radioaktive Zäpfchen zum einführen

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In der historischen Medizin des frühen 20. Jahrhunderts (1920er- und 1930er-Jahre) bildeten Leucagine, Réthragine und Rectagine eine logisch benannte Produktlinie der französischen Laboratoires Toraude,die speziell auf die verschiedenen Körperöffnungen abgestimmt war.

->  https://www.shp-asso.org/toraude2/

Alle drei Präparate gehörten zu den damals modernen, leicht radioaktiven oder antiseptischen Arzneimitteln (,,médications radifères"), unterschieden sich jedoch in ihrer Form und ihrem Anwendungsort.
Leucagine (abgeleitet von Leukorrhoe/ aus dem Griechischen: leukos = weiß, rhoia = Fluss) wurde als gynäkologischer Arzneistift (Crayon) zur Behandlung von vaginalem Ausfluss und Entzündungen eingesetzt.
Réthragine (abgeleitet von Urethra) war eine lange, dünne und flexible medizinische ,,Kerze" (Bougie), die in die Harnröhre eingeführt wurde, um Entzündungen wie Tripper zu behandeln oder Verengungen zu weiten.
Rectagine (abgeleitet von Rektum) war ein klassisches Zäpfchen (Suppositorien) welches rektal in den Mastdarm eingebracht wurde, um dort lokale Leiden wie Hämorrhoiden, Analfissuren oder Schleimhautentzündungen zu lindern.

Leucagine gab es mit 1 µg Radiumbromid= 21,4 kBq, 5 µg =107,1 kBq und 10 µg =214,3 kBq. Zum öffnen der in einer Glasampulle gelieferten Stifte musste man wie damals üblich das Glasröhrchen mit einer Feile anritzen und brechen. In der Anleitung ist rechts der "Crayon" in Originalgrösse abgedruckt was ca. 54mm Länge entspricht

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die Anleitung sogar auf gestrichenem Papier:

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Geschichte der Laboratorien L.-G. TORAUDE

Durch eine Reihe von Zufällen wählte Herr L.-G. TORAUDE das Gebäude an der Place de la Sorbonne (Nr. 2 und 4) als Sitz seiner Laboratorien; dessen Bewohner waren seit 1860 mehr oder weniger eng mit der Geschichte der Pharmazie verbunden.
Zunächst verlegte FONTAINE – Nachfolger der Wissenschaftler ROBIQUET und PELLETIER – sein Unternehmen für chemische Produkte dorthin. Im Jahr 1869 folgten ihm die hervorragenden Chemiker BILLAULT und BILLAUDOT nach, nachdem der Sohn FONTAINES in seinen eigenen Geschäftsräumen durch die Explosion von Kaliumpikrat ums Leben gekommen war; dieses war angeliefert worden, um nach Toulon verschickt und dort für Versuche mit Unterwassertorpedos verwendet zu werden.

Die Laboratorien TORAUDE vertreiben heute – in Zusammenarbeit mit dem Haus BILLAULT – die verschiedenen von SAZERAC und LEVADITI entdeckten Wismutpräparate (Trépol, Néo-Trépol, Trépo-quinol) sowie die gesamte Reihe der weltweit bekannten Radiumpräparate für die bakterizide und radioaktive Behandlung (Bougies Réthragine, Crayons und Ovules Leucagine) usw.

Apotheker können dort zudem für ihren Berufsstand wichtige Fachwerke beziehen, darunter: 1. ,,Notions pratiques de pharmacie" (Praktische Grundlagen der Pharmazie) für Studenten, Apothekenpraktikanten und approbierte Apotheker (Band im Format ,,In-4° raisin", 424 Seiten, von Em. DUFAU und L.-G. TORAUDE); 2. Das in allen Apotheken gebräuchliche Bestandsbuch für die in Tabelle B aufgeführten Giftstoffe. Schließlich finden Interessenten für das Thema Radium bei den Laboratoires TORAUDE das Gerät ,,Toradon" – ein Solenoid zur Erzeugung von Radiumemanation für die Radioaktivierung von Flüssigkeiten – sowie alle Informationen zu diesem Gerät.
SOCIÉTÉ D'HISTOIRE DE LA PHARMACIE, 1929. (Alle Rechte vorbehalten.)
übersetzt aus: https://www.persee.fr/doc/pharm_0995-838x_1929_num_17_66_11608