Woraus sind diese Steine?

Begonnen von SievertGray, 24. August 2024, 14:03

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

SievertGray

In Nürnberg gibt es an der Meistersingerhalle eine Bushaltestelle die mit diesen schwarzen Steinen gepflastert ist. Radiacode misst ungefähr das 10x der normalen Hintergrundstrahlung auf dem Stein. Sind das Schlackesteine? Leider nicht viel Zeit für ein Spektrum gehabt. Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.

DL3HRT

Ja, das sind Schlackesteine mit einer recht groben Oberfläche.

Radiohörer

Zitat von: SievertGray am 24. August 2024, 14:03In Nürnberg gibt es an der Meistersingerhalle eine Bushaltestelle die mit diesen schwarzen Steinen gepflastert ist. Radiacode misst ungefähr das 10x der normalen Hintergrundstrahlung auf dem Stein. Sind das Schlackesteine?
...ja: eine meiner favorisierten Stellen in der Südstadt neben den 750m weiter SO gelegenene Arkaden der Kongresshalle, die ich demnächst mit Alara mal als eine der Gamma-ODL Referenzpunkte in Nbg einrichten will.
Vielleicht kann ja Peter-1 an der Vermessung teilnehmen, er hat zumindest die am besten referenzierte mobile ODL-Sonde im Forum. Auch die anderen Foristen der Umgebung sind dazu herzlichst eingeladen, danach Freibier!


SievertGray

Zitat von: opengeiger.de am 24. August 2024, 21:17Meinst Du diese Steine hier:

Ja, da würde ich sagen: klassische Schlackesteine.  :good3:

Ja genau.

Radiohörer

...Schlackestein werden gerade beim Neubau der Straßenbahngleise entfernt, falls einer zufällig in der Nähe ist. Demnächst auch am Punkt im ersten Foto ;D

NoLi

Zitat von: Radiohörer am 07. März 2025, 18:47...
Demnächst auch am Punkt im ersten Foto ;D
Das ist doch DIE Gelegenheit...z.B. für Messungen etc.

Norbert

Geophon

Diese Steine gibt es auch im ansonsten radiometrisch eher langweiligen Nordwesten Deutschlands. In Hildesheim z.B. gibt es etliche Stellen, wo diese Steine in Straßen, auf Parkplätzen oder Bushaltestellen verbaut wurden, schätzungsweise so in den 1970-80er Jahren.

Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.

Mich würde auch mal interessieren, bei welchem Verhüttungsprozess diese Schacke denn eigentlich anfällt bzw. angefallen ist. Mansfelder Kupferschiefer wurde im ehemaligen Westen ja vermutlich nicht verhüttet?

Radiohörer

#8
...bei der Kupfergewinnung auf (einigen/allen?) Hütten im Osten.

Vielleicht kennt hier jemand wie wahren Hintergründe, warum die nicht nur ziemlich flächendeckend in den östlichen Bundesländern, sondern auch in der BRD gerne eingebaut wurden?
Die waren vermutlich mit Transport günstiger als die Granitplastersteine aus dem Bayrischen Wald ;)

EDIT: es gibt darüber einen Wiki-Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Mansfelder_Kupferschlackensteine , einen Spiegel Bericht unter dem Titel "Spur der Steine" vom 8.12.91 und auch der Mineralienatlas liefert Hinweise und interessante Bilder.
Bei natursteinhandel.com gibts die Tonne, dass sind ~ 200 Stück, "gebrauchte" Schlackesteine für 70€. Damit kann sich jeder günstig eine kleine Messfläche in der Einfahrt oder im Garten einrichten  ;D


NoLi

Devisen, nichts als Devisen, die die Ex-DDR vom Westen durch den Verkauf gebraucht und bekommen hat!

Norbert

Geophon

Na dann war das wohl ein sehr gutes Geschäft,  bezahlen, um strahlende Steine entsorgen zu dürfen 8).

Ich habe mal ein paar Steinchen hier im Umkreis vermessen. Die Aktivität schwankt erheblich. Am oberen Ende stehen Steine mit einer sehr homogenen Grundmasse und vielen Gasblasen, die etwa 30 cps, in Ausnahmefällen sogar 40 cps bringen.

Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.

Dann gibt es Steine mit rauherer Oberfläche und weniger Blasen, die so im Bereich von 20 cps tickern und dann noch welche, die aussehen, als hätte man Split oder so mit in die Schlacke gegeben. Die strahlen nur sehr wenig bis gar nicht.

Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.


An einer Stelle konnte ich mit dem Radiacode etwa für 10 min. ein Spektrum aufzeichnen, leider an einem eher weniger aktiven Spot, die anderen sind entweder zugeparkt oder Teil der Fahrbahn. So besonders deutlich ist es in der kurzen Zeit nicht geworden, aber man kann ein paar Energien von Pb-214, Bi-214, Tl-208 und Ac-228 erahnen. Das würde vor allem für die Radium- und die Thorium-Zerfallsreihen sprechen.

Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.
Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.



DG0MG

Zitat von: NoLi am Gestern um 19:33Devisen, nichts als Devisen, die die Ex-DDR vom Westen durch den Verkauf gebraucht und bekommen hat!

Zitat von: Geophon am Heute um 10:11Na dann war das wohl ein sehr gutes Geschäft,  bezahlen, um strahlende Steine entsorgen zu dürfen 8).

Das ist eine sehr einseitige Betrachtung. Es gehören auch immer zwei Parteien dazu und die Geiz-ist-Geil-Mentalität war offenbar auch damals im Westen schon ausgeprägt, denn man hätte ja auch einheimische Granitsteine nehmen können.

Außerdem haben die Schlackesteine tatsächlich auch Vorteile: Sie nutzen sich weniger ab(!), als Basalt oder Granit und lassen sich durch ihre geraden Kanten mit schmaleren Fugen setzen, was sie für Radwege geeignet macht, weiß der Wikipedia-Artikel zu berichten.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Geophon

Zitat von: DG0MG am Heute um 15:09Das ist eine sehr einseitige Betrachtung. Es gehören auch immer zwei Parteien dazu und die Geiz-ist-Geil-Mentalität war offenbar auch damals im Westen schon ausgeprägt, denn man hätte ja auch einheimische Granitsteine nehmen können.

Entschuldigung, das war von mir nicht ganz ernst gemeint. Für die DDR war es sicherlich ein sehr einträgliches Geschäft und ich kannte die Vorgeschichte, die im von Radiohörer verlinkten Wikipedia-Artikel steht, noch gar nicht. Demnach sind die Steine schon seit der Jahrhundertwende in ganz Europa verkauft worden und man hat diesen Handel letztlich nur weiter geführt.

Mich hatte gewundert, dass diese Schlacken überhaupt so eine Aktivität zeigen, da ich bisher nur Schlacken aus Muldenhütten bei Freiberg (Blei) und von der Ilseder Hütte (Eisen) als Vergleich hatte und die sind so gut wie gar nicht radioaktiv. Aber wenn man sich die Bildungsbedingungen des Kupferschiefers vor Augen führt, dann ergibt es schon Sinn, dass im Faulschlamm neben Kupfer, Blei und Silber auch Uran und Thorium mit angereichert wurden. Und bei der Verhüttung sind diese und ihre Folgeprodukte dann als inkompatible Elemente in der Schlacke noch einmal weiter aufkonzentiert worden.

Lennart

Du kannst Dir an der Autobahn 38 den Kupferschiefer selbst anschauen, so wie ich es HIER gezeigt habe. Danach wundert Dich die Aktivität innerhalb der Schlacke nicht mehr.

NoLi

Zitat von: DG0MG am Heute um 15:09...
Das ist eine sehr einseitige Betrachtung. Es gehören auch immer zwei Parteien dazu und die Geiz-ist-Geil-Mentalität war offenbar auch damals im Westen schon ausgeprägt, denn man hätte ja auch einheimische Granitsteine nehmen können.
...
Dies stimmt wahrlich, dass die westlichen Kommunen schon immer der Geiz-ist-Geil Mentalität verfallen waren, daher war dies eine erquickliche Win-Win-Situation zur beiderseitigen Zufriedenheit :drinks: .

Norbert