Lebensmittelüberwachung Nuklearkatastrophen-Übung im Kreis Oldenburg – Was ist n

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Lebensmittelüberwachung Nuklearkatastrophen-Übung im Kreis Oldenburg – Was ist nach dem Fallout noch essbar?
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" Lebensmittelüberwachung Nuklearkatastrophen-Übung im Kreis Oldenburg – Was ist nach dem Fallout noch essbar?

In einer einwöchigen Übung simuliert das Veterinäramt des Landkreises Oldenburg die Probenentnahme bei Gemüse nach einer Nuklearkatastrophe. Was ist nach dem radioaktiven Fallout noch essbar?
Thorsten Konkel
09.10.2025, 18:27 Uhr

In der Gärtnerei von Peter Kluin (links) nimmt Lebensmittelkontrolleur Kai Thienel Blattgemüseproben. Die Solidarische Landwirtschaft am Landschulheimweg in Sandkrug ist nach einem fiktiven Reaktorunglück eine der Probenentnahmestätten der IMIS-Strahlenschutzübung.

    Das Veterinäramt des Landkreises Oldenburg übt eine Woche lang die Probenentnahme bei Gemüse nach simuliertem radioaktivem Fallout infolge einer Nuklearkatastrophe.
    Teil der bundesweiten IMIS-Übung: Täglich werden im Landkreis je zwei Kilogramm Gemüse von verschiedenen Feldern entnommen und beim LAVES Oldenburg auf Radioaktivität untersucht.
    Die jährliche Übung dient der Vorbereitung auf reale Ereignisse; die Überwachung der Umweltradioaktivität wird laufend fortgeführt, auch mit Proben von Geflügelfleisch, Getreide und Grünkohl.

Kreis Oldenburg/Sandkrug/Düngstrup/Hude - Das Szenario ist schockierend: Nuklearkatastrophe in Schweden – nach der Reaktorexplosion schwebt eine radioaktive Wolke bereits über dem Weser-Ems-Gebiet. Es kommt zum Fallout, radioaktivem Niederschlag. Wie hoch ist die Strahlenbelastung im Landkreis Oldenburg? Können Gemüse oder Milch noch verzehrt werden?

Wozu das Messsystem dient

Zum Glück ist all das nur die Grundlage der bundesweiten ,,IMIS-Übung" zur Überwachung der Umweltradioaktivität, an der in dieser Woche auch die Lebensmittelüberwachung vom Veterinäramts des Landkreises Oldenburg teilnimmt. ,,IMIS" ist das integrierte Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt vom Bundesamt für Strahlenschutz. Es wurde nach dem Reaktorunglück von 1986 in Tschernobyl eingeführt. Seitdem werden bundesweit und regelmäßig Umweltproben genommen und auf Radioaktivität untersucht. Bund und Länder arbeiten dabei eng zusammen.

Zivile Übung von aktueller Bedeutung

In der Übungswoche laufen die Probenentnahmen im ,,Intensivbetrieb", erläutert Veterinär Dr. Gero Leiner. Die Übung diene der Vorbereitung auf mögliche reale radiologische Ereignisse und solle sicherstellen, dass die Strahlenbelastung der Bevölkerung so gering wie möglich bleibt. Geübt werde jährlich routinemäßig.

Doch leider sei es so, dass ein solches Szenario an Aktualität gewonnen habe, sagt Leiner mit Blick auf die veränderte weltpolitische Lage. ,,Und deswegen ist es auch richtig, dass wir uns Gedanken darüber machen", betont er. Dabei stellt Leiner klar: ,,Die Übung ist eine zivile Angelegenheit und wird vom Veterinäramt in Zusammenarbeit mit dem LAVES in Oldenburg durchgeführt." Das LAVES ist die Behörde des Landes Niedersachsen, die für den Verbraucherschutz und die Lebensmittelsicherheit zuständig ist.
Bei einem Nuklearunfall würde sich Lebensmittelkontrolleur Kai Thienel in geeigneter Schutzkleidung zur Probenentnahme aufmachen. So reichen aber auch Gummistiefel und Handschuhe.

Strahlung bei Atomschlag höher

Die Strahlenbelastung beim Einsatz von Atomwaffen wäre um ein Vielfaches höher als bei einem jetzt geübten Vorgehen nach einem Reaktorunfall, bei dem Radioaktivität austritt. Rein messtechnisch würde man aber nicht anders vorgehen müssen.

In dieser Woche werden im Landkreis Oldenburg täglich je zwei Kilogramm Gemüse von wechselnden Gemüseanbaufeldern geschnitten, zum LAVES nach Oldenburg gebracht und ausgewertet. So ergibt sich den Behörden ein aktuelles Bild über die Gesamtlage eines radioaktiven Niederschlages, das wichtig für alle Entscheidungen in einer echten Krisen- oder Katastrophenlage wäre. Darunter auch, welche Lebensmittel noch verzehrbar wären. Ältere erinnern sich noch: Nach der Reaktorkatastrophe am 26. April 1986 in Tschernobyl standen lange Zeit auf deutschen Milchpackungen Becquerel-Werte für die Strahlenbelastung.

Wo Proben entnommen werden

Leiner: ,,Nach einem Voralarm am Freitag hatten wir Zeit, zu prüfen, wo im Landkreis aktuell Blattgemüse angebaut wird." Das sei besonders relevant, weil radioaktive Stoffe sich dort zu dieser Jahreszeit am ehesten ablagern würden.
Am frühen Mittwochmorgen war Lebensmittelkontrolleur Kai Thienel am Landschulheimweg in Sandkrug bei der Gärtnerei von Peter Kluin tätig. Auf einem Feld der drei Hektar großen Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) schnitt er Mangold. Im Ernstfall würde er dabei wohl entsprechende Schutzkleidung tragen.

Weitere Probenorte waren in dieser Woche unter anderem die SoLaWi in Grummersort (Gemeinde Hude) mit Porree und der Betrieb Debbeler in Düngstrup mit Spargel.

Dauerhafte Überwachung der Radioaktivität am Boden, in der Luft, in den Bundeswasserstraßen sowie in Nordsee und Ostsee sind eine der Lehren aus Tschernobyl. Auch nach der Übung geht es darum in Sachen Strahlenschutz weiter. ,,Routinemäßig werde ich in diesem Quartal noch Proben von Geflügelfleisch, Getreide und Grünkohl nehmen", blickt Kai Thienel voraus.

Konsequenz aus Tschernobyl-Unglück

Nach einem nuklearen oder radiologischen Ereignis – ein Unfall in einem Kernkraftwerk oder eine Atombombenexplosion –, gelangen radioaktive Stoffe in die Atmosphäre und werden durch Winde weiter verfrachtet. Regen oder Schnee waschen diese Stoffe aus und lagern sie auf dem Boden, auf Oberflächen von Pflanzen wie Gras, Obst oder Gemüse ab.

Beim Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 zeigte sich, dass die Vorbereitungen auf eine großräumige Kontamination der Umwelt nicht ausreichend waren. Das daraufhin installierte IMIS vernetzt rund 70 Institutionen (Bundesbehörden, Landesministerien und -behörden, Landesmessstellen etc.) mit hunderten Nutzern. Es dient einer schnellen Erfassung der radiologischen Lage in einer Notfallsituation. Um so Entscheidungen über Maßnahmen zum Schutz des Menschen und der Umwelt treffen zu können.
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Norbert