radioaktive Röhren

Begonnen von DL3HRT, 24. Juni 2019, 17:08

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

Lennart

StR 85/10-C

Ein weiterer Glimmstabilisator aus dem VEB Werk für Fernsehelektronik. Die Röhren tragen den sowjetischen OTK-Stempel und gekreuzte Schwerter, ich vermute für den Export. Datenblatt für die Standardversion ohne "-C" siehe HIER. Strahler im Ring Th-232, wie üblich.

Lennart

GV5A-2800

Corotron Spannungsregulator von Victoreen. Das ähnliche Modell GV6A-1400 wurde bereits von @DL3HRT  in Beitrag #70 vorgestellt. Beide Röhren zeigten leicht erhöhte Zählraten, wenn der RadiaScan-701A mit offenem Zählrohr für eine Langzeitmessung genutzt wurde.

Hintergrund: 0,381 CPS
Röhre Nr. 1: 0,463 CPS / 0,082 CPS netto
Röhre Nr. 2: 0,498 CPS / 0,117 CPS netto

Die Vermutung liegt nahe, dass auch hier Ni-63 zur Vorionisation genutzt wurde. Die beiden gebogenen Drähte der GV6A-Corotrons fehlen jedoch.

Lennart

СГ1П-ЕВ / SG1P-EW

Sowjetischer Glimmstabilisator in militärischer Spezialausführung. Die Zusatzbezeichnung "-EW" steht wohl für erhöhte Langlebigkeit und Zuverlässigkeit. Eine Langzeitmessung mit dem RadiaScan-701A (offenes Zählrohr) zeigt auch bei diesem Modell eine erhöhte Zählrate.

Hintergrund: 0,381 CPS
2x SG1P-EW (1): 0,618 CPS / 0,237 CPS netto
2x SG1P-EW (2): 0,685 CPS / 0,304 CPS netto

Laut KI-Suche ist wohl eine galvanische Beschichtung der Kathode mit Ni-63 als wahrscheinlichste Strahlenquelle anzusehen.

Lennart

Р-21 / R-21

Ein sowjetischer Gasentladungsableiter aus der "R-Serie". Baujahr vermutlich Januar 1984. Meiner Recherche nach dient der Draht im Abschmelzstutzen als zusätzliche Zündhilfe. Bei genauerem Hinsehen erkennt man am innenliegenden Drahtende eine leicht gräuliche Beschichtung.

Dieser Ableiter wird teilweise zu recht hohen Preisen gehandelt, insbesondere von ukrainischen Anbietern. Ebenfalls auffällig ist die extrem robuste und hochwertig anmutende Bauweise, die man so nicht von allen sowjetischen Röhren kennt.

Als radioaktive Zusätze kommen Ni-63 oder Pm-147 in Frage, wobei ich eher zu Ersterem tendiere. Ergebnis von drei Langzeitmessungen mit dem offenen Zählrohr des RadiaScan-701A:

Hintergrund: 0,381 CPS
Messung #1: 0,436 CPS / 0,055 CPS netto
Messung #2: 0,435 CPS / 0,054 CPS netto
Messung #3: 0,449 CPS / 0,068 CPS netto

Lennart

Sowjetische Radar-Sperröhren (RR-3; RR-7; RR-21-1; RR-49M; RR-83A-1)

Ich habe mir jetzt mal einige sowjetische "TR-Röhren" aus der Radartechnik angeschaut. Da die westlichen Pendants vermutlich allesamt radioaktive Zusätze enthalten, wird das auch hier nicht anders sein. Die Datenlage ist natürlich dünn, die KI nennt beispielsweise Pm-147, H-3, Ni-63, usw.

Aufgrund der massiven Bauweise lässt sich mit dem Flächenzählrohr kaum etwas nachweisen. An der RR-3 konnte ich einseitig, trotz der Metall-Keramik-Konstruktion, ca. 0,1 CPS (+-5%) netto messen.

Ein Gammaspektrum zu den einzelnen Modellen steht zwar noch aus, ich erhoffe mir aber dahingehend nicht viel.

Interessant ist, dass die Keramikbauteile vermutlich aus Berylliumoxid bestehen. Die rosafarbene Keramik des RR-21-1 und RR-83A-1 beinhaltet irgendwelche Verunreinigungen, die zu einer tiefroten Fluoreszenz unter UV-Licht führen. Die Keramik des RR-3 ist farblos und transluzent, zeigt aber keine Fluoreszenz.

Gigabecquerel

Warum sollten die Keramikteile BeO sein?
Rote Fluoreszenz ist typisch für Alumina, vorallem mit Chrom-Dotierung ("Rubin").
Gammaspektroskopie, Proportional- und Halbleiterzähler!

Lennart

Also ich wollte keinen Zusammenhang zwischen der roten Fluoreszenz und Berylliumoxid herstellen. Eine absichtliche Dotierung oder Verunreinigung mit Chrom ist mit Sicherheit auch bei anderen Keramiken möglich, abseits von Aluminiumoxid. Darüber hinaus ist doch die rote Fluoreszenz überhaupt kein Beleg für Aluminiumoxid, das Glas meiner Uhr zeigt als künstlicher Saphir schließlich auch keine rötliche Fluoreszenz.

Warum genau ich von BeO ausgehe, liegt einfach am Einsatzbereich dieser Bauteile. Das Material muss besonders durchlässig für Mikrowellen sein, eine hohe Hitzebeständigkeit haben und die Wärme zügig abgeben. Sonst werden Komponenten beschädigt, die deutlich teurer sind, als die TR-Röhre selbst.

Es ist natürlich auch gut möglich, dass das tatsächlich nur reines Aluminiumoxid ist. Ich würde mich trotzdem auf keinen "Inhalationstest" des Pulvers einlassen, um zu sehen, ob man morgens noch aufwacht  :)


DL8BCN

An Magnetrons von Mikrowellenöfen gibt es an dem Zapfen für die Auskoppelung auch eine rosafarbene Keramikisolierung.
Das ist nach gängiger Meinung Berylliumoxid.
Ich habe das Ding eben mit einer 365 nm Taschenlampe angeleuchtet.
Es fluoresziert rosafarben. In ähnlicher Farbe wie im Weißlicht.
Bei UV Kurzwelle bei 254 nm keine Fluoreszenz.


Gigabecquerel

In Haushaltsmagnetrons ist kein BeO.
Ich verstehe nicht, wieso sich diese Mythos noch so lange hält. Die Antenne des Magnetrons muss an dieser Stelle nicht viel Wärmeleistung abführen, also ist die Wärmeleitfähigkeit dieses Isolators auch egal. BeO ist, wie die menschheit schon lange weiß, extrem giftig und wird nur dort verwendet, wo es wirklich notwendig ist. Jedes Hochfrequenzgerät das in den letzten 40 jahren gebaut wurde hat eine BeO warnung außen auf dem gehäuse wenn auch nur ein Transistor da drinnen ein solches Keramikgehäuse hat, aber Hausmaltsmikrowellen, die überall stehen und unbedacht entsorgt werden sollen mehrere gramm davon enthalten, ohne warnung oder info?
(Alte) Leistungsmagnetrons, wie sie in der industrie, für radar und ähnliches eingestzt werden, haben manchmal BeO drinnen, sind dann aber auch entsprechend gekennzeichnet.

Saphir ist übrigens der Sonderfall, denn die Titan-Ionen im Alumina unterdrücken die fluoreszenz.
Reines alumina leuchtet stark rot unter UV.

Darüber hinaus würde es mich auch sehr wundern, wenn die Funkenstrecken ihre wärme über das Fenster abgeben bzw. ableiten müssen, da die elektroden dafür ja garnicht am fenster liegen.
Gammaspektroskopie, Proportional- und Halbleiterzähler!

Lennart

Wenn wir uns mal wieder von den Haushaltsgeräten lösen, würde ich mich auf eine Kennzeichnung nicht verlassen wollen. Besonders nicht bei (sowjetischem) Militärequipment.

Solange die Keramik intakt ist, spielt es ohnehin keine große Rolle.

Es scheint auch so, als wären unterschiedliche Keramiken zum Einsatz gekommen. Der RR-3 zeigt weder die klassische Korundfarbe, noch eine ausgeprägte Fluoreszenz.