FAG Kugelfischer FH40F2

Begonnen von DG0MG, 27. Juli 2018, 12:27

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DG0MG

Da ist mir doch kürzlich ein FH40F2 der Firma FAG Kugelfischer zugelaufen.

Kalibriert bis 2001 und die Schrauben versiegelt.

Auf der Suche nach Informationen stößt man auf das russischsprachige Forum mit Fotos der Innereien (ich wollte mein Gerät nicht aufschrauben): http://forum.rhbz.org/topic.php?forum=66&topic=23

Eine Bedienungsanleitung gibts hier: [spoiler]https://archive.org/details/InstructionManualForThermoEberlineRadiacMeterFH40FSeries
[/spoiler]
oder hier:
[spoiler]https://de.scribd.com/document/382511368/Instruction-Manual-for-Thermo-Eberline-Radiac-Meter-FH40F-Series[/spoiler]

Es gibt aus der FH40Fxx-Serie noch weitere Geräte auf dem Surplus-Markt, aber man muss aufpassen, was man kauft - nicht alle Geräte sind gleichermaßen empfindlich. Der Hersteller unterscheidet in "Anzeigebereich" und "Messbereich". Dass ein Gerät also bei 3 µSv/h anfängt, anzuzeigen(!), ist noch nicht zwingend ein gutes Zeichen, denn der richtige Messbereich beginnt u.U. erst bei 200 µSv/h:


Gerät         Messbereich           Anzeigebereich       Zählrohr
FH40F1    3 µSv/h ... 1 Sv/h       3 µSv/h ... 999 mSv/h  ZP1310   <=== :(
FH40F2  0,5 µSv/h ... 9,9 mSv/h 0,01 µSv/h ... 9,99 mSv/h ZP1200   <=== :)

FH40F3    20 mR/h ... 99 R/h      300 µR/h ... 99,9 R/h   ZP1310
FH40F4    50 µR/h ... 990 mR/h                            ZP1200

FH40F-A 200 µSv/h ... 990 mSv/h    3 µSv/h ... 999 mSv/h     ?
FH40F-B   20 mR/h ... 99 R/h                                 ?
FH40F2M 0,5 µSv/h ... 9,9 mSv/h 0,01 µSv/h ... 9,99 mSv/h ZP1200   <=== :) (Variante fürs britische Militär)
         

Das FH40F2 mit dem empfindlicheren (größeren) Zählrohr und Anzeige in µSv/h hat aus dieser Serie also den größten "habenwollen"-Faktor.  :D




Wie man sieht, hat das Gerät an der linken Seite eine Buchse für eine extern anzuschließende Sonde. Leider habe ich keine Informationen über deren Belegung gefunden, so dass ich da selbst forschen musste.






Den passenden Stecker kann man vom örtlichen Vertreter der Firma Fischer Connectors für einen wahrlich fürstlichen Preis beziehen:
Die rot eingekringelte Nummer ist die Materialnummer und hat so für mich prima gepasst. (Enthält Steckerform, Pinanzahl, Kabeldurchmesser, Lötvariante, Abschirmung usw.)








Die Pins an der Buchse des Grundgerätes.
  • A0, A1, A2 sind 3 Bits (Eingänge), die L (verbunden mit GND) oder H (offen oder verbunden mit +5V) sein können
  • +5 V sind intern geschalten, sie sind nur verfügbar, wenn A0A1A2 nicht HHH ist.
  • /IMP ist der TTL-Eingang für die Impulse, meistens H, fallende Flanke nach GND.




Aber welche binäre Kombination von A0A1A2 bedeutet welche extern angeschlossene Sonde?

Wir können es einfach ausprobieren und schauen, wie das Display sich ändert:



A2A1A0 = HHH


A2A1A0 = HHL ==> "Counts per second!"


A2A1A0 = HLH


A2A1A0 = HLL


A2A1A0 = LHH


A2A1A0 = LHL


A2A1A0 = LLH


A2A1A0 = LLL



Wir sehen, dass NUR A2A1A0 = HHL das Display auf 'Counts per second' umschaltet, das ist der richtige Mode für uns, wenn wir nicht genau das Zählrohr haben, dass FAG in einer externen Sonde verbaut und dann darauf kalibriert hat.

                        | A0 | A1 | A2
------------------------+----+----+----
7 "Intern 0,3"          |    |    |   
6 "0,3"                 |    |    |  L
5 "Ext Gamma 0,3 µSv/h" |    |  L |   
4 "Ext Gamma 100 µSv/h" |    |  L |  L
3 "Ext Beta 0,3 s-1"    |  L |    |      <==  :sarcastic_hand:
2 "Ext Gamma 10 µSv/h"  |  L |    |  L
1 "Ext Gamma 1000 µSv/h"|  L |  L |   
0 "Ext Gamma 0,3 µSv/h" |  L |  L |  L



Damit hatte ich alle Informationen, um eine externe Gamma-Sonde mit einem SBM-19-Zählrohr und einer eigenen Hochspannungsversorgung zu bauen:




Wirklich klein geworden!   :)




Der Haltestock ist ein 'GoPro'-style Selfie-Stick (mit einem eigenen Thread).





"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

DL3HRT

Die Geräte der "FH 40 F" Serie waren bei Behörden, Feuerwehr, Polizei etc. sehr beliebt und verbreitet. Das ist auch darin begründet, dass sie vom BfS in die Liste der eichfähigen Geräte aufgenommen wurden. Man findet bei einer Internetsuche auch eine Reihe von wissenschaftlichen Dokumenten, bei denen das FH40F2 als Messgerät eingesetzt wurde. Ein Beispiel ist die Verwendung des Geräts bei Messungen während eines Castortransports (siehe http://www.castor.de/technik/transport/032001/transp0328.html).

Wie sieht es nun mit der Genauigkeit der Geräte aus? Das verwendete energiekompensierte Zählrohr vom Typ ZP1200 liefert ja nun bei normaler Umgebungsstrahlung keine überwältigende Zählrate. Es ist daher Aufgabe der Gerätefirmware, einen einigermaßen genauen und stabilen Messwert zu erzeugen.

Die angehängten Fotos sollen bei der Beantwortung dieser Frage helfen. Die Messwerte der Geräte stimmen gut überein. Während der Messung schwanken die Messwerte der einzelnen Geräte um ca. +/10%. Die Fotos sind daher nur eine Momentaufnahme zeigen aber immerhin, dass die Geräte untereinander gut vergleichbar sind.

Auch bei höherer Aktivität um ca. 10µSv/h gibt es keine größeren Abweichungen zwischen den einzelnen Geräten.

DG0MG

Ha! Gleich VIER!
Das ist wie bei jemand mit vielen Uhren: Der weiß nie genau, wie spät es ist.  ;D
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DL3HRT

Es gibt verschiedene Versionen der Geräte. Mir liegen Geräte mit der Firmwareversion V3.0 und V4.02 vor. Während Geräte mit V3.0 lediglich die Dosisleistung messen, kann bei Geräten mit V4.02 sowohl eine Alarmschwelle für die Dosisleistung als auch für die Dosis ausgewählt werden. Bei Überschreitung einer der beiden Schwellen wird akustischer Alarm ausgelöst.

Außerdem ist es bei V4.02 möglich, einen Zählmodus zu aktivieren. In diesem Modus werden anstelle von der Dosisleistung die gezählten Impulse angezeigt. In Abhängigkeit von der gemessenen Aktivität wird der Zählbetrieb nach einer automatisch vom Gerät festgelegten Zeit beendet und es wird die Dosisleistung angezeigt.

Da die Geräte und damit auch die EPROMs schon älter sind ist es angeraten, eine Sicherheitskopie des EPROM-Inhalts zu machen. In Geräten mit der Firmware V3.0 kommt ein NMC27C32 zum Einsatz und in den Geräten mit V4.02 wird ein NMC27C64 verwendet.

DL3HRT

#4
Ich habe eine Kurzbedienungsanleitung für das FH40F2 mit Firmwareversion V4.02 erstellt. Diese kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: [spoiler]Kurzbedienungsanleitung FH40F2[/spoiler]

Zur Erstellung der Anleitung standen drei Geräte mit folgenden Seriennummern zur Verfügung:

  • 004349
  • 005178
  • 006487
Ein Gerät mit der Seriennummer 002995 hat die Firmwareversion V3.0 und bietet die Möglichkeit der einstellbaren Alarmschwellen nicht. Gleiches gilt für das von DG0MG vorgestellte Gerät mit der Seriennummer 003059.

Die Bedienungsanleitung wird in nächster Zeit noch erweitert.Im Anhang zwei Fotos der Geräte mit Firmware V3.0 und V4.02.

DG0MG

Zitat von: DL3HRT am 22. September 2018, 11:05
Ein Gerät mit der Seriennummer 002995 hat die Firmwareversion V3.0 und bietet die Möglichkeit der einstellbaren Alarmschwellen nicht. Gleiches gilt für das von DG0MG vorgestellte Gerät mit der Seriennummer 003059.

Ja, das ist so.
Ich konnte bei meinem Gerät keine zusätzlichen Funktionen entdecken. Verwunderlich, dass ein eichfähiges Gerät mit Bauart-Zulassungsprüfzeichen (wer erteilt das eigentlich? Das BfS? Die PTB?) innerhalb der Produktion so sehr verändert wird, dass es neue, zusätzliche Funktionen bekommt.
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DG0MG

Erst "Frieseke & Höpfner", dann "FAG Kugelfischer", "Thermo Eberline ESM" und jetzt offenbar "Thermo Fisher Scientific". Die Firma aus Erlangen hat schon eine bewegte Geschichte hinter sich.
So kommt es wohl, dass das FH40F2, um das es hier geht, unter verschiedenen Firmennamen gebaut wurde.

Ich habe hier nun neuerdings ein Gerät mit der Seriennummer 9107, gelabelt mit "Thermo Eberline ESM" und der Firmwareversion 5.04.

Dieses konnte ich nun auch mal aufschrauben, da dazu keine Siegel zu brechen waren. Etwas enttäuscht hat mich das Innenleben ja schon: Zwei bastelmäßig über Festwiderstände gelötete Einstellregler, wilde und kurze Verdrahtung zur unteren Gehäusehälfte, freitragende Widerstände .. Irgendwie erscheint mir die Digitalplatine überlegter konstruiert.

Aber es funktioniert. Und das ist die Hauptsache.
Auf Grund der neueren Firmware jetzt auch mit Dosis- und Dosisleistungsalarm.

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DG0MG

Zitat von: DL3HRT am 22. September 2018, 11:05
Ich habe eine Kurzbedienungsanleitung für das FH40F2 mit Firmwareversion V4.02 erstellt. Diese kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: Kurzbedienungsanleitung FH40F2

Die konnte ich jetzt mal gebrauchen und überprüfen, danke dafür!

Es fehlt die Kombination "EIN" + "TON" im eingeschaltenen Zustand, die die maximale gemessene Dossisleistung seit dem Einschalten anzeigt - siehe Scan der rückseitigen Bedienungshilfe im Anhang. Vielleicht hat Deine Firmware diese Funktion ja noch nicht gehabt.

Folgende Ergänzungen würde ich machen:

  • Seitennummern einfügen
  • S. 2: "Die Bedienung ist etwas kritisch. Werden die Tasten nicht wirklich zeitgleich und vor allem kurz betätigt, so schaltet sich das Gerät oft aus oder es geht nur die Displaybeleuchtung an."
    Das konnte ich nicht feststellen. Evtl. anders formulieren?: "EIN" drücken, gedrückt halten, "LAMPE" kurz drücken und wieder loslassen, dann "EIN" loslassen.
  • S. 2: Funktion ergänzen: "EIN" + "TON" - Maximale Dosisleistung
  • S. 5: "Gesamtdosis zurücksetzen" ändern in "Gesamtdosis anzeigen/zurücksetzen", denn das Anzeigen dieser ist ja auch wichtig (auch wenn das durch langes LAMPE-Drücken auch geht). Wenn man in dem Vorgang zuletzt nicht die LAMPE drückt, wird der Wert nicht gelöscht. Er bleibt auch - wie zu Beginn der Anleitung erwähnt - nicht nur übers Ausschalten, sondern auch über einen Batteriewechsel hinweg erhalten, da eben im EEPROM gespeichert (hab ich probiert). Bei Schritt 4 "Beide loslassen" kann es auch zu Problemem kommen, denn es ist nicht egal, in welcher Reihenfolge man loslässt. Besser also: 4. "EIN" wieder loslassen, 5. "LAMPE" loslassen ==> Gesamtdosis wird angezeigt, 6. "LAMPE" nochmals drücken ==> Gesamtdosis wird zurückgesetzt.
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DL3HRT

Meine Bedienungsanleitung gilt für die Software V4.02. Bei dir ist es V5.04. Da gibt es sicher einige Veränderungen. Ich werde deine Angaben mit meinem Gerät prüfen und dann die Bedienungsanleitung erweitern.

DG0MG

Ich hab mal ne Merkhilfe gebastelt:

Die ersetzt zwar nicht die Bedienungsanleitung, hilft aber, wenn man das Grundkonzept kennt.
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DG0MG

#10
Ich hatte ja zu Beginn des Threads eine eigene Außensonde gebaut.

In diesem Dokument:

sind die Außensonden aufgelistet:



FHZ120A Niederdosis  0,01 µSv/h - 9,99 mSv/h
FHZ130A Hochdosis     100 µSv/h - 9,99 Sv/h
FHZ131  Unterwasser-    3 µSv/h - 0,99 Sv/h
FHZ310   sonden       100 µSv/h - 99,9 Sv/h
FHZ140  Endfenster  =< 9990 1/s
FHZ731  Pancake     =< 9990 1/s
FHZ173  Becher      =< 9990 1/s


Von der FHZ731 mit Pancake-'Rohr' gibts hier Fotos vom Innenleben: http://rhbz.pw/displayimage.php?album=529&pid=17520#top_display_media
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DG0MG

Offenbar hat es auch noch andere Ausführungen als FH40F1, FH40F2, FH40F3, FH40F4 gegeben. Gerade sah ich ein Foto eines FH40F-A.

Vorndrauf, direkt unter dem Display steht:

"Anzeigeber. 3 µSv/h ... 999 mSv/h"

Auf der Rückseite (über der Kurzbedienungsanleitung) steht:

Messbereich
FH40F-A 200 µSv/h ... 990 mSv/h
FH40F-B  20 mR/h ... 99 R/h

Das ist also ein Gerät, dass man nicht unbedingt haben möchte, wenn es ebenso, wie das X50 ZS, erst bei 3 µSv/h zu messen beginnt.
Man unterscheidet auch noch zwischen "Anzeigebereich" und "Messbereich" (3 µSv/h vs. 200 µSv/h!).

~ ~

Zum Vergleich: Beim FH40F2 lauten diese Angaben:

"Anzeigeber. 0,01 µSv/h ... 9,99 mSv/h"

Messbereich
FH40F2 0,5 µSv/h ... 9,9 mSv/h
FH40F4  50 µR/h ... 990 mR/h
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

DL3HRT

Aktuell werden wieder einige Geräte bei Ebay-UK angeboten: Link
Die genaue Typenbezeichnung lautet diesmal FH40F2M. Ich konnte nirgends herausfinden, wofür das "M" steht. Möglicherweise eine neuere Version?

DG0MG

Zitat von: DL3HRT am 28. Februar 2019, 09:21
Die genaue Typenbezeichnung lautet diesmal FH40F2M. [..] Möglicherweise eine neuere Version?

Oder "m" wie "modified"?
Es hat aber nicht das PTB-Symbol drauf. Entweder, weil das im Ausland eh keine Rolle spielt, oder weil etwas so verändert wurde, das diese Variante nicht mehr eichfähig ist?
Eine Seriennummer scheints auch nicht zu geben.
"Bling!": Irgendjemand Egales hat irgendetwas Egales getan! Schnell hingucken!

DL3HRT

Ein netter Nutzer von Ebay-Kleinanzeigen hat mir ein paar Informationen zu dem Gerät zukommen lassen.

Beim FH40F2M handelt es sich um die Variante für das britische Militär. Auf dem Batteriefachdeckel erkennt man die britische Eichmarke und an der rechte Gehäuseseite das dazugehörige Siegel. Die violette Marke ist vom britischen Beschaffungsamt.