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#31
amerikanische Strahlenmessgeräte (US) / Aw: AlphaHound
Letzter Beitrag von Harald der Strahler - 30. Dezember 2025, 22:19
...hier noch zwei schnelle Spektren von blauem Apatit (thoriumhaltig). Ohne Bleiburg auf dem Schreibtisch aufgenommen. Die durchschnittliche Zählrate lag beim RC 103 bei ca. 25,5 CPS und beim Alphahound bei ca. 20,5 CPS, gleiche Messgeometrie, 1,5mm Messingblech zur Minderung der Betastrahlung.
Eine zeitliche Skalierung war leider nicht möglich, da Alphaview (Online-Tool) so wie es aussieht nicht die Zeit in der CSV-Datei speichert. (Darauf hatte ich mich eigentlich verlassen und daher nicht die Zeit gestoppt.)
Ich habe daher die beiden Spektren auf die gleiche Gesamtzählrate normiert (Schieberegler in Interspec). 
Was man sehen kann: Der BGO-Kristall (schwarzer Graph) zeigt im höheren Energiebereich einen höheren relativen Anteil an Ereignissen. Der RC 103 (grüner Graph) ist im Niederenergiebereich empfindlicher.
#32
Strahlenschutz / Aw: Citizen Science Strahlungs...
Letzter Beitrag von NoLi - 30. Dezember 2025, 21:54
Fast ein Jahr für diesen Thread vergangen, hier habe ich Infos über ein Citizen Science Projekt Radioaktivität in unserem Nachbarland Frankreich gefunden. Offenbar existiert dieses Projekt schon einige Jahre.

https://www.openradiation.org/en

OpenRadiation: Eine Gemeinschaft, die sich für partizipative Wissenschaft einsetzt!
https://www.openradiation.org/fr/actualites/openradiation-une-communaute-engagee-pour-la-science-participative
(Google-Übersetzer benutzen)

OpenRadiation : Radioaktivität selbst messen !
https://www.planete-sciences.org/enviro/sciences-participatives/openradiation-mesurez-vous-meme-la-radioactivite?lang=fr

Citizen Science und Radioaktivitätsmessung: OpenRadiation stärkt seine europäische Präsenz
https://www.openradiation.org/en/news/citizen-science-and-radioactivity-measurement-openradiation-strengthens-its-european-presence
Ist euch eine Präsenzadresse o.ä. für Deutschland bekannt?

Norbert




#33
Lebensmittel / Aw: Pottasche: Katastrophensch...
Letzter Beitrag von opengeiger.de - 30. Dezember 2025, 21:42
@NoLi : Tausend Dank für die umfangreiche und kompetente Antwort! :good: Es ist schon beeindruckend welches Detailwissen Du zu den vielen unterschiedlichen Messgeräten hast! Wenn ich Deinen Post richtig verstehe, sagst Du, dass für die Pancake-Zählrohr basierten Geräte das Verhältnis der Zähleffizienz Gamma/Beta für die Energien > 150keV sehr klein (etwa 0,1/20) und für die Szintillator-basierten Geräte klein (etwa 0.5 ... 1,2 / 25 ... 45) ist.   

Diese Zahlen von den Herstellern zu bekommen ist sehr schwer (zumindest, wenn man nichts kauft) und im Internet habe ich bisher dazu ebenfalls nur sehr wenig Angaben gefunden. Das Einzige was dann bleibt sind Experimente, die natürlich im Hobbybereich durch die Reglementierungen ebenfalls stark eingeschränkt sind.

Aber es wäre spannend, die Werte, die Du vermutlich auf Grund Deiner beruflichen Tätigkeit irgendwann von den Herstellern bekommen hast, auch mal wirklich in der Praxis nachzuprüfen. Von der Physik her nämlich sind meine Zweifel immer noch nicht ganz ausgeräumt. Aber in der Community gibt es ja vielleicht Leute, die einen Kontaminationsmonitor mit Szintillatorfolie besitzen und Leute mit Pancake Zählern wie Inspector / Ranger/ GQ GMC-600+ gibt es ja ganz sicher einige.

Wie müsste man denn ein Experiment gestalten um hier ein Gefühl zu bekommen in welchem Verhältnis die Gamma-/Beta Effizienz bei zulässigen Quellen liegt? Könnte man z.B. die Beta-Strahlung mit Alublech abschirmen und den Rückgang der Zählrate für verschiedene Quellen mit unterschiedlichem Beta- /Gamma-Intensitäten anschauen? Wie müsste man dann die Abschätzung des Gamma-/Beta-Effizienzverhältnisses z.B. für Pottasche, Lu2O3 oder für eine alte alte Sparkgap-Röhre rechnen? Kannst Du uns da Tipps geben? Wer hat denn so ein Gerät und könnte einen solchen Vergleich machen?  :)
#34
amerikanische Strahlenmessgeräte (US) / Aw: AlphaHound
Letzter Beitrag von Harald der Strahler - 30. Dezember 2025, 19:39
Zitat von: miles_teg am 09. November 2025, 18:45Ich habe heute versucht meinen AB+G von 2.6 auf 2.9.2 zu updaten und wieder eine kleine Odyssey durch.
Beim AB+ hatte ich ja auf meinem Hauptrechner (damals Windows 11, Ryzen 9 5900, 32 Gbyte RAM) schon Probleme. Das update lief nicht durch und das Gerät sprang nicht wieder an.
Ohne mich genau erinnern zu können, habe ich es damals dann wohl auf meinem alten Arbeits-Laptop probiert (auch Win10, alter Core i7 7700, 16 Gbyte) und da lief es auf Anhieb.
Diesmal das gleiche Spiel. Auf dem Desktop (inzwischen Win 11) lief das Update nicht durch, keine Veränderung nach ca 30 min. Also schweren Herzens das Kabel abgezogen und natürlich wieder das gleiche Ergebnis: Gerät startet nicht mehr.  :-\
Der alte Arbeits-Laptop ist inzwischen eingemottet und beim neuen (Win 11, Core i9 14900, 32 Gbyte) das gleiche Spiel. Ich habe dann andere Kabel ausprobiert, sowie den Updater als Admin laufen lassen. Keine Änderung.
Also schon eine E-Mail an Nick geschrieben, vor dem Abschicken aber noch mal den Reise-Laptop (auch Win11, Ryzen 5 5600, 8 Gbyte) ausprobiert. Und siehe da, es klappt auf Anhieb.
Ich habe dann doch noch an Nick geschrieben und er meinte das es 3rd party Software gibt (LightBurn, Samsung Magician) die irgendwie mit Zugriffen auf USB interferieren. Samsung Magician habe ich auf dem Desktop tatsächlich installiert, aber es läuft nicht im Hintergrund-
Das nur hier als Information, sollte jemand das gleiche Problem haben.

Habe gerade auch das Update durchgeführt. Bei mir ist es ein anderes Problem...
Ich habe GDATA als Virensoftware. Alle Produkte von Radview werden grundsätzlich von GDATA als Schadsoftware in die Quarantäne geschoben. Habe die Updater-Datei (Version 1) damals zu GDATA geschickt und gebeten sie auf die White-List zu setzen. Jetzt kam die Updater-Datei (Version 2) heraus und es war wieder das Gleiche...  >:(
Auf meinem PC habe ich mich immer nur als "Benutzer" laufen und nicht als "Admin". Normalerweise kann man auch als "Benutzer" ein Programm installieren, wenn man es als Admin ausführt. Beim Updater von Radview funktioniert das bei mir nicht. Ich muss wirklich als "Admin" mich anmelden, dann hat es auch funktioniert.
#35
amerikanische Strahlenmessgeräte (US) / Aw: AlphaHound
Letzter Beitrag von Harald der Strahler - 30. Dezember 2025, 19:16
Zitat von: dave_one am 29. Dezember 2025, 17:06Hallo! :hi:
Sehe, dass die neuen AlphaHound nun mit CsI(TI) statt BGO Kristall geliefert werden. Diese sind laut Website grösser, sensibler und bieten eine bessere Auflösung. Warum wurden sie nicht ursprünglich verwendet, zu teuer? Gibt es andere Nachteile?

Die BGO-Kristalle haben gewisse Vorteile. Sie sind nicht hygroskopisch. Man muss sie also nicht so aufwendig verkapseln um sie gegen Feuchtigkeit zu schützen. Die BGO-Kristalle haben auch eine höhere Dichte als CsI-Kristalle, d.h. Gammas mit höheren Energien werden im Kristall eher gestoppt und deponieren ihre Energie besser. Theoretisch müssten dann die Gammaspektren bei höheren Energien eine höhere Aussagekraft besitzen. Ein weiterer Punkt ist, dass BGO-Kristalle bei höheren Zählraten schneller sind als CsI-Kristalle und daher diesen überlegen. CsI-Kristalle leuchten bei hohen Zählraten nach.
Die Frage ist aber, ob diese Vorteile des BGO-Kristalls im Alphahound für den Nutzer im Hobbybereich wichtig sind. Ich sehe die Stärke des Alphahound nicht unbedingt darin, tolle Spektren in der Bleiburg zu erstellen. Seine Stärken liegen in der Kompaktheit, in der Separation der Strahlungsarten - man erkennt sofort die Komponenten. Er eignet sich daher sehr gut Kontaminationen von Oberflächen schnell zu prüfen (Hobbybereich). Dazu zeigt es noch die Dosisleistung an. Ich denke daher, dass die meisten Käufer einen größeren CsI-Kristall (höhere Empfindlichkeit) dem BGO-Kristall vorziehen.

 
#36
Grundlagenwissen / Aw: Röntgenstrahlung hausgemac...
Letzter Beitrag von NoLi - 30. Dezember 2025, 17:09
Zitat von: nestade am 29. Dezember 2025, 23:32...
Er misst ja auch nur geringe Dosisleistungen - wenn man das mit einer Vakuumröhre macht, kommt man da schon auf beachtliche Werte (wobei hier auch die Beschleunigungsspannung relevant sein dürfte, damit die Energie der Röntgenstrahlung nicht unterhalb des messbaren Bereichs des Messgeräts ist).
...
Die Geräte von GQ GMC-XXX haben seit ein paar Jahren als Zählrohr das M4011/J321 mit einem Glaswandflächengewicht von 500 mg/cm²...damit kann man Photonenenergien unterhalb ca. 20 - 30 keV (entspricht ca. 25 - 35 kV Beschleunigungsspannung) nicht nachweisen!!
Der Gamma-Scout ist zwar in der Lage, Photonen ab ca. 8 keV durch sein Mica-Fenster nachzuweisen, wenn er aber wegen Schutz vor elektromagnetischen Störeinflüssen in eine Metallschachtel gelegt wird, schirmt diese niederenergetische Strahlung ab, so dass auch hier unterhalb von mindestens 30 keV nichts mehr nachzuweisen sein wird!

Das Röntgenspektrum weist aber keine diskrete Energielinie, entsprechend der Beschleunigungsspannung, auf, sondern ein Spektren-Kontinuum mit sehr hohen Intensitäten im deutlich niederenergetischeren Bereich als die mögliche Maximalenergie. Daher können hier gefährlich hohe Strahlungsintensitäten auftreten, welche vor allem auf Augen und Haut in ganz kurzer Zeit gefährlich hohe Dosiswerte applizieren! Und der Geigerzähler wird so gut wie nichts anzeigen!
Daher Finger weg von solchen "Experimenten"!!!

Norbert
#37
Grundlagenwissen / Aw: Röntgenstrahlung hausgemac...
Letzter Beitrag von Radioquant98 - 30. Dezember 2025, 16:31
Mal ganz kurz. Die Kathode sendet die Elektronen aus. Diese treffen auf die Anode wo die Bremsstrahlung entsteht.
Nun sendet die Kathode bei genügend hoher Spannung auch schon im kalten Zustand welche aus, aber viel weniger als im heißen Zustand.

Bremsstrahlung entsteht nicht nur im Vakuum. Die Elektronen werden nur weniger schon vorher abgebremst , wodurch es Verluste durch Ionisierung des Gases gibt.

Das mit der Glühlampe funktioniert deshalb so gut, weil er Glühlampen mit Vakuum verwendet hat. Glühlampen unter 15W sind meist mit Vakuum, haben also keine Gasfüllung.

Viele Grüße
Bernd
#38
Lebensmittel / Aw: Pottasche: Katastrophensch...
Letzter Beitrag von Peter-1 - 30. Dezember 2025, 15:59
Danke Norbbert,

dann liege ich mit meiner Messung ( nur Gamma ) mit dem 2" NaI-Kristall mit
51,5 - 56,9 Bq garnicht so falsch.

Guten Rutsch
Peter
#39
Lebensmittel / Aw: Pottasche: Katastrophensch...
Letzter Beitrag von NoLi - 30. Dezember 2025, 14:42
Moin Peter.

Der Beta-Anteil liegt bei 89,5 %, somit beträgt die Beta-"Aktivität" der Pottasche pro Gramm 15,99 s^-1.
Der Gamma-Anteil liegt bei 10,5 %, somit beträgt die Gamma-"Aktivität" der Pottasche pro Gramm 1,88 s^-1.

Für das 30g-Tütchen von Müllers wären dies Beta 480 s^-1, Gamma 56,3 s^-1 .

Norbert
#40
Lebensmittel / Aw: Pottasche: Katastrophensch...
Letzter Beitrag von NoLi - 30. Dezember 2025, 14:33
Moin Bernd.

Zitat von: opengeiger.de am 30. Dezember 2025, 09:37...
400 Bq/cm² deswegen, weil das im Katastrophenfall laut Innenministerkonferenz von 2014 einen Kontaminationsgrenzwert für Personen darstellt, ab dem man eine Notfallbehandlung anwenden müsste (ich hoffe ich habe das so richtig wiedergegeben).
...
Das war zu Beginn dieses Thread noch der Fall, doch mittlerweile hat man mit der seit August 2023 gültigen Allgemeine Verwaltungsvorschrift für einen Allgemeinen Notfallplan des Bundes nach § 98 des Strahlenschutzgesetzes (ANoPl-Bund) diesen Wert auf 100 Bq/cm² für Personen und Sachgüter herabgesetzt. Dies wurde bei den in den letzten Wochen dargestellten Geräten mit Messung an der Pottasche und Hochrechnung des Ergebnisses bereits berücksichtigt.


Zu den Kontaminationsmessgeräten, auch denen mit Pancake-Detektor.
- Die Gamma-Empfindlichkeit (Efficiency) eines Pancake-GM-Detektors mit Mica-Fenster ist für Photonenenergien > 150 keV recht bescheiden und liegt bei ca 0,1 %, während die Beta-Empfindlichkeit um die 20 % beträgt. Unterhalb 150 keV Photonen steigt die Gamma-Empfindlichkeit schrittweise bis auf 0,5 % bis 0,7 % an, mehr ist aber nicht drin.

- Die Gamma-Empfindlichkeit eines Kontaminationsmessgerätes mit gasgefülltem Großflächendetektor ist sehr vom Zählgas abhängig und liegt zwischen 0,1 % (Propan-Butan) bis zu 1 % (Xenon). Für Photonenenergien < 150 keV kann die Empfindlichkeit bis zu etwa 5 % steigen (Xenon), z.B. bei gekapseltem Am-241 (59,5 keV). Bei den Szintillationsdetektoren des LB-124 Scint und CoMo-170 sieht dies besser aus; hier beträgt die Gamma-Empfindlichkeit für Photonen 700 keV (Mn-54) ca. 0,5 % (LB-124) und 1,2 % (CoMo-170). Der CoMo-170 ist hier besser, weil er für die Beta-/Gamma-Messung einen 2 mm dicken Plastikszintillator besitzt. Bei der Beta-Empfindlichkeit ist im Bereich > 150 keV kein signifikanter Unterschied zwischen den Geräten vorhanden, er liegt je nach Energie zwischen 25 % bis 45 %. Für Beta-Energien < 150 keV ist gemäß DIN 7503 ein Multiplikationsfaktor 2 zu berücksichtigen.

Dies zeigt, dass bei einem Spaltproduktgemisch mit gemischten Beta-/Gamma-Strahlern, wie bei einem radiologischen Notfall, der Einfluß der Gamma-Strahlung auf das Messergebnis vernachlässigt werden kann, zumal andere Einflüsse wie z.B. statistische Schwankungen und Messgeometrien einen größeren Einfluß auf das Ergebnis haben als der Gamma-Einfluß.
Somit kann man auch bei der Messung bzw. Kalibrierung mit der Pottasche, zumindest bei den kleinen Mengen, den Einfluß des 10,5 %-igen Gammaanteils der Gesamtzerfälle vernachlässigen.

Norbert