Lebensmittelüberwachung Nuklearkatastrophen-Übung im Kreis Oldenburg – Was ist n

Begonnen von NoLi, 13. Januar 2026, 19:01

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NoLi

Wird leider immer aktueller:

Lebensmittelüberwachung Nuklearkatastrophen-Übung im Kreis Oldenburg – Was ist nach dem Fallout noch essbar?
(https://www.nwzonline.de/oldenburg-kreis/nuklearkatastrophen-uebung-im-kreis-oldenburg-atomschlag-oder-reaktorunfall-was-nach-dem-fallout-noch-essbar-ist_a_4,2,2349100358.html)

" Lebensmittelüberwachung Nuklearkatastrophen-Übung im Kreis Oldenburg – Was ist nach dem Fallout noch essbar?

In einer einwöchigen Übung simuliert das Veterinäramt des Landkreises Oldenburg die Probenentnahme bei Gemüse nach einer Nuklearkatastrophe. Was ist nach dem radioaktiven Fallout noch essbar?
Thorsten Konkel
09.10.2025, 18:27 Uhr

In der Gärtnerei von Peter Kluin (links) nimmt Lebensmittelkontrolleur Kai Thienel Blattgemüseproben. Die Solidarische Landwirtschaft am Landschulheimweg in Sandkrug ist nach einem fiktiven Reaktorunglück eine der Probenentnahmestätten der IMIS-Strahlenschutzübung.

    Das Veterinäramt des Landkreises Oldenburg übt eine Woche lang die Probenentnahme bei Gemüse nach simuliertem radioaktivem Fallout infolge einer Nuklearkatastrophe.
    Teil der bundesweiten IMIS-Übung: Täglich werden im Landkreis je zwei Kilogramm Gemüse von verschiedenen Feldern entnommen und beim LAVES Oldenburg auf Radioaktivität untersucht.
    Die jährliche Übung dient der Vorbereitung auf reale Ereignisse; die Überwachung der Umweltradioaktivität wird laufend fortgeführt, auch mit Proben von Geflügelfleisch, Getreide und Grünkohl.

Kreis Oldenburg/Sandkrug/Düngstrup/Hude - Das Szenario ist schockierend: Nuklearkatastrophe in Schweden – nach der Reaktorexplosion schwebt eine radioaktive Wolke bereits über dem Weser-Ems-Gebiet. Es kommt zum Fallout, radioaktivem Niederschlag. Wie hoch ist die Strahlenbelastung im Landkreis Oldenburg? Können Gemüse oder Milch noch verzehrt werden?

Wozu das Messsystem dient

Zum Glück ist all das nur die Grundlage der bundesweiten ,,IMIS-Übung" zur Überwachung der Umweltradioaktivität, an der in dieser Woche auch die Lebensmittelüberwachung vom Veterinäramts des Landkreises Oldenburg teilnimmt. ,,IMIS" ist das integrierte Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt vom Bundesamt für Strahlenschutz. Es wurde nach dem Reaktorunglück von 1986 in Tschernobyl eingeführt. Seitdem werden bundesweit und regelmäßig Umweltproben genommen und auf Radioaktivität untersucht. Bund und Länder arbeiten dabei eng zusammen.

Zivile Übung von aktueller Bedeutung

In der Übungswoche laufen die Probenentnahmen im ,,Intensivbetrieb", erläutert Veterinär Dr. Gero Leiner. Die Übung diene der Vorbereitung auf mögliche reale radiologische Ereignisse und solle sicherstellen, dass die Strahlenbelastung der Bevölkerung so gering wie möglich bleibt. Geübt werde jährlich routinemäßig.

Doch leider sei es so, dass ein solches Szenario an Aktualität gewonnen habe, sagt Leiner mit Blick auf die veränderte weltpolitische Lage. ,,Und deswegen ist es auch richtig, dass wir uns Gedanken darüber machen", betont er. Dabei stellt Leiner klar: ,,Die Übung ist eine zivile Angelegenheit und wird vom Veterinäramt in Zusammenarbeit mit dem LAVES in Oldenburg durchgeführt." Das LAVES ist die Behörde des Landes Niedersachsen, die für den Verbraucherschutz und die Lebensmittelsicherheit zuständig ist.
Bei einem Nuklearunfall würde sich Lebensmittelkontrolleur Kai Thienel in geeigneter Schutzkleidung zur Probenentnahme aufmachen. So reichen aber auch Gummistiefel und Handschuhe.

Strahlung bei Atomschlag höher

Die Strahlenbelastung beim Einsatz von Atomwaffen wäre um ein Vielfaches höher als bei einem jetzt geübten Vorgehen nach einem Reaktorunfall, bei dem Radioaktivität austritt. Rein messtechnisch würde man aber nicht anders vorgehen müssen.

In dieser Woche werden im Landkreis Oldenburg täglich je zwei Kilogramm Gemüse von wechselnden Gemüseanbaufeldern geschnitten, zum LAVES nach Oldenburg gebracht und ausgewertet. So ergibt sich den Behörden ein aktuelles Bild über die Gesamtlage eines radioaktiven Niederschlages, das wichtig für alle Entscheidungen in einer echten Krisen- oder Katastrophenlage wäre. Darunter auch, welche Lebensmittel noch verzehrbar wären. Ältere erinnern sich noch: Nach der Reaktorkatastrophe am 26. April 1986 in Tschernobyl standen lange Zeit auf deutschen Milchpackungen Becquerel-Werte für die Strahlenbelastung.

Wo Proben entnommen werden

Leiner: ,,Nach einem Voralarm am Freitag hatten wir Zeit, zu prüfen, wo im Landkreis aktuell Blattgemüse angebaut wird." Das sei besonders relevant, weil radioaktive Stoffe sich dort zu dieser Jahreszeit am ehesten ablagern würden.
Am frühen Mittwochmorgen war Lebensmittelkontrolleur Kai Thienel am Landschulheimweg in Sandkrug bei der Gärtnerei von Peter Kluin tätig. Auf einem Feld der drei Hektar großen Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) schnitt er Mangold. Im Ernstfall würde er dabei wohl entsprechende Schutzkleidung tragen.

Weitere Probenorte waren in dieser Woche unter anderem die SoLaWi in Grummersort (Gemeinde Hude) mit Porree und der Betrieb Debbeler in Düngstrup mit Spargel.

Dauerhafte Überwachung der Radioaktivität am Boden, in der Luft, in den Bundeswasserstraßen sowie in Nordsee und Ostsee sind eine der Lehren aus Tschernobyl. Auch nach der Übung geht es darum in Sachen Strahlenschutz weiter. ,,Routinemäßig werde ich in diesem Quartal noch Proben von Geflügelfleisch, Getreide und Grünkohl nehmen", blickt Kai Thienel voraus.

Konsequenz aus Tschernobyl-Unglück

Nach einem nuklearen oder radiologischen Ereignis – ein Unfall in einem Kernkraftwerk oder eine Atombombenexplosion –, gelangen radioaktive Stoffe in die Atmosphäre und werden durch Winde weiter verfrachtet. Regen oder Schnee waschen diese Stoffe aus und lagern sie auf dem Boden, auf Oberflächen von Pflanzen wie Gras, Obst oder Gemüse ab.

Beim Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 zeigte sich, dass die Vorbereitungen auf eine großräumige Kontamination der Umwelt nicht ausreichend waren. Das daraufhin installierte IMIS vernetzt rund 70 Institutionen (Bundesbehörden, Landesministerien und -behörden, Landesmessstellen etc.) mit hunderten Nutzern. Es dient einer schnellen Erfassung der radiologischen Lage in einer Notfallsituation. Um so Entscheidungen über Maßnahmen zum Schutz des Menschen und der Umwelt treffen zu können.
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Norbert

dave_one

Interessanter Artikel, Norbert!

Zitat von: NoLi am 13. Januar 2026, 19:01Die Strahlenbelastung beim Einsatz von Atomwaffen wäre um ein Vielfaches höher als bei einem jetzt geübten Vorgehen nach einem Reaktorunfall, bei dem Radioaktivität austritt. Rein messtechnisch würde man aber nicht anders vorgehen müssen.

Stimmt der letzte Satz (meine Hervorhebung)? Würde nicht bei einem Atomwaffeneinsatz sowohl die hohe Hintergrundstrahlung als auch andere Isotope gerade die Alpha- und Betawerte verfälschen? Ganz abgesehen von der erhöhten Gefahr der Kontamination sowohl der Proben als auch der Testumgebung durch Fallout?
Und würden diese Messgeräte aufgrund der Strahlung Fehler anzeigen, oder ist das nur bei Dosimetern (Sättigung der GM-Zählrohre mit Anzeige zu geringer Werte) der Fall?

Ich frage mich, ob die heutigen zivilen Messgeräte für Lebensmittelkontrollen für den A-Fall überhaupt ausgelegt sind, da man ja diese Problematik in den letzten Jahrzehnten nicht gerade als prekär angesehen hat.

Grüsse, David

NoLi

Zitat von: dave_one am Gestern um 18:02
Zitat von: NoLi am 13. Januar 2026, 19:01Die Strahlenbelastung beim Einsatz von Atomwaffen wäre um ein Vielfaches höher als bei einem jetzt geübten Vorgehen nach einem Reaktorunfall, bei dem Radioaktivität austritt. Rein messtechnisch würde man aber nicht anders vorgehen müssen.

Stimmt der letzte Satz (meine Hervorhebung)? Würde nicht bei einem Atomwaffeneinsatz sowohl die hohe Hintergrundstrahlung als auch andere Isotope gerade die Alpha- und Betawerte verfälschen? Ganz abgesehen von der erhöhten Gefahr der Kontamination sowohl der Proben als auch der Testumgebung durch Fallout?
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Es kommt darauf an, wo man sich aufhält und wo die Fallout-Wolke hinzieht.

Auf Grund der Halb- beziehungsweise Zehntelwertszeit der Spaltprodukte wird man innerhalb der Zugbahn der Fallout-Wolke messtechnische Kompromisse eingehen müssen, zum Beispiel Aktivitätsbestimmung über Dosisleistungsmessung. Lebensmittel aus diesem Bereich werden aber sowieso gemieden oder nur in geringer Menge verzehrt werden, wenn es überhaupt nicht anders geht. Und Probenauswertungen sind hier nur in Bunkerräumen mit Eingangsdekontamination und den üblichen Detektorabschirmungen sinnvoll.
In den Randbereichen und abgewandten Bereichen der Fallout-Wolke wird eine Kontamination nicht so hoch werden, dass man mit den bisher üblichen Routine-Messmethoden in Schwierigkeiten kommt. Dies gilt auch für den globalen Fallout bei einem beschränkten Einsatz von Atomwaffen, wie die Erfahrungen aus den überirdischen Testreihen der 1950er und 1960er Jahren zeigten. So betrug die Beta-Kontamination in den Testreihen der frühen 1960er Jahren in Europa kurzzeitig (jeweils wenige Wochen) maximal nur einige Bq/cm², Regenwasserproben bis zu maximal ein paar kBq/l (durchschnittlich aber nur einige Bq/l bis zu einigen 10 Bq/l).

Was die Messgeräte und Dosimeter angeht, sind die Zivilschutz-/Katastrophenschutzgeräte so ausgelegt, dass sie mindestens 1 Sv/h Dosisleistung bzw. 10 Sv Dosis anzeigen können müssen, und eine 100-fache Überhöhung dieser Werte keinen Anzeigerückgang (Sättigung) auslösen darf. Dies gilt aber nur für professionelle Geräte! Wer für diesen Fall auch vorsorgen möchte, dem empfehle ich dringend, Geräte aus Militär- und Zivilschutz-/Katastrophenschutzbeständen oder Feuerwehrbeständen zu beschaffen. Dies können durchaus Surplus-Geräte sein, weil viele davon noch einwandfrei funktionieren und nur auf Grund von "Modellwechsel" ausgemustert wurden. Consumer-Geräte können in diesem Fall allenfalls in den Rand- und abgewandten Bereichen die Profi-Messtechnik in gewissem Maß ergänzen und unterstützen.

Norbert


privy

Zitat von: NoLi am 13. Januar 2026, 19:01Wird leider immer aktueller:
Ist es denn wirklich schon soweit?  >:(

Zitat von: NoLi am 13. Januar 2026, 19:01Dies können durchaus Surplus-Geräte sein, weil viele davon noch einwandfrei funktionieren und nur auf Grund von "Modellwechsel" ausgemustert wurden.

Welche wären zu empfehlen und wo bekommt man die dann günstig, wenn überhaupt?  :unknw:

NoLi

Zitat von: privy am Gestern um 19:54Ist es denn wirklich schon soweit?  >:(
Schau mal bloß in den Osten zum Putin und seinen Vasallen, insbesondere dem Außenminister Sergei Wiktorowitsch Lawrow, und dessen Äußerungen. Aber auch noch weiter östlicher wird es auch nicht sicherer, insbesondere mit den Atommächten China + Nordkorea. Aber auch der alte Cowboy im Westen lässt nichts Gutes erahnen, falls er zu stark gereizt wird.
Zumindest wird ein begrenzter Atomschlag mit den Folgen in den entsprechenden deutschen Behörden nicht mehr, wie in den letzten 30 Jahren, rigoros ausgeschlossen.

Zitat von: privy am Gestern um 19:54Welche wären zu empfehlen und wo bekommt man die dann günstig, wenn überhaupt?  :unknw:
Derzeit gibt es noch "Reste" des sehr robusten Zivilschutz-Dosisleistungsmessgerät GRAETZ X-50 ZS (bis 1 Sv/h) und des taktischen Alarmdosimeters FH42Z oder FH41F-M (bis 10 Sv) in den einschlägigen Auktionsplattformen.
Auch das analoge Zivilschutz-Dosisleistungsmessgerät AUTOMESS DL-Messer-6150 BUND ist sehr empfehlenswert, obwohl es "nur" bis 500 mSv/h geht. Als analoges ehemaliges Zivilschutz-Dosimeter das SEQ5 (0,5 Gy und 5 Sv) mit Ladegerät.

Militärische ehemalige Geräte der Bundeswehr wären für die Dosisleistung das SV-500 (aber Achtung, muß vollständig und möglichst geprüft sein!) und für die Dosis das Strahlendosimeter taktisch FH39 mit Ladegerät.

Norbert




privy

Danke Norbert für deine Hinweise und Empfehlungen. Hatte auch mit dem GRAETZ X-50 ZS geliebäugelt, mich dann aber zunächst für das AEGtest Radar-5633 entschieden ...

Bin und bleibe Optimist und hoffe das es nur nukleares Säbelrasseln ist.

NoLi

Zitat von: privy am Gestern um 21:14Danke Norbert für deine Hinweise und Empfehlungen. Hatte auch mit dem GRAETZ X-50 ZS geliebäugelt, mich dann aber zunächst für das AEGtest Radar-5633 entschieden ...
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BEIDE Gräte sind richtig und wichtig: das AEGtest RADAR-5633 für niedrige bis mittlerer Dosisleistungen (insbesondere unterhalb ca. 5 µSv/h), das GRAETZ X-50 ZS insbesondere für mittlere bis hohe Dosisleistungen (bis in den gefährlichen Bereich).

Norbert