Radioaktive Paste gegen weißen Hautkrebs

Begonnen von DL3HRT, 13. Juli 2022, 11:01

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

DG0MG

Auf dem zweiten Bild ist an der "Pistole", mit der die Paste aufgetragen wird, ein dicker Plexiglasschirm.
Es dürfte sich also erstmal um einen Beta-Strahler handeln?
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Henri

Geringe Gewebeeindringtiefe (3mm), leichte Abschirmbarkeit bereits durch eine Folie, und kurze Halbwertszeit (da sich der Patient das Pflaster nach vorgegebener Zeit einfach selber abnimmt und dann im Mülleimer entsorgt). Was könnte das sein?

Kermit

Vor vielen vielen Jahren war das mal ein Radium-Gemisch (Ra-226..) - und eine elendige "Sauerrei..")
will man heute nicht mehr haben.. ;)

Ansonsten guggst Du hier:

https://www.idowa.de/inhalt.studie-radioaktive-paste-soll-weissen-hautkrebs-heilen.8a18f785-63a4-4524-8f5b-6b6180213d92.html

Zitat: "Die Untersuchung ist noch nicht in einem von Experten begutachteten Fachmagazin veröffentlicht."

daher wenig Information  :)

ABER hier:

https://www.nuklearmedizin-hanau.de/untersuchungen-rheniumsct.html

findet man den Hinweis, der am wahrscheinlichsten ist:

Zitat:" Die Rhenium-SCT® ist eine nicht-invasive, schmerzfreie Therapie von hellem Hautkrebs.."

und
"Bei der Behandlung wird das künstlich hergestellte radioaktive Isotop Rhenium-188 auf eine über dem Hauttumor passgenau platzierte Folie aufgetragen. Die Betastrahlung dringt nur 2-3 mm in das Gewebe ein und ist somit optimal für die gezielte, lokale Behandlung geeignet."

also Re-188  :)

ist ein Generator Nuklid und kann in der Nuklearmedizin in der Klinik selbst eluiert werden, ein "alter Bekannter" also.

allerdings muss man da sehr sehr vorsichtig sein, Re-188 ist kontaminations mäßig ziemlich unangenehm, wenn mal was auf der Haut ist, bekommt man das nicht so leicht wieder runter...


Kermit

weitere Infos sind hier:

https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09546634.2020.1793890

so furchtbar neu ist es also nicht... ;), der Artikel ist von 2020

Die Dosis soll 50 Gy lokal am Tumor sein, das sind übliche Tumor Kontrolldosen in der Medizin. Im Artikel wird beschrieben, das die Dosis über eine SW berechnet wird, auch das ist ein übliches Verfahren.
Die Aktivitäten werden hier so angegeben: Zitat "range of 20 to 100 MBq/cm2"

Hier spielt die "Paste" und das Verfahren, wie man es macht also eine entscheidende Rolle. Genau das werden die Leute in Rostock in der Studie sicher ermitteln.

DG0MG

Zitat von: Kermit am 14. Juli 2022, 22:03also Re-188  :)

Du hast völlig recht.
Wenn man konkret danach sucht, findet man dann sogar einen Artikel der Universitätsmedizin Rostock selbst darüber, der aber wohl offline genommen und nur noch im Google-Cache verfügbar ist:

Sie dürfen in diesem Board keine Dateianhänge sehen.


"Ein bis zwei Stunden bleibt die Paste auf der Haut."

HWZ Re-188 ~17 Stunden.

Da verliert die Paste während der Behandlung aber kaum an Aktivität und muss aber nach der Behandlung unter Strahlenschutzbedingungen wieder sauber heruntergenommen und ein paar Tage in einem Abklingbehälter gelagert werden? Da kann ich mir gar nicht vorstellen, dass die direkt auf die Haut aufgetragen wird. Es steht aber ausdrücklich im Artikel, dass nur "drumherum" zum Schutz abgeklebt wird.
 
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

DG0MG

Ah, in dem Link von Kermit stehts beschrieben:

" Right before the treatment starts, the skin to be treated was covered first by a thin layer of a protective cream (Tueor; SOFAR, Milan, Italy) and/or a special foil (Aero Healthcare Ltd, Horsham, United Kingdom).The radioactive resin was then evenly applied on top of the protective cream or on top of the protective foil covering the previously mentioned outlined area, to prevent any direct contact of the radioactive compound with the epidermis (Figure 1)."

und dann

"Once the compound was applied, it was left over the lesion for a defined period of time in order to enable delivery of the targeted dose at the desired depth (see Dosimetry section for more information). Once the treatment time was over, the cream and/or the foil was easily removed together with the compound and properly disposed of. At the end, a contamination test needed to be carried out on the treated lesion(s) to confirm the absence of radioactivity."

Also es wird vorher eine Schutzcreme auf die betroffenen Hautpartien appliziert, die am Ende der Behandlung ein leichtes Entfernen der Paste ermöglicht.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

Kermit

Das scheint die Herstellerseite zu sein. Für zusätzliche Informationen eventuell von Interesse.

https://www.oncobeta.com/de/unsere-produkte/rhenium-sct


Kermit



Zitat von: DG0MG am 14. Juli 2022, 22:33Da kann ich mir gar nicht vorstellen, dass die direkt auf die Haut aufgetragen wird. Es steht aber ausdrücklich im Artikel, dass nur "drumherum" zum Schutz abgeklebt wird.

Doch, das wird so gemacht.
Sonst erreicht man die Tumordosis nicht, die erforderlich ist, um den gewünschten Effekt zu erziehlen.
Gegenüber einer OP hat man dann aber auch einen kosmetischen Vorteil. Zusätzlich wird die Therapie wohl angewandt bei Patienten, die nicht mehr so "fit" sind. Damit vermeidet man mögliche OP Nebenwirkungen.

Ich habe die Herstellerseite noch nicht vollständig durchgelesen, eventuell findet man da noch weitere Infos zur Therapie.

Kermit

Zitat von: DG0MG am 14. Juli 2022, 22:33ein paar Tage in einem Abklingbehälter gelagert werden?

Da war noch was.. ;)

Ich denke, da greift das übliche Verfahren der NUK. Aus hygienischen Gründen und aus Strahlenschutzgründen wird die Paste dann entsprechend lange gelagert, bis die Grenzwerte für die Freigabe erreicht sind oder der Hersteller muss die Entsorgung übernehmen.

Das wird von Behörde und Bundeslands leider häufig unterschiedlich geregelt.