich aber die wirksamste Methode solche Stoffe zu beseitigen und gleichzeitig im Auge zu behalten ohne eine permanente Bewachung iwo in der Pampa bereitstellen zu müssen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Parque_Estadual_Telma_Ortegal

Goiânia-Unfall:

https://www.spektrum.de/kolumne/hemmer-und-messner-erzaehlen-der-nuklearunfall-von-goiania/1950160
https://de.wikipedia.org/wiki/Goi%C3%A2nia-Unfall

ausführlich, Fototeil ab Seite 95:
https://www-pub.iaea.org/MTCD/Publications/PDF/Pub815_web.pdf

.


DG0MG

Das ist schon der Wahnsinn, was dort passiert ist.



Ich glaube aber mal gelesen zu haben, dass das Strahlentherapiegerät in dem verlassenen Krankenhaus nicht einfach ungesichert herumstand, sondern dass die Schrottsammler schon aktiv "nachgeholfen" haben, um in das Gebäude hineinzukommen.

50,9 Terabequerel Cs-137!  :o
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

NoLi

An den Vorgang kann ich mich noch gut erinnern, da vom KIT-Campus Nord Strahlenschutz (damals Kernforschungszentrum) Strahlenmessequipment (Teletectoren, Kontaminationsmessgeräte etc.) und Fachpersonal nach Goiania zur Hilfeleistung entsendet wurden; vor Ort war damals ja bei weitem nicht ausreichendes Material für solch einen Vorfall verfügbar.

Norbert

DG0MG

Wenn das Cäsium-137 nicht ein "übernatürliches" Leuchten gehabt hätte, hätten mehr Leute überlebt:

"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!



Flipflop

Radioactive Emergency – Official Trailer | Netflix

MVSRS


NoLi

Ah ja, der Fall Goiana in Brasilien.
Damals hatten wir vom Kernforschungszentrum Karlsruhe einen Strahlenmesstrupp mit Strahlenschutzexperten sowie entsprechendem Equipment (wie z.B. auch Teletectoren aus Beständen des Kernforschungszentrums) nach Brasilien vor Ort geschickt, um die örtlichen Behörden zu unterstützen, weil es an allem gemangelt hatte und die Cs-137-Chlorid Kontaminationen enorme Ausmaße angenommen hatten. Bei der zersägten Cs-137 Quelle handelte es sich um eine Strahlentherapiequelle mit einer Aktivität von etwa 3000 Ci (ca. 1,1E14 Bq = ca. 110 TBq).

Norbert

Lennart

Zitat von: NoLi am 18. März 2026, 17:48Bei der zersägten Cs-137 Quelle handelte es sich um eine Strahlentherapiequelle mit einer Aktivität von etwa 3000 Ci (ca. 1,1E14 Bq = ca. 110 TBq).

Bei den Zahlen ist es fast schon Haarspalterei, aber die Aktivität lag bei "nur" 50,9 TBq im Jahr 1987 und die Anfangsaktivität im Jahr 1971 betrug ca. 74 TBq, siehe S. 21f im IAEA-Bericht.

Es ist auch kurios, eine hochradioaktive Quelle aus einem wasserlöslichen Cs-Salz herzustellen. Dazu habe ich mal gelesen, dass die "geringe" spezifische Aktivität von Cs-137 (im Vergleich zu Co-60) ausschlaggebend war. Es war wohl anders nicht möglich, in der kleinen Standardkapsel eine ausreichende Aktivität unterzubekommen. Zumindest nicht für den gewünschten Einsatz in der Strahlentherapie.  Wahrscheinlich war Cs-137 als "Abfallprodukt" auch deutlich billiger, als Co-60.

Kermit

Zitat von: Lennart am 18. März 2026, 20:00Wahrscheinlich war Cs-137 als "Abfallprodukt" auch deutlich billiger, als Co-60.

Der entscheidende Punkt ist neben der Energie und damit der "Behandlungstiefe" am Tumor (am Tumor braucht man einige Gy und nicht mGy!) die Halbwertszeit.

Eine Strahlentherapie benötigt üblicherweise eine Serie von Bestrahlungen mit einer gleichen Dosis. Daher muss man bei Co-60 zum Bsp als Therapiequelle jeden Tag die Bestrahlungszeit anpassen, um eine gleiche Dosis zu gewährleisten.

Einer der Gründe, warum man heute Linearbeschleuniger und natürlich auch Protonenanlagen benutzt.
(neben der zusätzlichen Sicherheit, den eine abschaltbare Strahlenquelle bietet)

Flipflop

Übersetzung:

Fast vier Jahrzehnte nach dem Unfall mit Césio-137 lebt Goiânia immer noch mit den unsichtbaren Spuren der Tragödie. Die Faszination, die durch den "leuchtenden blauen Glitzerpulver" ausgelöst wurde, war kurz. Aber für diejenigen, die mit radioaktivem Material in Kontakt gekommen sind, gab es körperliche Narben, schwer zu löschende Erinnerungen und gesundheitliche Probleme, die bis heute bestehen.

Césio-137: os relatos inacreditáveis de quem sobreviveu ao acidente radiológico

Metrópoles