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#21
Zitat von: NoLi am 01. Mai 2026, 15:30Da der RC-ZERO nicht spekrometriefähig ist, werden diese niedrigeren Photonenenergien hier vermutlich nicht separat kompensiert und führen dadurch zu einer überhöhten Anzeige der Gesamtspektrum-Dosisleistungsanzeige (der gleiche Effekt wie bei unkompensierten "nackten" Geiger-Müller-Zählrohren).

Auf der Website von RadiaCode steht "Im Bereich von 30 bis 100 keV können die Messwerte aufgrund der Eigenschaften des Energieansprechens von den tatsächlichen Werten abweichen."

Jetzt wäre es doch interessant, wie groß diese Abweichung beim RC-Zero ist.
#22
Ein ganz einfacher Versuch zeigt die unterschiedliche Umrechnung des RC101 von CPS zu µSv/h.
Nach Datenblatt wird bei Cs137 ein Faktor von 30 CPS / µSv/h angegeben. Eigene Messungen haben 33 CPS / µSv/h gezeigt.
Jetzt mit einem Am241 Strahler den Versuch wiederholen.
Bei mir 177 CPS => 0,423 µSv/h +/- 1,9% , ergibt 418 CPS / µSv/h.

Noch Fragen  :)
Peter
#23
Ich kann mir vorstellen, dass die Dosisleistungs-Anzeigendifferenz zwischen RC-1XX und RC-ZERO in der Spektrometriefähigkeit zu finden ist.
Leider ist noch nicht bekannt, wie Radiacode die Energiekompensation der spektrometriefähigen Geräten realisiert hat...möglicherweise ist die Überempfindlichkeit bei niedrigen Photonenenergien mit einem separaten Kalibrierfaktor versehen und dadurch kompensiert.
Da der RC-ZERO nicht spektrometriefähig ist, werden diese niedrigeren Photonenenergien hier vermutlich nicht separat kompensiert und führen dadurch zu einer überhöhten Anzeige der Gesamtspektrum-Dosisleistungsanzeige (der gleiche Effekt wie bei unkompensierten "nackten" Geiger-Müller-Zählrohren).

Norbert
#24
Zitat von: hg1978 am 01. Mai 2026, 10:49|Gerät  |Wert      |Einordnung                                                    |
|-------|----------|---------------------------------------------------------------|
|RC-102 |0,08 µSv/h|✅ Völlig normal – unteres Ende des Frankfurter Referenzbereichs|
|RC-Zero|0,17 µSv/h|⚠️ Leicht erhöht gegenüber ODL-Referenz – aber erklärbar (s.o.) |

Was meint ihr dazu?

Solche Messwerte kann ich insofern bestätigen, als dass mein neuer RC Zero im ODL-Bereich durchweg rund 100% über dem RC 103G liegt, im EInzelfall sogar über +200%, alle Werte in Mikrosievert/h:

RC Zero        RC 103G        GMC 500+
0,22        0,10
0,22        0,11        0,17
0,24        0,11
0,14        0,09
0,17        0,09
0,21        0,06

Ich gehe jedoch davon aus, dass diese Differenz nicht linear ansteigt, sondern sich bei steigender DL schnell annähert.

Der Wert eines GM-Gerätes (GQ GMC 500+) liegt beim einmaligen Versuch interessanterweise ziemlich mittig dazwischen.

Ich hatte mich schon gewundert, jedoch noch keine Zeit gefunden, mich näher damit zu beschäftigen.

VG

ZE
#25
Moin! Habe mal meinen 102 und den Zero mit einer 15 min draußen Messung verglichen Zero in Grau, 102 Schwarz.

Ich habe Claude mal die Ergebnisse interpretieren lassen...  :)

Vergleichsmessung: Radiacode 102 vs. Radiacode Zero – Draußen, ca. 15 Minuten, Rhein-Main
                   
Beide Geräte wurden gleichzeitig, draußen, an gleicher Position gemessen (~15 min Stabilisierungszeit).

Messwerte im Überblick
Bild 1 – µSv/h-Modus:

|Gerät  |Anzeige      |Fehlerangabe  |
|-------|--------------|--------------|
|RC-102 |**0,08 µSv/h**|±17 %        |
|RC-Zero|**0,17 µSv/h**||

Bild 2 – CPS-Modus:

|Gerät  |Anzeige    |Fehlerangabe  |
|-------|------------|--------------|
|RC-102 |**6,49 CPS**|±4,8 %        |
|RC-Zero|**1,24 CPS**||

Technische Analyse
1. CPS-Diskrepanz: Warum so viel weniger beim Zero?
Der Radiacode Zero verwendet einen Plastik-Szintillator kombiniert mit einem SiPM. Der RC-102 dagegen setzt auf CsI(Tl) mit einer Empfindlichkeit von 30 CPS = 1 µSv/h (für Cs-137).

Das erklärt den großen CPS-Unterschied (6,49 vs. 1,24): Plastik-Szintillatoren bestehen aus leichten Elementen (C, H) und interagieren mit Gammastrahlung hauptsächlich über Compton-Streuung – ohne den effizienten Photoeffekt, der bei CsI(Tl) durch das schwere Jod dominiert. Resultat: weit weniger Counts pro µSv/h beim Zero als beim RC-102. Das ist konstruktionsbedingt, kein Fehler.

2. µSv/h-Diskrepanz: Faktor ~2 zwischen den Geräten
Hier liegt die eigentliche Auffälligkeit. Der RC-Zero zeigt 0,17 µSv/h, der RC-102 0,08 µSv/h – also etwa doppelt so viel.
Mögliche Ursachen:
    •    Gewebsäquivalenz des Plastikszintillators: Radiacode gibt an, dass der Plastik-Szintillator gewebsäquivalent ist und direkte Dosismessungen liefert.  Das bedeutet, er reagiert anders auf das natürliche Strahlenspektrum als CsI(Tl), insbesondere auf Beta-Strahlung und niederenergetische Gammastrahlung (Radon-Töchter wie Pb-214, Bi-214), die der RC-102 teilweise herausfiltert. Der Zero könnte Beta-Anteile miterfassen, die der RC-102 ignoriert.
    •    Kalibrierungsprinzip: Der Zero wurde für Extremsituationen entwickelt, in denen Strahlungsniveaus den Hintergrund um Größenordnungen übersteigen können.  Ob die Kalibrierung im sub-µSv/h-Bereich auf gleichem Niveau wie beim RC-102 liegt, ist aus den Herstellerunterlagen nicht eindeutig ersichtlich – das wäre ein wichtiger Vorbehalt.
    •    Statistische Unsicherheit beim Zero: 1,24 CPS ist eine sehr niedrige Zählrate für ein auf Hochdosis optimiertes Gerät. Bei dieser Rate ist die relative Poisson-Unsicherheit hoch (~28 % für 16 Ereignisse pro 10 Sek.). Die angezeigte µSv/h-Zahl im niedrigen Hintergrundbereich ist daher weniger präzise.

3. Fehlerangaben: ±17 % vs. ±4,8 %
Dass der RC-102 im µSv/h-Modus ±17 % zeigt, aber im CPS-Modus nur ±4,8 %, ist kein Widerspruch – es liegt an unterschiedlichen Mittelungsalgorithmen. Die µSv/h-Berechnung aus dem Spektrum braucht längere Integrationszeit für statistische Stabilität; kurzfristig ist die reine Zählrate stabiler. Beide Werte sind plausibel und kein Anzeichen für ein Problem.

Vergleich mit dem BfS-ODL-Messnetz (Frankfurt)
Eine Dosisleistung von 0,1 µSv/h entspricht einer typischerweise gemessenen natürlichen Dosisleistung, die zu einer Gesamtdosis von ca. 1 Millisievert pro Jahr führen würde.
Die Ortsdosisleistung ist an einem Ort weitgehend konstant; kurzfristig können jedoch insbesondere Regen, Schnee und Wind Einfluss auf die Messdaten nehmen.
Für Frankfurt am Main / Rhein-Main sind typische ODL-Werte 0,07–0,11 µSv/h (die genauen Tageswerte sind über https://odlinfo.bfs.de jederzeit abrufbar). Damit eingeordnet:



|Gerät  |Wert      |Einordnung                                                    |
|-------|----------|---------------------------------------------------------------|
|RC-102 |0,08 µSv/h|✅ Völlig normal – unteres Ende des Frankfurter Referenzbereichs|
|RC-Zero|0,17 µSv/h|⚠️ Leicht erhöht gegenüber ODL-Referenz – aber erklärbar (s.o.) |

Der RC-102-Wert ist plausibel und im Einklang mit dem BfS-ODL-Netz. Der RC-Zero-Wert liegt außerhalb des ODL-Normalbereichs – dies ist jedoch wahrscheinlich kein Messfehler, sondern Ausdruck der anderen Detektorphysik (Beta-Sensitivität, Kalibrierungscharakteristik).

Was meint ihr dazu?

Das letzte Bild ist mit "Energiekompensation-Light" bei mir im Haus. Da nähern sich die Werte.

P.S. Mir ist auch aufgefallen, dass mein 102 seit dem Firmware Update auf 4.14 noch konservativer misst. Mit der vorherigen Firmware hatte ich immer um 0,12 mikrosievert. Oder ich täusche mich und die Wetterlage macht den Unterschied.

Ich lese mich gerade ein... Hab alle drei Bücher ,,Man nehme einen Geigerzähler" ergattert. Wobei Band drei fast ausreicht.

Gruß!
#26
Termine und Veranstaltungen / Aw: 27.06.2026 Tag der offenen...
Letzter Beitrag von DG0MG - 01. Mai 2026, 10:41
Zitat von: Radiohörer am 01. Mai 2026, 10:25wäre am 25.06. abends die Lange Nacht der Wissenschaften

Ich lese da den 26.6., also den Freitag raus?
#27
Termine und Veranstaltungen / Aw: 27.06.2026 Tag der offenen...
Letzter Beitrag von Radiohörer - 01. Mai 2026, 10:25
...falls Ihr sowieso in der Gegend seid, wie ich, wäre am (edit) 26.06. abends die Lange Nacht der Wissenschaften: https://www.wissenschaftsnacht-dresden.de/ueber-die-lndw
mit 3 Führungen zum Ausbildungskernreaktor AKR-2:
https://www.wissenschaftsnacht-dresden.de/programm/detailansicht/der-ausbildungskernreaktor-akr-2-in-lehre-und-forschung-14678
edit --> Steffen hat Recht...
#28
Hallo,

mit InterSpec war es recht einfach die Koeffizienten für den RadiaCode neu zu bestimmen. Dazu müssen allerdings die Daten aus der RadiaCode-Software exportiert und in InterSpec importiert werden.

In die, aus der RadiaCode-Software, exportierten xml-Dateien kann man auch mit dem Editor reinschauen und die Koeffizienten lassen sich so auch finden.

Beim experimentieren mit verschiedenen Koeffizienten entstand bei mir der Eindruck, das die Werte der "DataPoint"s unabhängig von den Koeffizienten sind, also von der Hardware in die Chanels/Slots/Bins einsortiert werden. Die Koeffizienten legen also "nur" die Skalierung der Achsen für die grafische Darstellung im Spektrum fest.

Ich hatte bei meinen Versuchen aber nur die Spektren im Blick, hab mir also die Auswirkung auf die Anzeigewerte nicht angeschaut.

Ich hab ein 103G.

Gruß Andreas
#29
Wenn Du das Gerät nicht zur Identifizierung von (exotischen) Radionukliden nutzt, ist eine nachträgliche Energiekalibrierung vermutlich nie notwendig. Wobei es nicht schaden kann, sich damit zu beschäftigen und entsprechende Kalibrierpräparate anzuschaffen. Da gibt es im Forum schon genügend Beispiele, von Th-232 bis Ra-226, was sich in zahlreichen Vintage-Gegenständen oder auch Mineralien findet.
#30
Objekte und Stoffe / Aw: radioaktive Röhren
Letzter Beitrag von Lennart - 01. Mai 2026, 00:04
Ich habe mir neulich eine ATR-Radarröhre der "English Electric Valve Company" gekauft, heute unter dem Namen "Teledyne e2v" bekannt. An der Röhre konnte ich bisher nichts messen, aber der Kaufgrund war hauptsächlich die beiliegende Dokumentation. Dort sind einige Absätze recht interessant, auch in Bezug auf BeO-Keramiken.

Hier mal die Sicherheitshinweise, Stand August 1979

Edit: die wichtigen Infos sind auf Seite 2...